Donnerstag, 09. September 2010
China greift durch
Rohstoffpreise auf Talfahrt
Spekulationen um ein Vorgehen der chinesischen Regierung gegen illegale Fonds drückt die Kurse an den Rohstoffmärkten. Im Visier stehen vor allem die Entwicklungen am Gummi-Markt, doch auch bei Industriemetallen sinken die Kurse.
Spekulationen um ein Vorgehen der chinesischen Regierung gegen illegale Fonds haben am Donnerstag zu kräftigen Kursverlusten an den dortigen Rohstoffbörsen geführt. Die Behörden untersuchten vor allem die Entwicklungen am Gummi-Markt, sagte Analyst Wang Linling von Guantong Futures. Sein Kollege Garry Booth von MF Global betonte, nach den Eingriffen auf dem Immobilienmarkt seien dies weitere Bemühungen der chinesischen Regierung, ein Überhitzen der Konjunktur und ein Anziehen der Inflation zu verhindern.
Der an der Börse Shanghai gehandelte Januar-Kontrakt für Kautschuk brach um 4,2 Prozent ein, nachdem er zuvor noch ein neues 25-Monats-Hoch markiert hatte. Sojaöl verlor in der Spitze vier Prozent und Sojaschrot 3,5 Prozent. Die US-Futures auf Sojaöl notierten daraufhin 1,8 Prozent schwächer.
Auch bei den Industriemetallen gaben die Kurse in China kräftig nach. Kupfer, Zink und Aluminium verloren zeitweise 4,5 bis 5,5 Prozent. In ihrem Sog gaben auch die Preise an der London Metal Exchange nach. Kupfer und Aluminium verbilligten sich jeweils um rund zwei Prozent. Zink rutschte sogar um 3,6 Prozent ab.
Gold schnuppert an Rekordkursen
Der Goldpreis wurde hingegen von der anhaltenden Verunsicherung über die Aussichten für die Weltkonjunktur und die Spekulationen um einen möglichen zusätzlichen Kapitalbedarf gestützt. Das Edelmetall verteuerte sich leicht auf 1256 US-Dollar beziehungsweise 990,49 Euro je Feinunze und lag damit nur knapp unter den jeweiligen Rekordhochs vom Juni. "Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Gold in Dollar gerechnet neue Rekordhochs markiert", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. "Die Nähe zum Rekordhoch dürfte weitere Anleger anlocken."
Silber profitiere unterdessen von seiner Bedeutung in industriellen Produkten - zum Beispiel als bakterienabtötende Beschichtung - vom wirtschaftlichen Boom der Schwellenländer, hieß es weiter. Das Edelmetall kostete mit 19,88 US-Dollar ungefähr so viel wie zum Vortagesschluss, nachdem es im Tagesverlauf auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 20,14 Dollar gestiegen war.
Kaffee gibt ab
Nach dem 13-Jahreshoch vom Vortag verbilligte sich Kaffee der Sorte Arabica wieder etwas. Der Dezember-Kontrakt blieb mit 1,915 Dollar je Pfund aber in Reichweite der psychologisch wichtigen Marke von zwei Dollar. Er halte zwar einen kurzzeitigen Anstieg auf bis zu 2,02 Dollar durchaus für möglich, sagte ein Analyst. Die guten Ernten in Brasilien und Kolumbien sollten aber längerfristig auf die Preise drücken. Bislang hielten sich die Produzenten in der Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen mit Verkäufen noch zurück. Seit Jahresbeginn hat sich Arabica unter anderem aufgrund von Käufen spekulativ orientierter Anleger um gut 40 Prozent verteuert. Der Preis für Robusta-Kaffee stieg im gleichen Zeitraum gerade mal halb so stark.
Der Terminkontrakt auf Rohzucker legte unterdessen auf 21,68 US-Cent je Pfund zu und hielt sich knapp unter seinem Sechs-Monats-Hoch vom Vortag. Hier stützten Börsianern zufolge Spekulationen die Preise, dass es in der Saison 2010/2011 doch keinen Überschuss geben werde, sondern sich Angebot und Nachfrage die Waage hielten.
Der überraschende Rückgang der US-Lagerbestände haben dem Ölpreis derweil Auftrieb gegeben. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete mit 74,93 Dollar 0,4 Prozent mehr als am Mittwoch. Brent-Öl blieb fast unverändert bei 78,16 Dollar. "Sollte der vom API bekanntgegebene Rückgang durch die Zahlen des US-Energieministeriums bestätigt werden, würde dies die Marktstimmung für den Rest der Woche positiv beeinflussen", sagte Analyst Stefan Graber von der Credit Suisse in Singapur.
rts
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