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Dienstag, 20. Juni 2017

Ölpreise fallen auf Jahrestief: Dax und Dow Jones fallen zurück

Die Rekordjagd an der Wall Street verhilft dem Dax zu einer neuen Bestmarke - allerdings nur kurz. Erst lässt der Leitindex sein Rekordhoch locker hinter sich, dann fällt er zurück. An der Wall Street wiederholt sich das Spiel - belastet von den Ölpreisen.

Ein erneuter Preisrutsch beim Rohöl hat Aktienanleger in Unruhe versetzt. Sie gingen auf Nummer sicher und machten Kasse, nachdem sie die Börsen in der Hoffnung auf ein schnelleres Wirtschaftswachstum und sprudelnde Firmengewinne auf neue Hochs gehievt hatten.

Der Dax schloss 0,6 Prozent im Minus bei 12.814,79 Punkten. Am Vormittag war er noch auf ein Rekordhoch von 12.951,54 Zählern gestiegen. Der EuroStoxx50 drehte ebenfalls ins Minus und verlor 0,4 Prozent auf 3564,73 Stellen.

"Offenbar sind die Marktteilnehmer nicht überzeugt, dass die Bemühungen der Opec die Preise nachhaltig stützen werden", sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Online-Broker Forex.com. Schließlich boome die Ölförderung in den USA. Das Export-Kartell und Russland hatten ihre Ende 2016 beschlossene Förderbremse im Mai um neun Monate verlängert. Insidern zufolge halten sich die Vertragspartner auch daran.

Insgesamt werteten Börsianer die Anlegerstimmung aber positiv. "Der Sprung nah an die 13.000er-Marke beim Dax war zu erwarten, die Investoren wollen diese Marke wohl einfach mal sehen", so Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de. Fundamental fehle jedoch abgesehen vom Zinsumfeld der Rückenwind, um deutlich über 13.000 zu klettern. "So ist der Rekord ein Grund zum Feiern, der Blick auf Bewertungen und den 4000-Punkte-Sprint binnen nur 15 Monaten mahnt aber zur Vorsicht. Der Dax ist nicht so teuer wie die US-Märkte, billig ist er damit aber noch lange nicht", sagt Saurenz.

"Die Weltwirtschaft befindet sich erstmals seit der Finanzkrise auf einem robusten, synchronen Wachstumspfad", sagte Christian Heger, Chef-Anleger der HSBC-Vermögensverwaltung. "Allerdings wachsen die Bäume nicht in den Himmel." Nach der Rally der vergangenen Monate sei das Risiko von Rückschlägen gestiegen. Unsicherheitsfaktoren seien die wirtschaftliche Entwicklung in China, die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump und der Brexit.

Letzterer beschäftigt Börsianer derzeit besonders, nachdem am Montag die Gespräche über die Bedingungen für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU aufgenommen wurden. "Der Verlauf des ersten Verhandlungstages deutet auf einen weichen Brexit hin", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Das sorgt bei den Nerven vieler Investoren zunächst einmal für Beruhigung. Dennoch werden wir lange auf konkrete Ergebnisse warten müssen." Bei einem "weichen" Brexit behielte Großbritannien den Zugang zum EU-Binnenmarkt. Dies würde die Belastungen für die Wirtschaft des Landes begrenzen.

Am deutschen Aktienmarkt gehörten Rocket Internet-Aktien mit einem Kursplus von fünf Prozent zu den Favoriten. Anleger hoffen auf einen erfolgreichen Börsengang der Beteiligung Delivery Hero. Gut eine Stunde nach dem Beginn der Zeichnungsfrist gab es Investmentbankern zufolge bereits genügend Gebote für alle angebotenen bis zu 39 Millionen Aktien des Lieferdienstes. Interessenten können die Papiere bis zum 28. Juni zu einem Preis von 22 bis 25,50 Euro zeichnen. Auf der Plattform Tradegate, wo die Titel bereits gehandelt werden können, kosteten sie 28,70 Euro.

US-Börsen: Fallende Kurse

Kräftig gefallene Ölpreise belasteten die Wall Street. Vor allem Energiewerte standen mit dem Preisrutsch am Erdölmarkt unter Druck. Aber auch im Halbleitersektor kochten die Sorgen über zu hohe Bewertungen wieder etwas hoch, die Branche büßte 1,3 Prozent ein. Im laufenden Jahr zählt der Energiesektor bereits zu den mit Abstand schwächsten Branchen. Mit der neuerlichen Talfahrt der Ölpreise fiel der Sektor um weitere 1,2 Prozent. Chevron und Exxon Mobil gaben 0,9 bzw. 0,5 Prozent ab.

Der Dow-Jones-Index markierte im Verlauf zwar ein weiteres Allzeithoch und hielt sich insgesamt recht wacker. Letztlich schloss der Index 0,3 Prozent leichter bei 21.467 Punkten, S&P-500 und Nasdaq-Composite verloren 0,7 bzw. 0,8 Prozent.

Neben dem Ölpreis beschäftigten Steuern die Anleger. Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, hatte seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass die Republikaner die Herausforderung der US-Steuerreform im laufenden Jahr lösen werden können. Zugleich machte er aber auch deutlich, dass noch etliche Hürden vor ihnen lägen. Er ging allerdings nicht auf Details ein und vermochte den Aktienmarkt daher nicht zu stützen.

An Konjunkturdaten wurde nur die US-Leistungsbilanz aus dem ersten Quartal veröffentlicht. Das Defizit hatte sich demnach zwar ausgeweitet, aber weniger deutlich als erwartet. Dafür äußerten sich gleich mehrere Vertreter der US-Notenbank. Zwar schlugen einige Fed-Repräsentanten einen behutsameren Zinserhöhungspfad vor als dies am Vortag William Dudley, Präsident der US-Notenbankfiliale in New York, getan hatte, am Gesamtbild der US-Geldpolitik änderte sich nach Meinung aus dem Handel jedoch nichts.

Tesla-Aktien stiegen um 0,7 Prozent. Das Unternehmen trifft keine Schuld an dem Unfall, bei dem im Mai vergangenen Jahres ein Testfahrer in einem selbstfahrenden Tesla Model S zu Tode kam, so das Ergebnis einer Untersuchung der US-Verkehrsbehörde NTSB. Reliance Steel & Aluminum verbilligten sich dagegen um 3,7 Prozent. Der Stahlhändler hatte eine Gewinnwarnung ausgegeben. Chipotle Mexican Grill büßten 7,3 Prozent ein, nachdem die Restaurantkette vor höheren Kosten im zweiten Quartal gewarnt hatte. Überzeugende Quartalszahlen über Markterwartung verhalfen der Aktie des Bauunternehmens Lennar zu einem Kursplus von 2,1 Prozent.

Aktien der mobilen Multimedia-Applikation Snap verloren 3,2 Prozent. Im Handel wurde auf Aussagen von Wettbewerber Instagram verwiesen. Dieser berichtete, dass bei dem Dienst Instagram Stories die Anzahl der täglich aktiven Nutzer hochgeschnellt sei. Snap bietet eine ähnliche Anwendung an, konnte aber im Mai bei den Nutzern nicht mithalten.

Devisen: Dollar stabil

Am Devisenmarkt baute der Dollar seine jüngsten Gewinne aus. Der Greenback hatte am Vortag zugelegt, nachdem sich Dudley für weitere Zinserhöhungen ausgesprochen hatte. Für einen Euro wurden 1,1126 Dollar gezahlt nach einem Tageshoch bei 1,1166.

Der Dollar-Index, der den Wert des "Greenback" im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen misst, stieg um 0,1 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 97,62 Punkten. Bereits am Montag hatte der Dollar zugelegt, nachdem der einflussreiche Fed-Banker William Dudley sich positiv über die amerikanische Wirtschaft geäußert hatte: Der robuste Arbeitsmarkt werde zu Lohnwachstum und einer anziehenden Inflation führen und dies erlaube der Fed ihre Geldpolitik allmählich weiter zu straffen.

Den Zinsspekulationen taten zurückhaltendere Aussagen seines Amtskollegen Charles Evans keinen Abbruch. Der Chef des Fed-Ablegers von Chicago sprach sich in New York für ein behutsameres Vorgehen bei Zinserhöhungen aus. Dudleys Worten werde vom Markt viel Gewicht beigemessen, und er vertrete eine Mehrheitsmeinung innerhalb des Fed-Gremiums, sagte Commerzbank-Analystin Esther Maria Reichelt.

Die US-Notenbank hatte vergangene Woche die Zinsen auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent erhöht und für dieses Jahr einen weiteren Schritt nach oben angekündigt. Die Wirtschaft in den USA brummt, die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei 4,8 Prozent - für die Fed ist damit das Ziel der Vollbeschäftigung erreicht.

Rohstoffe: Öl wird billiger

Steil nach unten geht es mit den Preisen am Rohölmarkt auf ein Neunmonatstief. Dabei drehte der Rohöl in den Bärenmarktmodus - ein Absturz von mindestens 20 Prozent seit dem letzten Zwischenhoch. Der letztmalig gehandelte Julikontrakt auf ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI ermäßigte sich um 2,2 Prozent auf 43,23 Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent verbilligte sich um 1,9 Prozent auf 46,02 Dollar.

Das war nur zum Teil dem festen Dollar geschuldet. Unter den Akteuren wuchsen laut Beobachtern Zweifel daran, ob die Förderdrosselungen auch eingehalten würden, auf die sich die großen Ölförderländer im Mai geeinigt hatten. Die Bemühungen des Erdölkartells Opec, die Ölpreise durch geringere Fördermengen zu stabilisieren oder gar nach oben zu treiben, werden von Opec-Mitglieder und Nichtmitgliedern gleichermaßen unterlaufen. So fährt das Opec-Mitglied Libyen, das ohnehin von der Förderbegrenzung ausgenommen wurde, seine Produktion hoch. Und in den USA, die nicht Mitglied der Opec sind, steigt die Fördermenge ebenfalls schon seit geraumer Zeit wieder.

Daher dürften die Daten des US-Branchenverbands API zu den Ölvorräten der USA, die nach US-Börsenschluss veröffentlicht werden, auf großes Interesse stoßen. Am Mittwoch folgen dann offizielle Daten der US-Regierung. Für die ING-Analysten ist ein Gleichgewicht am Markt noch nicht in Sicht. Steigende US-Treibstoffvorräte und eine zunehmende Förderung in Libyen und Nigeria seien der Stimmung nicht zuträglich, hieß es in einer aktuellen Studie. Die Opec-Ölproduktion sei im Mai um 336.000 Barrel täglich auf 32,14 Millionen gestiegen, führten die Experten aus.

Der Goldpreis zeigte sich nach dem Rücksetzer des Vortages minimal im Minus. Die Feinunze sank im späten US-Geschäft um 0,1 Prozent auf 1.243 Dollar - zum Settlement hatte Gold auf einem Fünfwochentief notiert. Laut Eric Rosengren, US-Notenbankgouverneur aus Boston, untergräbt das andauernde Niedrigzinsumfeld die Stabilität der Finanzmärkte. Diese Sicht könnte Gold etwas stützen, während die Aussicht auf steigende Zinsen belastet.

Asien: 22-Monatshoch in Tokio

Trotz guter Vorgaben aus den USA und Europa mit neuen Rekordhochs bei einzelnen Indizes haben sich die Anleger in Ostasien mit Käufen zurückgehalten. An den meisten Plätzen gaben die Indizes leicht nach, in Australien gingen die Kurse etwas stärker zurück.

Klar aus dem Rahmen fiel aber die Tokioter Börse. Der Nikkei-Index schloss 0,8 Prozent höher mit 20.230 Punkten. Im Verlauf des Handels hatte er noch stärker zugelegt, dennoch erreichte das Marktbarometer auf Schlusskursbasis den höchsten Stand seit 22 Monaten.

Beobachter führten die gute Stimmung auf Konjunkturzuversicht zurück, gepaart mit einem schwächeren Yen. Außerdem wurde auf konjunkturoptimistische Aussagen aus Kreisen der US-Notenbank verwiesen, namentlich den als geldpolitische Taube geltenden William Dudley, der für weitere graduelle Zinsanhebungen plädiert. Die damit verbundene Erwartung weiter anziehender US-Zinsen stützte den Dollar, schwächte also den Yen weiter, was positiv für Japans Exportsektor ist. Erst am Montag hatten robuste Exportdaten für Mai dies unterstrichen.

Marktexperte Takashi Hiratsuka von der Resona Bank führte daneben auch solide japanische Unternehmensergebnisse und nachlassende geopolitische Unsicherheiten in Ostasien als Begründung an. Präferiert würden in diesem Umfeld eher Aktien von Unternehmen mit Gewinnsteigerungspotenzial als solche von Unternehmen mit einer stabilen Gewinnentwicklung.

Insbesondere aus dem zuletzt stärker gebeutelten Technologiesektor in den USA kamen positive Impulse. Dort sind die Sorgen vor einer Überbewertung und einer zu platzen drohenden Spekulationsblase zuletzt wieder gewichen, so dass der technologielastige Nasdaq-Index besonders kräftig zulegte. Daraufhin waren auch in Asien Technologieaktien gesucht. In Taiwan zog der Kurs des Apple-Zulieferes Hon Hai um weitere 4,6 Prozent auf ein erneutes Rekordhoch an. Für Taiwan Semiconductor ging es um 1,6 Prozent nach oben, der Börsenindex Taiex stieg um 0,7 Prozent und übertraf damit das 27-Jahreshoch vom Vortag. In Seoul gewannen die Aktien des Apple-Konkurrenten Samsung um 3,4 Prozent

In Shanghai und Hongkong machte sich abwartende Spannung breit vor der Entscheidung des Indexbetreibers MSCI über die Aufnahme chinesischer A-Aktien in seine Schwellenländerindizes. Am Montag hatten Hoffnungen auf eine positive Entscheidung und eine neuerliche Liquiditätsspritze der Notenbanker für das Bankensystem die Kurse noch angetrieben.

Sollte MSCI nach drei negativen Entscheidungen zuvor diesmal den Daumen heben, dann könnte unter anderem von Fonds, die die MSCI-Indizes abbilden, verstärkte Nachfrage nach chinesischen Aktien kommen. Einige Marktteilnehmer betonten aber, kurzfristig dürfte der Effekt eher gering ausfallen. Laut dem Indexbetreiber könnten 169 chinesische Einzelwerte von der Entscheidung betroffen sein, entsprechend 0,5 Prozent der börsennotierten Aktien in China. Die Entscheidung wird nach Handelsende am Dienstag in den USA erwartet.

Verkauft wurden Great Wall Motors, die zuletzt innerhalb von drei Wochen um 50 Prozent zugelegt hatten. Der Kurs lag im späten Hongkonger Handel 1,7 Prozent im Minus, belastet von einer negativen Studie der Analysten von Bernstein. Sie befürchten, dass ungeachtet des am Markt herrschenden Optimismus für das Unternehmen, die Zahlen für das zweite Quartal und der Ausblick für das Gesamtjahr die Erwartungen klar verfehlen werden.

In Sydney drückten Verluste der schwer gewichteten Banken auf die Stimmung, das Börsenbarometer dort gab um 0,8 Prozent nach. Westpac verloren beispielsweise 1,8 Prozent, NAB 1,1 Prozent. Auslöser der Kursverluste bei den Banken war, dass die Ratingagentur Moody's zwölf Banken mit schlechteren Bonitätsnoten versehen hat aus Sorge über sehr hohe Hypothekenkredite bei einem gleichzeitig allmählich wieder steigenden Zinsniveau. Seit einigen Wochen haben die fünf größten Banken des Landes bereits mit dem Gegenwind einer geplanten Sondersteuer zu kämpfen, die am Montag auch vom Parlament beschlossen wurde. Sie soll in den kommenden vier Jahren 6,2 Milliarden Austral-Dollar in die Staatskasse spülen.

Verkauft wurden aber auch Aktien von Öl- und Rohstoffunternehmen angesichts der zuletzt gesunkenen Ölpreise. Santos verloren 2 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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