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Noch immer sind die 20.000 nicht geknackt.
Noch immer sind die 20.000 nicht geknackt.(Foto: AP)

Allzeithochs an der Wall Street: Dow Jones verfehlt 20.000 ganz knapp

So kurz vor der 20.000-Punkte-Marke und doch die Latte gerissen: Der Dow Jones schwingt sich am Freitag auf zu neuen Höhen auf. Auch die anderen Indizes erreichen neue Rekordstände. Der Dax lässt es dagegen ruhiger angehen.

Die US-Börsen haben zum Wochenausklang trotz durchwachsener Arbeitsmarktdaten neue Rekordstände markiert. Der Dow Jones-Index der Standardwerte näherte sich dabei hauchdünn bis auf 0,37 Punkte der Marke von 20.000 Stellen, die er noch nie in seiner 120-jährigen Geschichte übersprungen hat.

Die US-Stundenlöhne stiegen im Dezember um 0,4 Prozent, nachdem sie im November noch gesunken waren. Zudem war das Plus höher als erwartet. Zugleich stieg die Zahl der neuen Stellen nur um 156.000, das sind 22.000 weniger als gedacht.

Die US-Arbeitsmarktdaten hätten Licht und Schatten geboten, sagte Analyst Fawad Razaqzada vom Online-Broker Forex.com. "Obwohl die Zahl der neu geschaffenen Stellen mit 156.000 enttäuscht hat, machen die Anhebung der Vormonatszahl und der überraschend starke Anstieg der Durchschnittlöhne um 0,4 Prozent den Bericht zu einem insgesamt ordentlichen." Fachleute gehen weiterhin davon aus, dass die US-Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr anhebt und halten einen ersten Zinsschritt im März für möglich.

Der Dow Jones-Index stieg schlussendlich um 0,3 Prozent und ging mit 19.964 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 0,4 Prozent auf 2277 Zähler vor. Der Nasdaq Composite verbesserte sich um 0,6 Prozent auf 5521 Stellen. Alle drei Marktbarometer erreichten Allzeithochs.

Bei den Einzelwerten gehörten Aktien von Fiat Chrysler zu den Gewinnern, die um 6,8 Prozent auf 10,48 Dollar stiegen. Goldman Sachs hat die Papiere auf ihre Favoriten-Liste gesetzt und hob zudem das Kursziel von 10,60 auf 17,50 Dollar an.

Unerwartet starke Verkaufszahlen trieben den Kurs der Modekette Gap um 0,7 Prozent hoch. Gap machte im Dezember vier Prozent mehr Umsatz und übertraf damit die Erwartungen. Papiere von J.C. Penney verloren indes 2,9 Prozent. Der Umsatz in den Filialen der Kaufhaus-Kette ist zum Jahresende gesunken. Das Unternehmen reiht sich damit ein in schlechte Nachrichten von anderen Unternehmen aus der Branche.

Deutschland: Dax mit Minigewinn ins Wochenende

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In Frankfurt geht die erste Börsenwoche des neuen Jahres mit vorsichtig-optimistischen Signalen zu Ende: Nach einer zähen ersten Handelshälfte kommt am deutschen Aktienmarkt Bewegung auf. Mit der Bekanntgabe neuer Daten zur Lage am US-Arbeitsmarkt hellt sich die Stimmung leicht auf.

Der Leitindex Dax klettert kurz vor Handelsschluss in die Gewinnzone und schließt 0,12 Prozent fester bei 11.599,01 Punkten. Das Tageshoch aus dem Verlauf liegt bei 11.605,74 Zählern. Am Vortag war das Frankfurter Börsenbarometer bereits haarscharf im Plus bei 11.584,94 Zählern aus dem Handel gegangen. Der MDax beendet den Freitagshandel dagegen 0,12 Prozent schwächer bei 22.255,27 Punkten. Im TecDax verzeichnen Händler einen Schlusskurs von 1838,89 Punkten, was einem hauchdünnen Minus von 0,008 Prozent entspricht.

Nach der überraschend schwachen Beschäftigungszunahme in den USA im Dezember legten Aktien europaweit minimal zu, während der US-Dollar zu Euro, Yen und Pfund Sterling leicht aufwerteten und die US-Staatsanleihen etwas nachgaben. Insgesamt jedoch hielten sich die Reaktionen auf die Job-Daten in Grenzen, wie es aus dem Handel hieß. "Das war wohl nix", fasste n-tv Börsenkommentator Frank Meyer die Stimmung im Frankfurter Handel zusammen. Die Jobdaten hätten am Markt "niemanden aus der Reserve gelockt".

Getragen wurde der späte Aufstieg im Dax von soliden Kursgewinnen bei Aktien wie Siemens, Continental und Deutsche Bank. An der Indexspitze verteuerten sich SAP um 1,2 Prozent auf 83,66 Euro. Verkauft wurden dagegen Schwergewichte wie Linde oder ThyssenKrupp. Am Indexende leuchteten die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von 3,1 Prozent auf 12,40 Euro tiefrot auf.

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Beherrschendes Thema des Tages war der US-Arbeitsmarktbericht, von dem sich Anleger und Analysten wenige Tage vor der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump neue Hinweise zur Konjunkturlage und zum Spielraum der US-Währungshüter erhofften.

Mit 156.000 neuen Stellen blieb der Arbeitsmarktbericht für Dezember unter der Konsensprognose von 183.000 Stellen. Gleichzeitig wurden die November-Zahlen aber nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote stieg wie erwartet leicht auf 4,7 Prozent. Im Vormonat hatte die Quote noch mit 4,6 Prozent den niedrigsten Stand seit August 2007 erreicht.

Es war der vorletzte Job Report unter der Ägide des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. "An den Ergebnissen wird sich Donald Trump messen lassen müssen", hatte n-tv Börsenkommentatorin Sabrina Marggraf die Ausgangslage am Morgen beschrieben. "Die Frage ist: Gelingt es dem politischen Anfänger Trump mit seiner oft unorthodoxen Art tatsächlich Arbeitsplätze in den USA zu schaffen, indem der Außenhandel eingeschränkt wird?", ergänzte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. An den Märkten könne sich so Karpowitz weiter, jederzeit die Ansicht durchsetzen, dass die angekündigte Handelspolitik den USA und damit dem Dollar schaden werde.

"Die Entwicklung ist solide", kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba die Jobdaten. Erfreulich sei vor allem der Rückgang der Komponente der Unterbeschäftigung. Das relativiere den Anstieg der Arbeitslosenquote und mache deutlich, dass der Arbeitsmarkt weiter in Richtung Vollbeschäftigung steuert. "Die Lohnentwicklung nimmt an Fahrt auf", sagt der Volkswirt. Die Erwartungen der Fed dürften vor diesem Hintergrund nicht verringert werden, wenngleich das Szenario gradueller Zinserhöhungen intakt bleibe.

Devisen: Euro gibt nach

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Der US-Arbeitsmarktbericht hat den Euro vor dem Wochenende belastet. Am Abend kostet die europäische Gemeinschaftswährung 1,0528 US-Dollar. Am Vormittag hatte der Euro noch über der Marke von 1,06 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,0589 (Donnerstag: 1,0501) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9444 (0,9523) Euro.

Vor allem die robuste Lohnentwicklung in den USA im Dezember hat laut Händlern den Dollar gestützt. Die durchschnittlichen Stundenlöhne legten um 0,4 Prozent zum Vormonat zu, während Volkswirte lediglich mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet hatten. Im Jahresvergleich wurde das stärkste Lohnplus seit Mitte 2009 erzielt. Die Beschäftigungsentwicklung blieb jedoch etwas hinter den Erwartungen zurück.

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"Die Lohnentwicklung nimmt an Fahrt auf", kommentierte Ralf Umlauf Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Es seien daher im Jahresverlauf weiterhin graduelle Zinserhöhungen durch die US-Notenbank zu erwarten.

In der Eurozone wird hingegen eine Fortsetzung der sehr lockeren Geldpolitik erwartet. Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone haben den Euro am Vormittag nicht beflügelt. Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone - gemessen anhand des Economic Sentiment Indicator (ESI) - ist laut EU-Kommission im Dezember auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren gestiegen.

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Das ebenfalls von der Kommission erhobene Geschäftsklima (BCI), das die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe misst, kletterte auf den höchsten Stand seit Juni 2011. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85648 (0,85440) britische Pfund, 122,83 (122,38) japanische Yen und 1,0725 (1,0704) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1175,85 (1176,70) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 35.160,00 (34.490,00) Euro.

Asien: Trump droht Toyota

Die Strafzoll-Drohung des designierten US-Präsidenten Donald Trump gegen Toyota hat die Tokioter Börse vor dem Wochenende belastet. Die Aktie des weltgrößten Autobauers gab 1,7 Prozent nach und zog auch die Kurse japanischer Rivalen wie Nissan und Honda nach unten.

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Der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei schloss 0,3 Prozent tiefer bei 19.454 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent auf 1553 Zähler.

Trump forderte von Toyota, auf den Bau eines Werkes in Mexiko zu verzichten. Zudem drohte der künftige US-Präsident dem Konzern hohe Strafzöllen für den US-Import von in dem benachbarten Niedriglohnland gebauten Autos.

Die übrigen Märkte in Fernost präsentierten sich zum Wochenausklang wenig verändert. Die chinesische Börse in Schanghai gab leicht nach. Die südkoreanische Börse in Seoul legte dagegen leicht zu. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans trat auf der Stelle.

In Tokio standen vor allem die Autobauer im Blickfeld. Toyota-Titel büßten zeitweise rund drei Prozent ein. Die Aktien des zweitgrößten Japanischen Herstellers Nissan verloren 2,2 Prozent, die Papiere des Rivalen Honda gaben 1,9 Prozent nach.

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Die Anleger reagierten verunsichert, nachdem sich Trump nach den US-Autobauern General Motors und Ford nun erstmals einem ausländischen Hersteller wegen der Produktion von Fahrzeugen in Mexiko gedroht hatte. Die Regierung in Tokio sah sich veranlasst, die heimische Industrie demonstrativ in Schutz zu nehmen.

Es gebe in Tokio insgesamt eine Kurskorrektur nach der Rally im Zuge der Trump-Wahl, sagte Analyst Koichi Yoshikawa von der britischen Bank Standard Chartered. Am Markt setze sich mehr und mehr der Eindruck durch, dass Trumps Pläne für die Wirtschaft sehr auf Hoffnungen basierten.

Das Börsenschwergewicht Fast Retailing drückte zusätzlich auf die Stimmung, nachdem der Modekonzern mitteilte, dass es bei seiner Ladenkette Uniqlo im Dezember nicht so gut lief wie vor einem Jahr. Die Aktien verbilligten sich um 6,7 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise berappeln sich

Die Ölpreise drehen am Abend in die Gewinnzone. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostet 56,99 US-Dollar. Das sind 10 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Februar steigt um 16 Cent auf 53,92 Dollar.

Starke Impulse können Marktbeobachter im Ölhandel zunächst nicht erkennen. Am Donnerstag hatten die Rohölpreise auf neue Lagerdaten aus den USA zunächst mit Verlusten reagiert, die aber zügig wieder wettgemacht wurden. Im Fokus stehen am Markt nach wie vor die vom Ölkartell Opec und elf anderen Förderstaaten angekündigten Produktionskürzungen, die seit Jahresanfang gelten. Mit der Absprache sollen die Ölpreise angehoben werden. Bisher deuten Ankündigungen aus mehreren Ländern darauf hin, dass die Absprache eingehalten wird.

Quelle: n-tv.de

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