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Donnerstag, 09. März 2017

Preisrutsch bei Öl: Draghi? Dax zieht kurz über 12.000

Der Dax braucht lange, um sich in positives Terrain vorzuarbeiten. Am Ende knackt er die Marke von 12.000 Punkten, kann sie aber nicht halten. Wall Street-Gewinne stützen, ein anziehender Euro belastet.

Es hätte ein denkwürdiger Handelstag werden können, wenn der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, das Ende der Anleihekäufe eingeläutet hätte. Er tat es nicht, im Gegenteil. Auch weiterhin will sich die Zentralbank alle geldpolitischen Maßnahmen offen halten. Den Dax ließ das überwiegend kalt, die Anleger griffen erst nach einer positiven Handelseröffnung in den USA auch hierzulande zu Aktien. Allerdings machte ein erstarkter Euro die 12.000er Marke am Ende zunichte.

Der Dax schloss 0,1 Prozent fester bei 11.978 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 11.918 Zählern, das Tageshoch bei 12.025 Stellen. Der Leitindex war am Montag leicht schwächer aus dem Handel gegangen, am Dienstag hatte er dann einen Gewinn verbucht, zur Wochenmitte erneut einen Mini-Aufschlag. Der MDax verabschiedete sich 0,2 Prozent fester mit 23.285 Punkten aus dem Handel. Der TecDax gab allerdings 0,3 Prozent auf 1949 Zähler ab.

Konjunktur: EZB sieht's locker

Trotz gestiegener Inflation bleibt die EZB bei ihrer Nullzinspolitik. Auch EZB-Chef Draghi konnte die Börsen nicht überraschen. Er ist zwar für die Konjunktur etwas optimistischer und hat die Wachstumsprognosen leicht nach oben genommen. Das war allerdings erwartet worden. "Draghi hat keinen Handlungsdruck", kommentierte ein Marktteilnehmer.

Die EZB stellt sich zudem nicht auf eine grundlegende Veränderung des mittel- bis langfristigen Inflationsausblicks ein und hält eine "sehr substanzielle akkommodierende" Geldpolitik weiterhin für angemessen. "Eine sehr substanzielle geldpolitische Akkommodation ist notwendig, damit sich der Inflationsdruck im Euroraum aufbauen und die Gesamtinflation mittelfristig stützen kann", sagte Draghi.

Sollte es zum Erreichen seines Ziels notwendig sein, werde der EZB-Rat alle innerhalb seines Mandats verfügbaren Instrumente nutzen, so Draghi weiter. Sollte sich etwa der Ausblick eintrüben oder sollten die finanziellen Rahmenbedingungen nicht mehr mit dem Ziel übereinstimmen, eine nachhaltige Anpassung des Inflationspfads zu erreichen, werde die EZB Dauer und/oder Volumen ihres Anleihekaufprogramms erhöhen.

Gleichzeitig deuteten anhaltend gute Konjunkturdaten aus den USA auf eine baldige Zinsanhebung hin. Die globalen Anleiherenditen notierten auf einem Zweiwochenhoch. Das erhöht laut Beobachtern zudem den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die US-Zinsen zu erhöhen. Eine Anhebung im März sei bereits zu 100 Prozent in den Kursen eingepreist, hieß es von Handelsseite.

Dax: Von Banken und Versorgern

Von steigenden Zinsen profitieren vor allem Bankaktien, die bei einer steileren Zinskurve bessere Geschäfte machen. Zinssensible Sektoren wie beispielsweise Versorger gerieten unter Druck, so ein Händler. Genau das sagten die Kurse von Deutscher Bank sowie Eon am Donnerstag aus. Deutsche Bank erholten sich weiter, legten 1,2 Prozent zu. Wie es hieß, haben Katar und der chinesische Aktionär HNA ihre Teilnahme an der Kapitalerhöhung zugesagt. Möglicherweise wollen sie über diese sogar ihre Anteile ausbauen. Die Ankündigung der acht Milliarden schweren Kapitalerhöhung hatte den Kurs der Aktien an zwei Tagen deutlich nachgeben lassen.

Eon verloren rund 0,5 Prozent.  Das "Handelsblatt" schrieb unter Berufung auf das "Konzernumfeld", der Nettoverlust könnte die Erwartung der Deutschen Bank von 12,4 Milliarden Euro Minus sogar noch übertreffen. "Da wird 'Kitchen Sinking' betrieben", sagte ein Händler. Eon mache mit den Wertberichtigungen ernst, somit könnte das Zahlenwerk zum "Befreiungsschlag" werden. Nach dem Rückzug aus dem Atomgeschäft und den fossilen Energien könnte Eon aber auch zum Übernahmekandidaten werden.

Linde lagen lange im Plus, schlossen dann aber leicht im Minus. "Die Geschäftszahlen liegen auf breiter Front leicht über den Erwartungen", so ein Händler zu Umsatz- und Gewinnkennziffern. Der Ausblick sei "in line" ausgefallen. "Wichtig sind die Aussagen, nach denen die Fusion mit Praxair im Zeitplan liegt", sagte der Marktteilnehmer. Daran seien zuletzt Zweifel aufgekommen. "Die Klarstellung sollte dem Kurs helfen", ergänzte er.

Gewinnmitnahmen sahen Händler bei Merck KGaA, der Kurs sackte etwa 2,5 Prozent ab. "Der Ausblick ist sehr vorsichtig", sagte ein Marktteilnehmer. Bei leichtem organischen Umsatzwachstum rechnet Merck mit einem stabilen EBITDA vor Sondereinflüssen. "Angesichts des kräftigen Kursanstiegs der vergangenen Wochen ist das vermutlich zu wenig", kommentierte ein Marktteilnehmer. Die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr bewegten sich nahe an den Erwartungen.

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Adidas verteuerten sich 1,5 Prozent. Die Titel waren zur Wochenmitte Topgewinner im Leitindex. Sie hatten nach einem überraschend positiven Ausblick mehr als 9 Prozent zugelegt.

MDax: Medien satt

Hugo Boss verabschiedeten sich rund 1 Prozent fester aus dem Handel. "Der Ausblick ist wie erwartet vorsichtig und die Dividende im erwarteten Rahmen", sagte ein Händler. Letztere wurde gegenüber dem Vorjahr um rund 1 Euro zusammengestrichen auf 2,60 Euro. Beim Ausblick erwartet der Modekonzern ein EBITDA auf Vorjahresniveau mit einer Bandbreite von plusminus 3 Prozent. "Das ist eigentlich nicht schlecht, weil es bestätigt, dass das Übergangsjahr 2017 auch wirklich eine Bodenbildung darstellt", so der Marktteilnehmer.

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RTL-Anteilsscheine sprangen mehr als 2 Prozent an. Europas größte Senderkette hatte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr auch dank eines starken vierten Quartals gesteigert. Dabei profitierte die Bertelsmann-Tochter vom deutschen Fernsehgeschäft und dem Wachstum im Digitalgeschäft. Auch der operative Gewinn legte zu, während das Nettoergebnis wegen höherer Steueraufwendungen sank. Den Aktionären will RTL dennoch eine stabile Dividende von insgesamt 4,00 Euro je Anteilsschein zahlen.

Uniper verteuerten sich mehr als 2 Prozent. "Die Geschäftszahlen liegen leicht über den Erwartungen", sagte ein Händler. Der Ausblick auf ein Ebit von 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro zeige gemessen an den Analystenschätzungen von gut 960 Millionen Euro Potenzial. Die Dividendenrendite sei mit knapp 4 Prozent attraktiv.

Als "tendenziell gut" wurden die Geschäftszahlen von Axel Springer am Markt bewertet, die Titel sprangen rund 3 Prozent an. "Vor allem die Margenstärke überrascht", sagte ein Händler. Das sei an der Börse zuletzt immer mit Kursgewinnen honoriert worden. Allerdings sei der höher als erwartet ausgefallene Gewinn bei einem unter Erwartung liegenden Umsatz erzielt worden.

SDax: BVB-Feiertag

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BVB-Aktien schlossen 0,4 Prozent im Plus, nachdem sie im Handelsverlauf zeitweise 1,5 Prozent höher gelegen hatten. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Der BVB hatte den Einzug ins Viertelfinale der Champions League nach dem Sieg über Benfica Lissabon perfekt gemacht. "Die Hinspielniederlage hatte das Sentiment für die Aktie belastet", sagte ein Händler. Mit dem Einzug habe sich der Verein nun weitere Millionen-Einnahmen gesichert.

TecDax: Morphosys "grob in line"

Als "insgesamt grob in line" wurden die Geschäftszahlen von Morphosys im Handel bezeichnet, die Papiere gewannen etwa 0,7 Prozent. "Die Aktie reagiert aber eher zufällig auf die regulären Zahlenvorlagen", kommentierte ein Händler: "Im Fokus stehen nur Meilensteinaussagen oder solche zu Studien, wie letzte Woche die vom Forschungspartner Roche."

USA: Zurückhaltung pur

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Abwartend präsentierten sich die Aktienkurse an der Wall Street. Während übergeordnet die Blicke weiter auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag und die Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche gerichtet waren, stand auch das Treffen der Europäischen Zentralbank im Blickpunkt. Hinzu kam der neuerliche Einbruch der Ölpreise. WTI rutschte klar unter die Marke von 50 Dollar und zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand in diesem Jahr.

Die US-Konjunkturdaten des Tages brachten derweil kaum Bewegung in den Markt. In den USA sind in der vergangenen Woche etwas mehr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden, als Volkswirte prognostiziert hatten. Allerdings blieb die Zahl auf einem Niveau, das einen ungebrochen starken Arbeitsmarkt zeigt. Zudem war in der Vorwoche der tiefste Stand seit 44 Jahren registriert worden. Die US-Importpreise sind im Februar um 0,2 Prozent gestiegen. Ökonomen waren im Konsens von einem Anstieg um 0,1 Prozent ausgegangen.

Der Dow-Jones-Index schloss kaum verändert bei 20.858 Punkten. Der S&P-500 gewann 0,1 Prozent, während sich der Nasdaq-Composite wenig verändert zeigte.

Bei den Einzelwerten stiegen etwa Papiere des Versicherers AIG rund 1 Prozent. Konzernchef Peter Hancock zieht sich nach einem verlorenen Machtkampf gegen den Investor Carl Icahn zurück. Icahn will AIG aufspalten, Hancock nicht.

Rohstoffe: WTI unter 50 Dollar

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Der Ölpreis brach nach anfänglichen Gewinnen deutlich ein. Bereits am Vortag war es nach rekordhohen US-Lagerbeständen kräftig nach unten gegangen. "Die Spekulation auf steigende Preise war sehr hoch", sagt ein Teilnehmer. Sie sei nun zusammengebrochen und daraus resultiere der starke Abgabedruck.

Die US-Rohölproduktion stieg in der Vorwoche laut am Mittwoch veröffentlichter Daten des US-Energieministeriums zudem auf knapp 9,1 Millionen Barrel pro Tag. Das sei das höchste Niveau seit über einem Jahr, kommentierten die Analysten der Commerzbank. Laut aktueller Schätzung der US-Energiebehörde dürfte diese weiter steigen und Ende 2018 die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag erreichen.

Für WTI ging es um 2 Prozent auf 49,28 Dollar nach unten. Brent ermäßigte sich um 1,7 Prozent auf 52,19 Dollar.

Zinsspekulationen ließen den Goldpreis abermals nachgeben. Der Preis für die Feinunze fiel zum Settlement um 0,5 Prozent auf 1203,20 Dollar und pendelte im nachfolgenden elektronischen Handel um diese Marke.

Devisen: Euro zieht deutlich an

Der Euro profitierte von der optimistischeren Konjunktureinschätzung der EZB. Im späten US-Handel notierte der Euro bei rund 1,0580 Dollar. Vor Beginn der Draghi-Aussagen hatte die Gemeinschaftswährung noch bei rund 1,0550 Dollar gelegen. Zeitweise war ein Euro sogar deutlich mehr als 1,06 Dollar wert. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0551 Dollar fest nach 1,0556 Dollar zur Wochenmitte.

Bewegung kam in den Handel zwischen Euro und Dollar vor allem am Nachmittag. Nach ihrer turnusmäßigen Zinssitzung teilte die EZB mit, ihre extrem lockere Geldpolitik werde fortgesetzt. Allerdings gab sie sich mit Blick auf die Konjunkturaussichten optimistischer. Risiken seien zwar weiterhin vorhanden, allerdings nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor einigen Monaten, sagte EZB-Chef Draghi.

Asien: Uneinheitlich

An den ostasiatischen Aktienmärkten war am Donnerstag keine einheitliche Tendenz feststellbar. Der Shanghai Composite gab 0,7 Prozent auf 3217 Zähler ab. Der Tokioter Nikkei-Index zog 0,3 Prozent auf 19.319 Punkte an. Händler begründeten die moderaten Aufschläge mit der Abschwächung der Landeswährung Yen, die Exporte verbilligt.

Bei den Einzelwerten brachen die Aktien von Toshiba rund 6 Prozent ein. Die US-Problemsparte Westinghouse des angeschlagenen japanischen Industriekonzerns hat nach Informationen von Insidern Fachanwälte für Insolvenzrecht hinzugezogen.

Quelle: n-tv.de

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