Ein US-Alleingang in Syrien und enttäuschende Job-Daten aus Washington: Der Dax vor dem Wochenende.
Ein US-Alleingang in Syrien und enttäuschende Job-Daten aus Washington: Der Dax vor dem Wochenende.(Foto: REUTERS)

Rüstungsaktien im Aufwind: Dax steuert in die Osterwoche

Die Woche vor Ostern hält für Börsianer reichlich Unwägbarkeiten bereit: Wie entwickelt sich die Lage nach dem US-Angriff in Syrien? Der schwache "Job Report" könnte neue Konjunkturzweifel schüren. Mehrere Schwergewichte kündigen Quartalszahlen an.

Die verkürzte Handelswoche vor Ostern dürfte Anlegern am deutschen Aktienmarkt wenig Grund zur Entspannung liefern. Für den Leitindex Dax, der sich in der abgelaufenen Woche bis auf 15 Punkte seiner zwei Jahre alten Rekordmarke von 12.390 Punkten angenähert hatte, wird Fachleuten zufolge die Luft ohnehin dünner. Auch drohende Handelskonflikte mit den USA und Signale einer strafferen US-Geldpolitik könnten die Anleger zurückhalten, heißt es.

Vor dem Wochenende schloss der Dax unter dem Eindruck schwacher Daten vom US-Arbeitsmarkt und der drohenden Eskalation in Syrien 0,05 Prozent im Minus, blieb damit aber nahe an seinem Tageshoch. Aus dem Schlusskurs von 12.225,06 Punkten ergibt sich ein Wochenverlust von rund 0,7 Prozent. Der Index mittelgroßer Werte MDax rückte am Freitag um 0,38 Prozent auf 24.202,32 Punkte vor. Der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,58 Prozent auf 2046,28 Punkte.

Patrick Hussy, Geschäftsführer des Forschungsunternehmens Sentix, sieht für den Dax die Gefahr einer kurzfristigen Korrektur um 5 bis 10 Prozent. "Das Vertrauen in Aktien schwindet", meint Hussy und verweist darauf, dass US-Präsident Donald Trump als Treiber von Konjunkturerwartungen und Aktienkursen erst einmal an Wirkung verloren habe. Aus Sicht von Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, tut die Verschnaufpause zwischen 12.000 und 12.400 Punkten dem Dax gut. "Europas Börsen bleiben attraktiver als die Wall Street", ist sich Greil sicher.

Berichtssaison läuft an

Konjunkturell steht die Karwoche im Zeichen neuer Inflationsdaten. Am Dienstag werden die Verbraucherpreise für Großbritannien, am Mittwoch für China, am Donnerstag für Deutschland und am Freitag für die USA veröffentlicht. Zudem stehen am Dienstag in Deutschland die ZEW-Konjunkturerwartungen und in der Eurozone die Industrieproduktion auf der Agenda. Hinzu kommen am Donnerstag in den USA das Michigan-Verbrauchervertrauen und am Freitag die Einzelhandelsumsätze.

Aus Unternehmenssicht stehen bereits einige Zahlen zum ersten Quartal vor der Tür, kaum dass die Jahresabschlüsse für 2016 veröffentlicht sind. In Deutschland geht es erst nach Ostern los, aus der Eurozone berichten aber bereits der französische Luxusgüterkonzern LVMH (Montag), der schweizerische Duftstoffhersteller Givaudan (Dienstag) und der französische Handelsriese Carrefour (ebenfalls Dienstag) über die Umsätze im ersten Jahresviertel. In den USA veröffentlichen am Freitag die Großbanken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo ihre Quartalsberichte.

Deutlich weniger neue Jobs

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Die US-Börsen hatten sich am Freitag nach unerwartet schlecht ausgefallenen Arbeitsmarktdaten kaum bewegt. Laut "Job Report" - dem monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung - entstanden in der US-Wirtschaft im März insgesamt 98.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Im Vorfeld befragte Experten hatten mit 180.000 neuen Jobs gerechnet.

Trotz der enttäuschenden Zahlen sei der US-Arbeitsmarkt in einer soliden Verfassung, betonte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba. Die separat ermittelte Erwerbslosenquote sank von 4,7 auf 4,5 Prozent. "Zwar ist der Lohndruck nur mäßig, für die US-Notenbank gibt es aber keinen Grund, den Zinserhöhungspfad zu verlassen", sagte Wortberg. Der US-Angriff auf syrische Militärziele hielt ebenfalls viele Anleger vom Aktienkauf ab.

Rüstungsaktien stärker gefragt

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte trat zuletzt bei 20.656 Punkten auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P-500 ließ 0,1 Prozent auf 2355 Punkte Federn. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq notierte zum Schluss kaum verändert auf 5877 Punkten. Im Wochenvergleich gab der Dow 0,03 Prozent nach, der S&P 0,3 Prozent und der Nasdaq 0,57 Prozent.

Nach den US-Angriffen auf Ziele in Syrien standen die Papiere von Rüstungskonzernen im Blickfeld. Aktien von Raytheon, dessen Tomahawk-Raketen bei dem Luftschlag verwendet wurden, verteuerten sich um 1,5 Prozent. Lockheed Martin gewannen 1,1 Prozent. General Dynamics und Northrop Grumman stiegen um jeweils um 0,9 Prozent.

Milliarden aus Deutschland

US-Präsident Donald Trump setzt mit einem Luftangriff auf die syrische Armee das Verhältnis zu Russland einer schweren Belastungsprobe aus. "Jetzt gilt es, die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des US-Alleingangs zu bewerten", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Auch innenpolitisch könnte das Vorgehen in Syrien Trump belasten.

Zu den größten Gewinnern im US-Handel zählten die Aktien von Akorn mit einem Aufschlag von 18 Prozent. Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius prüft eigenen Angaben zufolge die Aussichten auf eine Übernahme des US-Generikaherstellers.

Quelle: n-tv.de

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