Marktberichte
Von der kommenden Auktion spanischer Bonds erwarten Händler neue Impulse für den Devisenmarkt.
Von der kommenden Auktion spanischer Bonds erwarten Händler neue Impulse für den Devisenmarkt.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach Spanien ist vor Spanien: Euro sucht die Richtung

Der Euro pendelt um die Marke von 1,31 Dollar. Als Impulsgeber fungieren die Auktionen von Staatsanleihen. Und auch der Ifo-Geschäftsklimaindex wirft seine Schatten voraus.

Trotz fallender spanischerRenditen gibt der Euro am Mittwoch nach. Mit 1,3071US- Dollar tendiertdie Gemeinschaftswährung deutlich niedriger als im späten Handel in New York, als sie 1,3125 Dollar gekostet hatte.

Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf1,3093 festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7638 Euro. Zu anderen wichtigenWährungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,81915 britischePfund, 106,64  japanische Yen und 1,2032 SchweizerFranken fest.

Spanien im Fokus

Dabei schien sich an denRentenmärkten zumindest bei den spanischen Anleihen am Tag vor einer als besonderswichtig eingestuften Anleihe-Auktion eine Entspannung abzuzeichnen. Die Renditenspanischer Papiere gaben nach. Im zehnjährigen Bereich rutschten sie bis auf 5,733Prozent von 5,9 Prozent am Vorabend.

Spanien will erstmals seit Oktober zehnjährige Anleihen begeben.Zudem werden zweijährige Papiere feilgeboten. Das Volumen wird insgesamt mit biszu 2,5 Mrd. Euro aber nicht sehr hoch sein. Ohnehin hat das Land bereits einen großenTeil der für 2012 geplanten Kapitalaufnahme bewältigt. Daher sei selbst ein geringeresVolumen kein Problem, heißt es am Markt.

Analysten zufolge befindet sich die Gemeinschaftswährung derzeit im "Abwarte-Modus". Nach Einschätzung der Commerzbank ist die Nervosität der Anleger mit Blick auf die angespannte Lage an den Anleihenmärkten in Spanien und Italien wieder etwas abgeflaut. Von einer Entwarnung kann aber keine Rede sein: Mit der Auktion zehnjähriger spanischer Anleihen stehe ein wichtiger Lackmustest an, der dem Markt noch "sauer aufstoßen" könnte, warnte Commerzbank-Expertin Carolin Hecht. Bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse der Spanien-Auktion dürften sich die Anleger am Devisenmarkt zurückhalten. "Diese Auktion länger laufender Schuldtitel ist entscheidend und wird ein genaueres Bild der Stimmung zeichnen", sagt Nicholas Spiro von Spiro Sovereign Strategy.

Das Land ist zuletzt wieder ins Visier der Märkte geraten und musste Investoren für frisches Geld höhere Zinsen zahlen. Im Blick behielten die Anleger aber auch den Ifo-Index am Freitag. Nach den jüngst schwachen deutschen Industriedaten erscheint es laut Hecht noch fraglich, ob der Ifo ähnlich positiv überrascht wie der ZEW-Index am Dienstag.

Monti ändert Prognose

Derweil könnte nun auchItalien wieder stärker in den Fokus der Anleger rücken: Die Regierung von MinisterpräsidentMario Monti rechnet nicht mehr damit, im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushaltvorlegen zu können. Die Regierung in Rom hob am Mittwoch die Prognose für das Haushaltsdefizitgemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2013 auf 0,5 Prozent von zuvor 0,1 Prozentan. Zugleich rechnet die Regierung damit, dass die Wirtschaftsleistung in diesemJahr stärker schrumpfen wird als bislang befürchtet. Allerdings hob sie aber dieBIP-Prognose für 2013 leicht an. Doch die Kurse der zehnjährigen italienischen Anleihenzogen auf 5,52 Prozent an, am Vorabend hatten sie bei 5,48 Prozent gelegen.

Der Bund nahm unterdessenbei der Auktion kurzlaufender Bonds 4,2 Milliarden Euro auf und musste dafür nurnoch einen Mini-Zins von 0,14 Prozent berappen. "Die Investoren haben immernoch Angst", erklärt ein Händler.

Devisenhändler in Londonführen den leichten Abschlag beim Euro auch auf die Forderung des französischenPräsidenten Nicolas Sarkozy nach einem schwächeren Außenwert des Euro zurück. "Dassollte man nicht überbewerten, schließlich ist in Frankreich Wahlkampf", meintein Händler in Frankfurt. Sarkozy tritt am Wochenende zur ersten Runde der Präsidentenwahlenan. Er liegt in Umfragen hinter dem sozialistischen Herausforderer Francois Hollande.

Spekulationen rund um dieGeldpolitik sorgten aber beim Yen und Pfund Sterling für Kursbewegung: So holteder Dollar zum Yen wieder auf und kletterte auf 81,37 Yen von 80,86 Yen am Vorabend.Händler machen dafür die Aussicht auf eine weitere Lockerung der japanischen Geldpolitikverantwortlich.

Schwindende Spekulationenauf eine weitere Lockerung der britischen Geldpolitik geben dem Pfund Sterling dagegenneuen Schub. Dem Protokoll der April-Sitzung der Bank of England (BoE) zufolge istdas Risiko gewachsen, dass die derzeit hohe Inflation in Großbritannien mittelfristigbestehen bleibt. Damit rücke eine weitere Lockerungsrunde in weitere Ferne, erklärtenBörsianer. Der Euro bröckelt bis auf 0,8178 Pfund ab und tendiert damit so niedrigwie zuletzt Ende August 2010.

Quelle: n-tv.de