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Slowakei tischt Euro-Sorgen auf: Dax taucht unter 6900 Punkte

Neu aufgekeimte Sorgen um ein Auseinanderbrechen der Eurozone drücken den deutschen Aktienmarkt deutlich ins Minus. Für Aufregung sorgen Aussagen des slowakischen Premiers Fico. Bereits zuvor mehren sich Stimmen, die nicht an rasche Geldspritzen der US-Notenbank glauben, was die Kurse zusätzlich unter Druck setzt.

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Der deutsche Leitindex Dax rutschte bis Handelsschluss unter die Marke von 6900 Punkten und beendete den Handel mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 6895,49 Zählern. Zwischenzeitlich fiel der Dax bis auf 6871 Punkte. Für den MDax ging es um 1,1 Prozent abwärts auf 10.944,05 Punkte. Der TecDax hielt sich mit einem Kursabschlag von 0,5 Prozent auf 791,32 Punkte vergleichsweise gut.

Mehrere Händler verwiesen mit Blick auf die Talfahrt des Dax auf Aussagen des slowakischen Premierministers Fico, der ein 50-prozentiges Risiko für ein Auseinanderbrechen der Eurozone sieht. "Nachdem die jüngsten US-Wirtschaftsdaten nicht schlecht genug waren, um Markt-Interventionen zu rechtfertigen, rechnen immer weniger mit neuen Geldspritzen der US-Notenbank Fed", sagte ein Händler. "Die Äußerungen von Robert Fico haben daher die Sorgen um die Eurozone zurückgebracht, zu Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten geführt und auch den Euro spürbar belastet." Die Gemeinschaftswährung war nach den Aussagen Ficos am späteren Nachmittag ebenfalls kräftig unter Druck geraten und zeitweise unter 1,25 US-Dollar gefallen.

"Staatsanleihenkäufe werden kommen"Bereits zuvor war die Stimmung an den Aktienmärkten gereizt, da wachsende Zweifel über baldige Konjunkturspritzen der US-Notenbank Fed laut wurden. "Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Bernanke nicht viel sagen wird", sagte ein Händler. Fed-Chef Ben Bernanke wird am Freitagnachmittag beim jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole reden. Da Bernanke 2010 bei dieser Gelegenheit das zweite Anleihe-Kaufprogramm (QE2) angekündigt hatte, hoffen viele auch dieses Jahr auf klare Aussagen.

US-Konjunkturdaten fielen am Donnerstag gemischt aus. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag mit 374.000 etwas höher als erwartet. Dagegen stiegen die Konsumausgaben in den USA im Juli wie prognostiziert um 0,4 Prozent.

Dickes Minus bei Autobauern

Größter Dax-Verlierer waren die Auto-Papiere: Daimler, BMW und Volkswagen verloren zwischen vier und 5,5 Prozent. Händler verwiesen auf die Entscheidung der US-Regierung, den Benzinverbrauch von Neuwagen künftig stärker zu begrenzen. "Die Obama-Regierung will den Verbrauch der Flotten deutlich reduzieren. Das dürfte den deutschen Herstellern mit ihren Oberklasse-Wagen mächtig zu schaffen machen", sagte ein Händler.

Auf der Dax-Gewinnerseite standen die Aktien von Metro mit einem Plus von 2,1 Prozent ganz oben. Dabei gilt der Wert im Dax als Abstiegskandidat, wenn der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse am 5. September zusammenkommt. "Das sieht nach einem letzten Aufbäumen aus", erklärte ein Händler. Unterstützt wurde der Kurs vor allem von Berichten über einen möglichen Teilverkauf der Supermarktkette Real. Das Unternehmen soll Gespräche mit Interessenten für die Real-Läden in Osteuropa und der Türkei führen. Eine Entscheidung zeichne sich aber noch nicht ab. Die Düsseldorfer hatten Real bereits vor Jahren zur Disposition gestellt. Unterstützt wurden die Aktien auch von der guten Aufnahme der Carrefour-Halbjahreszahlen.

Auf der Verliererseite fanden sich im MDax die Anteilsscheine von Rhön-Klinikum wieder, die 5,4 Prozent niedriger schlossen. Der Klinik-Betreiber Asklepios will eine Übernahme des Konkurrenten durch den Gesundheitskonzern Fresenius mit aller Macht verhindern. Das Familienunternehmen, das bereits über fünf Prozent an Rhön hält, teilte dem Vorstand der fränkischen Klinik-Kette offenbar mit, sich für die Unabhängigkeit des Konzerns einzusetzen und seinen Anteil an Rhön ausbauen zu wollen. Die Aktien von Fresenius beendeten den Tag mit einem Minus von 0,7 Prozent.

Der mögliche Verkauf des Skandinavien-Geschäfts gab den Aktien von ProSiebenSat.1 neuen Schwung. Die Titel der TV-Senderkette kletterten um 2,3 Prozent. Ein Teil des möglichen Erlöses könnte wieder an die Aktionäre ausgeschüttet werden, mutmaßte ein Händler. ProSiebenSat.1 hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass sich Interessenten für das Nordeuropageschäft gemeldet hätten, ohne dass ein Verkaufsprozess für die Sparte gestartet worden sei.

Spitzenreiter im MDax waren die Anteilsscheine von Stada mit einem Plus von 3,9 Prozent. Händler verwiesen auf vage Übernahmegerüchte beim letzten unabhängigen Generika-Hersteller Deutschlands.

Positiv werteten die Akteure am Aktienmarkt den Auftrag für EADS aus China über mehr als 50 Maschinen des Typs A320 im Volumen von 3,5 Mrd. Dollar. Die Stimmung für den Sektor war indes angeschlagen. Marktteilnehmer beklagen Überkapazitäten im internationalen Fluggeschäft. Immer wieder komme es zu Stornierungen und Verzögerungen bei Abnahme und Bezahlung. Die EADS-Aktie verlor 0,5 Prozent.

Quelle: n-tv.de