Freitag, 27. August 2010
Billiges Fed-Geld winkt
Dax schließt im Plus
Die Aussicht auf weitere Geldspritzen für die US-Wirtschaft schiebt die Aktienmärkte zum Wochenschluss an. Die kurzfristige Schwäche, die die Prognosesenkung von Intel ausgelöst hatte, war am späten Nachmittag schnell vergessen.
US-Notenbankchef Ben Bernanke hat während einer Konferenz im amerikanischen Jackson Hole erklärt, die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft habe sich stärker als erwartet abgeschwächt. Zugleich kündigte er aber an, der lahmenden Konjunktur bei Bedarf mit weiteren Geldspritzen unter die Arme zu greifen. Der Dax schloss daraufhin 0,7 Prozent höher bei 5951 Zählern. Er büßte damit auf Wochensicht knapp ein Prozent ein. Der europäische Stoxx50 stieg um 0,6 Prozent auf 2447 Punkte.
Analysten zufolge überlagerten die Aussagen des amerikanischen Notenbankers neue Signale für eine Abschwächung des US-Wachstums. "Bernanke hat das Umfeld für weitere stimulierende geldpolitische Maßnahmen bereitet", sagte Analyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler. "Von solchen Schritten haben als risikoreicher geltende Anlagen wie Aktien meist profitiert." Die US-Börsen lagen bei Handelsschluss in Europa gut ein Prozent im Plus.
Als Zeichen für eine Abschwächung des Wachstums in den USA wurde der von der Universität Michigan und von Reuters ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens gewertet. Dieser war im August geringer als erwartet gestiegen. Wenig Hoffnung machte auch die zweite Schätzung für das Brutto-Inlandsprodukt der USA: Die zweite Schätzung fiel mit einem Wachstum von 1,6 Prozent deutlich geringer aus als die Erstschätzung von 2,4 Prozent.
Zeitgleich mit Bernankes Rede überraschte der weltgrößte Chiphersteller Intel die Märkte mit der Senkung seiner Umsatzprognose für das laufende Quartal. Intel-Aktien stiegen dennoch um 1,5 Prozent. Allerdings standen Technologiewerte vor dem Hintergrund des Übernahmekampfes zwischen Dell und Hewlett-Packard um den Datenspeicher-Spezialisten 3PAR hoch im Kurs. 3PAR-Aktien schossen 21 Prozent nach oben. Dell-Aktien stiegen um 2,2 Prozent, HP-Papiere gaben 1,6 Prozent nach. Das zuletzt höchste Gebot hatte HP vorgelegt.
In Frankfurt gaben die Aktien des Chipherstellers Infineon ein Prozent nach, erholten sich damit aber von einem deutlich höheren Kursverlust. Branchenkreisen zufolge, soll sich das deutsche Unternehmen noch am Wochenende mit Intel über den Verkauf seiner Mobilfunkchipsparte handelseinig werden.
Zu den größten Dax-Gewinnern zählten trotz der anhaltenden Diskussion über die Atompolitik in Deutschland die Aktien der Energiekonzerne E.ON und RWE. Die Titel verteuerten sich um 1,2 beziehungsweise 0,8 Prozent. "Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten greifen Anleger lieber zu Aktien, die auch in Krisenzeiten eine gewisse unternehmerische Stabilität bieten", sagte ein Händler. Dies gelte auch für den Pharma- und Chemiekonzern Merck, die Deutsche Telekom und den Gesundheitskonzern Fresenius, deren Aktien bis zu 2,1 Prozent zulegten. Mit einem Plus von 2,8 Prozent standen Metro-Papiere an der Dax-Spitze. Einem Zeitungsbericht zufolge steigt die Tochter Media Markt in Deutschland in das Geschäft mit Video-Downloads ein. In Paris kletterten die Aktien des Konkurrenten Carrefour nach einer Kaufempfehlung der Citigroup um 3,3 Prozent.
Schlusslicht im Dax waren nach einem Zeitungsbericht über eine mögliche Kapitalerhöhung die Aktien der Commerzbank mit einem Minus von zwei Prozent. Dem "Handelsblatt" zufolge will die Commerzbank mindestens fünf Milliarden Euro einsammeln, um den Staat damit zum Teil auszuzahlen. Ein Sprecher der Bank zufolge gibt es aber noch keine konkreten Pläne.
sla/rts
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