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Am New York Stock Exchange an der Wall Street gab's mal wieder ein Rekordhoch zu feiern.
Am New York Stock Exchange an der Wall Street gab's mal wieder ein Rekordhoch zu feiern.(Foto: imago/UPI Photo)
Freitag, 14. Juli 2017

Banken überzeugen weniger: Dow Jones erreicht neues Rekordhoch

Ein neues Allzeithoch beim Dow Jones und ein nun schon sechs Tage in Serie steigender Nasdaq machen den Brokern an der Wall Street gute Laune. Sofern sie nicht in Banken investiert haben.

Die Wall Street hat den Handel zum Wochenausklang mit neuen Rekordhochs beendet. Überwiegend schwache Konjunkturdaten haben bei den Investoren die Ansicht verfestigt, dass die US-Notenbank bei ihrem geplanten Zinserhöhungstempo etwas auf die Bremse treten muss. Diese Aussicht drängte auch mit Skepsis aufgenommene Quartalszahlen von drei großen US-Banken in den Hintergrund. Zwar wurden die Ergebnisse insgesamt positiv aufgenommen, konnten im Detail jedoch nicht überzeugen. Dazu belasteten die wieder fallenden Renditen am Anleihemarkt den Banken-Sektor. Der Bankensektor im S&P-500 war mit einem Minus von 1,0 Prozent das Schlusslicht.

Der Dow-Jones-Index verbesserte sich um 0,4 Prozent auf 21.638 Punkte. Das neue Rekordhoch liegt bei 21.682 Punkten. Für den S&P-500 ging es um 0,5 Prozent nach oben auf 2.459 Punkte. Im Verlauf wurde ein Allzeithoch bei 2.464 Punkten markiert. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,6 Prozent auf 6.312 Punkte. Der technologielastige Index legte damit den sechsten Handelstag in Folge zu. Das Volumen fiel auf 674 (Donnerstag: 768) Millionen Aktien. Dabei kamen auf die 2.113 (1.532) Kursgewinner 848 (1.409) -verlierer. Unverändert gingen 115 (132) Titel aus der Sitzung.

JP Morgan verdiente im zweiten Quartal je Aktie 1,82 Dollar und übertraf damit die Prognose der Analysten von 1,58 Dollar. Auch die Erträge lagen etwas über den Erwartungen. Dagegen fielen die Handelseinnahmen schwächer aus, die gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent zurückgingen. Die Aktie reduzierte sich um 0,9 Prozent, konnte sich allerdings von den Tagestiefs deutlich lösen.

Die Aktie der Citigroup verlor 0,4 Prozent. Die Bank hat wegen geringerer Aktivitäten des Tradingdesks einen Gewinnrückgang um 3 Prozent verzeichnet, die Erwartung der Analysten aber dennoch übertroffen. Je Aktie verdiente die Citigroup 1,28 Dollar und damit 7 Cent mehr als von Analysten erwartet. Als Belastung erwiesen sich höhere Kredit- sowie allgemeine Betriebskosten.

Bei Wells Fargo wurde mit einem Gewinn je Anteilsschein von 1,07 Dollar die Prognose um 6 Cent übertroffen. Bei den Einnahmen hatten Analysten allerdings etwas mehr erwartet. Die Aktie fiel um 1,1 Prozent. Schwache Konjunkturdaten wecken Fed-Fantasie.

Konjunkturdaten eher schwächlich

Überlagert wurde dies allerdings von den überwiegend schwach ausgefallenen US-Daten. Damit setzte sich die Reihe enttäuschender Konjukturdaten fort. "Die Investoren sind immer mehr davon überzeugt, dass die Fed ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen nach unten korrigieren muss", sagte Markt-Stratege Karl Schamotta von Cambridge Global Payments. Die US-Notenbank plant bisher vier weitere Zinsschritte bis Ende 2018, der Markt geht dagegen nur von zwei weiteren Erhöhungen in diesem Zeitraum aus.

So fiel die Teuerung niedriger als erwartet aus und der Einzelhandelsumsatz schrumpfte etwas, während ein leichtes Plus prognostiziert worden war. Die Industrieproduktion ist zwar etwas mehr gestiegen als erwartet, allerdings blieb die Kapazitätsauslastung trotz eines Anstiegs hinter den Erwartungen zurück. Und auch der Index der Verbraucherstimmung der Uni Michigan ist im Juli hinter den Prognosen geblieben. Damit liegt der Index nun wieder auf dem Niveau von vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsident.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise setzten ihre Aufwärtsbewegung fort. Übergeordnet bestehen zwar weiter die Sorgen in Bezug auf das globale Überangebot, doch stützend wirkten sich Spekulationen um ein mögliches Opec-Treffen in der kommenden Woche aus. Die Commerzbank warnte allerdings davor, dass sich jede Erholung im Ölpreis als kurzfristig erweisen könnte. Die Opec stecke derzeit in einem Dilemma. Es bestünden berechtigte Zweifel, ob sie ihr angestrebtes Ziel erreichen werde, den Ölmarkt bis zum Jahresende zurück ins Gleichgewicht zu bringen.

"Schuld daran ist vor allem eine steigende Ölproduktion in Libyen, Nigeria und den USA", so die Commerzbank. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg zum US-Settlement um 1,0 Prozent auf 46,54 Dollar, für Brent ging es um 1,0 Prozent auf 48,91 Dollar nach oben.

Mit der Aussicht auf ein langsameres Zinserhöhungstempo der US-Notenbank kam der Dollar unter Druck. Im Gegenzug kletterte der Euro wieder deutlicher über die Marke von 1,14 Dollar. Noch am Vortag hatte der Greenback die Gemeinschaftswährung kurzfristig unter dieses Niveau gedrückt, jetzt gab er mit den überwiegend schwachen US-Konjunkturdaten die Gewinne wieder ab. Im späten US-Handel lag der Euro bei 1,1471 Dollar. Zudem sehen viele Teilnehmer noch Aufwärtspotenzial beim Euro, denn eine mögliche Zinswende der Europäischen Zentralbank ist noch kaum eingepreist.

Mit den mauen Konjunkturdaten verstärkte sich das Kaufinteresse für die "sicheren Häfen" Gold und Anleihen. Der Goldpreis kletterte zum US-Settlement um 0,8 Prozent auf 1.228 Dollar und stieg auf das höchste Niveau seit Ende Juni. "Die schwachen Einzelhandels- und Inflationsdaten haben die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr unter die Marke von 50 Prozent gedrückt", sagte Fawad Razaqzada, Technischer Analyst bei Forex.com.

Auch die US-Anleihen legten zu. Die schwachen Daten kamen unmittelbar nach der Anhörung von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen in dieser Woche. Yellen sagte, die schwächere Inflation gehe zum Teil auf ungewöhnliche Einmaleffekte zurück. "Es ist unsicher, wann und wie stark die Inflation auf die steigende Auslastung der Kapazitäten reagieren wird", so Yellen. Die Fed werde die Entwicklung der Inflation in den kommenden Monaten genau unter die Lupe nehmen. Die Aussagen waren vom Markt als taubenhaft interpretiert worden. Dies sei durch die schwachen US-Daten nun bestätigt worden, so ein Teilnehmer. Die Rendite zehnjähriger Treasurys reduzierte sich um 3 Basispunkte auf 2,32 Prozent.

Sprint-Aktie mit möglicher Buffett-Beteiligung gesucht

Für die Sprint-Aktie ging es um 4,3 Prozent nach oben. Der Mobilfunkanbieter wirbt offenbar um ein Engagement von Starinvestor Warren Buffett. Sprint-Chairman Masayoshi Son hat laut Kreisen mit Buffett und dem Kabel-Mogul John Malone über eine Beteiligung an einem Deal gesprochen, um das derzeit unprofitable Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, wie informierte Personen sagten. Die Einzelheiten des Deals, um den es geht, sind unklar. Die Gespräche seien in einem frühen Stadium und würden möglicherweise auch nicht in eine Einigung münden, hieß es. Eine Option sei, dass Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mehr als 10 Milliarden US-Dollar in eine Transaktion stecke, die aber nicht näher umrissen wurde.

Für die Wal-Mart-Aktie ging es 1,7 Prozent aufwärts. Die Analysten von Goldman Sachs haben den Wert auf "Buy" erhöht und nehmen ihn überdies auf ihre "Conviction"-Liste. Der Einzelhändler sei gut positioniert, um mit den neuen Herausforderungen von E-Commerce und neuer Technologie zurechtzukommen. Auch Boeing profitierten mit einem Plus von 1,1 Prozent von einer Hochstufung. JP Morgan hat den Wert auf "Overweight" nach oben genommen. Die Experten sehen die fundamentale Lage der Luftfahrtindustrie positiv.
Die Citigroup zeigt sich zuversichtlicher für General Motors (GM). Unter anderem dürfte sich der Verkauf von Opel positiv auswirken. Die Prognose für das zweite Quartal wird auf 1,70 Dollar je Aktie nach oben genommen von 1,51 Dollar. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Analysten nun 6,19 Dollar je Aktie, was leicht über der Konsensschätzung von 6,04 Dollar liegt. Die Umsätze hätten sich vor allem in China und Südamerika im zweiten Quartal gut entwickelt, hieß es von den Analysten. Die GM-Aktie legte um 1,4 Prozent zu.

Celadon Group schossen um 38,3 Prozent nach oben. Die auf den Fernverkehr spezialisierte Spedition hat einen Restrukturierungsfachmann an Bord geholt, der die Finanzen auf Vordermann bringen soll. Auch Patriot National erhält mit John Rearer einen neuen Chef. Steven Mariano, der Unternehmensgründer und Chairman des Anbieters von technischen Lösungen, tritt als CEO zurück. Die Aktie schloss 11,8 Prozent fester.

Quelle: n-tv.de

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