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Krisenstimmung an der Wall Street? - Eher nicht.
Krisenstimmung an der Wall Street? - Eher nicht.(Foto: REUTERS)
Freitag, 15. September 2017

Rakete und Terror uninteressant: Dow Jones erreicht neuen Rekord

Kim Jong Un feuert eine neue Rakete ab und in London wird ein weiterer Terroranschlag verübt. Doch die Anleger an der Wall Street beschäftigen diese Ereignisse kaum. Jedenfalls sind sie zum Ende der Woche so gar nicht in Verkaufslaune.

Erneut auf Rekordkurs sind die Aktien an der Wall Street am Freitag gegangen. In den letzten Handelsminuten übersprang der S&P-500 ganz knapp die Marke von 2.500 Punkten, an der er seit Tagen gescheitert war. Teilnehmer sehen dies gerade vor dem Wochenende als bullishes Zeichen. Auch die anderen beiden Hauptindizes erreichten neue Allzeithochs. Wegen des Verfalltags explodierte der Umsatz auf 2,16 (Donnerstag: 0,82) Milliarden Aktien. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,3 Prozent auf 22.268 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,2 Prozent auf 2.500,23 Punkte. Der Nasdaq-Composite legte um 0,3 Prozent zu.

Trotz des neuerlichen nordkoreanischen Raketentests kommt keine Verkaufsbereitschaft auf. Die Anleger scheinen nicht allzu besorgt, dass der Konflikt mit Nordkorea eskalieren könnte: Sogenannte sichere Häfen werden gemieden. Mehr Beachtung finden heimische Konjunkturdaten, die indes kein einheitliches Bild liefern. Der Empire State Index sank auf 24,4 von 25,2 Punkten im August. Ökonomen hatten jedoch einen deutlicheren Rückgang erwartet. Die Subindizes für Auftragseingang, Beschäftigung und erzielte Preise legten jeweils recht deutlich zu.

Der Einzelhandelsumsatz sank dagegen um 0,2 Prozent, während Volkswirte einen Anstieg um 0,2 Prozent prognostiziert hatten. Die Industrieproduktion fiel im August wider Erwarten um 0,9 Prozent. Hier war ein Wachstum um 0,1 Prozent erwartet worden. Schuld an dem Rückgang habe Hurrikan "Harvey", heißt es. Wegen des Sturms waren unter anderem zahlreiche Raffinerien an der texanischen vorübergehend stillgelegt worden. Dagegen präsentierte sich der Index der Uni Michigan etwas stärker als prognostiziert worden war.

Märkte gewöhnen sich an Nordkoreas Provokationen

Die bestenfalls durchwachsenen Daten stehen im Kontrast zu den am Donnerstag vermeldeten Verbraucherpreisdaten. Diese waren etwas stärker als erwartet gestiegen und hatten Erwartungen geweckt, dass die US-Notenbank bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche unverändert Bereitschaft zur Normalisierung der Geldpolitik signalisieren werde. Einige Marktteilnehmer sehen dies nun wieder in Frage gestellt. 

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An die wiederholten Provokationen Nordkoreas haben sich die Märkte mittlerweile gewöhnt. So zuckten sie nur kurz, als bekannt wurde, dass eine nordkoreanische Rakete am Freitagmorgen japanisches Staatsgebiet überflogen hatte. Die Börsen in Tokio und Seoul schlossen im Plus. Weltweit hätten die Märkte sehr gelassen auf den Raketentest reagiert, merkte Michael Hewson von CMC Markets an. Trotzdem bleibe ein ungutes Gefühl, denn man werde den Gedanken nicht los, dass sich beim "Schattenboxen" zwischen Nordkorea und der übrigen Welt eine Seite vielleicht verrechnen könnte, spielte Hewson auf die Gefahr eines Krieges an.    

Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger ist gleichwohl gering. Am Anleihemarkt fallen die Notierungen, im Gegenzug steigt die Rendite zehnjähriger Treasurys um 2 Basispunkte auf 2,20 Prozent. Die Feinunze Gold ermäßigte sich um 0,6 Prozent auf 1.322 Dollar.

Yen wird verkauft

Der in Krisenzeiten als Fluchtwährung beliebte Yen wird verkauft. Im Gegenzug stieg der Dollar zeitweise über 111 Yen. Aktuell werden 110,90 Yen für einen Dollar gezahlt. Der Euro legt im Vergleich zum späten US-Handel am Mittwoch zu und steigt von Kursen um 1,19 Dollar auf 1,1956. Das britische Pfund setzt seinen steilen Anstieg fort. Nachdem es am Donnerstag schon von falkenhaften Äußerungen der Bank of England (BoE) nach oben getrieben wurde, legte nun ein BoE-Ratsmitglied nach. Der eigentlich als geldpolitische "Taube" eingeschätzte Gertjan Vlieghe hat seine Meinung geändert und spricht sich nun für eine baldige Zinserhöhung aus. Das Pfund sprang daraufhin von Kursen um 1,34 Dollar auf bis zu 1,3617 Dollar - ein neues Jahreshoch. Aktuell notiert es knapp unter 1,36 Dollar.

Die Ölpreise zeigen keine einheitliche Tendenz. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sinkt nach den Daten zur Industrieproduktion um 0,1 Prozent auf 49,82 Dollar. Brent verteuert sich dagegen um 0,2 Prozent auf 55,57 Dollar. Marktteilnehmer äußern sich trotz des WTI-Rücksetzers optimistisch. Das Sentiment habe sich total verändert, beschreibt Giovanni Staunovo, Rohstoff-Analyst bei der UBS, die Stimmung am Markt. Die Nachfrage sei nunmehr größer als das Angebot. Den Stimmungsumschwung haben die Monatsberichte von Opec und Internationaler Energieagentur (IEA) von Mittwoch bzw. Donnerstag herbeigeführt. Beide Organisationen meldeten einen Rückgang des Ölangebots im August. Die IEA erhöhte überdies ihre Prognose für die diesjährige Ölnachfrage. 

Bei den Einzelwerten legte Boeing um 1,5 Prozent zu und erreichte einen neuen Rekordwert, getragen unter anderem von neuen Aufträgen. Abwärts ging es dagegen für Oracle, nachdem der Software-Konzern mit seinem Ausblick enttäuschte. Die Aktie gab um 7,7 Prozent nach.

Lesen Sie in unserem Börsen-Tag nach, wie sich der Dax zum Wochenende hin geschlagen hat.

Quelle: n-tv.de

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