Gestern Trump, heute harte Fakten. Große US-Banken legen Zahlen vor.
Gestern Trump, heute harte Fakten. Große US-Banken legen Zahlen vor.(Foto: REUTERS)

Harte Fakten statt Trump-Soße: Dax schließt im Plus

Das Grübeln darüber, was die Präsidentschaft Donald Trumps für die US-Wirtschaft bedeutet, hat Pause. Es gilt handfeste Daten zu verarbeiten. Im Fokus stehen die Bilanzen großer US-Banken. Außerdem zieht der Abgasskandal seine Kreise.

Die Schaukelbörse auf hohem Niveau ist auch am letzten Börsentag der Woche weitergegangen. Nach dem eher enttäuschenden Auftritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump und den darauf folgenden Gewinnmitnahmen am Vortag holten die Kurse diese Einbußen am Freitag wieder auf.

Der Dax schloss 0,9 Prozent höher bei 11.629 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 rückte um 1,1 Prozent auf 3324 Zähler vor. Die Londoner Börse meldete erneut ein Rekordhoch.

Dennoch überwog bei vielen Marktakteuren die Zurückhaltung. Die Euphorie über den Trump-Sieg sei verflogen, sagten Händler. Mittlerweile sei die vorherrschende Haltung, den Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar als Signal für den Marktausstieg zu sehen. "Die neu aufgekommenen Unsicherheiten wegen Trump lassen Investoren mit Vorsicht agieren", sagte Lukman Otunuga vom Londoner Broker FXTM.

Der künftige US-Präsident hatte auf seiner ersten Pressekonferenz keine Details zu seinen Wirtschaftsplänen geliefert. "Trump versprach wie immer viel", urteilte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. "Höhere Staatsausgaben und niedrigere Steuern gehörten diesmal nicht dazu. Irgendwann wird Trump liefern müssen."

Am Freitag konzentrierten sich die Börsianer aber zunächst einmal auf harte Fakten. Dazu gehörten Geschäftszahlen von US-Banken. Die Bank of America, JP Morgan Chase und Wells Fargo, alle unter den Top-Ten Investmentbanken weltweit, öffneten ihre Bücher. Die Aussichten für den Finanzsektor 2017 seien angesichts möglicher weiterer Zinserhöhungen in den USA gar nicht schlecht, betonte Händler Markus Huber von City of London Markets. "Banken werden aus Anlegersicht wieder populärer, vor allem weil viele Fonds diesen Sektor immer noch untergewichten." Unterstützung lieferten auch die Zahlen der US-Institute (siehe unten).

Im Dax führten Deutsche Bank die Gewinnerliste mit einem Plus von 4,0 Prozent an. Laut Finanzvorstand Marcus Schenck will das Institut seine Altlasten hinter sich lassen und 2017 in die Offensive gehen. Am Vortag hatten die Papiere 3,5 Prozent verloren.  

Zum Wochenschluss richten sich die Blicke auch gen Italien. Die Ratingagentur DBRS könnte ihre Einstufung für die Bonität des Landes senken. Derzeit stufen die Kanadier italienische Schulden mit "A-" ein, das Ausblick ist aber negativ. Sollte die Ratingagentur ihre Bonitätseinstufung senken, fiele Italiens letztes A-Rating weg. Dann müsste für bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegte italienische Staatsanleihen ein größerer Sicherheitsaufschlag gezahlt werden, was wiederum die Refinanzierung der italienischen Banken verteuerte.

Nach Einschätzung der Commerzbank sollte dies für Italiens Banken jedoch verkraftbar sein. Allerdings erhöhte eine DBRS-Abstufung die Wahrscheinlichkeit einer Senkung der Kreditwürdigkeit durch die sehr viel wichtigere Ratingagentur Standard & Poor's im Mai. Die DBRS-Entscheidung wird nach Börsenschluss in Europa erfolgen. Anleger zeigten sich noch gelassen, die Kurse italienischer Banken legten zu. Unicredit zogen 3,4 Prozent an, Banco Popolare um 2,7 Prozent.

Italiens Bankensektor ist angeschlagen und leidet unter einem Berg fauler Kredite. Derzeit versucht die Unicredit eine Kapitalerhöhung über 13 Milliarden Euro am Markt zu platzieren. Abstufungen durch Ratingagenturen könnten das Sentiment für den italienischen Bankensektor weiter belasten. Im Handel bleibt das Thema Italien auf dem Radar. Es sei klar, dass Italien bzw. der italienische Bankensektor jederzeit wieder zum marktbelastenden Faktor werden können, heißt es.

Bei den deutschen Einzelwerten gehörte ansonsten Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Kursplus von 1,2 Prozent zu den Gewinnern. Der Dialysekonzern erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen eine Anordnung der Gesundheitsbehörde CMS, der zufolge Wohltätigkeitsorganisationen Dialyse-Patienten keine Behandlungszuschüsse mehr zahlen dürfen.

Nach der sehr guten Kursentwicklung am Vortag nahmen Anleger Gewinne bei der Südzucker-Aktie mit. Das Papier fiel unter die Unterstützung bei 24 Euro und hat damit zunächst Konsolidierungspotenzial bis 23,40 Euro. Südzucker verloren 1,1 Prozent auf 23,91 Euro.

Hugo Boss fielen um 3,0 Prozent, nachdem die Citigroup die Aktie von "Kaufen" auf "Neutral" gesenkt hat. UBS hat den Börsenbetreiber Euronext auf "Kaufen" hoch gestuft, die Aktie stieg um 5,1 Prozent. Goldman Sachs empfahl Prosiebensat.1 zum Kauf, was den Kurs um 1,5 Prozent zulegen ließ. Bryan Garnier empfahl die Merck-Aktie zum Kauf, sie gewann  2,2 Prozent hinzu. Ein "Übergewichten" von Barclays ließ Münchener Rück um 1,8 Prozent steigen.

Nach Fiat auch noch Renault

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Bewegung gab es erneut im europäischen Automobilsektor. Die Aktie von Fiat Chrysler, die am Donnerstag wegen des Vorwurfs manipulierter Abgaswerte in den USA um mehr als 17 Prozent eingebrochen war, erholte sich um 4,6 Prozent etwas. Unter Druck standen dagegen Renault, die um knapp 3,0 Prozent nachgaben. Renault ist ins Visier der französischen Staatsanwaltschaft geraten.

Auch Renault wird Betrug bei den Abgaswerten vorgeworfen. Drei Richter seien mit dem Fall betraut worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei Renault war kurzfristig niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend, nachdem das französische Finanz- und Industrieministerium im November der Staatsanwaltschaft ein Dossier zur Prüfung vorgelegt hatte.

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Nach Einschätzung von Kepler Cheuvreux ist der Emissionsskandal von Fiat nicht mit dem von Volkswagen vergleichbar. Während VW eine "Cheating Software" eingesetzt habe, um die Emissionswerte künstlich zu senken, habe Fiat lediglich eine "Calibration Software" verwendet wegen Kalibrierungsproblemen bei Dieselmotoren. Kepler schätzt die Höhe der möglichen Strafzahlungen auf 4,6 Milliarden Dollar, was deutlich unter dem von VW gezahlten Betrag läge.

Wall Street: Banken öffnen die Bücher

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Die US-Börsen fanden zum Wochenausklang keine einheitliche Richtung. Hauptthema waren die Banken, deren Aktien nach Bilanzvorlage dreier Schwergewichte zulegten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor geringfügig auf 19.885 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legte hingegen 0,2 Prozent auf 2274 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 0,5 Prozent auf 5574 Stellen.

Unter den Konjunkturdaten stiegen die Erzeugerpreise im Dezember auf Monatssicht um 0,3 Prozent; Volkswirte hatten einen Anstieg in exakt dieser Größenordnung vorhergesagt. In der viel beachteten Kernrate wurde statt der prognostizierten Zunahme von 0,1 Prozent ein Anstieg um 0,2 Prozent verzeichnet.

Die Verbraucher in den USA waren gemessen an den Einzelhandelsumsätzen im Dezember zurückhaltender als erwartet. Der Anstieg um 0,6 Prozent verfehlte den Analystenkonsens von plus 0,7 Prozent. Die Daten finden ebenfalls starke Beachtung, weil der private Konsum in den USA etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Der Index der Uni Michigan, der die Stimmung der Verbraucher bemisst, fiel zwar etwas schwächer aus als erwartet, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Der aktuelle Wert von 98,1 ist der zweithöchste Stand seit Januar 2004.

Bei der Ertragslage der US-Banken gab es keine einheitliche Tendenz und auch die Kursbewegungen der Aktien waren nur bedingt nachvollziehbar. JP Morgan übertraf mit Einnahmen und Gewinn die Erwartungen des Marktes. Licht und Schatten enthielten die Quartalszahlen der Bank of America. Sie lag im Schlussquartal 2016 beim Gewinn über den Erwartungen, doch blieben die Einnahmen etwas hinter dem Analystenkonsens zurück. Bei Wells Fargo überzeugte vor allem die Vermögensverwaltungssparte, die deutlich besser abschnitt als die Mutter insgesamt, die einen Gewinnrückgang zu verkraften hatte.

Die Aktie der Bank, die von einem Skandal um Scheinkonten erschüttert worden war, stieg um 1,5 Prozent. Bank of America gewannen 0,4 Prozent. JP Morgan verbuchten ein Plus von 0,5 Prozent. Alle drei Aktien hatten zunächst deutlich mehr zugelegt. Der Bankenindex war mit einem Plus von 0,8 Prozent der zweitstärkste Sektor, nachdem er im Frühgeschäft 1,7 Prozent im Plus lag.

Asien: Tokio erholt sich

An den Aktienmärkten in Ostasien und Australien hielten sich zum Wochenausklang Gewinner und Verlierer in etwa die Waage. Die Börse in Tokio erhielt Rückenwind vom nachgebenden Yen, der Nikkei-Index legte um 0,8 Prozent zu auf 19.287 Punkte. In Schanghai ging es dagegen um 0,2 Prozent leicht nach unten auf 3.112 Punkte. Ein stärker als erwartet ausgefallener Exportrückgang Chinas im Dezember habe die Stimmung aber allenfalls leicht belastet, hieß es. In Hongkong legt der Index um ein halbes Prozent zu.

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Schwache Exportzahlen aus China für Dezember stellen nach Einschätzung aus dem Handel keinen Belastungsfaktor für die Börsen dar. Gleichwohl senden die Daten wenig Ermutigendes aus: Die chinesischen Exporte sind im Dezember überraschend stark gefallen. Nach dem unerwarteten Anstieg im November hatten Volkswirte für den Dezember einen geringeren Rückgang erwartet. Die Daten deuten darauf hin, dass die Ausfuhren Chinas, einst ein wichtiger Wachstumsmotor, weiter unter der anhaltenden Schwäche des Welthandels leiden. Die Exporte sind damit, bis auf den Ausreißer im November, zuletzt in acht von neun Monaten gesunken. Die Importe legten unterdessen im Dezember zu und erfüllten damit größtenteils die Erwartungen.

Die Börse in Sydney orientierte sich stärker an den leichteren Vorgaben aus den USA. Der zuletzt auf ein 20-Monatshoch gestiegene S&P/ASX-200 schloss mit einem Abschlag von 0,8 Prozent. Besonders Aktien aus dem Finanzsektor litten dort unter Gewinnmitnahmen. Sie hatten die Trump-Rally seit dessen Wahlsieg angeführt.

Der Aktienmarkt in Südkorea zeigte sich mit moderaten Abgaben nach der Entscheidung der südkoreanischen Notenbank, die Leitzinsen unverändert zu lassen, trotz eines gesenkten Wachstumsausblicks. Vor allem das Minus beim Schwergewicht Samsung drückte den Kospi ins Minus.

Devisen: Euro stabil über 1,06

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Am Devisenmarkt wertete der Euro von 1,06 US-Dollar auf, er lag am späten Abend etwas unter Tageshoch bei rund 1,0640 Dollar. Gestützt wurde der Dollar davon, dass die Erzeugerpreise im Dezember in der Kernrate mit 0,2 Prozent etwas stärker gestiegen sind als mit 0,1 Prozent erwartet worden war.

Aussagen der Fed-Chefin sorgten kaum für Impulse. Die Wirtschaft stehe kurzfristig vor keinen ernsthaften Hindernissen, sagte Janet Yellen in der Nacht auf Freitag. "Die Arbeitslosigkeit hat jetzt ein niedriges Niveau erreicht, der Arbeitsmarkt ist insgesamt stark und das Lohnwachstum legt allmählich zu." Zudem verwies Yellen auf die zuletzt gestiegene Inflation, betonte aber auch längerfristige Risiken durch eine schwache Produktivität und steigende Einkommensungleichheit.

Die türkische Lira und der mexikanische Peso blieben unterdessen weiter auf einem extrem schwachen Niveau, haben sich aber zuletzt leicht erholt und seit Mittwoch keine neuen Rekordtiefs erreicht.

Rohstoffe: Ölpreise geben nach

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Am Ölmarkt kamen die Preise nach der Erholung der beiden Vortage zurück, an denen der Ölpreis unter anderem vom schwächeren Dollar profitiert hatte. Die US-Währung stabilisierte sich inzwischen, so dass von dort keine weitere Unterstützung mehr kam. Daher trat wieder die Frage in den Vordergrund, ob die Förderkürzungen, auf die sich Ölförderländer im November verständigt hatten, in die Tat umgesetzt werden.

Das Barrel US-Leichtöl der US-Sorte WTI ermäßigte sich um 1,2 Prozent auf 52,37 Dollar. In der abgelaufenen Woche hat Öl 3 Prozent verloren, das war der höchste Verlust seit Anfang November.

Quelle: n-tv.de

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