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Angst vor Herabstufungswelle : Euro macht die Grätsche

Die Furcht vor einer Verschärfung der Schuldenkrise sorgt für Verkaufsstimmung an den europäischen Finanzmärkten. Auslöser sind Spekulationen auf eine unmittelbar bevorstehende Herabstufung mehrerer Euro-Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's. Enttäuscht ist der Markt auch von der italienischen Bondauktion.

Aus Angst vor einer bevorstehenden Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euroländer haben Investoren der Gemeinschaftswährung den Rücken gekehrt. Der Euro rutschte am Freitagnachmittag bis auf 1,2623 Dollar ab und lag damit mehr als zwei US-Cent unter seinem Tageshoch. Auch die Aktienmärkte gerieten verstärkt unter Druck. Der als sicherer Hafen gefragte Bund-Future stieg im Gegenzug um 1,06 Punkte auf ein Rekordhoch von 140,22 Zählern.

Nach Angaben aus europäischen Regierungen mussten mehrere Euro-Länder noch am Freitag mit einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch Standard & Poor's (S&P) rechnen. Welche Länder betroffen sein würden, war zunächst unklar. Den informierten Kreisen zufolge soll Deutschland aber nicht darunter sein. In den Handelsräumen wurden Frankreich, Spanien, Italien, Belgien und Portugal als mögliche Kandidaten herumgereicht. S&P lehnte einen Kommentar zu den Spekulationen ab.

Vor allem die Renditen der französischen, belgischen und spanischen Anleihen zogen in Reaktion auf die Schlagzeilen spürbar an. "Über entsprechende Herabstufungen wird schon seit geraumer Zeit spekuliert, aber wenn das Gerücht konkret wird, gibt es natürlich eine Reaktion darauf", sagte Investmentstratege Tim Ghriskey von Solaris Asset Management.

Europa kalt erwischt?

Am Morgen waren sich Marktteilnehmer noch einig, dass der Markt deutlich zuversichtlicher für die Euro-Krise sei. "Nach den sehr erfolgreichen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember, besonders dem Dreijahrestender, hat sich der Markt deutlich entspannt", sagte etwa Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Rentenfondsteams des Vermögensverwalters BlackRock. Bisher stelle der Markt EZB-Präsident Mario Draghi gute Noten für sein Krisenmanagement aus. Die zweijährigen spanischen Finanzierungszinsen hätten sich seit dem Hoch halbiert. Die belgischen zweijährigen Finanzierungskosten seien sogar von über 5 Prozent auf 2 Prozent gefallen.

Die Spekulationen über eine Herabstufungswelle untergraben diese Hoffnungen. Nach Angaben eines Händlers griff auch die EZB wieder bei italienischen und spanischen Staatsanleihen zu.  "Wir haben die EZB im Markt gesehen. Gekauft wurden fünfjährige Staatstitel aus Italien und sechsjährige Papiere aus Spanien", sagte der Händler. Die Renditen dieser Staatsanleihen waren stark gestiegen, nachdem aus Kreisen der Europäischen Union verlautete, dass eine Bonitätsabstufung von mehreren Euroländern durch die S&P unmittelbar bevorstehe.

Italienische Auktion enttäuscht

Die Anleger hatten sich bereits nach der nicht ganz so starken Nachfrage nach dreijährigen Italien Bonds aus dem Markt zurückgezogen. Die Erwartungen der Investoren an die Auktion hatten sich nach dem Erfolg des Vortages als zu hoch erwiesen. Die Renditen italienischer Zehnjähriger stiegen. Der als sicherer Hafen gern nachgefragte Bund-Future stieg zeitweise um 70 Ticks auf ein Rekordhoch von 139,86 Zählern.         

"Einige hatten nach dem Super-Auftakt gestern wohl auf eine ähnliche Überraschung gehofft", sagte ein Händler. "Diese Erwartungen wurden jetzt enttäuscht, aber alles in allem kann die Auktion als Erfolg gewertet werden."           

Die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihen zog bis auf 6,629 Prozent an. Im Handelsverlauf war sie zuvor zeitweise unter 6,5 Prozent gerutscht. Am Mittwochabend - also vor den ersten Auktionen - hatte sie noch über sieben Prozent gelegen.          

Rom hat mit dreijährigen Papieren 4,75 Mrd. Euro eingesammelt und muss dafür mit 4,83 (Dezember: 5,62) Prozent nicht mehr ganz so viel Zinsen zahlen wie zuletzt. Die Nachfrage war allerdings niedriger als bei der letzten vergleichbaren Auktion, was am Markt enttäuschte. "Das Ergebnis der Auktionen haut einen nicht gerade vom Stuhl - vor allem, wenn man es mit der spanischen Emission gestern vergleicht", sagte Analyst Alessandro Giansanti von der ING. "Aber immerhin bestätigt sich der Trend nachgebender Renditen, und das ist positiv - genauso wie der Umstand, dass die angepeilte Summe auch tatsächlich eingesammelt werden konnte."            

Das wegen hoher Schulden unter Druck stehende Italien hatte am Donnerstag bereits zwölf Mrd. Euro eingenommen. Spanien erhielt mit zehn Mrd. Euro doppelt so viel Geld wie geplant, was dem Euro deutlich Auftrieb gegeben hatte.   

Quelle: n-tv.de

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