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Neue Höhenflüge an den Börsen: Nach der Trump-Rede im US-Kongress stehen die Ampeln für Dax und Dow auf Grün.
Neue Höhenflüge an den Börsen: Nach der Trump-Rede im US-Kongress stehen die Ampeln für Dax und Dow auf Grün.(Foto: REUTERS)

Dax schließt jenseits der 12.000: Trump-Rede treibt Dow über 21.000 Punkte

Der März beginnt an den Börsen mit kräftigen Kursgewinnen: Nach der vielbeachteten Trump-Rede vor dem US-Kongress geht es auf beiden Seiten des Atlantiks steil nach oben. Der Dax sprintet mehr als 230 Punkte ins Plus.

Starker Aufwind an den Börsen: Am Tag nach dem ersten Auftritt von US-Präsident Donald Trump vor dem US-Kongress geht es mit den Börsenbarometern in Frankfurt und New York kräftig nach oben. Die Wall Street setzte zur Wochenmitte zum Höhenflug an. Nach der Verschnaufpause am Vortag, im Anschluss an die längste Gewinnstrecke des Dow-Jones-Index seit 30 Jahren, überwand der Index erstmals die Marke von 21.000 Punkten.

Der Dax überwindet am ersten Handelstag im März erneut die Marke von 12.000 Punkten und schließt 1,97 Prozent im Plus bei 12.067,19 Punkten. Das Tageshoch aus dem Verlauf liegt bei 12.074,02 Zählern. Am Vorabend war der Dax in Erwartung der Trump-Rede 0,1 Prozent fester bei 11.834,41 Zählern aus dem Handel gegangen.

Die deutschen Nebenwerte ziehen ebenfalls deutlich an: Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax beendet den Tag 1,00 Prozent im Plus bei 23.603,91 Punkten. Der Technologie-Index TecDax verabschiedet sich 1,12 Prozent fester bei 1925,90 Punkten in den Abend.

Der Eurostoxx50 rückt um 2,13 Prozent vor auf 3390,20 Punkte. Angeführt wird der europaweite Aufschwung an den Börsen von Banken-, Rohstoffaktien und Bautiteln. Die Trump-Rede vom späten Vorabend (Ortszeit US-Ostküste) lieferte Börsianern nur vordergründig einen Anlass, mit Schwung in den Aktienmarkt einzusteigen. Als bedeutenderen Auslöser bezeichnen Beobachter die Aussagen führender US-Notenbanker zu weiteren Zinsschritten im Dollar-Raum. In den USA konnte der US-Leitindex Dow Jones kurz nach Handelsstart erstmals überhaupt die Kursschwelle bei 21.000 Zählern überwinden.

Der Anstieg bei den Verbraucherpreisen scheint die Euphorie an den Aktienmärkten nicht zu trüben: Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland erstmals seit viereinhalb Jahren über die Marke von zwei Prozent getrieben. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Eine solch hohe Inflationsrate wurde zuletzt im August 2012 gemessen", teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Teuerungsrate liegt nun erstmals seit 2012 über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Währungshüter sprechen nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Nach gängiger Lesart müssten die neuen Daten aus Deutschland die EZB unter Zugzwang setzen.

Der Goldpreis ist dagegen der große Verlierer der neuen Risikofreude an den Märkten. Seit dem Wochenhoch vom Montag hat die Feinunze schon 20 Dollar abgegeben. Am Abend wird sie mit 1246 Dollar gehandelt. "Jetzt ist die Trump-Rede aus dem Weg und damit auch die Verunsicherung darüber, was gesagt werden könnte", kommentierte Jochen Stanzl von CMC Markets die Lage. "Aktien kaufen und raus aus sicheren Häfen wie Gold", beschrieb der Marktanalyst die Entwicklung.

Im Mittelpunkt der Marktgespräche blieben im Handelsverlauf die wirtschaftspolitischen Perspektiven in den USA: Präsident Trump blieb bei seiner ersten Rede vor dem US-Kongress die erwarteten Details zur Umsetzung seiner Wirtschaftsagenda schuldig. Er wiederholte aber in groben Zügen einige seiner Vorhaben - etwa das Volumen von einer Billion Dollar für Infrastrukturprojekte und Steuersenkungen für Unternehmen und die Mittelschicht in den USA. Anlegern bleibt damit nichts weiter übrig, als weiterhin auf einen Konjunkturboom in der weltgrößten Volkswirtschaft zu spekulieren.

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"Für Investoren gab es wenig Greifbares", stellten die Analysten vom Wells Fargo Investment Institute in St. Louis fest. "Es gab wenig Details, und der Präsident hat nicht einmal seine Prioritäten genannt", hieß es. "Das was die Börse hier treibt, ist nicht Donald Trump", meinte Stefan Riße bei n-tv. Der Dax steige vor allem wegen der anhaltenden Nullzinspolitik im Euroraum, meinte der Börsenexperte im Gespräch mit n-tv Börsenkommentatorin Sabrina Marggraf.

Angeführt wird die Aufwärtsbewegung im Dax von den Banken: Die Aktien der Commerzbank legen um 3,9 Prozent zu. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank verteuern sich an der Indexspitze um starke 5,1 Prozent. "Vom Sommer vergangenen Jahres bis zum Januar sind Deutsche-Bank-Aktien dem Sektor hinterhergelaufen", meinte ein Händler. Nun baue der Kurs eine "Outperformance" zum Sektor auf. Eine kurstreibende Nachricht gebe es nicht, hieß es. Von den steigenden Zinsen in den USA dürften unter Europas Geldhäusern vor allem die Investmentbanken profitieren, sagte der Händler. Dazu zählen neben der Deutschen Bank auch UBS und CS Group, deren Kurse ebenfalls überproportional steigen.

Für Gesprächsstoff am Parkett sorgt unterdessen ein anderes Thema: Nach den bunten Karnevalstagen schiebt die Frankfurter Börse ein neues Handelssegment namens Scale an den Start. Das neue Angebot richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und ersetzt laut Mitteilung den bisherigen "Entry Standard" für Aktien und Unternehmensanleihen.

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In der Liga der Unternehmen aus Deutschland stehen Bayer und seine Kunststoff-Tochter Covestro im Rampenlicht: Die Leverkusener trennten sich über Nacht von einem Teil ihrer Beteiligung und nahmen durch den Verkauf fast 1,5 Milliarden Euro ein. Die Aktien wurden laut Bayer zu je 66,50 Euro bei Investoren untergebracht. Der Kurs von Covestro geht daraufhin in die Knie und verlor 6,7 Prozent. Die im MDax gelisteten Aktien haben nun wegen des höheren Streubesitzes aber eine Chance, in den Dax aufzusteigen. Die im Leitindex gelisteten Aktien von Bayer legen 1,7 Prozent zu.

Belastbare Zahlen kamen aus dem Sektor der Autobauer: Europas größter Hersteller Volkswagen und die Tochter Audi konnten ihren US-Absatz zuletzt deutlich steigern. Bei der Kernmarke VW lag das Plus im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 12,7 Prozent, wie der Wolfsburger Konzern mitteilte. Audi konnte sogar um 17 Prozent zulegen. Bei VW gab es beim Mittelklassemodell Golf einen Absatzsprung von über 60 Prozent. Die Ingolstädter Tochter kann wie andere Konzerne vom Trend zu Geländewagen profitieren: In dem Bereich betrug das Plus 36 Prozent. An der Börse kamen die Zahlen gut an: Die Aktien von VW gingen 3,4 Prozent fester aus dem Handel. Audi legten um 1,2 Prozent zu.

USA: Wall Street freundlich erwartet

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An der Wall Street geht die Rekordrally am Tag nach der Trump-Rede weiter - aber nicht etwa, weil der US-Präsident ein klares Bild seiner politischen Vorhaben gezeichnet hätte. Nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer geht der starke Auftrieb an den US-Börsen auch hier vor allem auf die Zinsaussagen führender US-Notenbanker zurück. Als Stütze erwies sich auch ein besser als erwartet ausgefallener Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.

Der Dow-Jones-Index steigt um 1,5 Prozent auf 21.115 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückt um 1,4 Prozent auf 2395 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöht sich um 1,4 Prozent auf 5904 Punkte.

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Anleger reagierten positiv auf neue Signale aus der Notenbank Fed. Bank-Aktien legten in Erwartung einer baldigen Zinserhöhung zu. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes bereits im März mittlerweile auf 67,5 Prozent taxiert, nach zuletzt lediglich 30 Prozent, wie Daten von Thomson Reuters ergaben.

Auslöser für die neue Zuversicht waren Äußerungen von führenden Fed-Vertretern. So sagte das einflussreiche Notenbank-Mitglied William Dudley, die Argumente für steigende Zinsen seien nach der Präsidentenwahl im November viel überzeugender geworden. "Die Anleger haben anders als früher keine Angst vor steigenden Zinsen, was sie kümmert, ist das Tempo, mit dem dies vonstatten geht. Und drei Erhöhungen in diesem Jahr sind ganz klar auf dem Tisch", sagt Marktkenner Craig Erlam von Oanda.

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Trump lieferte in seiner Rede vor beiden Parlamentskammern zwar keine Details zu seinen Steuer- und Konjunkturplänen, bekräftigte aber seine wirtschaftsfreundliche Haltung und schlug gemäßigte Töne an. "Die Märkte gehen nach oben, weil der Präsident milder klingt", sagte Analyst Peter Cardillo vom Investmenthaus First Standard Financial. "Der Dollar und die Anleihe-Renditen ziehen an, das ist das nächste Thema am Markt. Die Fed übertrumpft den Trump-Effekt."

Anleger kauften insbesondere Bank-Titel. Sie spekulieren darauf, dass höhere Zinsen die Gewinnaussichten der Geldhäuser durch den Zinsanstieg verbessern. Bank of America kletterten um 3,6 Prozent, Goldman Sachs um 2,9 Prozent und Citigroup um 2,9 Prozent.

Auf der Gewinnerseite stehen außerdem Lowe's mit einem Plus von 9,5 Prozent. Die Baumarktkette erfreute die Börse mit einer optimistischen Umsatzprognose. Unter Druck standen hingegen Palo Alto, die 24 Prozent abrutschten. Die Gewinn- und Umsatzziele des Cybersicherheits-Spezialisten lagen unter den Markterwartungen.

Der US-Automarkt zeigte sich auch im Februar eher mit angezogener Handbremse. Unter den "Big Three" konnte sich nur Marktführer General Motors (GM) steigern. Der Konzern verbesserte seinen Absatz um 4,2 Prozent. Ford dagegen verbuchte einen Rückgang um 4 Prozent. Die GM-Aktie legte um 1,6 Prozent zu, für Ford ging es um 1,3 Prozent nach oben.

Devisen: Euro gibt leicht nach

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Am Devisenmarkt legt der Dollar mit der Zinsspekulation massiv zu. Die US-Devise konnte noch in der Nacht ihre Verluste nach der Enttäuschung über fehlende Details zu den Wirtschaftsplänen von US-Präsident Trump ausgleichen.

Der Euro fällt von 1,0625 Dollar im Hoch am Dienstag auf 1,0558 Dollar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) errechnete bei der Festlegung der täglichen Referenzkurse am Mittwochnachmittag einen Wechselkurs von 1,0533 US-Dollar für den Euro. Ein Euro entspricht außerdem 119,84 Yen, 0,85550 Pfund Sterling und 1,0647 Schweizer Franken.

Geschürt wird die neue Dollar-Stärke von den Aussagen aus den Reihen der US-Notenbanker. William Dudley sprach von einer "deutlich zwingenderen" Möglichkeit steigender Zinsen, seine Kollegen John Williams, Patrick Harker sowie James Bullard äußerten sich zwar etwas verhaltener, schließen aber eine Zinserhöhung im März nicht aus.

Das keine Zinsen abwerfende Gold leidet dagegen unter der Erwartung steigender Zinsen und auch unter dem teureren Dollar. Die Feinunze kostet 1250 Dollar, ein Minus von 0,3 Prozent. Neue Impulse kommen von der Konjunkturseite: Der Preisindex des privaten US-Konsums zeigt für Januar einen Anstieg von 1,9 Prozent zum Vorjahr nach 1,6 Prozent im Dezember und hat damit den Zielwert von 2,0 Prozent der US-Notenbank fast erreicht. Weil die Notenbank vorbeugend agieren muss, könnten die Daten sie darin bestärken, die Zinsen schon im März anzuheben.

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Versöhnliche Töne in der Rede Trumps linderten zudem die Enttäuschung über fehlende konkrete Aussagen zu seinen Wirtschaftsplänen. "Heute hatten wir einen 'lieben Trump", verglichen mit dem aggressiven, 'bösen Trump', wie er sich auf Twitter präsentiert hat", sagte Marktstratege Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. Investoren konzentrierten sich deshalb rasch auf eine mögliche Zinserhöhung der Notenbank Fed noch in diesem Monat. "Vor der Rede zögerten die Anleger, einen Zinsschritt im März komplett einzupreisen. Aber nun, da sie ohne Turbulenzen vorbei ist, weitet der Dollar seine Rally aus", sagte Kumiko Ishikawa von Sony Financial Holdings.

Asien: Fed rückt in den Fokus

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An den asiatischen Aktienmärkten geht es im Dienstagshandel überwiegend nach oben. Die Börse in Tokio stellt dank des Rückenwindes eines zum Dollar fallenden Yen die stärksten Gewinner. Der Nikkei-225 steigt um 1,4 Prozent auf 19.393 Punkte. In China stützen überwiegend positiv ausgefallene Einkaufsmanagerindizes, der Shanghai-Composite legt um 0,3 Prozent zu - der HSI in Hongkong um 0,1 Prozent. In Australien hat der S&P/ASX-200 gegen den regionalen Trend knapp behauptet geschlossen.

Marktbeobachter reagierten vor allem positiv auf die Aussagen von US-Notenbankern zur künftigen Zinspolitik. John Williams, Fed-Präsident in San Francisco und Vertrauter von Fed-Chefin Yellen, sagte, dass eine Leitzinserhöhung noch im März ernsthaft in Erwägung gezogen werden müsse. Daraufhin gerieten der Yen und auch der Euro gegenüber dem US-Dollar unter Druck, was Unternehmen aus Japan und aus der Eurozone den Export erleichtern kann. Die viel beachtete Rede des neuen US-Präsidenten brachte Börsianern zufolge derweil kaum positive Impulse.

Laut Händlern stiegen die Kurse eher trotz und nicht wegen der viel beachteten Trump-Rede. Stattdessen richtete sich die Aufmerksamkeit auf die kurzfristige Zinspolitik der Fed. Viele Investoren interpretierten die verschiedenen Aussagen von Vertretern der Federal Reserve dahingehend, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im März gestiegen ist. Diese Haltung manifestiert sich in steigenden Dollarkursen.

Der mit Spannung erwartete Kongress-Auftritt von US-Präsident Trump schien die hochgesteckten Erwartungen der Anleger in Fernost zu enttäuschen. "In der Rede fehlten Einzelheiten und bei den Zielen des Präsidenten wurden nicht einmal Prioritäten gesetzt", sagten die Marktstrategen vom Wells Fargo Investment Institute in St. Louis. Trump sagte bei seiner ersten Ansprache vor beiden Parlamentskammern lediglich massive Steuerkürzungen für mittlere Einkommensklassen und Unternehmen sowie mehr Arbeitsplätze für Amerikaner zu. Anleger hatten dagegen auf Details zu geplanten Infrastrukturprojekten gehofft.

Rohstoffe: Auftrieb erfasst den Ölmarkt

Am Rohstoffmarkt gaben die Ölpreise anfängliche Gewinne wieder ab, als zunächst die guten Wirtschaftsdaten aus China und die Konjunkturzuversicht gestützt hatten. Doch dann belasteten zunehmend der feste Dollar und der erneute Anstieg der US-Lagerdaten. Diese haben sich bereits die achte Woche in Folge erhöht. Ein Barrel der Sorte WTI reduzierte sich um 0,3 Prozent auf 53,83 Dollar, Brent verlor 0,3 Prozent auf 56,36 Dollar.

Am Ölmarkt hielten sich die Anleger vor der Veröffentlichung neuer Daten zu den US-Ölreserven zurück, heißt es aus dem Handel. Das private American Petroleum Institute (API) hatte bereits am Vorabend einen Anstieg der US-Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 2,5 Millionen Barrel gemeldet.

Der Aufbau der Rohöllagerbestände in den USA setzt sich die achte Woche in Folge fort. Sie stiegen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) in der Woche zum 24. Februar um 1,501 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten einen sehr viel kräftigeren Anstieg um 2,4 Millionen erwartet. In der Vorwoche hatten sich die Lagerbestände um 0,6 Millionen Barrel erhöht.

Die Benzinbestände nahmen um 0,546 Millionen Barrel ab. Analysten hatten ein Minus von 1,6 Millionen Barrel erwartet, nachdem sie in der vorangegangenen Woche um 2,6 Millionen gesunken waren. Die API-Daten hatten einen Anstieg angezeigt. Er lag bei 1,8 Millionen Barrel.

Quelle: n-tv.de

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