Freundliche Vorgaben für den Dax: Starke Zwischenberichte aus dem Bankensektor treffen an der Wall Street auf steigende Ölpreise und ein ermutigendes "Beige Book".
Freundliche Vorgaben für den Dax: Starke Zwischenberichte aus dem Bankensektor treffen an der Wall Street auf steigende Ölpreise und ein ermutigendes "Beige Book".(Foto: AP)

Dax steigt erst spät ins Plus: US-Börsen schließen freundlich

Dem satten Plus des Vortages folgt ein Mini-Aufschlag zur Wochenmitte. Dabei sieht es lange nicht nach steigenden Kursen aus. Ein schwacher Euro und die Wall Street sorgen dann aber doch für Gewinne. Draghi kann kommen. In New York ziehen die Kurse an.

Zur Wochenmitte hat am deutschen Aktienmarkt die große Ruhe vor dem Sturm geherrscht. Vor der Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) und der anschließenden Äußerungen von Zentralbanks-Präsident Mario Draghi zur weiteren Geldpolitik hielten sich die Anleger zurück. Zum Handelsende stand dann immerhin ein leichter Aufschlag. Damit bleibt das Jahreshoch von 10.802 Stellen weiter in Reichweite.

Der Dax schloss 0,1 Prozent im Plus bei 10.646 Punkten. Am Montag war er schwächer, am Dienstag deutlich fester aus dem Handel gegangen. Der MDax verabschiedete sich 0k5 Prozent höher bei 21.553 Zählern. Der TecDax verbesserte sich 0,1 Prozent auf 1786 Stellen.

Konjunktur: China hilft

Gestützt wurde die Stimmung von der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Deren Wachstum traf mit 6,7 Prozent im dritten Quartal die Erwartungen. Auch ein weiterhin schwacher Euro sowie ein steigender Ölpreis halfen.

Daneben verwiesen Marktteilnehmer auf das "Buy-the-Dips-Verhalten" der Anleger, das vom bisher vergleichsweise günstigen Verlauf der US-Bilanzsaison weiter gefestigt wurde. Außerdem stützte die Bereinigung von Schieflagen vor dem Verfallstermin der Optionen auf Aktien und Indizes an den europäischen Terminbörsen am Freitag die Kurse. Sollte der Dax die 10.660er Marke nachhaltig überwinden, seien die Jahreshochs bei 10.800 Punkten das nächste Ziel, sagte ein Händler.

Nötige Impulse dafür könnten aus den USA kommen, wo am Abend (MESZ) das Beige Book veröffentlicht werden sollte. Der Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte die Zinsspekulationen anheizen. Zudem steht in Las Vegas in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) das dritte und letzte Fernsehduell von Donald Trump und Hillary Clinton auf den Terminkalendern. An den Märkten werden im Falle eines Sieges des Republikaners bei den Wahlen Turbulenzen erwartet.

Dax: VW-Anleger warten

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Bei den Einzelwerten im Dax setzten Anleger auf einen positiven Ausgang des VW-Abgasskandals in den USA. Am Dienstag werden dazu ein Richterspruch und eine Milliardenstrafe erwartet. Die Höhe dürfte die weitere Richtung der Aktien bestimmen. VW legten rund ein halbes Prozent zu.

Käufe vor den Quartalszahlen schoben Daimler an. Mit einem Plus von 1,5 Prozent führten die Aktien - gemeinsam mit den BMW-Papieren - die Gewinnerliste im Dax an. "Der Markt setzt auf gute Zahlen", sagte ein Händler. Daimler seien derzeit im Automobilbereich in der Favoritenrolle. Gute Geschäftszahlen und ein guter Ausblick könnten die Aktien an den Widerstand bei 68,50 Euro treiben.

SAP gaben dagegen vor dem Zahlenausweis 0,4 Prozent nach. "Hier fehlt ein wenig die Fantasie, nachdem SAP kein Pre-Announcement veröffentlicht hat", sagte ein Händler. Zudem seien aus dem Technologiebereich bereits einige Enttäuschungen gekommen, deshalb sei der Markt eher vorsichtig. Die beiden Dax-Konzerne veröffentlichen am Freitag ihre Quartalszahlen.

Deutlich gefestigter präsentierten sich die Anteilsscheine von Deutscher Bank und Commerzbank. Während Deutsche Bank etwa 1,3 Prozent anzogen, lagen Coba rund 1,5 Prozent im Plus. Dagegen ging es für RWE leicht ab- und Eon leicht aufwärts. Mit einer Milliardensumme können sich die Versorger von der Zwischen- und Endlagerung von Atommüll freikaufen. Das sieht der Atomdeal mit der Bundesregierung vor, dass das Kabinett verabschiedet hat.

MDax: Von Airbus ...

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Airbus gewannen rund 1 Prozent. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte ein Ermittlungsverfahren gegen den Konzern eingestellt. Zum Verdacht der Bestechung bei zwei Grenzsicherungs-Großprojekten in Saudi-Arabien und Rumänien sei "kein Tatnachweis zu führen", bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage der "Welt".

Metro reagierten spät auf die Quartalszahlen. Die Umsätze bei Saturn Media hätten zwar etwas enttäuscht, das sei aber wegen verzögerter Auslieferungen und Vorzieheffekten wegen der Fußball-EM begründbar. "Thema bleibt die Aufspaltung", kommentierte ein Händler. Die Titel schlossen etwa 2 Prozent fester.

... bis Zalando

Positiv nahmen Marktteilnehmer die Aussagen von Zalando auf. "Mit einem erneuten Anheben der Margen-Prognose hat niemand gerechnet", sagte ein Händler. Im dritten Quartal hatte Zalando überraschend einen Gewinn auf Ebit-Basis erzielt. Der Umsatz sei zwar etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Zalando wird aber immer mehr zu einer Margen-Story", sagte der Händler. Die Aktien schlossen mehr als 7 Prozent fester.

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Als positiv für Hochtief bewerteten Händler die Entwicklung bei Cimic. Der Kurs der australischen Tochter zog 3 Prozent an. Wie Cimic mitteilte, stieg der Cashflow im abgelaufenen Quartal um 7,3 Prozent auf knapp 533 Millionen australische Dollar. Der Nettogewinn legte in den ersten neun Monaten um 5,9 Prozent auf 413,7 Millionen zu. "Auch Hochtief dürften ihren Aufwärtstrend nun fortsetzen", so ein Händler. Hochtief-Titel kletterten 0,8 Prozent.

CL-Sieg für Dortmund

Nach dem Sieg in der Champions League bei Sporting Lissabon zogen die BVB-Aktien rund 4 Prozent an. "Die Chance auf das finanziell lukrative Achtelfinale hat deutlich zugenommen", sagte ein Händler. Mit Blick auf die technische Situation der Aktie hieß es, seit dem Überwinden der Marke von 5 Euro habe das Momentum stark zugenommen.

USA: Fed legt "Beige Book" vor

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Der Anstieg bei den Ölpreisen und ein starker Quartalsbericht von Morgan Stanley haben der Wall Street zur Wochenmitte kleine Gewinne beschert. Der Dow-Jones-Index baute seine Vortagesgewinne aus und gewann 0,22 Prozent auf 18.203,62 Punkte. Der S&P-500 stieg ebenfalls um 0,22 Prozent auf 2144,29 Punkte. Der Nasdaq-Composite legte um 0,05 Prozent zu auf 5246,41 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 hingegen bewegte sich mit einem schmalen Minus von 0,06 Prozent auf 4836,61 Punkte kaum vom Fleck.

Mit den steigenden Notierungen am Ölmarkt habe sich vor allem die Stimmung im Energiesektor verbessert, hieß es. Mit einem Plus von 1,4 Prozent führte der entsprechende Branchenindex die Marktentwicklung an. Unter den Energiewerten verteuerten sich Transocean um 5,7 Prozent und Diamond Offshore um 4,8 Prozent. Der Handel verlief aber wie an den Vortagen volatil und launisch, so sackten die Indizes kurz vor der Schlussglocke noch ab.

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Das "Beige Book", der Konjunkturbericht der US-Notenbank, zeichnete ein verhalten freundliches Bild der Wirtschaft. Damit bleibt die Wahrscheinlichkeit einer Dezember-Zinserhöhung hoch, auch wenn sie abhängig von den künftigen Daten sein wird.

Weniger freundlich lasen sich neue Daten zum Immobilienmarkt: Die Neubauaktivität in den USA hat im September entgegen den Erwartungen den zweiten Monat nacheinander einen kräftigen Dämpfer erhalten. Besserung könnte sich allerdings in den kommenden Monaten einstellen, denn es wurden spürbar mehr Baugenehmigungen erteilt als prognostiziert.

Etwas getrübt wurde die Stimmung durch deutliche Kursverluste bei den Aktien von Intel, die unter einem enttäuschenden Ausblick des Chip-Riesen litten. Die Anleger reagierten enttäuscht auf den Ausblick des US-Konzerns auf das vierte Quartal, dabei hatte Intel für das dritte Quartal durchaus "geliefert", wie Analysten betonten. Doch der Umbau des Giganten kostet viel und wird viel kosten, lautete die Befürchtung am Markt. Die Aktie fiel um 5,9 Prozent - das war die Rote Laterne im Dow-Jones-Index.

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Der Ölfeldausrüster Halliburton hat im ersten Geschäftsquartal zwar erneut deutlich weniger umgesetzt, dafür allerdings überraschend einen Gewinn erzielt. Nach der Krise der vergangenen zwei Jahre seien die Ergebnisse absolut zufriedenstellend, so Halliburton-Chef Dave Lesar. Anleger pflichteten ihm bei, der Kurs legte um 4,2 Prozent zu - gestützt auch vom festen Ölpreis.

Yahoo gewannen 2,5 Prozent nach im Kerngeschäft übertroffenen Erwartungen im Berichtsquartal. Einen Kurseinbruch verzeichnete die Aktie des LED-Halbleiterherstellers Cree. Die Behörden wollen Näheres zum beabsichtigten Verkauf der Tochter Wolfspeed an Infineon wissen, durch den sich Cree stärker fokussieren will. Zudem kam der Ausblick von Cree nicht gut an. Die Analysten von Stephens & Co senkten ihre Einschätzung der Aktie ab, Cree rutschten um gut 11 Prozent ab.

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Abgesehen davon läuft die Berichtsperiode zumindest im Bankensektor rund. Mitte der Woche konnte die US-Großbank Morgan Stanley überzeugen: Das Finanzhaus hat im dritten Quartal mehr verdient und eingenommen als erwartet und reiht sich damit bei den anderen US-Großbanken ein: Sie alle haben von einer Erholung ihrer Handelsgeschäfte profitiert. Der Kurs legte 1,9 Prozent zu; seit dem Tief Ende Juni ist die Aktie um 43 Prozent vorgerückt.

Neben der Bilanzsaison dürfte in den kommenden Wochen zunehmend die Politik das Feld bestimmen, denn die US-Präsidentschaftswahl ist nur noch knapp drei Wochen entfernt. In der Nacht deutscher Zeit wird das dritte TV-Duell zwischen den beiden Bewerbern Hillary Clinton und Donald Trump stattfinden. Die meisten Teilnehmer an der Börse favorisieren Clinton, die als berechenbarer gilt. Sie ist auch als Siegerin aus den ersten beiden Duellen hervorgegangen; sollte Trump diesmal die Nase vorne haben, könnte dies am Aktienmarkt übel aufstoßen.

Devisen: Euro auf Parität?

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Der Euro fiel nach anfänglichen Gewinnen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0964 Dollar. Im Mittagshandel hatte der Euro noch zeitweise bei über 1,10 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0979 Dollar fest nach 1,0993 Dollar am Dienstag.

Insgesamt hielten sich die Kursausschläge in engen Grenzen. Bereits seit einigen Tagen pendelt der Euro-Kurs um 1,10 Dollar. Die Anleger warten auf die EZB-Sitzung. Dabei werden keine Änderungen der Geldpolitik erwartet. Notenbank-Präsident Draghi könnte jedoch Hinweise geben, wie lange er die milliardenschweren Anleihekäufe im Kampf gegen die niedrige Inflation fortführen will.

Rohstoffe: Trendwende bei Öl?

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Der Ölpreis legte zur Wochenmitte zu. Dabei verlieh der überraschende Rückgang der US-Lagerbestände zusätzlichen Schub: Der Der richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 2,3 Prozent auf 53,03 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI legte sogar 3,2 Prozent auf 51,89 Dollar zu.

Dem US-Energieministerium zufolge gingen die US-Reserven in der vergangenen Woche um 5,2 Millionen Barrel zurück. Experten hatten dagegen mit einem Anstieg von 2,7 Millionen Barrel gerechnet.

Der Abschwung bei den Ölpreisen ist nach Einschätzung des saudischen Ölministers Khalid al-Falih an sein Ende gekommen. Nun deute sich der Beginn eines Aufwärtszyklus' an, sagte er. Die Vereinbarungen von Algier innerhalb der Opec mit dem Ziel einer Förderbegrenzung würden eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage unterstützen, die bereits auf dem Weg sei. Positiv sei auch, dass es bei nachfolgenden Gesprächen mit Nicht-Opec-Mitgliedern eine Annäherung gegeben habe.

Asien: Leichte Gewinne

Die im Rahmen der Erwartung ausgefallenen Wachstumsdaten aus China sorgten an den ostasiatischen Börsen für eine positive Grundstimmung. Hinzu kamen günstige Vorgaben der Wall Street. Allerdings zeigten sich die meisten Börsen nur mit kleinen Gewinnen: So schloss der Nikkei-Index 0,2 Prozent höher bei 16.999 Punkten. In Sydney ging es für den S&P/ASX200 0,4 Prozent nach oben. Auch der Kospi in Seoul verbesserte sich leicht. Der HSI und der Shanghai Composite präsentierten sich kaum verändert.

Das chinesische BIP wuchs im dritten Quartal wie prognostiziert 6,7 Prozent, womit sich China weiter auf Kurs befindet, das avisierte Wachstum von 6,5 bis 7 Prozent zu erreichen. Gleichzeitig verfehlte die Industrieproduktion im September zwar die Erwartung, legte mit 6,1 Prozent zum Vorjahr aber dennoch deutlich zu. Außerdem fielen die Einzelhandelsumsätze wie erwartet aus mit einem kräftigen Anstieg um 10,7 Prozent. Insgesamt dämpfen die Zahlen allerdings gleichzeitig die Spekulation auf eine weitere Lockerung der chinesischen Geldpolitik.

Bei den Einzelwerten standen in Tokio Sharp mit einem Kursplus von 10,6 Prozent im Fokus. Der Elektronikhersteller dürfte einem Zeitungsbericht zufolge erstmals seit drei Jahren operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. In Hongkong verloren China Life Insurance dagegen 2,2 Prozent, belastet von einer Gewinnwarnung. In Sydney gab der Kurs des Schwergewichts BHP Billiton nach einem Produktionszwischenbericht um 1,1 Prozent nach.

Quelle: n-tv.de

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