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Der Dax hängt unter 11.600: Blick in den großen Handelssaal der Frankfurter Börse am vierten Börsentag des neuen Jahres.
Der Dax hängt unter 11.600: Blick in den großen Handelssaal der Frankfurter Börse am vierten Börsentag des neuen Jahres.(Foto: REUTERS)

Knapper Schlusskurs an der Börse: Dax schließt haarscharf im Plus

Mageres Ergebnis am deutschen Aktienmarkt: Frische Daten aus dem Euroraum und zum US-Stellenmarkt liefern Anlegern zwar neue Anhaltspunkte. Für eine klare Richtungsentscheidung reichen die Impulse jedoch nicht. Der Dax wechselt mehrfach das Vorzeichen.

Unentschlossene Bewegungen im deutschen Börsengeschehen: Nach einem schwachen Auftakt pendelt der Leitindex Dax im Donnerstagshandel in einer schmalen Spanne unterhalb der Kursschwelle bei 11.600 Punkten. Am Abend verzeichnen Börsianer einen Schlusskurs, der mit 11.584,94 Punkten nur 0,005 Prozent über dem Niveau des Vortages liegt.

Das früh markierte Tageshoch im Dax liegt bei 11.602,54 Punkten, das Tagestief bei 11.537,40 Zählern. Insgesamt hat sich das Frankfurter Börsenbarometer im Verlauf um nicht viel mehr als 60 Punkte bewegt. Am Vorabend hatte der Dax bei 11.584,31 Zählern geschlossen. Nach der Dezember-Rally und einem starken Jahresauftakt, der den deutschen Leitindex zeitweise noch über die Marke von 11.600 Punkten geschoben hatte, habe die Anleger der Mut verlassen, fasste ein Marktbeobachter die Lage zusammen.

Hinter der ersten Reihe sieht es nicht viel besser aus: Der Nebenwerteindex MDax schließt 0,11 Prozent fester bei 22.282,17 Punkten. Der technologielastige TecDax rückt um 0,16 Prozent vor auf 1839,03 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 gibt 0,14 Prozent ab auf 3313,02 Punkte.

Konjunkturdaten sorgten an einem ansonsten wenig bewegten Handelstag für Gesprächsstoff: Die Inflation der Erzeugerpreise der Euroraum-Industrie ist im November erstmals seit Juni 2013 positiv ausgefallen. Nach Mitteilung von Eurostat lagen die Erzeugerpreise um 0,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Volkswirte hatten auf Jahressicht unveränderte Erzeugerpreise erwartet. Im Vormonat hatte die Rate bei minus 0,4 Prozent gelegen. Ihren zyklischen Tiefpunkt hatte sie im April 2016 mit minus 4,4 Prozent erreicht. Im Vergleich zum Vormonat erhöhten sich die Erzeugerpreise um 0,3 (Prognose: 0,2) Prozent. Auch für die gesamte EU meldete Eurostat einen monatlichen Preisanstieg von 0,3 Prozent. Binnen Jahresfrist stiegen die Preise hier um 0,7 Prozent.

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Insgesamt jedoch blieb die Stimmung am deutschen Aktienmarkt verhalten. "Die Investoren, die auf dem hohen Niveau eingestiegen sind, haben mittlerweile kein gutes Gefühl mehr mit ihren Positionen", kommentierte Börsenexperte Jochen Stanzl von CMC Markets die Lage. Die Anzeichen mehrten sich, dass die Aktienrally seit dem Wahlsieg Donald Trumps nun langsam zu Ende gehe, weshalb die Anleger begännen, ihre Gewinne mitzunehmen. Für etwas Belastung sorge dabei der zum US-Dollar anziehende Eurokurs.

Weit oben auf der Gewinnerliste tauchten Immobilienwerte auf. Die Aktien des Wohnbauunternehmens Vonovia profitierten nach Ansicht von Branchenkennern von den jüngsten Aussagen aus der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). In den Protokollen zur jüngsten Zinssitzung war von neuen Risiken die Rede. Damit seien die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinsanhebungen, so heißt es am Markt, zumindest in Frage gestellt.

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"Wenn die Fed schon wieder wirtschaftliche Unsicherheiten hervorhebt, sind die künftigen Zinserhöhungen doch nicht so sicher, wie der Markt bereits eingepreist hatte", meinte ein Händler. Immobilien-Aktien orientierten sich sehr stark an den Langfristzinsen und würden daher von der Entwicklung profitieren. Im MDax schlossen die Aktien von Deutsche Wohnen 2,6 Prozent im Plus.

Nachdem Bankenaktien zu Beginn des Jahres die größten Gewinner waren, sind es am Donnerstag die als defensiv geltenden Papiere aus dem Gesundheitssektor und der Telekombranche. "Wir sehen, dass sich die Kunden etwas vorsichtiger positionieren", meinte ein Aktienhändler mit Blick auf den morgigen Freitag, wenn der richtungweisende US-Arbeitsmarktbericht für Dezember veröffentlicht wird.

Die Aktien der Deutschen Bank stiegen zeitweise auf den höchsten Stand seit Mitte März vergangenen Jahres, gingen am Abend allerdings 0,8 Prozent schwächer bei knapp 18,12 Euro aus dem Handel. "Man setzt immer mehr auf eine strukturelle Erholung in der europäischen Bankenbranche", meinte ein Händler.

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Die Einnahmen der Deutschen Bank dürften im laufenden Jahr in allen Geschäftsbereichen wieder zulegen, die Kosten sinken und auch die Rükstellungen für notleidende Kredite spürbar zurückgehen. Damit nähmen wiederum auch die Sorgen um eine weitere Kapitalerhöhung ab. Gestützt werde die Stimmung auch davon, dass das Geldhaus einen weiteren Rechtsstreit in den USA beilegen konnte.

USA: Dow Jones orientiert sich nach unten

An der New Yorker Wall Street bestimmen schwache Arbeitsmarktdaten das Börsengeschehen. Die US-Unternehmen schufen im Dezember nach Angaben des Arbeitsvermittlers ADP lediglich 153.000 neue Jobs, Experten hatten mit 170.000 gerechnet. Im November hatte es noch 215.000 neue Stellen gegeben.

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 0,2 Prozent nach und schloss bei 19.899 Punkten. Er entfernte sich damit wieder von der 20.000er-Marke, die er noch nie übersprungen hat. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 0,1 Prozent auf 2269 Zähler. Der Nasdaq Composite stieg um 0,2 Prozent auf 5488 Stellen.

Die Aktien der Kaufhaus-Kette Macy's brachen 14 Prozent ein, die des Rivalen Kohl's sogar 18,8 Prozent. Beide hatten angesichts schwacher Umsätze im Weihnachtsgeschäft ihre Gewinnprognosen gekappt.

Unter Druck standen auch die im Dow Jones gelisteten Papiere von Travelers, die 1,7 Prozent nachgaben. Morgan Stanley stufte die Aktie des Versicherers auf "untergewichten" herab. Um 21 Prozent auf 74,90 Dollar nach oben ging es dagegen mit den Titeln des auf Wirtschaftsanalysen spezialisierten Unternehmens CEB. Der Marktforscher Gartner will CEB für 2,6 Milliarden Dollar oder 77,25 Dollar pro Aktie kaufen.

Gefragt waren auch die Anteilsscheine von Amazon mit einem Aufschlag von 3,2 Prozent. Der Online-Händler und die Teenager-Modekette Forever 21 interessieren sich Insidern zufolge für den insolvente US-Bekleidungshersteller American Apparel. Die beiden Firmen führten neben anderen Gespräche mit American Apparel und seinen Finanzberatern, wie mit den Verhandlungen vertraute Personen sagten.

Devisen: Euro gewinnt an Stärke

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Der Kurs des Euro hat am Donnerstag nach Schwankungen deutlich zugelegt. Am späten Abend stieg die Gemeinschaftswährung um 1,1 Prozent auf 1,0601 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0501 (Mittwoch: 1,0437) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9523 (0,9581) Euro.

Im Handelsverlauf war es wie bereits an den vergangenen Tagen mehrfach zu Kursschwankungen gekommen. Nach einer starken Talfahrt zum Jahresende 2016 konnte sich der Euro seit dem Jahreswechsel noch nicht wirklich stabilisieren. Zeitweise war der Kurs sogar auf den tiefsten Stand seit 2003 bei 1,0341 Dollar gefallen. Zuletzt hatte aber eine breit angelegte Schwäche des Dollar die Gemeinschaftswährung gestützt.

Händler erklärten die jüngste Dollar-Schwäche unter anderem mit Aussagen der US-Notenbank Fed. Die amerikanischen Währungshüter hatten sich laut dem Sitzungsprotokoll zu der jüngsten Zinsentscheidung besorgt über einen zu starken Dollar geäußert. Am Nachmittag konnten außerdem enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA dem Euro etwas Auftrieb geben. Im Dezember war die Beschäftigung im Privatsektor schwächer als erwartet gestiegen.

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Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85440 (0,84945) britische Pfund, 122,38 (122,64) japanische Yen und 1,0704 (1,0707) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1176,70 (1164,25) Dollar gefixt.

Das britische Pfund verringert nach starken heimischen Konjunkturdaten seine Verluste. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor (Service-PMI) war mit 56,2 deutlich besser ausgefallen als die erwarteten 54,8. Bereits die Prognose war laut Markit die höchste seit Juli 2015 gewesen. Das Pfund legt zum Dollar auf 1,2314 zu nach einem Stand von 1,2287 Dollar vor Veröffentlichung der Daten.

Die türkische Lira fällt auf ein neues Rekordtief zur US-Devise. Zeitweise wurden 3,6403 Lira je US-Dollar gezahlt. Aktuell kostet der Dollar 3,6170 Lira. Auf der Lira lastet nach wie vor die (geld)-politische Unsicherheit in der Türkei, wie Beobachter sagen. Die türkische Zentralbank dürfte zögern, die Zinsen aggressiv zu erhöhen, meinen die Analysten von BBH. Die Zinsen dürften daher nicht hoch genug sein, um die Lira attraktiver zu machen. Dazu gesellten sich die politischen Risiken.

Asien: Plus in China, Minus in Japan

Positive Vorzeichen dominieren an den ostasiatischen Börsen. Gute Konjunkturdaten geben dabei den Börsen in Hongkong und Schanghai Auftrieb. Zu den wenigen Verlierern in der Region gehört der Tokioter Aktienmarkt. Dort geben vor allem die Kurse exportorientierter Unternehmen nach, nachdem der Yen zum Dollar deutlich aufgewertet hat.

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Der Nikkei fällt um 0,5 Prozent auf 19.493 Punkte. In Schanghai notieren die Kurse im Schnitt kaum verändert, gestützt vom Anstieg des Caixin-Einkaufsmanagerindex für den chinesischen Dienstleistungssektor.

Ein kräftiges Plus von 1,3 Prozent zeigt dagegen der Hang-Seng-Index in Hongkong, nachdem der von IHS Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Sonderverwaltungszone in den expansiven Bereich zurückgekehrt ist, was auf ein Wachstum hindeutet. In den 21 Monaten davor war der Index stetig zurückgegangen.

Rohstoffe: Ölpreise steigen moderat

Die Preise für US-Leichtöl der marktführenden Sorte West Texas Intermediate (WTI) stiegen zu US-Handelsschluss um 0,8 Prozent auf 53,66 Dollar und können sich damit auf den jüngst erreichten Höchstständen seit Herbst 2015 stabilisieren. Nordseeöl der Sorte Brent kostete 56,82 Dollar - ein Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorabend.

Gestützt wurden die Preise vom leichteren Dollar, der Rohstoffe generell billiger macht für Käufer aus dem Nichtdollarraum, dem Start der für 2017 angekündigten Fördersenkung der Opec- wie auch anderer Ölförderstaaten, aber auch von gesunkenen Ölvorräten in den USA.

Die Rohöllagerbestände in den USA haben sich in der Woche zum 30. Dezember deutlich stärker als erwartet verringert. Die Lagerbestände fielen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 7,1 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten nur einen Rückgang um 2,0 Millionen erwartet. In der Vorwoche hatten sich die Lagerbestände um 0,6 Millionen Barrel erhöht.

Bei den bereits am Vortag veröffentlichten Daten des privaten American Petroleum Institute (API) war mit 7,4 Millionen Barrel ebenfalls eine kräftige Abnahme registriert worden. Die Benzinbestände stiegen dagegen um 8,3 Millionen Barrel. Analysten hatten ein Plus von 1,3 Millionen Barrel erwartet, nachdem sie in der vorangegangenen Woche um 1,6 Millionen gesunken waren. Auch die API-Daten hatten einen kräftigen Anstieg angezeigt. Er lag bei 4,3 Millionen Barrel.

Nach einem unruhigen Jahresauftakt mit deutlichen Preisschwankungen hatte sich die Lage am Ölmarkt zuletzt beruhigt. Im Zentrum des Interesses steht nach wie vor, ob das Ölkartell Opec seine mit anderen Förderländern verabredete Produktionskürzung umsetzen kann. Konkrete Daten dazu liegen noch nicht vor, die Kürzung soll aber seit Jahresbeginn in Kraft sein.

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Quelle: n-tv.de

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