Marktberichte
Bergab ging es die meiste Zeit am ersten Handelstag des Monats.
Bergab ging es die meiste Zeit am ersten Handelstag des Monats.(Foto: REUTERS)

Wall Street weiter im Minus: Dax versemmelt Start in den Februar

Schwache Konjunkturdaten aus China und ebenso schlechte Nachrichten aus den USA setzen den Dax zwischenzeitlich arg unter Druck. Bis zum Ende kann sich der Index jedoch leicht erholen. Dennoch ist der Auftakt in den neuen Monat missglückt.

Weniger deutlich als es zwischenzeitlich den Anschein hatte fiel am ersten Handelstag im Februar das Minus für den Dax aus. Dabei ging es am Nachmittag sogar rund 1,5 Prozent nach unten - enttäuschende US-Bauausgaben belasteten den Index. Kurz darauf konnte sich der deutsche Leitindex jedoch wieder erholen, am Ende blieb ein leichtes Minus von 0,4 Prozent. Die zwischenzeitlich unterschrittene 9700er-Marke konnte im Handelsverlauf wieder zurückerobert werden.

Für Unmut bei den Anlegern hatten zudem Wirtschaftsdaten aus Fernost gesorgt: "Schwache Konjunkturdaten aus China sind ein Bremsklotz zum Start in den neuen Börsenmonat. Außerdem hat auch die deutsche Industrie ein etwas schwächeres Wachstum im Januar gezeigt", kommentierte n-tv Börsenexpertin Sabrina Marggraf den Sinkfug des deutschen Leitindex.

Die Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands war im Januar auf ein Dreimonatstief zurückgegangen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Industrie sank auf 52,3 Punkte von 53,2 im Vormonat, wie das Markit-Institut bei einer zweiten Veröffentlichung mitteilte.

Daneben stehen weitere Wirtschaftsindikatoren aus Europa im Blick. Bei den Einkaufsmanagerindizes aus Europa verfehlte der Index aus Italien die Erwartungen, der aus Frankreich traf selbige. Der Index für die Eurozone erreichte in der Zweitveröffentlichung das prognostizierte Niveau.

Video

Zurückhaltung herrschte an der Börse auch wegen der in Deutschland und Europa erst langsam anlaufenden Berichtssaison. "Viele erhoffen sich viele Klarheit darüber, was denn die Unternehmen 2016 erwarten", meinte Marggraf.

Von "starken Gewinnen" und "spektakulärem Cash" bei Ryanair sprach Stephen Furlong von Davy Research. Der Kurs legte um 5,0 Prozent zu. Auch Easyjet, IAG, Air France-KLM und Lufthansa stiegen. "Die Erholung des Ölpreises ist zum Halten gekommen", sagte ein Aktienhändler. Dieser Umstand stütze den Luftfahrtsektor.

Frankfurt: Lufthansa von Ryanair beflügelt

Chart

Mit einem Minus von 0,4 Prozent ging der Dax am Ende bei 9758 Punkten aus dem Handel. Der MDax schloss nahezu unverändert auf 19.473 Zählern. Ein Plus von 0,6 Prozent zeigte sich hingegen beim TecDax, der auf 1698 Punkte stieg. Beim Euro-Stoxx-50 gab es ein Minus von 0,9 Prozent auf 3018 Punkte.

Größter Dax-Gewinner waren Lufthansa, die im Gefolge von Ryanair um 3,0 Prozent stiegen. Auch Eon und FMC lagen mit einem Plus von 1,7 Prozent und 1,5 Prozent weit oben.

Infineon schwankten stark, notierten am Ende aber wieder mit deutlichen Aufschlägen von 1,3 Prozent. Die UBS hatte eine Kaufempfehlung für die Aktien ausgesprochen. Andere Empfehlungen wie für die beiden Indexschwergewichte BASF und Siemens setzen sich nicht durch. Trotz einer Hochstufung durch die Societe Generale von "Hold" auf "Buy" verloren BASF 1,1 Prozent. Siemens zeigten sich 0,8 Prozent leichter, obwohl sie von Nomura von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft wurden.

Chart

Im TecDax legten Sartorius um 6,7 Prozent zu. Die Aktie profitierte von ihren guten Quartalszahlen. Vor allem die positiven Ausblicke auf Umsatz und den bereinigten Gewinn trieben an.

Der Kurs der Solarworld-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Zahlen um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Der Photovoltaikkonzern kämpft sich nach dem Schuldenschnitt vom Frühjahr 2014 allmählich aus den roten Zahlen und rechnet in diesem Jahr mit deutlichem Wachstum. Berichte um den Rechtsstreit mit dem US-Siliziumlieferanten Hemlock hatten die Aktie im vergangenen Jahr auf Talfahrt geschickt.

USA: Weiter Verluste an der Wall Street

Chart

Nach der Notenbank-Rally zum Wochenschluss verzeichnet die Wall Street im weiteren Handelsverlauf weiterhin ein Minus. Neue Wachstumssorgen um China sorgen bei den Investoren für Zurückhaltung. Für Enttäuschung sorgten die Bauausgaben in den USA im Dezember, die lediglich 0,1 Prozent statt der erwarteten 0,6 Prozent zulegten. Der privat ermittelte Caixin-Einkaufsmanagerindex fiel dagegen etwas besser als erwartet aus. "Wir rechnen mit weiteren aggressiven Schritten der chinesischen Notenbank", merkten die Analysten der HSBC an.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent auf 16.449 Punkte. Der S&P-500 schloss kaum verändert, der Nasdaq-Composite stieg um 0,1 Prozent.

 

Chart

Die Twitter-Aktie fiel mit einem Kursplus von zeitweise rund 10 Prozent auf. Zum Handelsende notierte sie 6,6 Prozent höher. CNBC hatte unter Berufung auf den Branchendienst The Information gemeldet, dass Venture-Kapitalgeber Mark Andreessen und die Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake Partners möglicherweise bei dem angeschlagenen Kurznachrichtendienst einsteigen wollten. Ein Twitter-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen kommentiere Gerüchte und Spekulationen nicht. Der Kurs der Twitter-Aktie ist in den vergangenen drei Monaten um 35 Prozent gefallen, während der S&P-500 in diesem Zeitraum nur um 7 Prozent nachgegeben hat.

Die US-Berichtssaison schaltet zu Wochenbeginn einen Gang zurück, nach der Schlussglocke wird nur die Google-Dachgesellschaft ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegen. Im vergangenen Jahr hatte sich der Konzern unter einer Holding namens Alphabet neu strukturiert, um sein Kerngeschäft von seinen spekulativeren Projekten wie dem selbstfahrenden Auto, dem vernetzten Heim oder den Unternehmungen im Gesundheitswesen abzutrennen. Alphabet wird am Montag erstmals den Umsatz, das operative Ergebnis und die Investitionen für die beiden Segmente ausweisen und historische Daten liefern, die bis ins Jahr 2013 zurückreichen. Die Aktie legt um 1,0 Prozent zu.

Chart

Am Dienstag nimmt die Berichtssaison mit den Quartalszahlen von Pfizer, Yahoo, United Parcel und Exxon dann wieder Fahrt auf.

Asien: Nikkei schließt dick im Plus

Chart

Die unerwartete Einführung von Negativzinsen in Japan hat die Kurse am japanischen Aktienmarkt zu Wochenbeginn kräftig angeschoben. Zum Handelsende in Tokio notierte der Nikkei-Index mit seinen 225 führenden Werten aus der japanischen Börsenlandschaft 347 Punkten fester oder 2,0 Prozent im Plus bei 17.865 Zählern. Der breit gefasste Topix stieg um 31 Punkte oder 2,1 Prozent auf einen Schlussstand von 1463 Zählern.

Vor dem Wochenende hatte die japanische Notenbank Bank of Japan (BoJ) bekannt gegeben, dass Geschäftsbanken in Japan künftig Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie Geld bei den Währungshütern parken. Damit soll die Kreditvergabe angekurbelt werden. Händler sagten, der Schritt sei ein willkommenes Signal an Investoren und Unternehmer. Auch die Kurse in Europa und an der Wall Street reagierten positiv.

Chart

Die schwachen Konjunkturdaten aus China ließen die Anleger in Japan dagegen weitgehend unberührt: Im Inneren der chinesischen Volkswirtschaft hat sich die schlechte Stimmung in der Industrie auch im neuen Jahr nicht aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des chinesischen Wirtschaftsmagazins "Caixin" lag im Januar mit 48,4 Punkten den elften Monat in Folge unterhalb der kritischen Marke von 50.

In Shanghai gaben die Kurse unter dem Eindruck der Konjunkturdaten nach. Der Shanghai Composite Index beendete den Handelstag 1,8 Prozent im Minus bei 2689 Punkten. Die Aktienverkäufe in China dürften zumindest teilweise auf das bevorstehende Neujahresfest zurückzuführen sein, vermutete ein Händler. Leicht positiv sei zudem, dass der Caixin-Einkaufsmanagerindex im Januar immerhin über der Konsensprognose liege.

Devisen: Euro über 1,09 Dollar, Hedgefonds wetten gegen Yuan

Chart

Am Devisenmarkt machte der Euro gegenüber dem Dollar einen Teil des verlorenen Bodens wieder gut. Nach einem Tagestief von 1,0814 Dollar kämpfte sich die Gemeinschaftswährung wieder bis an die Marke von 1,09 Dollar heran. Im späten US-Handel ging der Euro mit gut 1,0890 Dollar um.

Auftrieb erhielt der Eurokurs durch Äußerungen aus den Reihen der EZB. Der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny warnte am Montag vor zu großen Erwartungen an die Geldpolitik. Mit Blick auf die jüngste geldpolitische Lockerung im Dezember sagte Nowotny, damals hätten die Märkte "eindeutig zu viel erwartet".

Einige große Hedgefonds setzen einem Medienbericht zufolge auf einen Rückgang des Yuans im Vergleich zum Dollar. So besitze Greenlight Capital Optionen, die sich bei einer Schwäche der chinesischen Währung auszahlten, berichtete das "Wall Street Journal". Der Fonds Hayman Capital Management habe 85 Prozent seines Portfolios in Wetten gegen Yuan und Hongkong-Dollar investiert. Auch die Fondsmanager Stanley Druckenmiller und David Tepper hätten sich gegen den Yuan positioniert, berichtete das Blatt unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Die chinesische Währung ist unter Druck, weil die Wirtschaft der Volksrepublik so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr wächst, es an den Finanzmärkten starke Kursausschläge gibt und viel Kapital ins Ausland fließt. Zudem hat die US-Notenbank die Leitzinsen wieder erhöht. Das lässt den Dollar steigen, weil amerikanische Anlagen attraktiver werden.

Rohstoffe: Ölpreise wieder auf dem Weg nach unten

Die Ölpreise gaben ihre Gewinne aus der Vorwoche wieder komplett ab. Hatten Hoffnungen auf eine Fördermengenbegrenzung den Preis für ein Fass der US-Sorte WTI in der Vorwoche um gut 4 Prozent nach oben getrieben, ging es nun mit den Daten aus China und den wieder gesunkenen Hoffnungen auf eine Begrenzung der Ölflut nach unten. Zum Settlement verbilligte sich das Barrel WTI um 6 Prozent bzw 2,00 Dollar auf 31,62 Dollar. Ein Barrel der Sorte Brent gab um 4,9 Prozent bzw 1,75 Dollar auf 34,24 Dollar nach.

Der Iran wird sich nicht an einer koordinierten Aktion zur Begrenzung der Ölfördermenge beteiligen, solange die Förderquote nicht wieder das Niveau vor den Sanktionen erreicht hat, so ein iranischer Offizieller zum Wochenausklang. Auch ein Opec-Sondertreffen, um eine mögliche Reduzierung zu diskutieren, werde das Land nicht unterstützen, hieß es am Freitag weiter. Ein Barrel der Sorte Brent gibt um 2,0 Prozent auf 35,26 Dollar nach.

Von den uneinheitlichen Daten aus China profitiert dagegen der "sichere Hafen" Gold. Der Preis für die Feinunze legt um 0,8 Prozent auf 1125 Dollar zu. Damit setzt das Edelmetall seine positive Entwicklung aus dem Vormonat fort, als es um 4 Prozent stieg. "Mit dem schwachen Dollar und dem sich wieder abschwächenden Risiko-Appetit der Investoren könnte Gold die Marke von 1140 Dollar ins Visier nehmen, wenn vorher der Widerstand bei 1125 Dollar geknackt wird", sagt Analyst Lukman Otunuga von FXTM.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen