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Draghi und die perfekte Woche: Dax klettert zum nächsten Jahreshoch

Der Dax blickt auf die beste Handelswoche des Jahres zurück. Rund 6,5 Prozent kann er zulegen. Auch am Freitag steht ein Jahreshoch. Allerdings wird die Luft nun dünner - auch an der Wall Street, die auf Rekordkurs bleibt.

"Das ist die beste Woche in diesem Jahr", kommentiert n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel die Situation am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss. Der Dax schloss den fünften Handelstag in Folge im Plus. Dazu kamen drei Jahreshochs. Das "üppige Geldgeschenk von Mario Draghi" spiele dabei eine wichtige Rolle, so Dofel. Am Freitag knackte der Dax zudem die 11.200 er Marke. "Bis 11.425 Punkte wäre nun Platz, sagen Charttechniker", erläuterte Dofels Kollege Frank Meyer.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent und 10.204 Punkten ins Wochenende. Das Tageshoch markierte er bei 10.232 Zählern. Am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag hatte der Dax bereits insgesamt 6,3 Prozent zugelegt. Der MDax schloss 1,0 Prozent höher bei 21.662 Zählern. Der TecDax legte 1,1 Prozent auf 1753 Stellen zu.

Dax wird attraktiver

Seit dem Tagestief von 10.403 Punkten am vergangenen Freitag konnte der Dax damit rund 800 Zähler zulegen. Trotz der dadurch überkauften Lage bleibe die Stimmung gut, hieß es im Handel. "Der Dax wird beflügelt durch kauftechnische Signale", so n-tv-Börsenexperte Meyer. "Die Jahresendrally hat in letzter Sekunde doch noch gezündet", sagte Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Sehr positiv sei, dass der Markt hierzulande die Phase des vergleichsweise schlechten Abschneidens gegenüber den US-Börsen beendet habe, sagte zudem ein Händler. Seit einigen Tagen laufe er sogar besser und werde damit für Anleger attraktiver.

"Die Investoren beim Dax sind im Rally-Modus und feiern vorgezogene Weihnachten. Ein klein wenig Luft hat der Dax noch nach oben", sagte auch Daniel Saurenz von Feingold Research. "In Punkten gesprochen hat der Leitindex bis Jahresende wohl kaum mehr Luft als 11.400 Zähler, die längste Wegstrecke sollte schon absolviert sein." Er warnte aber: "Ein möglicher Rücksetzer als Reaktion auf Worte der Fed-Chefin Janet Yellen sollte nicht außer Acht gelassen werden."

Dax: Verkehrte Welt

Geprägt war das Geschäft von einem Favoritenwechsel. Bei den stark gelaufenen Titeln aus dem Finanzbereich, dem Stahlsektor und der Autobranche wurden ein paar Gewinne mitgenommen. Sie standen alle - bis auf Daimler - auf der Verliererliste: BMW und Commerzbank büßten nur leicht ein. VW verloren etwa 0,8 Prozent. Für die Deutsche Bank ging es dagegen rund 3 Prozent abwärts. 

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Lufthansa verloren fast 1 Prozent. Im Handel war die Hoffnung auf eine Einigung im Dauerstreit zwischen dem Konzern und der Pilotengewerkschaft Cockpit (VC) gering. Beide Parteien wollen die Verhandlungen in der kommenden Woche wieder aufnehmen. Die Lufthansa hatte vergangene Woche nach sechs Streiktagen ein neues Angebot vorgelegt. "Ich hoffe natürlich, dass bei den Verhandlungen etwas herauskommt", sagte ein Händler. Davon ausgehen könne man aber nicht.

Zudem schauten die Anleger auf die Titel der Deutschen Post. Hier gab es eine positive Analysteneinschätzung. So rät HSBC bei zum Kauf. "Die Titel sehen auch charttechnisch attraktiv aus", kommentierte ein Händler. Post-Aktien reagierten allerdings kaum darauf, sie schlossen kaum verändert.

MDax: Gea am Zug

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Gea kletterten fast 3 Prozent. Grund war auch hier eine positive Analystenstimme. Die Marktexperten von JP Morgan hatten die Titel auf "Übergewichten" erhöht.

TecDax: Kursrutsch bei Siltronic

Der Kursabschlag von etwa 8,5 Prozent bei Siltronic drückte auch auf die Aktien von Haupteigentümer Wacker Chemie. Er gab im MDax 1,5 Prozent ab. Laut einem Agenturbericht waren die Gespräche mit einem chinesischen Interessenten an Siltronic gescheitert.

Europa: Fantasie bei Vivendi

Vivendi-Aktien legten rund 5,5 Prozent zu. Orange-Vorstandschef Stephane Richard hatte Interesse an einem Kauf der Pay-TV-Sparte Canal Plus von Vivendi signalisiert. "Wenn Canal Plus morgen zum Verkauf stehen würde, dann würde sich Orange definitiv damit beschäftigen", so Richard gegenüber Reportern. Orange verloren etwa 1 Prozent.

USA: Die Rally nährt die Rally

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Die Wall Street blieb auch am Freitag stramm auf Rekordkurs und verbuchte zugleich die längste Gewinnphase seit Juni 2014. Der US-Aktienmarkt verzeichnete die fünfte Sitzung in Folge Aufschläge. Mit Blick auf die abermaligen Allzeithochs von Dow-Jones-Index, dem marktbreiten S&P-500 sowie dem Nasdaq-Composite sprachen Händler bereits von Gewöhnungseffekten.

Bereits an den vergangenen Tagen waren stetig neue Rekorde erreicht worden. Am Vortag waren es sogar fünf Hauptindizes, die ein Allzeithoch erklommen hatten - erstmals gleichzeitig seit über 18 Jahren. Nun stützten positiv gestimmte US-Verbraucher, wobei der Markt allerdings etwas Zeit brauchte, bis er darauf ansprang. Die Konsumentenstimmung hatte sich im Dezember stärker als erwartet aufgehellt.

Der Dow-Jones-Index kletterte um 0,7 Prozent auf 19.757 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 0,6 bzw. 0,5 Prozent zu.

Coca-Cola schritt beim erwarteten Wechsel an der Spitze des Getränkekonzerns voran. James Quincey soll im Mai den Posten des Vorstandsvorsitzenden von Muhtar Kent übernehmen. Der Getränkegigant kämpft mit einem rückläufigen Limonadenmarkt, Anleger setzten auf Besserung durch den neuen Mann an der Spitze. Der Kurs zog um 2,5 Prozent an. General Motors (GM) blieb mit Blick auf die Gewinnentwicklung 2017 optimistischer, als es Analysten dem Automobilkonzern zutrauten. Die Titel kletterten um 3,4 Prozent. Broadcom kletterten um 4,9 Prozent. Der Chiphersteller und Apple-Zulieferer übertraf in seinem vierten Quartal die Markterwartungen und sprach von einem starken Jahresausklang mit einem Umsatz auf Rekordniveau.

Rohstoffe: Leichte Gewinne bei Öl

Am Ölmarkt legten die Preise nach der Schwächeperiode zuvor etwas zu. Mit Spannung blickten Teilnehmer dem Treffen am Wochenende entgegen, auf dem sich die Förderländer inner- und außerhalb des Erdölkartells Opec über eine gemeinsame Förderbegrenzung verständigen wollen. Russland hatte bereits seine Bereitschaft zur Senkung der Produktion signalisiert. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent legte um 0,8 Prozent auf 54,33 Dollar zu, während sich US-Leichtöl der Sorte WTI um 1,3 Prozent auf 51,50 Dollar verteuerte.

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Indes setzte sich die Outperformance der so genannten Basic Resources fort. Die Preise für Kupfer, Zink und andere Industriemetalle zogen weiter kräftig an, nachdem sie am späten Donnerstag mit dem starken Dollar deutlich zurückgekommen waren. "Das spricht für weiter steigende Kurse der europäischen Rohstoff-Aktien", sagte ein Händler.

Devisen: Euro dreht ab

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Der Euro knüpfte auch zum Wochenschluss an seine zum Teil deutlichen Verluste der Vortage an. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Freitagabend mit 1,0554 Dollar gehandelt. Das war ein Abschlag von 0,7 Prozent zum Donnerstagabend. Bereits in der Nacht war er kurzzeitig unter 1,06 Dollar gefallen, hatte sich dann aber wieder gefangen und im Bereich des Tageshochs von 1,0630 Dollar stabilisiert, ehe es am Nachmittag dann wieder deutlich abwärts ging.  

Am Donnerstag hatte die EZB den Euro auf Talfahrt geschickt. Die Notenbank verlängerte ihr Anleihekaufprogramm bis mindestens Dezember 2017. Viele Experten hatten lediglich mit einer Verlängerung bis September 2017 gerechnet. Dies lastete auf dem Euro, der vor den Entscheidungen noch über 1,08 Dollar notiert hatte.  Dass die Notenbank gleichzeitig die monatlichen Anleihekäufe ab April 2017 von 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro reduzieren wird, spielte am Devisenmarkt offenbar weniger eine Rolle.

Asien: Nikkei auf Jahreshoch

Die ostasiatischen Aktienmärkte verabschiedeten sich überwiegend mit Aufschlägen in das Wochenende. Die Rekordjagd an der Wall Street schob auch etwa die Tokioter Börse an: Der Nikkei-Index verabschiedete sich 1,2 Prozent fester aus dem Handel mit 18.996 Punkten - der höchste Stand seit einem Jahr. Die Aussicht auf Konjunkturprogramme des künftigen US-Präsidenten Donald Trump verhalf vor allem Exportwerten zu Gewinnen. Der schwächere Yen lieferte zusätzliche Unterstützung.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 0,3 Prozent tiefer. Der Shanghai Composite schloss wiederum 0,5 Prozent höher bei 3233 Zählern. Deutlich abwärtsging es in Hongkong mit dem HSI, wo sich die Anleger vor allem von Spielcasino-Aktien trennten. In Südkorea bremste die politische Unsicherheit den Börsenhandel und den Leitindex Kospi ein: 0,3 Prozent.

Bei den Einzelwerten waren besonders der Elektronikkonzern Sony in Tokio gefragt, der 3,3 Prozent zulegte. Honda gewann gut 1 Prozent.ng zu beteiligen.

Quelle: n-tv.de

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