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Neuer Mann an der Spitze der Wirtschaftsmacht USA: An der New Yorker Börse verfolgen Händler die Amtseinführung von Donald Trump.
Neuer Mann an der Spitze der Wirtschaftsmacht USA: An der New Yorker Börse verfolgen Händler die Amtseinführung von Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Freitag, 20. Januar 2017

Dax knapp unter Jahreshoch: Dow klettert zum Trump-Amtsantritt

Die Woche klingt aus, wie sie begonnen hat: mit einem Dax auf Richtungssuche. Er knackt die 11.600er Marke, fällt dann wieder darunter, kämpft sich erneut zurück. Und über allem schwebt die Amtseinführung von Donald Trump.

"Hoch die Hände, Wochenende!" Mit diesem Kommentar zur Lage am deutschen Aktienmarkt hat n-tv-Börsenexperte Frank Meyer bereits am Freitagmittag aufgewartet. Am Nachmittag zog der Dax dann aber doch noch einmal leicht an, stieg bis auf sein Tageshoch von 11.637 Punkten und lag damit nur noch 55 Zähler unter seinem bisherigen Jahreshoch. Danach ging es für den Leitindex wieder runter.

"Der Dax spielt Ping-Pong zwischen 11.400 und 11.600 Punkten", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. All das konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das eigentliche Tagesthema - die Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident - lautete.

Trumps Amtseinführung im n-tv Liveticker und im n-tv Livestream

Der Dax schloss 0,3 Prozent im Plus bei 11.630 Punkten. Während der Leitindex zur Wochenmitte 0,5 Prozent zugelegt hatte, war er am Donnerstag unverändert aus dem Handel gegangen. Der MDax gewann 0,1 Prozent auf 22.645 Zähler. Der TecDax zeigte sich kaum verändert mit 1836 Stellen.

Konjunktur: Und dann kommt Trump ...

Das einzig wirklich bestimmende Thema zum Ende der Handelswoche war die Antrittsrede von Trump am Abend - allerdings erst nach Handelsschluss in Deutschland und Europa. Dementsprechend verhalten zeigten sich die Anleger. Nach den Vorschusslorbeeren der vergangenen Wochen ging die Sorge um, Trump könnte nicht halten, was die Börsen mit der Rally seit seinem überraschenden Wahlsieg bereits vorweggenommen haben.

"Wir befinden uns in einer Übergangsphase, in der die Hoffnungen in den Hintergrund treten und die Investoren auf Fakten warten", sagte Investmentstratege Jimmy Chang von Rockefeller & Co. In diesem Umfeld agierten die meisten Akteure an den Märkten sehr vorsichtig.

"Noch steht Börsenampel auf Grün ..."

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Um sich als starker Präsident zu präsentieren, werde Trump voraussichtlich umgehend konkrete Konjunkturprogramme ankündigen, sagte Martin Moryson, Chef-Volkswirt des Bankhauses Sal. Oppenheim. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen. "Auch Trump kann nicht zaubern. Ohne Zustimmung des Kongresses sind Steuererleichterungen und Infrastrukturmaßnahmen nicht möglich. Die Umsetzung wird dauern und vor allem: Er wird deutliche Abstriche machen müssen."

"Die ersten zwei Wochen nach der Inauguration eines US-Präsidenten sind an den Börsen eigentlich und statistisch positiv. 2017 wartet jedoch die Blackbox Donald Trump", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Für die einen ist er der Heilsbringer mit Trumponomics, für andere eine große Gefahr. Man muss erstaunt sein, wie wenig Risiko die Investoren bisher auf Trump einpreisen." Saurenz warnte: "Die Aktienampel steht noch auf grün, doch sie kann schnell auf gelb oder rot kippen. Sehr schnell."

Marktanalysten halten die Situation trotzdem weiterhin für vielversprechend: "Der Dax könnte erneut Richtung Jahreshoch bei 11.692 Punkten vorstoßen", sagte Thomas Bopp vom Magazin Traders'. "Dann muss man weiter sehen." Ein neues Jahreshoch würde als weiteres Kaufsignal voraussichtlich Anschlusspotenzial eröffnen.

USA: New York blickt nach Washington

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Die US-Börsen haben am Tag der Amtseinführung von Donald Trump zugelegt. Inmitten der Fahrt aufnehmenden Berichtssaison kletterte der Dow-Jones-Index um 0,48 Prozent auf 19.827,25 Punkte. Nach zuletzt fünf schwächeren Handelstagen erholte er sich damit etwas, obwohl der neue US-Präsident Trump bei seiner ersten Rede die erhofften Details zu seiner Wirtschaftspolitik schuldig blieb. Im Wochenvergleich hat der Leitindex knapp 0,3 Prozent an Wert verloren.

Auch für die übrigen Indizes ging es am letzten Handelstag der Woche nach oben: Der marktbreite S&P 500 rückte am Ende um 0,34 Prozent auf 2271,31 Punkte vor. Der Nasdaq 100 setzte seine jüngste Rekordjagd zunächst mit einem anfänglichen Sprung über 5080 Punkte fort, verlor dann aber an Dynamik. Am Ende gewann der Auswahlindex der Technologiewerte dann noch 0,24 Prozent auf 5063,20 Zähler.

Im Mittelpunkt des Handels stand auch in New York die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten inklusive der mit Spannung erwarteten Antrittsrede. Die Anleger hofften dabei auf mehr Klarheit über Trumps Versprechen hinsichtlich Steuersenkungen, Deregulierungen und Infrastrukturprogrammen, die in den vergangenen Wochen die US-Börsen auf Rekordhöhen getrieben hatten.

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"Alle Augen werden auf Inhalt und Art der Antrittsrede gerichtet sein", hatte Aktienstratege Hans Redeker von der Großbank Morgan Stanley im Vorfeld erklärt. "Je präsidialer die Rede herüberkommt, umso besser ist das für die Märkte." Tatsächlich blieb sich Trump in der Ansprache treu und behielt Beobachtern zufolge vor allem jenen Tonfall vollmundiger Ankündigungen bei, mit denen er bereits im Wahlkampf große Wirkung erzielen konnte. Außer dem protektionistischen Motto "America first" sei der Rede wenig Erhellendes zu entnehmen gewesen, hieß es.

Nach den Vorschusslorbeeren an den Aktienmärkten ging zuletzt immer mehr die Sorge um, Trump könnte nicht halten, was sich die Börsen erhofft haben. Jedoch sei die Furcht vor einer Korrektur nicht mehr so groß. Denn viele dieser mit der Wahl Trumps aufgesetzten Transaktionen am Aktienmarkt seien zuletzt bereits zurückgedreht worden, hieß es im Handel.

"Anleger achten bei der Trump-Rede auf Indikationen, an welcher Stelle die Wirtschaft auf seiner Prioritätenliste landet und welche politischen Veränderungen zuerst durchgeführt werden", sagt Marktstratege Colin Cieszynski von CMC Markets. Letztlich stünden nicht mehr Spekulationen über Trumps Politik im Fokus, sondern das, was er wirklich vorhabe oder eben auch nicht.

Bei den Einzelwerten stand General Electric mit einem Abschlag von knapp 2,2 Prozent im Vordergrund. Der Siemens-Rivale konnte seinen Quartalsgewinn zwar um 35,7 Prozent steigern. Mit einem Umsatzschwund von 2,4 Prozent enttäuschte er jedoch die Anleger.

Die Papiere von Bristol-Myers Squibb sackten um rund 11,3 Prozent ab. Der Pharmakonzern verzichtete zum Unmut der Investoren auf einen Eilantrag zur Zulassung einer Kombination aus zwei Immuntherapie-Mitteln zur Behandlung von Lungenkrebs.

Dax: Und immer wieder VW

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In Deutschland profitieren Bayer von einer Kaufempfehlung von Jefferies und legten 0,4 Prozent zu. Das US-Brokerhaus hatte das Kursziel auf 125 von 115 Euro erhöht. In der zweiten Reihe hatte Kepler die Aktien von Dürr auf die Kaufliste genommen und HSBC die Titel von Compugroup. Dürr zogen mehr als 2 Prozent an. Compugroup verbesserten sich rund 2 Prozent. Heidelbergcement gewannen etwas mehr als 1 Prozent, obwohl Bryan Garnier die Aktie zum Verkauf empfohlen hatte.

Für die Lufthansa ging es rund 3 Prozent nach oben. Im Handel wurde auf einen Bericht in der "Wirtschaftswoche" verwiesen. Darin hieß es, laut Insidern würde der Staatsfonds Abu Dhabi gerne 10 Prozent an der Lufthansa erwerben. "Ich gehe davon aus, dass es sich nur um einen kurzes Strohfeuer handelt", sagte ein Aktienhändler. Immer wieder kämen Kreisemeldungen auf, dass sich ein Wettbewerber an der Lufthansa beteiligen wolle.

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VW bewegten sich kaum. Im Abgasskandal soll der Konzern laut Presseberichten versuchen, die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen zu verhindern. Am Donnerstag hatte Ex-Konzernchef Martin Winterkorn vor dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages noch einmal versichert, nicht früher als bisher bekannt von dem Betrugsfall gewusst zu haben.

SDax: Hypoport pegeln sich ein

Hypoport büßten 2,5 Prozent ein, zum Handelsstart waren es 5 Prozent. Fakt sei, dass die Erfolgsstory der Tochter Europace, einer Plattform für Immobilienfinanzierungen, Bausparprodukte und Ratenkredite, nicht unendlich weitergeschrieben werden könne, sagte ein Händler nach Zahlen. "Bei steigenden Zinsen prolongieren die Kunden ihre Hypothekenkredite frühzeitig." Damit könnte im ersten Quartal ein Nachfrageloch entstehen. Allerdings stehe das Unternehmen nicht nur auf einem Bein. Mit den jüngsten Zukäufen habe sich Hypoport im Bereich Versicherungen gestärkt.

TecDax: Läuft's bei Apple, läuft's beim Rest

Dialog Semiconductor schlossen rund 1 Prozent fester. Händler verwiesen auf gute Zahlen und einen starken Ausblick von Skyworks Solutions, wie Dialog Semiconductor ein Zulieferer von Apple. Skyworks überzeugte im ersten  Quartal beim Gewinn und legt zudem ein Aktienrückkaufprogramm auf. "Skyworks liefert eine starke Vorlage für Dialog", so ein Aktienhändler.

Devisen: Euro klettert leicht

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Der Euro zeigte sich am Freitagabend nach einem Auf und Ab im Handelsverlauf zum Dollar wieder etwas gefestigt.  Die Gemeinschaftswährung kostete 1,0673 Dollar. Das waren rund 0,1 Prozent mehr als noch einen Tag zuvor. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0632 Dollar fest nach 1,0668 Dollar am Donnerstag und 1,0664 Dollar am Mittwoch.

Vor dem Wochenende fiel der Handel am Devisenmarkt mangels entscheidender Wirtschaftsdaten richtungslos aus. Der Euro legte am Vormittag zunächst zu, gab dann deutlich nach und konnte sich zuletzt stabilisieren. Äußerungen von Janet Yellen, Vorsitzende der US-Notenbank, belasteten den Dollar nur zeitweise. Diese hatte sich in der Nacht auf Freitag etwas verhaltener mit Blick auf künftige Zinsanhebungen gezeigt. Der Dollar geriet deshalb kurzzeitig unter Druck.

Rohstoffe: Ölpreis zieht spät an

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Der Ölpreis wartete zum Wochenschluss mit einem deutlich gestiegenen Preis auf. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 55,70 Dollar. Das waren 2,8 Prozent mehr als noch am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg 2,6 Prozent auf 52,76 Dollar.

Händler erklärten den Preisanstieg mit der Aussicht auf ein geringeres Angebot auf dem Ölmarkt. Das wichtige Förderland Saudi-Arabien hatte einmal mehr versichert, dass die beschlossene Förderkürzung wichtiger Ölstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auch tatsächlich umgesetzt werde.

Asien: Durchwachsene Zurückhaltung

An den ostasiatischen Aktienmärkten herrschte am Freitag Zurückhaltung. Marktteilnehmer verwiesen auf die bevorstehende Vereidigung Trumps als US-Präsident. Die Anleger warteten ab, hieß es auch in Fernost. In China waren zudem frische Daten zum Wirtschaftswachstum ein bestimmendes Thema. Danach wuchs die Wirtschaft der Volksrepublik im vierten Quartal nach offiziellen Angaben mit 6,8 Prozent etwas stärker als erwartet.

Der Shanghai Composite schloss dann auch 0,7 Prozent fester bei 3123 Zählern. Der Tokioter Nikkei-Index verabschiedete sich 0,3 Prozent fester mit 19.137 Punkten aus dem Handel. Der MSCI-Index für die Asien-Pazifik-Region ohne Japan verlor 0,1 Prozent. Der HSI in Hongkong  gab 0,3 Prozent nach. Der Kospi in Seoul verbilligte sich 0,2 Prozent.

In Sydney ging es für den S&P/ASX-200 0,7 Prozent nach unten. Verkauft wurden dort vor allem Aktien der Rohstoffbranche, weil Anleger eine rückläufige Nachfrage befürchten. Santos gaben trotz guter Viertquartalszahlen 1,2 Prozent nach. Rio Tinto verloren 1,9 Prozent und BHP Billition 1,3 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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