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Minus an der Wall Street: Dax sackt am "Panic Monday" durch die 9000

Der Schock sitzt tief: Statt einer positiven Gegenbewegung nach dem Fünf-Prozent-Verlust der Vorwoche wartet der Dax mit einem weiteren Kursrutsch auf. Der ist allerdings dynamischer - und eine psychologisch wichtige Marke fällt deutlich.

Der Kursverfall am deutschen Aktienmarkt hat sich zum Wochenauftakt in einem atemberaubenden Tempo fortgesetzt. "Die Erholung kam nicht - und dann ging es abwärts", lieferte n-tv Börsenexperte Frank Meyer den passenden Kommentar. "Der Markt will nach unten. Der Chart ist kaputt", erläuterte er. "Es ist Druck drauf." Und der sorgte dafür, dass der Dax zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wieder unter die Marke von 9000 Punkten gefallen ist. Händler sprachen von einem "Panic Monday" - wiesen aber auch daraufhin, dass auf diese meist ein "Turnaround Tuesday" folgt.

Der Dax fiel im Tagestief bis auf 8938 Punkte. Das Tageshoch lag bei 9338 Zählern. Eine Handelsspanne von 400 Stellen zeigt, wie nervös die Anleger derzeit sind. Am Ende verabschiedete sich der Leitindex mit einem Abschlag von 3,3 Prozent und 8979 Punkten. Der MDax gab 4,5 Prozent auf 17.849 Zähler nach. Der TecDax büßte 5,8 Prozent auf 1500 Stellen ein.

Wo ist der Boden?

Seit Monaten steht der deutsche Aktienmarkt damit unter Druck. 2015 hatte der Dax noch bei gut 10.700 Punkten beendet. Seitdem ging es fast durchgängig abwärts. Allein in der Vorwoche hatte er mehr als 5 Prozent eingebüßt, am Freitag davon 1,1 Prozent. Hauptgründe für den anhaltenden Kursverfall sind der Ölpreis-Rutsch und schlechte Konjunkturdaten insbesondere aus China. Auch der zwischenzeitlich erstarkende Euro belastet. Das Minus des Dax summiert sich für dieses Jahr in der Spitze auf mehr als 16 Prozent.

Wie weit es noch abwärts geht, darüber sind sich die Experten uneins. Jochen Stanzl von CMC Markets hält einen weiteren Dax-Rückgang bis 8300 Punkte in den kommenden Wochen für möglich. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Sentix ist die Stimmung der Anleger im Euroraum im Februar auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015 gefallen. Angesichts vieler negativer Aspekte gebe es derzeit kaum Kaufargumente, sagte Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner. Dieser Käuferstreik führe dann auch mit Blick auf das Chartbild zu zusätzlichem Druck, da sich der Abwärtstrend immer weiter beschleunige und gerade die meist computergesteuerten Handelsprogramme darauf reagierten.

"Dax ist massiv ausverkauft"

Chris Weston von IG Markets wies darauf hin, dass vor allem der US-Markt beginne, eine Rezession einzupreisen und riet dazu, "vorsichtig" zu bleiben. Auch Daniel Saurenz von Feingold Research warnte: "Der Dax ist massiv ausverkauft, die Stimmung am Boden." Wenn in den USA eine Rezession gepreist werde, "dann ist das Dax-Ziel 8200". Allerdings sagte er auch: "Rein stimmungstechnisch wäre eine Erholung Richtung 9400 überfällig."

Die DZ-Bank schließt einen Kursverfall bis 8355 Punkte, dem Oktober-2014-Tief, nicht aus, wobei eine erste Abwärtswelle zunächst bis 8950 Punkte laufen dürfte. "Vielleicht bei 8750" sieht Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, im Gespräch mit n-tv, einen Boden.

Rohstoffe: Ölpreise sacken ab

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Im Fokus stand zum Wochenauftakt erneut der Ölpreis: Der kletterte zunächst auch, dann kamen die Preise aber zurück. Ein Barrel (195 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete zu US-Handelsschluss 32,96 Dollar. Das waren 3,2 Prozent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Lieferung im März fiel ebenfalls nach anfänglichen Aufschlägen um 2,6 Prozent auf 30,09 Dollar.

Anleger hofften erneut wegen des anhaltenden Überangebots auf baldige Förderkürzungen. Die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA meldete am Sonntag, der heimische Ölminister Ali Al-Naimi habe sich mit seinem venezolanischen Kollegen Eulogio del Pino getroffen. In dem Gespräch soll es um eine mögliche Kooperation zwischen Mitgliedern des Förderkartells Opec und anderen Produzenten gegangen sein, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Dax: Kein Wert im Plus

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Bei den Einzelaktien standen Autowerte und Banken im Fokus. VW und Co. konnten am Freitag gegen den allgemeinen Markttrend deutlich zulegen. Zum Start in die neue Handelswoche ging es auch für sie deutlich nach unten. VW sackten rund 5 Prozent ins Minus. Eine im Raum stehende Verzögerung der geplanten Entschädigung der US-Käufer im Diesel-Skandal fiel dabei kaum ins Gewicht. Daimler und BMW verloren mehr als 3 und 4 Prozent.

Auch Analysten wirkten auf die Kurse: So hatte die Credit Suisse die Munich Re auf "Neutral" nach "Underperform" erhöht. Umgekehrt senkte Berenberg das Kursziel für Deutsche Bank deutlich auf 14 von zuvor 25 Euro. Munich Re verloren deshalb lediglich 0,7 Prozent. Sie waren lange der einzige Gewinner im Leitindex. Deutsche Bank schlossen rund 10 Prozent leichter, Coba mehr als 9 Prozent. Das waren die beiden Top-Verlierer im Leitindex.

Verluste auf breiter Front

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Noch deutlicher als den Dax zog es Neben- und Techwerte nach unten: Bilfinger gaben im MDax 4,4 Prozent ab. Der Baukonzern verkauft die Wassertechnologie-Sparte nach China und erwartet dadurch einen Cash-Zufluss von etwa 200 Millionen Euro. Der schwieriger werdende Stahlmarkt machte Rheinmetall zu schaffen, die Titel sackten 6,7 Prozent ab. Die deutlichsten Verluste wiesen ElringKlinger und Zalando mit mehr als 8 und rund 8 Prozent auf, die geringsten Abschläge entfielen auf Wacker Chemie und Rhön Klinikum mit jeweils etwa 1,4 Prozent. Kion schlossen rund 4,5 Prozent tiefer: Das Unternehmen meldete in den USA einen Zukauf.

Im TecDax hielten sich lediglich Drägerwerk im Plus - mit deutlichen 1,3 Prozent. Die Verliererliste führten Xing und GFT mit rund 14 und 15,5 Prozent ab. SMA Solar kamen mit einem Abschlag von mehr als 11 Prozent unter die Räder.

USA: Dow Jones hält die 16.000

Auch an der New Yorker Wall Street ging es mit den Kursen nach unten. Allerdings wurden die Verluste kurz vor Handelsende abgebaut, so dass sie sich schlussendlich in erträglichen Grenzen hielten. Die Krise auf dem Ölmarkt und ein Kursrückgang bei Technologieaktien haben Investoren die Stimmung verdorben. Gefragt waren dagegen als sicher empfundene Anlagen wie US-Staatsanleihen oder Gold. Die Ölnachfrage gilt als Anzeiger für die Gesundheit der Weltwirtschaft. Anleger beobachten deswegen die Bewegungen auf dem Rohstoffmarkt sehr aufmerksam.

Der Dow-Jones-Index gab um 1,1 Prozent nach und schloss bei 16.027 Punkten. Beim breiter aufgestellten S&P 500 betrug das Minus 1,4 Prozent auf 1853 Zähler. Der Nasdaq Composite sank um 1,8 Prozent auf 4284 Stellen.

Den Energiepreisverfall bekommt etwa die Erdgasfirma Chesapeake Energy zu spüren. Die Aktien gaben aus Furcht vor einer Umschuldung um 34,5 Prozent nach. Chesapeake will nach eigener Darstellung aber keine Insolvenz anmelden.

Unterdessen ging der Ausverkauf bei IT-Aktien weiter. Investoren gingen dabei nach dem Motto "Erst schießen, dann fragen" vor, sagte der Aktienexperte Michael James vom Broker Wedbush Securities. Betroffen waren unter anderem Firmen, die Unternehmenskunden mit Cloud-Anwendungen helfen. Die Anteilsscheine des SAP-Konkurrenten Salesforce.com fielen um 8,2 Prozent. Bei Splunk betrug das Minus 12,9 Prozent. Aber auch bekanntere Unternehmen wie Facebook (minus 4,2 Prozent) oder Amazon.com (minus 3,1 Prozent) waren gegen den Ausverkauf nicht immun.

Die Unsicherheit über die Zinspolitik der US-Notenbank wirkte sich indes auf Finanzkonzerne aus. So gaben Papiere von Goldman Sachs um 5,0 Prozent nach.

Rohstoffe: Gold gesucht

Von der Unsicherheit profitierte der vermeintlich "sichere Hafen" Gold. Der Preis für eine Feinunze stieg auf 1195 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2015. Der Aufschlag betrug fast 2 Prozent.

"Das Gold profitiert besonders von den stark nachlassenden Erwartungen höherer Zinsen durch die Federal Reserve in diesem Jahr", sagte Jameel Ahmad von FXTM. Auch ein schwacher Dollar stütze.

Devisen: Euro über 1,11 Dollar

Der Euro präsentierte sich lange stabil und legte im späten Handel zu. Er kostete am Abend 1,1180 Dollar rund 0,3 Prozent mehr als noch am Freitag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1101 Dollar nach 1,1202 Dollar am Freitag. Nachdem der Dollar in der vergangenen Woche zunächst stark unter Druck gestanden hatte -  der Euro war zum Dollar in der Spitze um mehr als 4 US-Cent nach oben gesprungen -, erhielt er am Freitag Rückenwind durch solide Daten vom Arbeitsmarkt. Der Euro verlor im Gegenzug an Wert.

"Die starken Kursausschläge wurden durch die hohe wirtschaftliche Unsicherheit ausgelöst", sagte Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank. "Die Anleger sind sich unsicher, ob der Euro oder der Dollar derzeit eine sichere Währung sind", erklärte Leuchtmann die Schwankungen. "Eindeutig profitiert hat jedoch der japanische Yen." Daran änderte auch die Einführung von Negativzinsen durch die japanische Notenbank am vorletzten Freitag nichts.

Asien: Nikkei legt zu

Der japanische Aktienmarkt begann die neue Handelswoche mit Gewinnen. Zunächst folgte der Tokioter Leitindex Nikkei der Wall Street ins Minus, drehte dann aber unter dem Einfluss des schwächelnden Yen ins Plus. Exporttitel wie die Autohersteller waren besonders gefragt.

Der Nikkei beendete einen unruhigen Handel 1,1 Prozent höher bei 17.004 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans  bewegte sich kaum. Insgesamt war der Aktienhandel in Asien feiertagsbedingt dünn. Viele Märkte - darunter die Börsen in China - bleiben wegen des Neujahrsfestes die komplette Woche geschlossen.

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Quelle: n-tv.de

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