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"Endlich geschafft"? Denkste!: Dax nimmt die 12.000 - nur kurz

Der Handel am deutschen Aktienmarkt hat es zur Wochenmitte in sich: Bereits im frühen Geschäft gelingt dem Dax der Sprung über die 12.000er Marke. Am Mittag notiert er darunter. Dann eröffnet die Wall Street.

Mit einer engen Handelsspanne, dem Überwinden einer psychologisch wichtigen Marke und jeder Menge Impulse hat der deutsche Aktienmarkt zur Wochenmitte aufgewartet. Das Augenmerk der Anleger lag dabei auf dem Dax. Dem war es bereits im frühen Geschäft gelungen, die 12.000-Punkte-Marke zu knacken, erstmals seit fast zwei Jahren. "Endlich geschafft", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Doch nach dem Tageshoch von 12.031 Punkten ging es abwärts, wieder unter die 12.000. Dort notierte er zum Handelsende aber nicht.

Der Dax schloss 0,3 Prozent fester bei 11.999 Stellen. Am Dienstag war er 1,2 Prozent fester mit 11.967 Stellen aus dem Handel gegangen. Der MDax verlor 0,1 Prozent auf 23.613 Zähler. Der TecDax verabschiedete sich unverändert mit 1920 Stellen.

Während einige Marktanalysten mit einem Vorstoß Richtung Rekordstand bei 12.391 Punkten rechneten, waren andere skeptisch: Sie verwiesen auf die obere Parallele des Aufwärtstrends, die bei 12.065 Stellen Widerstand biete und zu einer Umkehr führen könnte. Allerdings gilt die Trendparallele als weniger aussagekräftig als der Aufwärtstrend selbst.

Ifo überraschend gut

Nur wenig stützend wirkte Marktteilnehmern zufolge die sich überraschend verbesserte Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der vom Münchner Ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex stieg von 109,9 auf 111,0 Punkte. Volkswirte hatten einen Rückgang erwartet. "Nach verhaltenem Jahresauftakt befindet sich die deutsche Wirtschaft wieder auf gutem Kurs", sagte Ifo-Chef Clemens Fuest.

Darüber hinaus sollte die US-Notenbank am Abend (20.00 Uhr MEZ) die Protokolle ihrer jüngsten Sitzung veröffentlichen - auch das war ein Thema unter den Anlegern. Sie werden versuchen, daraus den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung herauszulesen.

USA: Anleger verschnaufen

Derweil legten die US-Börsen nach der Rekordjagd der vergangenen Tage eine Verschnaufpause ein. Das Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 31. Januar und 1. Februar löste lediglich kleine Marktbewegungen aus. In dem Protokoll stellten die US-Währungshüter eine "baldige" Zinsanhebung in Aussicht.

Notenbank-Chefin Janet Yellen hatte zuletzt angedeutet, dass eine Zinserhöhung bei einem der nächsten Fed-Treffen möglich sein könnte. "Es ist nicht mehr die Frage, ob die Zinsen angehoben werden, sondern wann", sagte Investmentmanager Jim Davis von der US-Bank Private Client Group.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,2 Prozent und schloss bei 20.776 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,1 Prozent auf 2363 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank ebenfalls um 0,1 Prozent auf 5861 Punkte.

Bei den Einzelwerten standen die Papiere von Dow Chemical und Dupont im Fokus. Die EU-Kommission will Insidern zufolge der 130 Milliarden Dollar schweren Fusion der beiden US-Chemiegiganten grünes Licht erteilen. Die EU-Wettbewerbshüter akzeptierten die geringfügigen Zugeständnisse der beiden Konzerne, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen.

Die Aktien von Dow Chemical legten 3,8 Prozent zu. Die Dupont-Papiere gewannen 3,3 Prozent. Die Aktien des deutschen Rivalen BASF, den der fusionierte Konzern vom Thron des Branchenprimus stößt, verloren in Frankfurt 0,3 Prozent.

Garmin-Titel legten 7,3 Prozent zu. Der amerikanische Navi-Hersteller übertraf das fünfte Quartal in Folge die Gewinn- und Umsatzerwartungen. Die Anteilsscheine des Satelliten-TV-Anbieters Dish Network verteuerten sich um 1,2 Prozent, nachdem das Unternehmen einen überraschend hohen Gewinn auswies.

Dax: Bayer im Fokus

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Bei den Einzelwerten im Dax lag das Augenmerk der Börsianer vor allem auf dem Geschäftsausweis von Bayer. Die Aktien gaben rund 1 Prozent nach. "Die operativen Zahlen liegen überwiegend etwas über den Prognosen", sagte ein Händler. Auch der Ausblick auf einen Umsatz von mehr als 49 Milliarden Euro liege am oberen Ende der Erwartungen. Der Gewinnausblick liege im Rahmen der Marktprognosen.

Von guten Geschäftszahlen sprachen Händler bei Fresenius und FMC, deren Papiere jeweils etwa 2 Prozent gewannen. "Fresenius hat die Erwartungen getroffen, FMC hat sie leicht übertroffen", so ein Marktteilnehmer. Der neue 2020er Ausblick von Fresenius sei stark. Der Konzern rechnet für 2020 nun mit einem Umsatz von 43 bis 47 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr setzte der Gesundheitskonzern wie erwartet 29,1 Milliarden Euro um.

Thyssenkrupp schlossen etwa 4,5 Prozent fester. "Erleichterungsrally" heiße es dazu im Handel, kommentierte n-tv-Börsenexpertin Dofel. Das Unternehmen hatte einen Abnehmer für sein verlustträchtiges brasilianisches Stahlwerk CSA gefunden und verkauft das Stahlwerk Siderurgica do Atlantico für 1,5 Milliarden Euro an das Stahlunternehmen Ternium aus Luxemburg. Mit dem Mittelzufluss kann der Konzern seine Nettofinanzschulden signifikant verringern. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", sagte ein Händler dazu.

RWE drehten 0,7 Prozent ins Minus. Negativ bewertet wurde bei den Zahlen des Versorgers der Dividendenausfall, wie es hieß. Für die Stämme gibt es nun keine Dividende mehr. Die Markterwartung lag laut Morgan Stanley zuletzt bei 0,26 Euro. "Auch der hohe Verlust ist nicht gut", sagte ein Händler. Zwar sei ein Milliarden-Verlust erwartet worden, aber nicht in der Höhe von 5,7 Milliarden Euro.

"Die Investoren sind besorgt", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff die negative Kursreaktion bei VW. Die Titel sackten mehr als 2 Prozent ab. Am Markt wurde über eine Ablösung von Markenchef Diess spekuliert.

MDax: Airbus mit Problemen

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Airbus verloren mehr als 1 Prozent. "Gut war eigentlich nur der Cashflow", sagte ein Händler. Operativ sei es positiv gelaufen, aber drastische Einmaleffekte im vierten Quartal hätten bei zahlreichen Schlüsselindikatoren für einen Einbruch gesorgt. So habe sich der Gewinn je Aktie mit 1,29 Euro gegenüber dem Vorjahr fast gedrittelt. Das operative Ebit liege etwa im erwarteten Rahmen für das Gesamtjahr.

Ströer schlossen mit einem leichten Aufschlag. Kein größerer Kursimpuls ging laut Händlern dabei von den Geschäftszahlen aus. Sowohl die Gewinnseite als auch der Umsatz lägen nahe an den Erwartungen, heißt es am Markt. Die erhöhte Prognose sei keine große Überraschung, am Markt sei bereits darüber spekuliert worden. "Trotzdem sind die Zahlen gut", sagte ein Händler.

TecDax: Wirbel um Wirecard

Telefonica Deutschland verbesserten sich am Ende fast 2 Prozent, lagen in der Spitze aber zeitweise mehr als 5 Prozent im Plus. Als Kurstreiber machte ein Händler vor allem die erhöhte Prognose für Synergien aus der Fusion mit E-Plus aus. Sie wurden bis 2019 um 100 auf 900 Millionen Euro erhöht. Der Umsatz sei zwar schwächer als erwartet ausgefallen, jedoch habe der bereinigte Gewinn deutlich die Marktvorhersagen übertroffen. "Das macht Telefonica zwar nicht zu einer Wachstumsstory, zeigte aber, dass das Unternehmen Kostensenkungen aus Synergieeffekten besser als erhofft umsetzen kann", so der Händler.

Ein Bericht des "Manager Magazins" über eine "ominöse Forderungsposition" in der Bilanz von Wirecard schickte die Aktien des Unternehmens auf Talfahrt. Sie verloren in der Spitze 8 Prozent, schlossen dann mit einem Minus von etwa 4 Prozent. Dem Bericht zufolge sind bestimmte Forderungen Wirecards im Volumen von 250 Millionen Euro "unecht". Wirecard habe diese Einschätzung zurückgewiesen und betont, die Besonderheit dieser Bilanzposition sei seit Jahren bekannt.

Devisen: Euro fängt sich spät

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Der Euro präsentierte sich zur Wochenmitte als Stehaufmännchen. Nachdem er am Morgen noch sein Tagestief mit 1,0493 Dollar unter der 1,05er Marke markiert hatte, präsentierte er sich zu US-Handelsschluss mit 1,0568 Dollar wieder deutlich fester. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0513 Dollar fest nach 1,0537 Dollar am Dienstag.

In Frankreich hatte der zentristische Politiker Francois Bayrou am Nachmittag angekündigt, nicht bei den Präsidentschaftswahlen zu kandieren. Er will stattdessen Macron unterstützten. Dies erhöht laut Beobachtern die Wahlaussichten für Macron. Vor der Ankündigung war der Euro erneut unter Druck geraten, machte aber anschließend seinen Tagesverlust wieder wett.

"Die Gefahr, dass bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich etwas schief geht, ist der wesentliche Grund für die jüngste Euroschwäche", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Ein Wahlsieg von Marine Le Pen vom Front National würde den Euro am Tag nach dem Wahlsieg auf eine rasante Talfahrt schicken. Le Pen fordert einen Austritt des Landes aus der Eurozone.

Rohstoffe: Ölpreis dreht

Der Ölpreis verbuchte Verluste zur Wochenmitte. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am späten Abend 55,84 Dollar. Das waren 1,5 Prozent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel 1,4 Prozent auf 53,58 Dollar.

Eine Anhebung der Preisprognose der Citigroup hatte den Preisen am Dienstag schon Auftrieb gegeben. Nach Einschätzung der Experten wird der Preis für Brent-Öl im laufenden Quartal im Schnitt bei 55 Dollar liegen - und damit 5 Dollar über der jüngsten Prognose. Als einen Grund nannten die Experten die umgesetzte Förderkürzung durch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec).

Asien: Anleger warten auf Fed-Protokolle

Die Rekordjagd an der Wall Street gab den Aktienmärkten in Fernost Rückenwind. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag 0,5 Prozent im Plus. In Hongkong, Shanghai, Singapur und Südkorea zogen die Kurse ebenfalls an. Ermutigende Bilanzen von Einzelhändlern und steigende Ölpreise hatten zuvor bereits die US-Börsen angetrieben.

Dagegen hielten sich Investoren in Japan vor der Veröffentlichung von Sitzungsprotokollen der Fed mit Aktienkäufen zurück. Der Nikkei-Index ging nahezu unverändert mit 19.379 Punkten aus dem Handel. Auf die Stimmung in Tokio drückte zudem, dass der Anstieg des Dollar im Vergleich zum Yen zunächst gestoppt wurde. Eine schwache Landeswährung hilft vor allem exportorientierten Unternehmen. Der Yen kostete 113,55 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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