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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Kursverluste in New York: Dax verharrt auf hohem Niveau

Die deutschen Aktien treten auf der Stelle. An der New Yorker Wall Street zeigen die Pfeile nach unten. Spannend ist derzeit der Devisenhandel, wo der US-Dollar wieder Stärke zeigt.

Am zweitletzten vollen Handelstag des Jahres sind die Anleger kaum mehr aus der Deckung gekommen. Langweilig war es an den Finanzmärkten trotzdem nicht. Am Morgen gab es einen fulminanten Kursrutsch in Asien. In Italien gibt man sich völlig unbeeindruckt von der Bankenkrise. Nur, wie lange noch? Außerdem trieben vielversprechende Konjunkturaussichten in den USA und Spekulationen über weitere Zinserhöhungen den Dollar gegen einen Korb wichtiger Währungen in die Nähe seines vor Weihnachten erreichten 14-Jahres-Hochs. Umgekehrt schwächelte der Euro. Am deutschen Aktienmarkt spielte das allerdings keine Rolle.

Der Dax schloss unverändert bei 11.474 Punkten. An umsatzstärkeren Tagen hätte ein schwächerer Euro wahrscheinlich die europäischen Aktien angetrieben, weil die exportorientierten Firmen in der Regel von einer schwächeren Währung profitieren. Ihre Waren werden im weltweiten Handel günstiger.

Der Dax schloss aber immerhin knapp unter dem Jahreshoch vom Vortag bei 11.481 Zählern. "Der deutsche Leitindex scheint 2016 doch noch versöhnlich abzuschließen", sagte Manfred Bucher von der BayernLB vor dem Hintergrund der Dezember-Rally. Seit dem Jahresbeginn hat  das Börsenbarometer damit fast sieben Prozent hinzu gewonnen.

Der MDax ließ seiner Rekordjagd am Mittwoch eine neue Bestmarke bei 22.177 Punkten folgen. Zuletzt notierte der Index mittelgroßer Werte ebenfalls unverändert mit 22.154 Zählern jedoch etwas darunter. Der Technologiewerte-Index TecDax stand knapp 0,1 Prozent höher bei 1811 Punkten. Auch der EuroStoxx 50 schloss unverändert.

Gekauft wurden nochmals Papiere aus dem gut gelaufenen Rohstoff- und Stahlsektor. Seit Jahresbeginn ist der Sektor um fast 60 Prozent gestiegen. Fondsmanager nehmen solche Papiere oft noch in ihre Portfolios, um diese "aufzuhübschen".

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Spitzenwert im Dax waren entsprechend die Aktien von Thyssenkrupp. Es sind die Titel, die in den vergangenen drei Wochen im Gegensatz zum Leitindex auch auf Talstation gegangen waren. Zuletzt kletterten sie um 1,0 Prozent. Rückenwind kam von der Erholung bei den Rohstoffpreisen. Auch Salzgitter-Papiere im MDax gehörten mit 1,6 Prozent klar zu den Gewinnern.

Für die Aktien der Lufthansa ging es dagegen am Indexende um 2,4 Prozent abwärts. Bei der Fluggesellschaft köchelt weiterhin das Gerücht einer engeren Verknüpfung mit dem Wettbewerber Etihad.

Aktien der Deutschen Börse standen mit 0,6 Prozent im Minus. Laut einem Zeitungsbericht räumt der Londoner Börsenbetreiber LSE im Zuge der geplanten Fusion mit dem deutschen Wettbewerber eine Hürde aus dem Weg: Die Pariser Abrechnungs- und Abwicklungsgesellschaft LCH Clearnet geht demnach wie erwartet an den Konkurrenten Euronext.

In London standen Rolls Royce zunächst etwas stärker unter Druck, nachdem Airbus mitgeteilt hat, zwölf Maschinen des Großraumflugzeugs A 380 später als ursprünglich geplant an die Fluglinie Emirates zu liefern. Rolls-Royce ist der neue Triebwerkslieferant für die Großraumflugzeuge. Die Titel drehten im Handelsverlauf dann aber mit 0,8 Prozent ins Plus. Airbus schlossen im MDax 0,3 Prozent niedriger.

Konjunkturdaten aus Italien sorgten für eine kleine Überraschung. Die schwierige politische Lage hat bislang offenbar keinerlei Spuren hinterlassen. Die Stimmung in den Unternehmen und bei den Verbrauchern in Italien hellte sich im Dezember sogar überraschend auf. Das heißt, weder die Krise des Bankhauses Monte dei Paschi noch das gescheiterte Verfassungsreferendum haben sich negativ auf das Vertrauen der Wirtschaftsakteure ausgewirkt.

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Dennoch dürfte das Thema Bankenrettung in Italien ein Thema bleiben. Zumal nicht mehr viel Zeit bleibt, um die angeschlagene Banca Monte dei Paschi formal vor der Abwicklung zu retten. Dies muss bis Jahresende geschehen. Am Montag war bekannt geworden, dass die Kapitallücke bei der Krisenbank offenbar 8,8 und nicht 5 Milliarden Euro beträgt. Die Aktie war zuletzt ausgesetzt.

Der Bankensektor führte insgesamt die Verliererliste in Europa an. Ein Händler verwies auf die Unsicherheiten rund um die schwer angeschlagene Bank Monte dei Paschi. Es sei davon auszugehen, dass die Probleme der toskanischen Bank nur die Spitze des Eisbergs darstellten. Italiens Banken sitzen auf einem Berg fauler Kredite von schätzungsweise 200 Milliarden Euro und könnten zum Systemrisiko werden.

Bei den Nebenwerten am deutschen Aktienmarkt fielen Braas Monier mit einem Kursverlust von 8,5 Prozent auf. Das war allerdings nur der Ausgabe von Gratisaktien geschuldet. Diese fast vier Millionen neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln werden erstmals gehandelt. Statt zehn haben die Aktionäre nun elf Aktien des Ziegelherstellers in ihren Depots.

Mit Siltronic (+2,2 Prozent) und Medigene (+6,7 Prozent) wurden im TecDax zwei Titel gekauft, die in diesem Jahr überdurchschnittlich gut gelaufen sind. Gesucht waren auch erneut GFT Technologies, die bereits am Vortag mit Kursgewinnen herausstachen. Bislang ging es um 6,2 Prozent nach oben.

USA: Minuszeichen an der Wall Street

In New York legte der Dow Jones am Mittwoch in seinem Endspurt auf die Rekordmarke von 20.000 Punkten eine Pause ein. Überraschend schwach ausgefallene Daten zum Immobilienmarkt dämpften die Stimmung an der Wall Street. Händler sprachen zudem von Gewinnmitnahmen bei dünnem Handel. Dennoch steuert der Dow auf den stärksten Zuwachs binnen eines Jahres seit 2013 zu.

Der Dow Jones sackte um 0,6 Prozent ab und schloss bei 19.834 Punkten, nachdem es kurz nach Handelsstart bis auf 19 Punkte an die psychologisch wichtige und bislang nie erreichte Marke von 20.000 Punkten herangekommen war. Es war der erste Rückgang seit drei Tagen. Der S&P500-Index gab 0,8 Prozent nach auf 2250 Zähler. Der Nasdaq Composite verlor 0,9 Prozent auf 5439 Stellen.

"Es sieht aus, als ob wir nach den jüngsten kräftigen Kursgewinnen Gewinnmitnahmen haben, was absolut gesund für den Markt ist", sagte Adam Sarhan, Chef von 50 Park Investments in Orlando, Florida. "Die Tatsache, dass der Dow die 20.000 noch nicht geknackt hat, zeigt, dass einige Investoren ihre Gewinne sichern."

Für einen Dämpfer sorgten die Daten zu den Verkäufen gebrauchter Häuser. Im November wurden so wenige Kaufverträge abgeschlossen wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass höhere Zinsen den Markt belasten. Die US-Notenbank Fed hatte Anfang Dezember erstmals seit einem Jahr ihren Leitzins wieder angehoben und weitere Schritte für 2017 in Aussicht gestellt.

Die Aktien von Boeing gaben 0,9 Prozent nach. Die Fluggesellschaft Delta hatte einen Auftrag für 18 Maschinen des Typs 787 Dreamliner zum Listenpreis von mehr als vier Milliarden Dollar zurückgezogen. Die Delta-Papiere gaben 1,6 Prozent nach.

Asien: Nikkei schließt unverändert

Positive Vorgaben aus den USA hatten am Morgen die asiatischen Aktienmärkte gestützt. Zwar trat die Tokioter Börse in einem impulsarmen Handel wenige Tage vor dem Jahreswechsel auf der Stelle, der Leitindex Nikkei schloss nahezu unverändert bei 19.401 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans  lag allerdings 0,6 Prozent im Plus.

Die australische Börse in Sydney stieg sogar um ein Prozent und schloss auf dem höchsten Stand seit fast 17 Monaten. Hier trieb vor allem ein Anstieg der Rohstoffpreise die Kurse von Bergbau-Unternehmen an. Auch der Markt in Hongkong legte zu. Die chinesische Börse in Shanghai und der südkoreanische Markt in Seoul gaben dagegen nach.

Bei den Einzelwerten stand Toshiba mit einem Kurseinbruch von 20 Prozent im Fokus. Der japanische Industriekonzern hatte eingeräumt, die Kosten von AKW-Projekten der kürzlichen übernommenen Atom-Sparte des Unternehmens Chicago Bridge & Iron seien viel höher als angenommen. Deswegen drohten milliardenschwere Belastungen.

Die Aktien von Hitachi Koki legten dagegen um fast 15,2 Prozent zu. Einem Medienbericht zufolge erwägt der japanische Mutterkonzern Hitachi, den Hersteller von Elektrowerkzeugen wie Bohrmaschinen und Schraubern an den US-Finanzinvestor KKR zu verkaufen. Der Deal könnte ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar haben.

Devisen: Dollar treibt nach oben

Im Devisenhandel zeigte der Dollar wieder Stärke. Der Euro, der im frühen Handel noch bei 1,0480 Dollar lag, fiel auf 1,0409 Dollar zurück. Auch zum Yen und zum Pfund zog die US-Devise an.

Devisenhändler verwiesen auf die überraschend guten Daten zum US-Verbrauchervertrauen vom Dienstag. Der entsprechende Index notierte auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Analysten erwarten, dass der Dollar noch stärker aufwerten und neue Hochs erreichen wird, getragen von einer steigenden Inflation, höheren Zinsen und Erwartungen an das Konjunkturprogramm, das der künftige US-Präsident Donald Trump versprochen hat.

Die allgemeine Dollar-Stärke, die Sorgen um den "Brexit" sowie ein jahreszeitlich bedingter dünner Handel drückten das Pfund zum Dollar um 0,5 Prozent nach unten auf ein Achtwochentief bei 1,2199 Dollar. Die britische Währung hatte in den vergangenen Wochen wieder Terrain gewonnen, da die US-Wahlen den Brexit aus den Schlagzeilen vertrieben hatten. Doch Analysten rechnen damit, dass die Sorgen um das Pfund wieder nach vorne rücken dürften, da sich die von Großbritannien selbst gesetzte Deadline zum Start des Brexit-Verfahrens Ende März nähert.

Nach der Dollar-Stärke dürfte 2016 die Pfund-Schwäche eine der klarsten Investmentchancen liefern, vermutet Währungsstratege Neil Mellor von Bank of New York Mellon: "Es gibt ein großes Informationsvakuum (zum Brexit), das für einige Zeit nicht gefüllt werden dürfte", sagt er. Sein Haus erwartet einen Pfundkurs von 1,15 Dollar im Lauf der kommenden sechs Monate.

Rohstoffe: Ölpreise stagnieren

Der festere Dollar bremste auch die Preise an den Rohstoffmärkten. Gold hatte sich seit dem Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl stetig verbilligt, erst in den vergangenen Tagen setzte eine zaghafte Erholungsbewegung ein.

Trump habe Gold zunächst den Glanz genommen, stellte Naeem Aslam, leitender Marktanalyst bei ThinkMarkets, fest. Der Handel habe sich auf einen schnelleren Anstieg der Zinsen eingestellt, der für das zinslos gehaltene Gold negativ wäre.

Trumps Präsidentschaft ist nach Meinung des Analysten jedoch nicht frei von Risiken. Unter anderem sei noch ungewiss, ob der neue Präsident eine gute Arbeitsbeziehung zu China herstellen könne, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Negativschlagzeilen zu diesem Thema könnten Gold im kommenden Jahr wieder Zulauf verschaffen, glaubt Aslam.

Der Preis für ein Barrel Leichtöl der US-Sorte WTI verharrte am späten Abend mit 53,92 Dollar auf dem Niveau des Vortages. Nach Handelsschluss in den USA wird der Branchenverband API Daten zu den Ölbeständen in den USA veröffentlichen, am Donnerstag folgen die offiziellen Daten des US-Energieministeriums.

In jüngster Zeit hatten sich die API-Daten nicht mehr als zuverlässiger Indikator für die Regierungsdaten erwiesen, sondern waren vielmehr deutlich davon abgewichen. Analysten sind unterdessen zuverlässig, dass der WTI-Preis noch in diesem Jahr die wichtige Schwelle von 55 Dollar überwinden kann. Sollte er sich darüber behaupten, würden die großen Ölkonzerne wieder Gewinne machen und den Abschwung endgültig hinter sich lassen, der 2014 begann, sagen die Analysten von Wood Mackenzie.

Quelle: n-tv.de

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