Freitag, 19. Februar 2010
Fed erhöht Diskontsatz
Dax schwächer erwartet
Die Erhöhung des Diskontsatzes auf 0,75 Prozent von zuvor 0,50 Prozent durch die US-Notenbank am Donnerstagabend dürfte den deutschen Aktienmarkt am letzten Handelstag der Woche zumindest zum Auftakt belasten. "Das Timing ist sicher eine Überraschung", meint ein Händler. Aber angesichts des seit Anfang Dezember zum Euro um 11 Prozent gestiegenen Dollar, der Tendenz zu steigenden Preisen in den USA und vor allem wegen der Erholung an den Aktienmärkten sei der Schritt eher als ein Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik aufzufassen. Gegen 8.10 wird der DAX bei 5.637 Punkten indiziert nach einem Schluss von 5.680.
In Asien hatten sich die Kursverluste an den Börsen im Verlauf ausgeweitet. "Angesichts der Zinserhöhung dürften Anleger vor dem Wochenende nun verstärkt Positionen glattstellen und Gewinne sichern", vermutet ein Händler. Vor allem in von Zinserhöhungen überproportional betroffenen Sektoren wie Rohstoffproduktion und Chemie, aber auch bei den Banken und Versicherern sei mit Verkaufsdruck zu rechnen.
"Die Finanzmärkte hassen Überraschungen, und die Aktion der Fed war sicher eine Überraschung", meint ein Marktkenner von IG Markets. "Anleger dürften also vor dem Wochenende einiges an Geld vom Tisch nehmen", prognostiziert er. Mit dem Timing habe die Fed das klare Zeichen gesetzt, dass der Anfang vom Ende einer extrem lockeren geldpolitischen Haltung nunmehr gemacht sei, heißt es an anderer Stelle im Handel. Allerdings gibt es auch versöhnlichere Töne. Offenbar sehe die Fed die US-Wirtschaft zusehends auf einem Pfad des sich selbst tragenden Aufschwungs, merkt ein Stratege an. "Das ist eine gute Nachricht für die Unternehmensgewinne, und diese sind der Haupttreiber für die Aktienmärkte".
Insofern könnten Investoren aus zyklischer Sicht die Lage an den Aktienmärkten als "Win-Win"-Situation auffassen. Ein Händler schließt sich dieser Sicht an und schließt nicht aus, dass sich die Kurse im Verlauf des Handels wieder erholen.
Zum Auftakt dürfte aber vor allem der Bankensektor unter Abgabedruck geraten. Zwar sei das Diskontfenster zuletzt kaum genutzt worden, viel wichtiger sei aber das Signal, das von der US-Notenbank gesenkt werde. Vorbörslich geben Deutsche Bank 1,5 Prozent nach, für Commerzbank geht es 1,3 Prozent nach unten. Allianz verlieren 0,9 Prozent.
Relative Stärke dürften dagegen defensive Aktien und Sektoren zeigen, sagen Händler. "Telekom, Pharma und konsumnahe Werte sind heute voraussichtlich die Outperformer", sagt ein Broker. Im DAX könnten Deutsche Telekom sowie Bayer, FMC und Merck KGaA zu den Profiteuren gehören, ebenso wie Beiersdorf und die bereits seit Wochen um 36 EUR pendelnden Henkel-Aktien. Telekom verlieren 0,5 Prozent vor Eröffnung, RWE 0,3 Prozent. Merck werden sogar mit einem Plus von 0,1 Prozent gestellt.
Eine Schwäche wird bei den Solarwerten befürchtet, nachdem in den USA First Solar trotz Vorlage überzeugender Geschäftszahlen nachbörslich um rund 7 Prozent nachgaben. Im Handel wurde dies damit begründet, dass vor allem der Ausblick enttäuscht habe. Für den deutschen Markt erwartet das Unternehmen auf Grund der Senkung der Einspeisevergütung 2010 nahezu kein Wachstum.
DJ
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