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Wall Street mit kleinem Plus: Dax schüttelt Verluste ab

Die Dax-Handelsspanne kann sich sehen lassen: Zunächst ziehen die Fed-Protokolle den Leitindex nach unten. Eine gelassene Wall Street hilft am Nachmittag wieder auf die Beine. Das Gipfeltreffen in Florida schwebt über allem.

Nach den Verlusten zur Wochenmitte hat sich der deutsche Aktienmarkt, allen voran der Dax, am Donnerstag wieder etwas gefangen. Zwar sah es am Morgen mit erneut deutlichen Abschlägen und einem Tagestief von 12.019 Punkten zunächst nicht danach aus. Am Nachmittag half aber eine gelassene Wall Street, den Schock der Fed-Protokolle vom Mittwochabend vergessen zu machen. Das Augenmerk der Anleger lag nun auf dem Gipfeltreffen zwischen den USA und China.

Der Dax schloss 0,1 Prozent fester mit 12.231 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 12.232 Stellen. Am Dienstag war er noch leicht fester, zur Wochenmitte dann 0,5 Prozent leichter aus dem Handel gegangen. Der MDax bewegte sich 0,4 Prozent aufwärts auf 24.111 Zähler. Der TecDax gab 0,4 Prozent auf 2034 Stellen ab.

Die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung belasteten den Markt lang. Aus ihnen war zu entnehmen, dass die US-Notenbank die Zeit für eine Normalisierung der Fed-Bilanz gekommen sieht -was im Klartext eine weitere Straffung der Geldpolitik und damit tendenziell steigende Zinsen bedeutet.

"Insgesamt ist die Stimmung heiß gelaufen", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil die Situation am deutschen Aktienmarkt. Ihre Kollegin Sabrina Marggraf verwies angesichts des schwachen Starts und der zeitweisen Zurückhaltung der Anleger auf das Gipfeltreffen in Florida zwischen US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping: "Für Investoren ist spannend, was bei dem Treffen herauskommt."

Konjunktur: Das ist der Gipfel!

Bereits seit Tagen sorgte dieser Termin für eine gewisse Zurückhaltung an den Börsen. "So unterschiedlich sind die Positionen von Trump und seinem chinesischen Kollegen Xi eigentlich nicht", hieß es von Seiten der Commerzbank. Das bedeute aber nicht, dass das Gespräch einfach würde. Beide wüssten um die Wichtigkeit der bilateralen Handelsbeziehungen und des gegenseitigen Marktzugangs, seien aber durch politische Zwänge in ihren Zugeständnissen eingeschränkt.

Trump habe sich gleich zu Anfang seiner Amtszeit aus dem Fenster gelehnt und Chinas Handelsbilanzüberschuss mit den USA sowie die angeblich überbewertete Währung lauthals an den Pranger gestellt, so die Analysten. Es dürfte für ihn also schwierig werden, eine deutlich mildere Gangart gegenüber China einzuschlagen und dies politisch zu verkaufen.

USA: Leichte Gewinne an der Wall Street

Die New Yorker Wall Street hielt sich leicht im Plus gehalten. Zwar gebe es starke Daten vom Arbeitsmarkt, sagten Händler. Grundsätzlich blieben die Investoren aber vorsichtig, weil US-Aktien inzwischen relativ teuer seien. Die Papiere im Index S&P-500 werden aktuell zum 18-fachen des erwarteten Jahresgewinns gehandelt, der langjährige Schnitt liegt nur bei 15 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte um 0,1 Prozent zu und schloss bei 20.663 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 0,2 Prozent auf 2358 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,3 Prozent auf 5879 Stellen.

In der vergangenen Woche waren in den USA 234.000 Anträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden, 16.000 weniger als von Experten erwartet. Die Zahlen wurden als erneuter Beleg für die robuste Verfassung der US-Wirtschaft gewertet.

Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf das Treffen von US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping. Die Zusammenkunft gilt als heikel, weil Trump China vorwirft, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken. "Ein Handels- oder ein Währungskrieg zwischen den USA und China wäre ein Albtraum-Szenario für die Börsen", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Bei den Einzelwerten standen Papiere von Advanced Micro Devices (AMD) unter Druck, die 6,5 Prozent nachgaben. Goldman Sachs stufte die Aktien des Chipherstellers in einer erstmaligen Bewertung mit "verkaufen" ein.

Um 21,2 Prozent nach oben ging es dagegen mit Sunoco. Der Kiosk-Betreiber verkauft für 3,3 Milliarden Dollar rund 1100 seiner kleinen Einkaufsläden und Tankstellen an den Rivalen 7-Eleven. Constellation Brands stiegen bis zu 6,7 Prozent auf ein Rekordhoch. Dank einer starken Nachfrage nach Corona-Bier verbesserte sich der Umsatz des Brauereikonzerns im abgelaufenen Quartal überraschend stark.

Dax: Banken und Linde

Auf der Unternehmensseite im Dax stand etwa das Auslaufen der Zeichnungsfrist für die rund acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung der Deutschen Bank im Fokus, deren Titel sich am Ende nur unwesentlich verbilligten. Börsianer interessierten sich unter anderem dafür, ob alle Großanleger mitziehen. Gleichzeitig nahm Bankchef Cryan Gerüchten Wind aus den Segeln, dass es Pläne für einen Zusammenschluss mit einer anderen europäischen Großbank gebe: "Die Deutsche Bank denkt darüber nicht nach", so Cryan.

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Unter Abgabedruck gerieten erneut die Autowerte: BMW verloren etwa 0,5 Prozent, VW rund 0,2 und Daimler ebenfalls etwa 0,2 Prozent. Stützen könnten bei Daimler die Absatzzahlen im März der Kernmarke Mercedes-Benz, denn die waren so gut ausgefallen wie nie zuvor in einem Monat: Mit mehr als 228.000 Pkw wurden 14,8 Prozent mehr Fahrzeuge an die Kundschaft übergeben als vor einem Jahr.

Henkel schlossen unwesentlich leichter. Dabei fiel auf, dass die Aussagen des Konzerns zur Jahresprognose und den mittelfristigen Planungen auf der heute stattfindenden Hauptversammlung nicht überzeugen können. "Das ist alles nur eine Wiederholung für die Aktionäre auf der HV", kommentierte ein Händler. Alles bestätige die Aussagen, die im Rahmen der Zahlen zum vierten Quartal genannt gemacht worden seien. "Allerdings hatte da die Guidance etwas enttäuscht", so der Händler weiter.

MDax: Hella im Fokus

Als "sehr ordentlich" kommentierte der Handel die Zahlen von Hella, die Aktien verbesserten sich 0,3 Prozent. Beim bereinigten Ebit sei zwar der Konsens nicht ganz getroffen worden, die Einzelschätzungen dahinter gingen aber auch stark auseinander. "Wichtiger ist der deutliche Margenanstieg", merkte ein Händler an. Bei der bereinigten Ebit-Marge ging es auf 6,6 Prozent nach 6,0 Prozent im Vorjahresquartal.

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Gerresheimer sackten dagegen etwa 5 Prozent ab. Ein Händler verwies vor allem auf den schwächeren Ausblick: Das Unternehmen sieht den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr zunächst am unteren Ende der Bandbreite von rund 1,405 bis 1,455 Milliarden Euro. Der Händler sprach von einem "moderaten" Jahresauftakt. Im Vorfeld hatten die Analysten von Hauck & Aufhäuser bereits vor einem schwachen Quartal gewarnt. Die Analysten hatten die Aktie auf "Hold" von "Buy" heruntergestuft.

TecDax: Wirecard will Dividende erhöhen

Wirecard gewannen leicht. Der Zahlungsdienstleister will seine Aktionäre nach einem guten Jahr 2016 mit einer höheren Dividende bedenken. Mit 0,16 Euro je Aktie sollen die Anteilseigner 2 Cent mehr erhalten als für 2015. Nach Steuern verdiente das Unternehmen mit 266,7 Millionen Euro 87 Prozent mehr als im Vorjahr.

Europa: Unilever trotzig

Unilever zeigten sich etwa 1 Prozent fester. Die Bekanntgabe des Ergebnisses der Unternehmensüberprüfung war zunächst noch zurückhaltend aufgenommen worden. Unilever plant nun, wie vom Markt nach der gescheiterten Übernahme durch Kraft Heinz erwartet, diverse Maßnahmen zur Verbesserung der kritisierten operativen Rendite. Dazu will sich Unilever unter anderem von der Spreads-Division (Brotaufstriche) trennen.

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Danone kletterten rund 0,3 Prozent. Der französische Nahrungsmittelkonzern darf das US-Unternehmen Whitewave übernehmen. Wie Danone mitteilte, hat man von einem US-Gericht die Genehmigung für den 10,4 Milliarden US-Dollar teuren Zukauf erhalten. Die Akquisition könne damit in den nächsten Tagen abgeschlossen werden.

Rohstoffe: Ölpreis stabilisiert sich

Neue Daten zu den Ölreserven in den USA belasteten den Ölpreis am Donnerstag nur noch kurz. Am späten Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 54,84 Dollar. Das sind 0,9 Prozent mehr als am Mittwoch. Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg ebenfalls um 0,9 Prozent auf 52,07 Dollar.

In der vergangenen Woche waren die US-Ölreserven nach Angaben der Regierung um 1,57 Millionen Barrel auf ein neues Rekordhoch von 535,5 Millionen Barrel gestiegen. Zuvor hatte das private American Petroleum Institute (API) noch gemeldet, dass die Lagerbestände der USA um 1,83 Millionen Barrel gesunken seien. Bis zur Veröffentlichung der offiziellen Regierungsdaten hatten die Ölpreise noch zugelegt.

Devisen: Euro leicht schwächer

Der Euro konnte seine Anfangsgewinne nicht halten und drehte im Verlauf leicht ab. Zu US-Handelsschluss wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0641 Dollar gehandelt und damit 0,3 Prozent tiefer als zur Wochenmitte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0666 Dollar fest nach 1,0678 Dollar am Dienstag.

Seit Beginn der Woche halten sich die Kursbewegungen beim Euro in engen Grenzen, nachdem die Gemeinschaftswährung in der Woche zuvor noch deutlich unter Druck war. Hinweise der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend, die auf eine Verringerung ihrer durch Anleihekäufe aufgeblähten Bilanz hindeuten, konnten die Kurse am Devisenmarkt nicht nennenswert bewegen.

Asien: Chinas Superporjekt zieht noch

In Fernost sahen sich Anleger überwiegend Verlusten gegenüber. In Tokio drückten kräftige Verluste den Markt auf ein Viermonatstief. Lediglich in Schanghai setzten sich die Gewinne vom Mittwoch in abgemilderter Form fort, nachdem die geplante Einrichtung einer neuen Sonderwirtschaftszone vor den Toren Pekings für Jubel bei den Börsianern gesorgt hatte. Ansonsten ging der Blick nach Amerika: Zum einen beginnt dort das Treffen zwischen den beiden Präsidenten der USA und Chinas, was seit Tagen die Nervosität an den Märkten erhöht. Die Zahl der strittigen Themenfelder von Nordkorea bis Freihandel ist groß. Zum zweiten ist die Wall Street ins Minus gerutscht, nachdem sie die längste Zeit des Tages deutlicher im Plus gelegen hatte. "Das traf uns wie eine kalte Dusche", sagte Investmentstratege Norihiro Fujito bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

Der Tokioter Nikkei-Index verlor 1,6 Prozent auf 18.556 Punkte. Hier belastete zudem der schwache Dollar. Er stand bei 110,48 Yen nach einem Mittwochshoch bei 111,45 Yen. Finanzwerte tendierten nach den jüngsten Aufschlägen und angesichts sinkender Renditen an den Anleihemärkten leichter. Sumitomo Mitsui Financial Group fielen ebenso wie Nomura Holdings.

Der chinesische Shanghai Composite konnte dagegen wenige Punkte zulegen. Die Fantasie rund um die neue Sonderwirtschaftzone Xiongan hatte sich bereits am Mittwoch ausgetobt. Das neue Projekt weckt Erinnerungen an die erste derartige Zone in Shenzen von 1980, die mit das chinesische Wirtschaftswunder begründet hatte. Einige Werte, die eng mit dem neuen Projekt verbunden sind, legten nochmals bis zum Tageslimit von 10 Prozent zu, so China Fortune Land und Beijing Urban Construction.

Quelle: n-tv.de

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