Investoren wetten auf "Dicke Bertha": Dax legt ordentlich drauf
Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone trübt sich zusehends ein, doch die Kurse am deutschen Aktienmarkt setzen ihre Rally fort. Der Dax steigt dabei auf den höchsten Stand seit Anfang Mai. Grund dafür ist die anhaltende Hoffnung auf umfassende Stützungsmaßnahmen durch Europas Währungshüter.
Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag seinen Kletterkurs fortgesetzt. Der Leitindex Dax legte in der Spitze um mehr als 100 Punkte zu, getrieben von der Hoffnung auf unbegrenzte Anleihenaufkäufe durch die Europäische Zentralbank.
Unter dem Strich gewann der Dax am Montag 1,3 Prozent auf 6774,06 Punkte. Der MDax schloss 0,7 Prozent im Plus bei 10.935,81 Punkten. Für den TecDax ging es um 0,3 Prozent rauf auf 780,17 Punkte.
Viele Marktteilnehmer hätten bereits einen erneutenAnkauf der Europäischen Zentralbank von spanischen und italienischen Staatspapierenin die Kurse eingepreist, sagte Marktstratege Arkadius Materla vom Brokerhaus GKFX.Sollten die Risikoaufschläge nicht abnehmen und sich die Aussagen der EZB als leereWorte erweisen, dürfte sich die Ernüchterung an den Märkten schnell wieder breitmachen und zu starken Verlusten führen, fürchtet er.
EZB-Präsident Mario Draghihatte zuletzt betont, alles für eine Euro-Rettung zu tun. Marktteilnehmer setzendaher auf ein baldiges Eingreifen der EZB und warten gespannt auf die an diesemDonnerstag anstehende Sitzung. Im Dezember und Februar hatte die EZB die Märkte bereits mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Mrd. Euro geflutet. Draghi hat diese Maßnahmen in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" betitelt.
"Die EZB wird nichtmehr darum herum kommen, am Donnerstag zu agieren. Draghis Glaubwürdigkeit und dieder EZB stehen nach den fulminanten Aussagen der letzten Woche jetzt ganz klar aufdem Spiel", meinte ein Händler. Flankenschutz kam von der Politik. Eurogruppen-ChefJean-Claude Juncker deutete an, dass der Rettungsfonds EFSF und die EuropäischeZentralbank spanische Staatsanleihen kaufen werden, nachdem auf dem Euro-Gipfelim Juni der Weg für Bondkäufe durch die EFSF frei gemacht wurde. Am Wochenende hattenPolitiker der größten Länder der Eurozone Bekenntnisse zur Gemeinschaftswährunggeliefert. So versicherten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der italienische MinisterpräsidentMario Monti, "alles zu tun, um die Eurozone zu schützen".
Zusätzlichen Schub gab dem Markt am Mittag eine erfolgreich verlaufene Auktion langjähriger italienischer Schuldenpapiere. "Die Auktionen sind gut gelaufen, Italien hat so gut wie alles eingesammelt und die Renditen sind niedriger als im Juni", sagte Chiara Manenti, Analystin bei der Intesa Sanpaolo. Auch Helaba-Analyst Ulrich Wortberg wertete die Ausgabe der Anleihen als gelungen. "Die Hoffnung, dass von Seiten der EZB was kommt, hat sicherlich zum Erfolg der Emission beigetragen", sagte er.
Finanztitel stark
Die Hoffnung auf ein Eingreifender EZB ließ die Finanzwerte erneut anziehen. Die Aktie der Commerzbank gewann 2,4 Prozent, für die Deutsche Bank ging es um 2,0 Prozent rauf.
Überraschendgute Zahlen legte K+S am Nachmittag vor.Eine starke Düngemittelnachfrage sorgte dafür, dass Umsatz und Ergebnis die Prognosendeutlich übertrafen. Die Aktie stieg um 2,7 Prozent. Positive Vorgaben aus Frankreichbescherten der Aktie der Lufthansa Gewinne.Zwar ist die französische Fluglinie Air France-KLM in die roten Zahlen gerutscht,allerdings nicht so schlimm wie von Analysten befürchtet. Die Lufthansa-Aktie gewann3,2 Prozent.
Gefragt waren auch die NachzüglerMetro und Siemens. Die Werte stiegen um 3,7 bzw. 3,4 Prozent. Dagegen kamen bislanggut gelaufene Titel nicht voran. So verlor die Aktie von Fresenius knapp ein Prozent. Bei Henkel belastete eine Abstufung auf"Hold" von "Buy" durch die Societe Generale. Die Aktie gab um0,1 Prozent nach.
Der Maschinenbauer Gea schlägt angesichtsdes sich eintrübenden Umfelds vorsichtige Töne an. Anders als viele Industrieunternehmen,die derzeit reihenweise ihre Prognosen kassieren, hält das MDax-Unternehmen abernoch an den Jahreszielen fest - trotz einer sich verschlechternden Auftragslage.Die Aktie zog um 0,6 Prozent an.
Die Gigaset-Aktiebrach dagegen um 13 Prozent ein. Das Unternehmen hatte am Freitagabend Quartalszahlenvorgelegt. Analyst Adrian Pehl von Equinet sprach von einer negativen Überraschung.Das Unternehmen senkte zudem seine Prognose.
Quelle: n-tv.de