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Wie kommt Europa ohne die USA aus? Der Dax zu Wochenbeginn.
Wie kommt Europa ohne die USA aus? Der Dax zu Wochenbeginn.(Foto: REUTERS)
Montag, 29. Mai 2017

"Memorial Day" in den USA: Dax klettert in den Abend

Magerer Wochenstart an der Börse: In Frankfurt muss der deutsche Leitindex ohne Unterstützung aus den USA auskommen. An der Wall Street findet feiertagsbedingt kein Handel statt. Der Dax rettet sich mit kleinen Gewinnen über die Ziellinie.

Freundlicher Ausklang eines über weite Strecken unsicheren Handelstags: Am deutschen Aktienmarkt verabschiedet sich der Leitindex Dax 0,21 Prozent fester bei 12.628,95 Punkten aus dem Montagsgeschäft. Impulse aus Übersee blieben aus: An der Wall Street blieb die Börse am "Memorial Day" geschlossen. Auch in London wurde aufgrund des Feiertags "Bank Holiday" nicht gehandelt. Mit Blick auf die Lage in Deutschland sprach ein Marktbeobachter zu Beginn der Woche vor Pfingsten von einem "extrem dünnen Handel".

Besser voran geht es zu Wochenbeginn bei den Nebenwerten: Der MDax der mittelgroßen Unternehmen kann sich zu Wochenbeginn kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch vorkämpfen: Bei 25.298,09 Punkten markierte Nebenwerteindex im Verlauf des Montagshandels den höchsten Stand seiner Geschichte. Am Abend schließt der MDax 0,29 Prozent im Plus bei 25.282,30 Zählern. Dagegen tritt der Technologiewerte-Index TecDax mit einem zaghaften Anstieg von 0,02 Prozent auf 2275,91 Zähler weiterhin auf der Stelle.

Größere marktbewegende Ereignisse konnten Händler zu Wochenbeginn nicht ausmachen. Abgesehen von den Nachwirkungen des G7-Gipfels auf Sizilien, einem einsamen Konjunktursignal zur Geldmenge M3 und der Draghi-Rede vor einem EU-Ausschuss blieb die Nachrichtenlage zu Wochenbeginn überschaubar.

Die Ansprache von EZB-Präsident Mario Draghi bei seiner vierteljährlichen Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des Europäischen Parlaments ließ die Aktienmärkte weitgehend kalt. Draghi habe im Wesentlichen eine unveränderte Einschätzung zu Inflation, Wachstum und Geldpolitik abgegeben, hieß es.

Wie aus seiner Rede hervorgeht, sieht Draghi weiterhin die Notwendigkeit einer lockeren Geldpolitik im Euroraum. "Wir bleiben fest davon überzeugt, dass ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung (...) immer noch nötig ist", sagte er. Der Inflationsdruck bleibe gedämpft, und die Lohnentwicklung sei unzureichend.

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"Draghi hat nicht Neues gesagt, aber die Wahrnehmung hat sich geändert", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Offenbar hätten einige Anleger auf stärkere Signale für eine Veränderung des geldpolitischen Ausblicks - im Börsenjargon Forward Guidance genannt - gehofft. "Die EZB sieht sich aber nicht unter konkretem Handlungsdruck", sagte Umlauf. Für die Juni-Zinssitzung stellte Draghi eine Neubewertung der wirtschaftlichen Risiken in Aussicht. Der EZB-Rat werde dann in der Lage sein, sein Urteil zu den Gefahren für die Inflations- und Konjunkturentwicklung zu fällen, sagte Draghi.

Aufsehen erregte eine Nachricht aus der zweiten Reihe: US-Starinvestor Warren Buffett hat sich beim MDax-Unternehmen Lanxess eingekauft. Das brachte Trittbrettfahrer auf den Plan und schob den Kurs kräftig an. Die Lanxess-Aktie schloss fast 7 Prozent im Plus. Wie aus einer Pflichtmitteilung hervorging, hält die deutsche Tochter von Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, die General Reinsurance AG, mittlerweile 3,004 Prozent an der Lanxess AG.

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Buffett, der gerne langfristig investiert, befindet sich bei Lanxess in guter Gesellschaft: Rund 90 Prozent der Lanxess-Aktien werden von institutionellen Anlegern gehalten, die eine wachstums- oder wertorientierte Anlagestrategie verfolgen, teilt das Unternehmen mit. Seit Jahresbeginn hat die Aktie, die 2016 einen guten Lauf hatte, konsolidiert. Am Montag nun legte sie um 6,7 Prozent beziehungsweise 4,22 Euro auf 67,48 Euro zu. Allerdings schüttete Lanxess just am Montag ihre Dividende aus: Ohne den Dividendenabschlag von 0,70 Euro wäre die Aktie noch stärker gestiegen.

Für die Aktie von Tele Columbus ging es um 4,5 Prozent auf 9,91 Euro nach oben. "Nachdem Dommermuth nun Drillisch übernimmt, ist Tele Columbus wieder stärker in den Fokus gerückt", erklärte ein Aktienhändler. Schon seit längerem hielt United Internet rund 25 Prozent an dem SDax-Unternehmen. Aus dem Erstquartalsbericht von United Internet war zu entnehmen, dass dieser Anteil nun auf 28,52 Prozent gestiegen ist. An der Börse wird darauf gesetzt, dass dieser Anteil mittelfristig über 30 Prozent ausgebaut wird und damit eine Übernahmeofferte ausgelöst wird. Berenberg-Analyst Paul Marsch, sieht momentan keinen Grund, diese Aktie zu verkaufen.

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An den übrigen Handelsplätzen in Europa verzeichnen Börsianer teils kräftige Kursverluste: Besonders schwach entwickelt sich zum Beispiel die Börse in Mailand. Der italienische Leitindex MIB gibt um 2,4Prozent nach auf 20.783 Punkte.

Vor allem die Banken stehen in Italien unter Abgabedruck. Branchenwerte wie Intesa Sanpaolo, Mediobanca, Unicredit und UBI Banca verlieren zwischen 2,5 und 4,5 Prozent. Investoren sorgten sich um mögliche Neuwahlen bereits im Herbst dieses Jahres, hieß es. Fraglich sei, wie eine zukünftige italienische Regierung aussehen könnte. Am Anleihemarkt steigt die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen um 8 Basispunkte auf 2,18 Prozent steigt, das ist der höchste Stand seit zwei Wochen.

USA: Kein Handel in Manhattan

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An der New Yorker Wall Street wird zu Wochenbeginn feiertagsbedingt nicht gehandelt. In den USA kommen Händler, Analysten und Anleger aufgrund des "Memorial Days" in den Genuss eines verlängerten Wochenendes.

Vor dem Wochenende waren die US-Börsen wenig verändert aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verharrte bei 21.080 Punkten, der breiter gefasste S&P-500 bei 2415 Stellen. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 0,1 Prozent auf 6210 Zähler.

Devisen: Draghi bewegt den Euro

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Der Euro gibt am Nachmittag nach einer Rede von EZB-Präsident Mario Draghi zeitweise deutlich nach. Nachlassende Spekulationen auf eine baldige weitere Drosselung der Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten den Euro belastet, heißt es aus dem Handel.

Ein Euro kostet am Abend 1,1180 US-Dollar und damit rund 0,04 Prozent mehr als am Freitagabend. In seiner Ansprache bei der vierteljährlichen Anhörung des EZB-Chefs vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments erklärte Draghi, dass eine geldpolitische Unterstützung in "außerordentlichem" Umfang nach wie vor notwendig sei.

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Gebremst wird der Rücksetzer der Gemeinschaftswährung von Draghis Einschätzung zur Wirtschaft: Der Aufschwung werde immer solider und vollziehe sich auf einer immer breiteren Basis, sagte er, während gleichzeitig die Risiken abnähmen und der Inflationsdruck nach wie vor gering sei. Gleichzeitig griffen Investoren wieder zu Staatsanleihen. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Titel aus Deutschland, Italien und Spanien auf 0,31 Prozent, 2,152 Prozent und 1,523 Prozent.

Am Vormittag hatte bereits die Bekanntgabe der Geld- und Kreditmenge (M3) den Eurokurs in Bewegung gebracht. Das Wachstum dieser breit gefassten Geldmengeneinheit M3 hat sich im April auf 4,9 (Vormonat: 5,2) Prozent abgeschwächt, während die engere Geldmenge M1 mit einer Jahresrate von 9,2 (9,1) Prozent wuchs, wie die EZB mitteilte.

Das Urteil von Helaba-Analyst Ralf Umlauf zu den Daten fällt gemischt aus: "Sein Urteil: Die Zahlen sind zwar solide und stehen einer allmählichen Anpassung des EZB-Wordings nicht entgegen. Allerdings sehen wir nicht, dass sich monetär bedingter Preisdruck aufbaut", schreibt er in einer ersten Einschätzung.

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Die Kreditvergabe an nicht-finanzielle Unternehmen stieg laut EZB mit einer Jahresrate von 2,4 (2,3) Prozent. Das Volumen der an private Haushalte ausgereichten Kredite wuchs ebenfalls um 2,4 (2,4) Prozent, worunter die Kredite für den Hauskauf um 3,0 (2,9) Prozent zunahmen und die Konsumentenkredite um 4,6 (4,4) Prozent. Analyst Umlauf findet das "weiterhin wenig dynamisch" und weist außerdem darauf hin, dass das Geldmengenwachstum insgesamt noch immer von Umschichtungen aus längerfristigen Verbindlichkeiten profitiert, die nicht Bestandteil der Geldmenge sind.

Der offizielle Kurs des Euro ist zu Wochenbeginn gefallen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1188 (Freitag: 1,1196) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8938 (0,8932) Euro.  Zu anderen wichtigen Währungen errechnete die EZB einen Referenzkurs für einen Euro von 0,87093 (0,87190) britischen Pfund, 124,57 (124,38) japanischen Yen und 1,0900 (1,0888) Schweizer Franken.

Fernost: Nikkei schließt unverändert 

Die Tokioter Börse hat die Woche wenig verändert begonnen. Die Händler hätten sich angesichts geschlossener Aktienmärkte in den USA, Großbritannien und China zurückgehalten, hieß es. Zudem warten sie Experten zufolge auf die anstehenden Konjunkturdaten aus den USA, von denen sie sich Hinweise auf die Zinspolitik der Notenbank Fed erhoffen. Hier stehen besonders die Monatsdaten vom Arbeitsmarkt am kommenden Freitag im Fokus.

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In Tokio schloss der Leitindex Nikkei nahezu unverändert bei 19.683 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,1 Prozent auf 1570 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,2 Prozent. In China ruhte der Handel wegen des "Drachenbootfestes". Auch die Märkte in den USA ("Memorial Day") und Großbritannien ("Spring Bank Holiday") bleiben feiertagsbedingt geschlossen.

"Das Interesse der Marktteilnehmer ist ganz auf die US-Geldpolitik konzentriert, wo eine Zinsanhebung erwartet wird", sagte Hiroyuki Nakai vom Analysehaus Tokai Tokyo Research. Kaum Einfluss auf den Handel hatte der neuerliche Raketentest Nordkoreas. Dass das Regime in Pjöngjang erneut gegen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats verstoßen hat, scheint an den Börsen immer mehr als Normalität empfunden zu werden, Impulse auf die Kursfindung hat es zumindest erneut nicht.

Weitgehend richtungslos präsentieren sich auch die übrigen Börsen in Ostasien und Australien zum Auftakt der neuen Woche. Teilnehmer sprechen von einem sehr ruhigen Handel und fehlenden frischen Impulsen. In Shanghai und auch in Taiwan wird wegen des Drachenbootfests am Montag und am Dienstag nicht gehandelt und in Hongkong pausiert der Handel wegen des Festes am Dienstag. Am deutlichsten zeigt sich das an der Börse in Seoul. Dort ist die Aufwärtstendenz der Vortage ungebrochen, der Kospi steigt um 0,3 Prozent und markiert damit erneut ein Rekordhoch.

Rohstoffe: US-Öl steigt über 50 Dollar

Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notiert am frühen Abend 0,7 Prozent fester bei 52,53 US-Dollar. Das sind 38 Cent mehr als am Freitagabend. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostet 50,21 Dollar und damit 41 Cent mehr als vor dem Wochenende.

Die Preise für Öl hatten am Freitag nach ihren deutlichen Verlusten des Vortags wieder angezogen. Am Donnerstag waren sie stark gefallen, obwohl die Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ein seit Januar geltendes Produktionslimit um neun Monate bis zum März 2018 verlängert hatten. Mit dem Schritt sollen die Ölpreise eigentlich gestützt werden. Einige Investoren hatten aber offenbar auf noch deutlichere Maßnahmen der Opec-Staaten gesetzt. Vor der Sitzung des Ölkartells am Donnerstag hatten die Ölpreise deutlich zugenommen.

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Quelle: n-tv.de

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