Spanien und die Konjunkturaussichten: Dax springt ins Glück
Mit der Spanien-Erleichterung im Rücken und ermuntert von unerwartet freundlichen Konjunkturerwartungen der Finanzmarktprofis dringt der deutsche Aktienmarkt in ungeahnte Höhen vor: Der Leitindex beendet den Tag genau einen Zähler über der Marke von 6800 Punkten.
Überraschend gute Konjunktur- und Unternehmensnachrichten habenden deutschen Aktienmarkt kräftig in die Höhe getrieben. Der deutsche Leitindex profitiertevon erfolgreichen Anleiheauktionen Spaniens, einem besser als erwartet ausgefallenenZEW-Indikator sowie einem unerwartet positiven Quartalsergebnis von Goldman Sachs.Zum Börsenschluss übersprang der Dax wieder die markante Kursschwelle von 6800 Punkten. Am Ende des Tages steht der Dax 2,65 Prozent im Plus bei exakt 6801,00 Punkten. Der MDax stieg um 1,91 Prozent auf 10.747,35Punkte. Der TecDax rückte um 1,49 Prozent auf 786,72 Punkte vor.
Trotz der wieder aufgeflammten Schuldenkrise zeigen sich deutscheFinanzexperten für die konjunkturelle Entwicklung zuversichtlich. Sowohl für Deutschlandals auch für die Eurozone hatten sich die ZEW-Konjunkturerwartungen im April dasfünfte Mal in Folge verbessert, wie das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschungmitteilte. Aktienhändler Markus Huber sagte: "Der ZEW-Index hat wieder respektablesowie solide Zahlen verbucht und zeigt bisher überhaupt keine Anzeichen, dass sichdie deutsche Wirtschaft erneut abschwächen könnte."
Große Erleichterung knüpfte sich an eine mit Spannung erwartete Auktion spanischer Staatsanleihen: Das zuletzt in der Schusslinie stehende Euro-Land konnte sichproblemlos frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen. Da auch derdeutsche ZEW-Index unerwartet gut ausfiel, griffen die Investoren an den europäischen Börsenbeherzt zu. Der Eurostoxx50legte 2,8 Prozent auf 2365 Punkte zu. Der Londoner FTSE und der CAC 40 in Paris zogen an. Rückenwind kam auch aus den USA wo es an der Wall Street ebenfalls deutlich nach oben ging. Dort richteten die Anleger ihrenBlick unter anderem auf die Quartalszahlen von Goldman Sachs und Coca-Cola an.
Bei der Emission kurzlaufender Geldmarktpapiere nahm die Regierung in Madridmit 3,2 Mrd. Euro mehr auf als in der Spitze mit 3,0 Mrd. geplant."Die Auktion ist geglückt, die Überzeichnung war gut, und das angestrebteVolumen wurde übertroffen", fasste Helaba-Analyst Ralf Umlauf zusammen."Das lässt auch für die Auktion am Donnerstag auf eine robuste Nachfragehoffen. Da alles glatt gegangen ist, atmen die Märkte erst einmal auf." AmDonnerstag will Spanien zwei- und zehnjährige Staatsanleihen begeben.
Zusätzlich angeschoben wurde der Dax am Nachmittag zudem vonder höheren Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nun in diesemJahr mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 statt wie bisher angenommen 3,3 Prozent rechnet.
Die größten Gewinner im Dax waren die Verlierer dervergangenen Tage: So legten die Deutsche Bank um 4,5 Prozent zu, Commerzbankverteuerten sich um 5,8 Prozent. Wie die meisten anderen europäischenFinanzwerte hatten sie zuletzt unter den neu aufgeflammten Sorgen um dieFinanzkraft Spaniens gelitten. Auch die Aktien der Aareal-Bank gingen um 8,9Prozent nach oben und waren damit größter Gewinner im MDax. Der europäische Bankenindexrückte um 4,1 Prozent vor - er hatte an den vergangenen fünf Handelstagen knapp fünf Prozent eingebüßt.
Dagegen hinkten die Siemens-Aktien mit plus 1,67 Prozent auf72,94 Euro dem Markt hinterher. Einem Pressebericht zufolge kämpft der Industriekonzernweiter mit der schleppenden Anbindung von Windparks auf hoher See an das Stromnetz.Am MDax-Ende brachen die Titel des Geldautomaten- und Kassensystem-Herstellers WincorNixdorf nach einer Gewinnwarnung um 10,02 Prozent auf 30,36 Euro ein.
Bundesliga-Sprung für Sky
Im MDax verteuerten sich die Papiere von Sky Deutschland zeitweise um mehr als26 Prozent auf 2,54 Euro. Der Bezahlsender behält die Live-Rechte für dieFußball-Bundesliga, muss dafür mit 485,7 Mio. Euro pro Saison aber fastdoppelt so viel Geld auf den Tisch legen wie bisher. Der hohe Preis vertriebwieder einige Anleger, so dass sich das Plus der Sky-Aktie zum Handelsschlussauf sieben Prozent verringerte. Dass die Deutsche Telekom bei der Rechtevergabefür die Übertragung ab 2013/14 leer ausging, hatte keine Auswirkung auf derenAnteilsscheine, die 1,8 Prozent aus dem Handel gingen.
An der Börse in Madrid richteten Anleger ihren Blick neben der Anleihe-Auktionvor allem auf Repsol und deren Streit mit Argentinien um die KonzerntochterYPF. Die Titel des Ölmultis gaben im spanischen Leitindex Ibex mit einemAbschlag von bis zu neun Prozent auf 15,90 Euro so deutlich nach wie keinanderer Wert. Damit hat der Konzern innerhalb eines Tages knapp zwei MilliardenEuro an Börsenwert verloren. Zum Handelsende reduzierte sich das Minus auf 6,1Prozent. Argentinien will trotz internationaler Proteste 51 Prozent an YPFübernehmen. Bislang hält Repsol 57 Prozent der Anteile. Der Streit hat zudiplomatischen Verstimmungen zwischen den Regierungen in Buenos Aires und Madrid geführt.
Am deutschen Rentenmarkt legte die durchschnittliche Renditeder börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,43 Prozent (Vortag: 1,39 Prozent) zu.Der Rentenindex Rex fiel um 0,05 Prozent auf 132,07 Punkte. Der Bund-Future sankum 0,10 Prozent auf 140,04 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbanksetzte den Referenzkurs auf 1,3132 (Montag: 1,3024) Dollar fest. Der Dollar kostetedamit 0,7615 (0,7678) Euro.
Quelle: n-tv.de