Sonntag, 05. Februar 2012
Die letzten Tage waren gut für den Euro. Eine greifbar nahe Einigung in Griechenland zwischen Regierung und den Gläubigerbanken hat geholfen. Auch problemlos verlaufende Auktionen haben zur Entspannung in der Eurozone beigetragen. Neue Nahrung für die Euro-Bullen hat die US-Notenbank geliefert. Deren Chairman Ben Bernanke hat angekündigt, dass die Leitzinsen nun bis mindestens Ende 2014 nahe der Nulllinie verharren werden. Bislang war nur von Mitte 2013 die Rede. Das Geld bleibt also auf Jahre hinaus billig.
Eine Einigung in Griechenland wird die Einheitswährung vermutlich weiter antreiben. Und dennoch bleibt ein schales Gefühl zurück. Der Dax hat seit Jahresbeginn um mehr als 10 Prozent zugelegt, der Euro von den Januartiefs aber nicht einmal die Hälfte. Warum ist das so? Ein Hauptgrund liegt darin, dass die Entspannung in der Eurozone vor allem auf eine extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen ist. Die Banken haben bei dem erstmalig begebenen Dreijahrestender im Dezember fast 500 Mrd. Euro abgefragt.
Ein Teil dieses Geldes ist in die Anleihemärkte der Peripherie geflossen und hat diese stabilisiert. Im Februar folgt das nächste Geschenk der EZB in Form eines weiteren Dreijahrestenders. Quantitative Lockerung durch die Hintertür nennen das einige Marktbeobachter. Aber mit der Politik des Gelddruckens schlägt die EZB den gleichen Pfad wie die Fed ein - trotz der damit verbundenen mittelfristigen Inflationsgefahren. Und die EZB könnte in diesem Abwertungswettlauf beider Notenbanken noch mehr Boden gut machen.
Denn die EZB wird auf absehbare Zeit expansiver bleiben müssen als die Fed. Die EZB wird gleich von zwei Seiten in die Zange genommen: durch die Schuldenkrise in der Eurozone und die drohende Rezession in der Peripherie. Und die Schuldenkrise wird auch auf dem EU-Gipfel in der kommenden Woche nicht gelöst werden. Hier dürfte es vor allem darum gehen, den beschlossenen Fiskalpakt in eine konkretere Form zu gießen. Allerdings warnt die Commerzbank bereits vor Verwässerungen durch Ausnahmeregelungen bei Defiziten und Schuldenbremsen.
Auch sollten sich die Anleger darüber im Klaren sein, dass eine Einigung zwischen Banken und griechischer Regierung nicht automatisch die Rettung des Landes bedeutet. Denn Zweifel sind angebracht, ob mit einem Schuldenschnitt die Schuldenlast Griechenlands ausreichend verringert wird, um das langfristige Überleben zu sichern. Auch rückt mit Portugal ein anderes Krisenland in den Fokus der Finanzmärkte. Neue Rekordstände bei Risikoprämien legen nahe, dass auch hier eine Restrukturierung in Zukunft droht. Laut ING wird aktuell ein Schuldenschnitt von 40 Prozent eingepreist.
Vermutlich wird die EZB also auch in Zukunft viel Geld drucken müssen, um das Schlimmste, sprich ein Auseinanderbrechen der Eurozone, zu verhindern. Auch weitere Zinssenkungen Richtung 0,50 Prozent von nun 1 Prozent sind leicht vorstellbar. Da ist die Federal Reserve in einer sehr viel komfortableren Lage. Den USA drohen aktuell keine Rezession, und das dortige Finanz- und Bankensystem ist sehr viel stabiler als das europäische.
Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal annualisiert um 2,8 Prozent gewachsen. Davon kann die Eurozone derzeit nur träumen. Auch die in der kommenden Woche anstehenden US-Daten dürften das Bild einer sich bessernden Wirtschaft unterstreichen. Beim ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe wird im Schnitt mit einem Anstieg auf 54,5 im Januar von 53,9 Punkten gerechnet. Beim Pendant für das nicht-verarbeitenden Gewerbe wird mit ein Anstieg auf 53,2 von 52,6 erwartet. Derweil soll die Zahl der Beschäftigten in den USA im Januar um rund 150.000 gestiegen sein.
Keine Frage: Die Fed hätte gerne ein stärkeres Wachstum und eine schnellere Erholung am Arbeitsmarkt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Notenpressen in der Eurozone bis auf weiteres schneller laufen werden. Und das spricht für einen schwächeren Euro in den kommenden Monaten, zumindest gegen den Dollar. Charttechnisch hat der Euro noch ein bisschen Luft nach oben, dann dürfte es wieder nach unten gehen. Ein Fall bis in den Bereich von 1,20 zur Jahresmitte ist nicht auszuschließen.
Manuel Priego-Thimmel, DJ