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Kaum etwas übrig ist am Ende des Handelstages von den zwischenzeitlich deutlichen Aufschlägen beim Dax.
Kaum etwas übrig ist am Ende des Handelstages von den zwischenzeitlich deutlichen Aufschlägen beim Dax.(Foto: REUTERS)

Wall Street schließt im Plus: Dax verliert fast gesamten Gewinn

Rätsel gibt der Aktienmarkt den Anlegern auf. Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der EZB geht es zunächst deutlich nach oben mit dem Dax. Mit der Eröffnung der Wall Street bröckeln jedoch die Gewinne. Auch festere Euro hat wohl eine Mitschuld.

Von einer Zurückhaltung vor der wichtigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag war an den europäischen Börsen zunächst nichts zu spüren. Kräftig nach oben ging es im Tagesverlauf auch mit dem Dax, der mehr als ein Prozent zulegen konnte auf 9839 Punkte. Ein schwacher Start der Wall Street und ein steigender Euro jedoch ließen einen Großteil des Gewinns wieder verpuffen. Am Ende blieb ein Plus von 0,3 Prozent auf 9723 Punkte.

"So wie es für die Käufe keine plausible Erklärung gegeben hat, so gibt es jetzt auch für die Verkäufe keine stichhaltigen Gründe", sagte ein Händler zu der Abwärtsbewegung zum Handelsende. Vielmehr hätten späte Positionierungen von Investoren kurz vor der EZB-Sitzung am Donnerstag den "Flow" und damit die Tendenz bestimmt.

Dass die Aktienmärkte die Mitte Februar begonnene Erholung zuletzt nicht fortgesetzt haben, dürfte an den hochgesteckten Erwartungen an die Sitzung der EZB liegen. Immerhin erwarten Volkswirte im Konsens eine weitere Senkung des Bankeneinlagensatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,40 Prozent sowie ein um rund 15 Milliarden Euro höheres monatliches Volumen der Anleihekäufe. Gegenwärtig beträgt das Volumen 60 Milliarden Euro.

Während Staatsanleihen aus der Eurozone davon profitieren sollten, dürfte der Euro darunter leiden. Ein schwacher Euro ist zwar positiv für Europas Aktienmärkte, allerdings besteht die Gefahr, dass die EZB wie Anfang Dezember die Finanzmärkte enttäuscht. David Simner, Manager des Fidelity Euro Bond Fund ist hier aber optimistisch: „Die EZB dürfte alles daran setzen, einen Ausverkauf an den Märkten zu vermeiden, wie wir ihn nach ihrer Sitzung im Dezember gesehen haben“.

Eine mögliche Firmen-Fusion stützte hingegen die europäischen Aktienkurse. "Fantasie gibt es vor allem Dingen im europaweiten Telekom-Sektor", sagte n-tv-Börsenexperte Raimund Brichta. "Es gibt Spekulationen, dass die Telekom-Firmen Orange und Telecom Italia fusionieren könnten. Davon profitiert auch die T-Aktie im Dax." Der europaweite Telekom-Sektor stieg um 0,2 Prozent an. Telecom Italia legten um 1,9 Prozent zu.

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Mit hochgezogenen Augenbrauen blickten Händler auf den Aktienkurs von VW: Die im Dax notierten Vorzugsaktien entwickelte sich angesichts der Spekulationen um neue Schwierigkeiten in den USA nach anfänglich deutlichen Verlusten zunächst schlechter als der Gesamtmarkt, lag am Ende aber deutlich besser.

Neben VW standen vor allem die Bilanzen der beiden Dax-Konzerne Eon und Deutsche Post im Vordergrund. Das boomende Expressgeschäft und eine Paketflut zu Weihnachten hatten der Deutschen Post zwar im vierten Quartal zu einem Rekordergebnis verholfen. Der Umsatz stieg, die Dividende blieb stabil, der Jahresgewinn fiel allerdings um rund 26 Prozent schlechter aus als im Jahr zuvor. Die Post will zudem erhebliche Mittel in den Rückkauf eigener Aktien investieren. Die Aktie gab spürbar ab und landete weit hinten im Dax.

Noch trüber sah es dagegen bei Eon aus: Der Energiekonzern muss vor der geplanten Aufspaltung den größten Verlust seiner Unternehmensgeschichte hinnehmen. Die Aktie rutschte nach anfänglichen Gewinnen deutlich ab. „Der Ausblick macht die Musik“, sagte ein Händler. "Und da dieser nicht besonders optimistisch ausgefallen ist, fürchten Anleger, dass es auch bei der Dividende künftig Abstriche geben könnte."

BMW schüttet in seinem Jubiläumsjahr so viel Gewinn wie nie zuvor aus - die von vielen Analysten darüber hinaus erwartete Sonderdividende ließen die Konzernverantwortlichen in ihrer Mitteilung zur Gewinnbeteiligung aber unerwähnt. "BMW hat letztes Jahr damit gewunken, dass eine Sonderdividende möglich sei - und nun kommt sie nicht und die Dividende liegt noch unter Erwartung", sagt ein Händler. Die BMW-Aktie fiel mit deutlichen Verlusten ans Dax-Ende.

Frankfurt: BMW nach Dividenden-Enttäuschung weit hinten im Dax

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Der Dax schloss am Ende um 0,3 Prozent höher auf 9723 Punkten. Für den MDax ging es 0,4 Prozent nach oben auf 19.475 Zähler. Ein Minus verzeichnete der TecDax, der 0,3 Prozent abgab auf 1599 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,6 Prozent nach oben auf 3019 Stellen.

BMW fielen nach der Dividenden-Enttäuschung ans Dax-Ende und verloren 1,8 Prozent. Nach anfänglichen Gewinnen rutschte auch die Aktie von Eon ab und schloss im Dax auf den letzten Platz. Am Ende verlor sie 3,1 Prozent. Schwach zeigten sich auch Deutsche Post nach der Vorlage der Geschäftszahlen. Die Aktien verloren 1,7 Prozent.

Eine Erholung verzeichneten nach anfänglichen Verlusten die Aktien von Volkswagen mit einem Plus von 0,8 Prozent. Und das obwohl Anleger fürchten, dass dem Autobauer im Abgasskandal höhere Strafzahlungen drohen.

Deutsche Telekom verbesserten sich mit den Spekulationen um einen Einstieg von Orange bei Telecom Italia um 0,4 Prozent. Dax-Spitzenreiter waren hingegen die Aktien von Fresenius, die 1,3 Prozent zulegten. Auch Heidelbergcement standen mit einem Plus von 1,0 Prozent weit oben im Dax.

USA: Dow Jones bei 17.000 Punkten

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Gestützt vom Anstieg der Ölpreise legten die US-Börsen leicht zu. Allerdings blieben die Anleger angesichts der Sorgen um die chinesische Wirtschaft vorsichtig. "Ganz offensichtlich dreht sich alles um die Ölpreise", sagte Marktexperte Peter Cardillo vom Finanzhaus First Standard Financial.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,2 Prozent und schloss bei genau 17.000 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,5 Prozent auf 1989 Zähler. Der Nasdaq Composite legte um 0,6 Prozent auf 4674 Stellen zu.

Bei den Einzelwerten verteuerte sich die Aktie des Ölriesen Chevron um 4,4 Prozent. Valeant-Papiere rückten um 5,6 Prozent vor. Der kanadische Pharmakonzern hatte zuvor erklärt, sein Direktorium um drei Manager zu erweitern.

Air Transport sorgte mit einem Kurssprung von 16,7 Prozent für Aufsehen. Der Flugzeugvermieter liefert 20 Boeing -Frachtmaschinen an Amazon. Der Online-Händler will die Auslieferung von Paketen zunehmend in Eigenregie übernehmen. Der Konzern sicherte sich gleichzeitig das Recht, bis zu 19,9 Prozent an Air Transport zu übernehmen. Die Titel der US-Paketzusteller UPS und FedEx verloren dagegen 0,8 beziehungsweise 0,2 Prozent.

Überraschend starke Quartalsergebnisse verhalfen Blue Buffalo zum größten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Aktien des Spezialisten für Bio-Tierfutter stiegen um bis zu 21,6 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 22,92 Dollar. Das Unternehmen erwirtschaftete im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 265,2 Millionen Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit 259,2 Millionen Dollar gerechnet.

Asien: Yen-Effekt belastet Nikkei

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Die Aktienbörsen in Tokio zeigten auch zur Wochenmitte Schwäche: Vor allem der Yen-Anstieg drückte die Kurse exportorientierter japanischer Unternehmen, sagten Händler. Bereits am Vortag hatten Beobachter auf Wechselkurseffekte verwiesen.

Die Börse in Tokio hat angesichts der im langfristigen Vergleich weiterhin niedrigen Ölpreise schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 140,95 Punkte oder 0,84 Prozent und notierte zum Handelsende bei 16.642,20 Zählern. Der breit gefasste Topix gab um 15,39 Punkte oder 1,14 Prozent auf 1332,33 Zähler nach. Auch schwache Konjunkturdaten aus Japan hatten zuletzt zu einer geringeren Risikobereitschaft von Anlegern geführt.

Auf breiter Front nachgebende Rohstoffpreise erwiesen sich als zusätzlicher Belastungsfaktor, der sich insbesondere auf die übrigen asiatischen Börsen auswirkt. Vor allem der Aktienmarkt in Shanghai zeigte sich mit Abgaben von 1,4 Prozent davon geschwächt. Auch in Hongkong geht es bergab, allerdings mit minus 0,1 Prozent nur leicht.

Devisen: Euro steigt wieder über 1,10-Dollar-Marke

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Der Kurs des Euro ist zunächst unter 1,10 US-Dollar gefallen, konnte am späten Nachmittag diese Marke aber wieder überwinden. Zuletzt stieg der Kurs auf 1,1003 Dollar. Gegen Mittag hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,0973 (Dienstag: 1,1028) US-Dollar festgesetzt.

Die Anleger warten gespannt auf wichtige geldpolitische Entscheidungen der EZB am Donnerstag. Der Markt rechnet fest mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. Nahezu alle Experten gehen davon aus, dass die EZB den Zins für Einlagen der Geschäftsbanken noch tiefer in den negativen Bereich drücken wird. Dies würde einer höheren Gebühr auf das von den Banken geparkte Geld entsprechen. Außerdem gehen Fachleute davon aus, dass die EZB im Kampf gegen die zu niedrige Inflation das Kaufprogramm für Wertpapiere ausweiten könnte.

Die Aussicht auf eine noch größere Geldflut in der Eurozone habe die Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich belastet, hieß es aus dem Handel. Insgesamt sind die Markterwartungen an die Maßnahmen der EZB vergleichsweise hoch und das Enttäuschungspotential im Gegenzug entsprechend stark. "Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der morgigen Sitzung und insbesondere davon ab, inwieweit EZB-Präsident Mario Draghi die schon optimistischen Markterwartungen bestätigen kann", kommentierten Experten des Bankhauses Metzler.

Rohstoffe: Brent über 40-Dollar-Marke

Die zuvor bereits im Vergleich zum Vortag wieder zulegenden Ölpreise haben ihre Gewinn in Reaktion auf die Bekanntgabe der wöchentlichen US-Lagervorräte am späten Nachmittag noch aus. WTI-Öl verteuerte sich im Vergleich zum Settlement am Vortag um 3,9 Prozent auf 39,92 US-Dollar, Brent-Öl legte um 3,0 Prozent auf 40,85 Dollar zu.

Zwar sind die US-Rohöllagerbestände nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 3,88 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche gestiegen und damit stärker als mit 3,1 Millionen erwartet. Allerdings hatten Daten des privaten American Petroleum Institute (API) am Vorabend sogar eine Zunahme um 4,4 Millionen gezeigt.

Für Rückenwind bei den Ölpreisen sorgt aber vor allem, dass die Benzinbestände deutlich stärker gesunken sind als gedacht. Sie fielen um 4,5 Millionen Barrel. Analysten hatten ein Minus von 1,5 Millionen Barrel erwartet, nachdem sie bereits in der vorangegangenen Woche um 1,46 Millionen gesunken waren. Hier hatten die API-Daten einen Rückgang von 2,1 Millionen Barrel gezeigt.

Quelle: n-tv.de

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