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Abgaben an der Wall Street: Deutsche Bank holt Dax von den Beinen

Der Start in die neue Handelswoche ist misslungen: Der Dax schließt deutlich unterhalb der 12.000er Marke. Verantwortlich dafür ist vor allem ein Wert. Dennoch machen Börsianer eine positive Grundtendenz aus.

Den ersten Handelstag der Woche hat der Dax mit Abschlägen beendet. Er konnte sich im Handelsverlauf aber etwas von seinen frühen Verlusten erholen. "Eine kleine Verschnaufpause vor dem, was die Woche noch kommt", kommentiert n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf die Situation am deutschen Aktienmarkt. Sie verwies auf einige noch anstehende Geschäftsberichte von Unternehmen des Leitindex' und auch auf die Zinsdebatten in den USA und Europa.

Der Dax schloss 0,6 Prozent tiefer bei 11.958 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 11.922 Stellen. Am Freitag hatte er sich mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Der MDax notierte zum Handelsende 0,2 Prozent im Minus bei 23.382 Zählern. Der TecDax verabschiedete sich dagegen 0,2 Prozent fester  mit 1931 Stellen.

Auto-Deal, US-Zinsen und Deutsche Bank

Nachdem die Indizes jüngst bereits in den Konsolidierungsmodus übergegangen waren, fehlten auch am Montag die Impulse nach oben. Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank hatte sich am Freitag bereits abgezeichnet, nun sind alle Details für die Neuaufstellung bekannt. Zudem ist der Deal zwischen PSA und Opel veröffentlicht worden.

Bremsend wirkten die Spekulationen um mehrere US-Zinserhöhungen in diesem Jahr, die erste davon bereits im laufenden Monat: So geht etwa JP Morgan nach den Aussagen von Fed-Präsidentin Janet Yellen am Freitag von einer Zinserhöhung im März aus. Zuvor hatten die Analysten erst im Mai mit einer weiteren Zinsanhebung gerechnet.

"Wir rechnen nun mit insgesamt drei Zinserhöhungen in diesem Jahr, nach zuvor zwei Zinsschritten", sagte der US-Ökonom der Bank, Michael Ferolies. Diese würden für März, Juni und September prognostiziert. Für 2018 erwartet JP Morgan weiterhin zwei Zinserhöhungen.

USA: Abschläge

Die US-Börsen warteten auch deshalb mit Abschlägen auf. Auch der Vorwurf von US-Präsident Donald Trump, sein Vorgänger Barack Obama habe ihn abhören lassen, verunsicherte die Anleger. Händler zufolge könnte das zu Verzögerungen bei Trumps Vorhaben führen, die Steuern in den USA zu senken und Regulierungen abzubauen.

Der Dow-Jones-Index gab um 0,2 Prozent auf 20.954 Punkte nach. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite fielen um 0,3 und 0,4 Prozent zurück.

Impulse waren zu Wochenbeginn eher Mangelware. An Konjunkturdaten wurde nur der Auftragseingang der Industrie für Januar veröffentlicht. Hier wurde ein Plus von 1,2 Prozent gemeldet, während Volkswirte den Anstieg auf nur 1,0 Prozent geschätzt hatten.  GM schwächer - Börse sieht Opel-Verkauf an PSA kritisch

Die GM-Aktie geriet im Verlauf etwas stärker unter Druck und verlor 0,8 Prozent. Der französische Autokonzern PSA kauft die Marken Opel und Vauxhall für 1,3 Milliarden Euro von GM. Der US-Autobauer zieht sich damit aus seinem defizitären Europageschäft zurück, bleibt allerdings mit Europa verbunden: GM will mit Peugeot bei wichtigen Projekten kooperieren und hat zudem die Option für eine Beteiligung von gut 4 Prozent an den Franzosen.

Jedoch verliert GM mit dem Verkauf eine Quelle für günstige Finanzierungen des eigenen Kreditgeschäfts. Das wiederum könnte auf den Gewinnen in der Finanzsparte lasten, die GM seit der Insolvenz mühsam wieder auf Vordermann gebracht hatte. Zudem bleibt GM für die Mehrzahl der Pensionsverpflichtungen bei Opel verantwortlich, was laut Analysten Kosten von rund 10 Milliarden Dollar verursachen dürfte.

Bei der am Donnerstag an die Börse gekommenen Snap-Aktie wurden Gewinne mitgenommen. Der Kurs fiel um 12,3 Prozent auf 23,77 Dollar. Ausgegeben worden war die Aktie der Muttergesellschaft von Snapchat mit 17 Dollar. An den ersten beiden Tagen nach dem Börsendebüt war es um über 50 Prozent aufwärts gegangen.

Dax: Deutsche Bank will Milliarden einsammeln

Unter den Einzelwerten im Dax zog die Deutsche Bank die ganze Aufmerksamkeit auf sich, die Titel brachen rund 7,5 Prozent ein und waren mit Abstand größter Verlierer im Dax. Die Bank korrigierte den Kurs und polstert ihre Kapitaldecke auf. Das Institut kündigte eine milliardenschwere Kapitalerhöhung sowie eine ganze Reihe von Maßnahmen an, mit denen es wieder in die Wachstumsspur zurückfinden will. So soll etwa die Postbank nun doch bei der Deutschen Bank bleiben. Vor allem der niedrige Bezugspreis von 11,65 Euro laste auf dem Kurs, sagte ein Händler: "Damit dürfte das Bezugsverhältnis bei 2 zu 1 liegen."

Thyssenkrupp standen ebenfalls unter Druck und waren mit einem Abschlag von rund 2,5 Prozent zweitgrößter Dax-Verlierer. Als Grund führten Händler einen Bericht der "Sunday Times" an, wonach Tata Steel immer weniger an einer Fusion mit der Stahlsparte interessiert sein könnten. Der Knackpunkt sei die Behandlung der hohen Pensionsverpflichtungen beider Konzerne. "Eine Trennung vom Stahlgeschäft macht die Thyssenkrupp-Gewinne weniger volatil und besser kalkulierbar, was attraktiv für Fondsmanager ist", sagte ein Händler. Daher reagiere man empfindlich über Berichte eines möglichen Scheiterns, was die Höhe des Kursminus erkläre.

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Der PSA-Opel-Deal, der nun in trockenen Tüchern ist, belastete die VW-Aktien. Sie gaben 0,8 Prozent ab. Der neue PSA-Konzern reift zu einem ernsthaften Konkurrenten der Wolfsburger, sagte Autoexperte Helmut Becker. PSA-Titel zogen etwa 4 Prozent an.

MDax: Uniper und das Kerngeschäft

Uniper verbesserten sich mehr als 3 Prozent. Der Energiekonzern hat einen Käufer für seinen Anteil am russischen Gasfeld Yushno-Russkoje gefunden. Die Beteiligung geht für 1,749 Milliarden Euro an den österreichischen Ölförderer OMV über. "Das stützte den Kurs", kommentierte ein Händler. Das Unternehmen könne nun Schulden abbauen und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.

Rohstoffe: Öl gibt nach

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Gold war anfangs gesucht, weil Berichte über einen nordkoreanischen Raketentest Anleger in "sichere Häfen" trieben. Bald schon setzte sich die Aussicht auf steigende US-Zinsen, die die Attraktivität des zinslosen Goldes schmälern würden, als vorherrschendes Thema am Markt durch. Der Goldpreis verzeichnete bis zum Settlement einen Abschlag von 1 Dollar auf 1.225,50 Dollar je Feinunze. Im anschließenden elektronischen Handel verharrte der Preis in der Nähe dieser Marke.

Wenig Bewegung gab es am Ölmarkt, wo die gesenkten Ziele der chinesischen Regierung für das laufende Jahr die Stimmung dämpften. So soll die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen, was gegenüber dem Vorjahresziel von 6,5 bis 7 Prozent einer kleinen Abschwächung entspricht. Dazu komme die weiter steigende Zahl von Ölförderstellen in den USA, hieß es aus dem Handel. Diese hatte sich in der vergangenen Woche bereits die siebte Woche in Folge erhöht.

Stützend wirkten jedoch die Fördermengenkürzungen der Opec-Länder. Überdies warnte die Internationale Energieagentur (IEA) vor einer Angebotsverknappung und drastisch steigenden Ölpreisen ab 2020 für den Fall, dass Investitionen in die Erdölförderung ausblieben. Der Preis für ein Barrel WTI reduzierte sich um 0,2 Prozent auf 53,20 Dollar. Für Brent ging es dagegen um 0,2 Prozent auf 56,01 Dollar nach oben.

Devisen: Euro um 1,06

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Der Dollar zeigte sich zu Wochenbeginn mit einer leicht nachgebenden Tendenz. So stieg der Euro in der Spitze bis auf 1,0641 Dollar. Im späten US-Handel ging die Gemeinschaftswährung mit 1,0580 Dollar um und lag damit über dem Niveau vom Freitagabend bei 1,0550 Dollar. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen im Dollar. Auch mit Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag agierten die Anleger etwas vorsichtiger.

Asien: Uneinheitlich

An den Aktienmärkten in Fernost zeichnete sich zum Start in die neue Handelswoche keine einheitliche Tendenz ab. Der Shanghai Composite schloss 0,5 Prozent höher bei 3234 Zählern. Der Tokioter Nikkei-Index gab dagegen 0,5 Prozent auf 19.379 Punkte ab - auch weil der Yen zum Dollar Boden gutmachen konnte.

Der südkoreanische Kospi kletterte um 1 Prozent. Der neuerliche Raketentest Nordkoreas wurde am Markt registriert, Verunsicherung blieb aber aus. In Sydney verabschiedete sich der S&P/ASX200 mit einem Plus von 0,3 Prozent.

An den Finanzmärkten dominiere derzeit konjunkturelle Zuversicht, berichteten Beobachter. Dazu passt, dass in China der derzeit tagende Volkskongress die Wachstumsprognose für das Fiskaljahr 2017 auf "rund 6,5 Prozent" veranschlagt hat, nachdem es im Vorjahr noch auf 6,5 bis 7,0 Prozent gelautet hatte. Das ausgegebene Ziel befinde sich im Einklang mit den Erwartungen vieler Analysten, der Volkskongress habe kaum Überraschungen geliefert, kommentierte die UBS und weiter: Peking "visiert Stabilität an, keinen geldpolitischen Straffungskurs".

Quelle: n-tv.de

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