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(Foto: REUTERS)

Snap rockt die Wall Street: Dax schließt nah am Jahreshoch

Am Tag nach dem großen Kursauftrieb hält sich der deutsche Aktienmarkt stabil auf hohem Niveau. In den USA löst der fulminante Börsengang der Snapchat-Mutter Wirbel aus.

Kleine Schritte nach dem Kurssprung: An der Frankfurter Börse geht der deutsche Leitindex mit einem schmalen Minuszeichen aus dem Handel. Der Dax beendete das Donnerstagsgeschäft 0,06 Prozent tiefer bei 12.059,57 Punkten. In einem insgesamt wenig dynamischen Handelsverlauf konnte das prominente Börsenbarometer nebenbei jedoch ein neues Jahreshoch bei 12.082,59 Zählern markieren - das allerdings nur wenige Punkte über der bisherigen Rekordmarke liegt. Sein Tagestief erreichte der Dax am Vormittag bei 12.041,90 Punkten. Damit bewegte er sich insgesamt in einer sehr schmalen Spanne.

Große Kursausschläge bleiben in Frankfurt aus: Während sich in New York alle Blicke auf den bislang größten Tech-Börsengang seit Facebook richten, schloss der Nebenwerteindex MDax 0,10 Prozent im Minus bei 23.580,30 Punkten. Der Technologie-Index TecDax verabschiedete sich 0,19 Prozent im Plus bei 1929,62 Punkten in den Abend.

Europaweit sah es ähnlich aus wie im Dax: Der Pariser Cac 40 und der britische FTSE 100 schlossen fast unverändert. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 beendete den Handelstag 0,16 Prozent tiefer bei 3384,71 Punkten.

"Nach dem guten Lauf von gestern hat der Markt heute eine Auszeit gebraucht", meinte ein Händler. Mit gut 40 Punkten blieb die Handelsspanne des Dax ungewöhnlich eng. Auch unter den einzelnen Aktien gab es nur wenige Kursausreißer, wobei überwiegend Quartalsergebnisse für Bewegungen sorgten.

Die Aktien der Deutschen Telekom gaben 1,2 Prozent nach. Im vergangenen Jahr sind sowohl der operative Gewinn als auch der Cashflow unter den Konsensschätzungen von Analysten geblieben. Der Cashflow ist eine wichtige Stellgröße für die Dividende.

Verkauft wurden im Dax solche Aktien, die stark konjunkturabhängig und deshalb zuletzt gut gelaufen sind. Lufthansa und Deutsche Post etwa büßten jeweils 0,9 Prozent ein. Die Aktien von Thyssenkrupp zogen sich am Indexende 1,7 Prozent zurück.

Die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas legten um 1,3 Prozent auf den Rekord-Schlusskurs von 162,75 Euro zu. Schon zu Wochenbeginn war der Kurs auf ein neues Hoch gestiegen. Händler Ludwig Donnert von Orca Capital verwies darauf, dass Adidas laut dem Marktforscher NPD seinen Marktanteil im US-Sportschuh-Markt im Januar auf mehr als 10 Prozent verdoppeln konnte. Der Sport- und Life-Style-Konzern mit Sitz in Herzogenaurach veröffentlicht am Mittwoch kommender Woche Ergebnisse und gibt einen strategischen Ausblick.

Bewegung im MDax

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In der zweiten Reihe zogen die beiden MDax-Titel Kion und Krones Käufe auf sich. Kion stiegen um 2,7 Prozent und Krones um 4,5 Prozent. Der Staplerhersteller Kion will den operativen Gewinn von 537 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 740 bis 800 Millionen Euro in diesem Jahr erhöhen. Der Anlagenbauer Krones hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Aufträge erhalten als im Jahr zuvor.

Der IT-Berater GFT Technologies will den Gewinn 2017 zwar kräftig erhöhen, den Gewinn jedoch nur leicht. Anleger reagierten enttäuscht, der Kurs brach um fast 11 Prozent ein. Beim Stahlhändler Klöckner & Co nahmen Anleger Kursgewinne mit, die Aktie gab um 3,5 Prozent nach. Eine Abstufung von "Conviction Buy" auf "Neutral" durch Goldman Sachs ließ Nordex um 3,9 Prozent nachgeben. Der Kurs von Evonik gab nach Quartalszahlen des Chemiekonzerns um 0,3 Prozent leicht nach.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,00 Prozent am Vortag auf 0,04 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,22 Prozent auf 142,79 Punkte. Der richtungweisende Bund-Future gab um 0,30 Prozent auf 164,51 Punkte nach.

USA: Snap überstrahlt den Markt

Die US-Börsen schlossen im Minus. Händler sprachen von leichten Gewinnmitnahmen. Der Dow-Jones-Index gab 0,5 Prozent auf 21.002 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,6 Prozent auf 2381 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich 0,7 Prozent auf 5861 Punkte.

In den Fokus rückte das fulminante Börsendebüt der Snapchat-Mutter Snap, dem größten Technologie-Börsengang seit Alibaba im Jahr 2014. Der Kurs schloss bei 24,48 Dollar und damit 44 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Dollar. Zwischenzeitlich war es sogar bis auf 26,05 Dollar aufwärts gegangen. Der Ausgabepreis musste im Vorfeld aufgrund der hohen Nachfrage bereits angehoben werden und lag ursprünglich bei 14 bis 16 Dollar. Die Gesamtbewertung von Snap betrug zum ersten Kurs von 24 Dollar über 33 Milliarden Dollar.

"Alles wartete begierig auf diesen Börsengang. Besser konnte es nicht sein", sagte Josef Schuster, Gründer des auf Börsengänge spezialisierten Research-Hauses IPOX Schuster zum Timing und mit Blick auf die Rekordjagd an der Wall Street. Die Anleger kauften dieser Tage fast alles und die Portfoliomanager seien besonders auf der Suche nach schnelles Wachstum versprechenden Aktien von Informationstechnologie-Unternehmen.

Devisen: Euro fällt deutlich zurück

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Die Aussicht auf bald steigende US-Leitzinsen bringen den Kurs des Euro unter Druck. Am späten Nachmittag kostet die europäische Gemeinschaftswährung 1,0512 US-Dollar. Am Vorabend hatte der Euro noch rund einen halben Cent höher notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,0514 (Mittwoch: 1,0533) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9511 (0,9494) Euro.

An den vergangenen Tagen hatte eine Reihe von Vertretern der US-Notenbank deutliche Signale für eine baldige Leitzinsanhebung gegeben. Mittlerweile gilt sie auf der kommenden Sitzung am 15. März schon fast als sicher. Experten erwarten auch nicht, dass die Notenbankvorsitzende Janet Yellen bei einer an diesem Freitag anstehenden Rede andere Signale geben wird.

Der Dollar legt vor diesem Hintergrund zu allen wichtigen Währungen zu. Hinzu kommen positive Signale vom US-Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren in der vergangenen Woche überraschend gefallen. Die in der Eurozone auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegene Inflationsrate bewegte den Eurokurs hingegen nicht. Die Verbraucherpreise waren im Februar um 2,0 Prozent zum entsprechenden Vorjahresmonat gestiegen.

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Eine baldige geldpolitische Wende durch die Europäische Zentralbank (EZB) erwarten Experten nicht. "Da die inflationstreibenden Energiepreiseffekte nun auslaufen, geht es in den kommenden Monaten mit den Teuerungsraten bereits wieder bergab", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. "Letztlich handelte es sich beim Inflationsanstieg also um ein kurzes Intermezzo."

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85560 (0,85550) britische Pfund, 120,24 (119,84) japanische Yen und 1,0651 (1,0647) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1238,10 (1240,40) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 37.932,00 (37.850,00) Euro.

Fernost: Nikkei klettert nach oben

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Nachdem die Wall Street mit neuen Rekordmarken auf die Trump-Rede vor dem US-Kongress reagiert hat, erwacht auch an den asiatischen Börsen die Risikoneigung. An den lokalen Handelsplätzen zeigt sich eine freundliche Tendenz. Im Handel zeigt man sich ein wenig erstaunt über die an den US-Märkten so positiv aufgenommenen Äußerungen des Präsidenten. Entscheidend sei weniger, was er gesagt habe, sondern wie er es gesagt habe, heißt es im Handel. Ganz allgemein ist von steigendem Konjunkturoptimismus die Rede, der seinen Ursprung in den USA hat.

Denn dort stehen die Zinsampeln auf Grün, was am Markt als Ausdruck ökonomischer Stärke interpretiert wird. Denn immer mehr US-Notenbanker sprechen sich für eine baldige Zinserhöhung aus. Nun erklärte sogar die als geldpolitische "Taube" bekannte Fed-Gouverneurin Lael Brainard, dass eine Zinsanhebung angesichts eines besseren Wirtschaftsumfelds sowohl in den USA als auch im Ausland bald möglich sei. Und auch der Wirtschaftsausblick der US-Notenbank, das Beige Book, spricht von einer Fortsetzung des langsamen und stetigen Wachstumskurses in den USA.

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In Tokio steigt der Nikkei-225 beflügelt von einem zum Dollar weiter nachgebenden Yen auf das höchste Verlaufsniveau seit Dezember 2015. Der japanische Leitindex schließt 0,9 fester bei 19.565 Punkten - der höchste Schlussstand seit dem 4. Januar. Im australischen Sydney geht der S&P/ASX-200 mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent aus dem Handel. Den Spielverderber bildet der Markt in Shanghai, wo sich der Composite knapp behauptet zeigt. Händler verweisen auf eine steigende Nervosität vor der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses, die am Wochenende beginnt.

In ganz Asien sind Finanz- und Rohstoffwerte gesucht. Während Finanzwerte von der Spekulation auf steigende Zinsen getrieben werden, sind es bei den Rohstoffwerten die Konjunkturhoffnungen, die stützen. In Hongkong verlieren China Travel 2,6 Prozent, nachdem das Unternehmen wegen Abschreibungen einen Gewinneinbruch um 70 Prozent angekündigt hat.

Rohstoffe: Ölpreis gibt nach

Nach dem Anstieg der Rohöl-Bestände in den USA in der vergangenen Woche geben die Ölpreise leicht nach. Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligen sich jeweils um rund 1 Prozent auf 55,81 beziehungsweise 53,30 Dollar je Barrel (159 Liter).

In der vergangenen Woche waren die Ölbestände in den USA, dem weltgrößten Ölverbraucher, um 1,5 Millionen Fässer auf ein Rekordhoch von gut 520 Millionen Barrel gestiegen, wie das Energieministerium mitteilte. Das sehe für die Preise nicht gut aus, sagte Ole Hansen, Chef-Rohstoffstratege bei der Saxo Bank in Dänemark. Er fürchte, der Preis könnte eher auf 50 Dollar fallen, als auf 60 Dollar steigen. Allerdings sei der Verkaufsdruck nicht sehr hoch.

Seitdem die Opec und einige Förderländer wie Russland sich im vorigen Herbst auf eine Senkung der Förderung verständigt haben, hat sich der Ölpreis in einer engen Spanne um 55 Dollar stabilisiert. Die Vereinbarung trat für sechs Monate zu Jahresanfang in Kraft. Russland förderte im Februar nach Daten des Energieministeriums mit 11,11 Millionen Fässern täglich (bpd) so viel Öl wie im Januar - 100.000 bpd weniger als vor Vereinbarung der Förderbremse. Insgesamt will das Land im ersten Quartal 200.000 bpd weniger produzieren.

Infografik: Snapchat wächst rasant  | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Quelle: n-tv.de

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