Alle blicken auf die EZB: Euro gibt nach
Wird die EZB hinsichtlich der Eindämmung der Euro-Krise bald aktiv? An den Finanzmärkten rechnet man damit. Der Euro sackt gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Vortagesschluss ab.
Die Hoffnung auf Käufe spanischer Anleihen durch dieEZB hat den Bonds am Freitag erneut Auftrieb gegeben. Vor allem Investoren, dieauf fallende Kurse gewettet hätten, deckten sich wieder ein, sagte Peter Schaffrik,Chef-Zinsstratege von RBC Capital Markets. Angesichts der nahenden EZB-Ratssitzungfürchteten sie, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.
EZB-Chef Mario Draghi will Anfang September Details zuden in Aussicht gestellten Hilfen für kriselnde Euro-Staaten bekanntgeben. Analystengehen davon aus, dass die EZB kurz darauf mit Käufen spanischer Papiere beginnt.Außerdem sagen sie eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte auf rekordniedrige0,5 Prozent voraus.
Die Rendite der zweijährigen spanischen Bonds ging amFreitag auf 3,766 Prozent zurück. Damit lag sie nur noch etwa halb so hoch wie nochvor drei Wochen. Bei den zehnjährigen Titeln lag die Rendite mit 6,503 Prozent mehrals zwei Prozentpunkte unter dem Rekordhoch. Der Bund-Future setzte unterdessenseinen Erholungskurs fort und legte 15 Ticks auf 141,93 Punkte zu.
Unterstützung erhielten die Anleihen der Euro-Peripheriestaatenauch vom erneuten Bekenntnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Euro. Anlegerwerteten ihre Aussagen als Rückendeckung für die EZB-Pläne zur Unterstützung vonKrisen-Staaten. "Merkels Kommentare haben den Märkten Hoffnung gegeben",sagte ein Börsianer.
FinnischerQuerschläger
Für Verunsicherung sorgte dagegen die Debatte um einenmöglichen Zerfall der Währungsunion. Bei der finnischen Regierung liegt bereitsein "Handlungsplan für jede Eventualität" in der Schublade. FinnlandsAußenminister Erkki Tuomioja rief die anderen Euro-Staaten in einem Zeitungsinterviewdazu auf, dem Beispiel seines Landes zu folgen und ebenfalls Vorbereitungen zu treffen.Der Sozialdemokrat ruderte aber später wieder zurück.
Österreichs Vizekanzler MichaelSpindelegger dringt sogar auf eine Handhabe zum Rauswurf von Mitgliedern der Euro-Zone- und ruft damit selbst beim eigenen Regierungschef Widerspruch hervor. Polen ermahnteunterdessen die Euro-Staaten, den Bestand der gesamten Europäischen Union nichtzu gefährden. Der Euro rutschte wieder unter die Marke von 1,23 US-Dollar, nach1,2356 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.
Quelle: n-tv.de