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Jenseits der 6500 Punkte: Der Dax am Donnerstag.

Jenseits der 6500 Punkte: Der Dax am Donnerstag.(Foto: REUTERS)

Freitag, 27. Januar 2012

Wie stark ist die US-Wirtschaft?: Dax schwach erwartet

Der deutsche Aktienmarkt steuert zu Beginn des letzten Handelstags auf einen wenig erfreulichen Auftakt zu. Die Vorgaben aus den USA und Japan bleiben kühl. Am Nachmittag stehen schwergewichtige Konjunkturdaten an.
Dax 6.843,87 MDax 10.380,16 TecDax 777,52

Der Dax wird am Freitag nach Einschätzung von Banken und Brokern schwach bis zögerlich in den Handel starten. Die Dax-Futures starteten kaum verändert in den Handel. Angesichts der dünnen Nachrichtenlage rechneten Händler mit vorsichtigen Investoren und leichten Gewinnmitnahmen. Der März-Kontrakt des Dax-Futures verlor gut 8 Zähler auf 6512 Punkte. Das Tageshoch liegt bislang bei 6524, das Tagestief bei 6512 Punkten. Umgesetzt wurden bisher rund 1210 Kontrakte. Eine Konsolidierung bis in den Unterstützungsbereich um 6470 Zähler werteten technisch orientierte Händler als normal.

Am Donnerstag hatte der Leitindex beflügelt von der Aussicht auf weiter niedrige Zinsen in den USA 1,8 Prozent zugelegt auf 6539 Punkte. Der deutsche Leitindex erreichte damit den höchsten Stand seit sechs Monaten. Als einziger Dax-Wert gingen die Aktien der Commerzbank knapp im Minus aus dem Handel.

Nachbörslich allerdings war der gesamte europäische Markt bei regen Umsätzen etwas zurückgekommen und hatte damit die Entwicklung an den US-Börsen nachvollzogen. Nach Handelsschluss in Europa ging den US-Börsen schließlich die Puste aus. Der Dow-Jones-Index schloss 0,2 Prozent im Minus, der S&P-500 verlor 0,6 Prozent, der Nasdaq-Composite gab um 0,5 Prozent nach. Der Nikkei-Index in Tokio fiel um 0,1 Prozent.

Neue Konjunkturdaten aus den USA dürften vor dem Wochenende die weitere Richtung bestimmen: Wie es um die Lage der US-Wirtschaft bestellt ist, werden Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt zeigen. Erwartet werden die Angaben für 14.30 Uhr (MEZ). Im Vorfeld befragte Analysten rechnen mit einem Plus der Wirtschaftsleistung von 3 Prozent.

Mit Blick auf die Einzelwerte kreisten die Gespräche am frühen Morgen unter anderem um ThyssenKrupp: Sehr positiv für den Stahlkonzern werteten Händler Presseberichte, wonach der Verkauf der Edelstahlsparte schon in mehr oder weniger trockenen Tüchern sei. "Das ist wesentlich schneller als der Markt erwartet hatte", sagte ein Händler: "Daher gibt es positives Überraschungspotenzial." Etwas bremsend auf die Kursentwicklung könnte nur der erwartete Konsolidierungstag im Dax wirken. Zudem habe die Aktie seit Ende Dezember eine extrem starke Performance von unter 17 auf 22 Euro vorgelegt, so dass sie für die erwarteten Gewinnmitnahmen anfällig sein könnte. Nach Berichten der "Financial Times Deutschland" kann der Verkauf der Edelstahlsparte an die finnische Outokumpu bereits kommende Woche im Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen werden.

Keinen kurzfristigen Kurstreiber für MAN sahen Händler in den ACEA-Zulassungs-Zahlen für Nutzfahrzeuge. Trotz starker Zahlen des Branchenverbands könnten MAN zunächst unter Gewinnmitnahmen leiden. In der EU wurde im Dezember ein Zulassungsplus bei Nutzfahrzeugen von 7,5 Prozent zum Vorjahr erreicht. In Deutschland sprang das Neugeschäft sogar um 16,3 Prozent an. "Bremsend ist hier der eigene Ausblick von MAN", sagte ein Händler. Am Dienstag hatte Finanzvorstand Frank Lutz verkündet, 2012 nur noch ein gebremstes Wachstum zu erwarten. Technisch sehe die Aktie zudem nach einer kurzfristigen Konsolidierungsformation aus, so der Händler weiter: "An der übergeordneten Rally-Tendenz ändert dies aber nichts".

Unter den Einzelwerten zeigten sich nach Aussage von Händlern zunächst keine auffälligen Bewegungen. Das EADS-Papier habe auf die nachbörslich vermeldeten Personaländerungen nicht reagiert, da die Entscheidungen bereits im Vorfeld bekannt gewesen seien, hieß es. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat Thomas Enders zum Nachfolger des scheidenden Konzernchefs Louis Gallois berufen. Sein französischer Vize Fabrice Brégier soll als Enders-Nachfolger an die Airbus-Spitze aufrücken.

Eine weitere stark beachtete Personalie ist die Nominierung des früheren EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet zur Wahl in den Verwaltungsrat. Den Vorsitz des Gremiums soll, wie erwartet, Arnaud Lagardère von Bodo Uebber übernehmen. Auch die Lufthansa-Aktie zeigte sich von einer Einigung der Fluggesellschaft mit der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit unbeeindruckt.

Europaweit raus aus dem Risiko?

Im europäischen Handel rechneten Händler zum Wochenausklang insgesamt mit Gewinnmitnahmen. Zwei Gründe sprechen dafür, dass die Investoren vor dem Wochenende und dem EU-Gipfel am kommenden Montag Risiko aus ihrem Portfolio herausnehmen, hieß es. Zum einen ist die Wall Street nach Handelsschluss in Europa noch deutlicher unter Druck geraten. Zum anderen wird auf die Nachrichtenlage rund um Griechenland verwiesen.

Die bisher veranschlagten 130 Mrd. Euro für das zweite griechische Hilfspaket könnten laut Kreisen zu gering sein. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn untermauerte diese Sicht. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, hat zudem als erster Regierungschef einen Schuldenerlass durch die Euro-Länder ins Gespräch gebracht. Am Nachmittag schaue der gesamte Markt dann vor allem darauf, so ein Teilnehmer, wie stark die Wirtschaftsleistung in den USA im vierten Quartal gewachsen ist.

DJ/rts

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