Montag, 21. Juni 2010
China sorgt für gute Laune
Dax legt ordentlich zu
Die geplante Flexibilisierung der chinesischen Währungspolitik kommt in Frankfurt gut an. Vom Pekinger Vorhaben profitieren vor allem die exportträchtigen Auto- und Industriewerte.
Die Hoffnung auf glänzende Geschäfte deutscher Konzerne in China hat den Frankfurter Aktienmarkt beflügelt. „Nach den Spekulationen über eine Aufwertung der chinesischen Währung Yuan schwimmen die Investoren auf einer Euphorie-Welle“, sagte ein Händler. Die Schuldenkrise in Europa sei zumindest vorerst in den Hintergrund getreten.
Der Dax legte um 1,2 Prozent zu und schloss bei 6293 Punkten. Der MDax gewann 0,5 Prozent auf 8509 Zähler. Der TecDax verzeichnete ein Plus von 1,6 Prozent und wies 789 Punkte auf.
„Eine Yuan-Aufwertung würde die durch die jüngste Euro-Abwertung gestärkte Wettbewerbssituation deutscher Unternehmen in China weiter verbessern“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland-Research. Dass die chinesische Notenbank am Wochenende eine flexiblere Wechselkurspolitik in Aussicht gestellt habe, sei ein klares Indiz dafür, wie gut die chinesische Wirtschaft dastehe. Da deutsche Konzerne viel stärker im China-Geschäft aktiv seien als die Unternehmen aus anderen europäischen Ländern, könne sich der Dax wohl auch besser als andere europäische Indizes entwickeln.
Andere Händler warnten allerdings vor zu großem Optimismus. Negative Konjunkturdaten oder neue Negativschlagzeilen aus Südeuropa, könnten die Stimmung auch schnell wieder drehen, hieß es am Markt.
Zugegriffen haben Anleger vor allem bei den Aktien deutscher Autohersteller. BMW und Daimler gewannen 2,7 bzw. 3,2 Prozent. „Daimler und BMW profitieren besonders davon, weil sie mehr nach China exportieren“, sagte ein Börsianer. „VW schraubt dagegen mit Ausnahme einzelner Audi-Modelle alles vor Ort zusammen.“ VW-Vorzüge stiegen um 2,6 Prozent.
Ebenfalls auf den Kauflisten vieler Anleger standen Industriewerte. ThyssenKrupp verteuerten sich um 2,8, Siemens um 2,5 Prozent.
Im Nebenwerte-Index MDax legten die Papiere des Maschinenbauers Gildemeister um 2,1 Prozent zu. Die exportabhängigen deutschen Maschinenbauer könnten zu den Gewinnern einer Aufwertung des Yuan gehören. Die Produkte der deutschen Hersteller würden in China günstiger, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers.
Auch die Nachfrage nach Solarwerten war zu Wochenbeginn groß: Zusätzlich gestützt durch optimistisch stimmende Kommentare der Deutschen Bank gewannen Solarworld und Q-Cells 8,5 beziehungsweise 5,0 Prozent und waren damit größte TecDax-Gewinner. „Kommt es zu einer Neubewertung des Yuan, dann könnte dies eine sehr große Geschichte für die deutsche Solarindustrie werden“, sagte ein Händler. „Die Chinesen verlieren ihren enormen Preisvorteil und die deutschen Unternehmen würden wegen Marktanteilsgewinnen profitieren.“
Zu den Verlierern zählten dagegen Pharma- und Gesundheitswerte. Merck gaben 0,8 Prozent, Fresenius 0,9 Prozent nach.
wne/rts
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