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Der Dax am Nachmittag: Bis gegen 15.00 Uhr sah alles nach weitgehend stabilem Höhenflug aus.
Der Dax am Nachmittag: Bis gegen 15.00 Uhr sah alles nach weitgehend stabilem Höhenflug aus.(Foto: REUTERS)
Freitag, 10. März 2017

Dow Jones mit Wochenminus: Dax kippt aus der Gewinnzone

Schwacher Wochenausklang am deutschen Aktienmarkt: Am späten Nachmittag bricht der Dax seinen Höhenflug unvermittelt ab. "Die Luft ist raus", meint ein Händler. Die 12.000 ist dahin. In den USA sorgt ein robuster Arbeitsmarkt für Kopfzerbrechen.

Die Börsenwoche endet mit beunruhigenden Bewegungen: Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten gerät das Geschäft an der Frankfurter Börse ins Stocken. Der deutsche Leitindex Dax gibt seine Gewinne ab, sackt stufenweise tiefer und geht schließlich unterhalb der 12.000er-Marke 0,13 Prozent im Minus bei 11.963,18 Punkten aus dem Handel.

Der Index der mittelgroßen Unternehmen MDax schließt magere 0,17 Prozent im Plus bei 23.325,48 Punkten. Der TecDax beendet den letzten Handelstag der Woche vergleichsweise starke 0,96 Prozent im Plus bei 1968,02 Zählern. Für den Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 geht es um 0,19 Prozent nach oben auf 3416,27 Punkte.

"Die Luft ist raus", meinte ein Händler am späten Nachmittag. "Der Arbeitsmarktbericht ist als Kurstreiber ausgefallen, nun werden vor dem Wochenende wie auch im Dollar gegen Euro Gewinne mitgenommen." Der weiter steigende Euro wirke sich zunehmend als Belastungsfaktor für die europäischen Börsen aus. Dies betreffe vor allem den exportlastigen Dax. Dazu kamen Spekulationen über eine mögliche frühere Zinsanhebung in der Eurozone und bröckelnde Gewinne an der Wall Street. Auf Wochensicht ergibt sich für den Dax ein Abschlag von etwa einem halben Prozent.

Der Monatsbericht der US-Regierung zur Lage am US-Arbeitsmarkt erreichte die Märkte wie üblich gegen 14.30 Uhr (MEZ). Die Daten attestieren der weltgrößten Volkswirtschaft im Februar einen überraschend starken Stellenaufbau. "Der US-Arbeitsmarkt läuft und läuft", erklärte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Zahlen unterstreichen einmal mehr, dass die nächste Zinserhöhung in den USA ausgemachte Sache ist." Einzige Frage sei nun nur noch, wie viele Zinserhöhungen 2017 noch folgen. "Wir gehen von drei Zinsschritten aus, denn der Inflationsdruck könnte mit Blick auf den Ölpreis durchaus ab dem Sommer nachlassen."

Die Aussicht auf ein nahendes Ende der ultra-lockeren Geldpolitik in Europa und auf steigende US-Zinsen half den Finanzwerten erneut auf die Sprünge. Im Dax führten die Aktien der Commerzbank die Gewinnerliste mit einem stolzen Plus von 5,8 Prozent an.

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Die Coba-Aktien liefen dem Markt davon, hieß es. Grundsätzlich sorge das Umfeld steigender Zinsen für fundamentalen Rückenwind für die Banken, sagte ein Händler. "Und weil die Deutsche Bank latent von der Kapitalerhöhung belastet wird, ist am deutschen Markt die Commerzbank die einzige Alternative", meinte der Händler.

Banken waren europaweit gefragt: Die Aktien der Deutschen Bank legten 2,1 Prozent zu. Der Index für die Banken der Eurozone rückte um 2,0 Prozent zu. EZB-Chef Mario Draghi hatte am Donnerstag betont, es gebe derzeit keinen Druck, weitere Notfall-Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur zu ergreifen. Auch seien neue langfristige Billig-Kredite für die europäischen Geschäftsbanken kein Thema.

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Im Blickfeld der Anleger standen vor dem Wochenende unter anderem auch die Autobauer: Der Münchner Automobilkonzern BMW konnte den Absatz im Februar um 3,1 Prozent auf insgesamt 169.000 Fahrzeuge steigern. Wichtigster Treiber war die Nachfrage in China, wo BMW und Daimler zur Zeit von den Problemen des Konkurrenten Audi mit seinen Händlern profitieren.

In China legte der BMW-Absatz der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um 11 Prozent zu. Konkurrent Daimler hatte im Februar insgesamt 168.000 Mercedes- und Smart-Autos verkauft. "Der Februar war für uns aufgrund der Markteinführung des neuen BMW 5er ein wichtiger Monat", sagte BMW-Vertriebschef Ian Robertson. Er sei überzeugt, dass dieses Modell den Absatz im Laufe des Jahres anschieben wird. Die Aktien von BMW gaben mit den einsetzenden Gewinnmitnahmen gut 1 Prozent ab. Die Aktien von Daimler gingen prozentual nahezu unverändert bei 70,00 Euro aus dem Handel.

USA: Dow leicht im Plus und trotzdem im Minus

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An der Wall Street wanderten die Kurse den Tag über ziellos umher. Nach einem freundlichen Start rutschte der Dow Jones zeitweise ins Minus. Allerdings berappelte er sich wieder und schloss 0,21 Prozent höher bei knapp 20.903 Punkten. Auf Wochensicht verbuchte der US-Leitindex angesichts der jüngsten Schwächeperiode allerdings ein Minus von knapp einem halben Prozent. Der S&P 500 ging 0,33 Prozent fester bei knapp 2373 Zählern aus dem Handel, während der Nasdaq Composite ein Plus von 0,39 Prozent auf fast 5862 Punkte gelang.

In der Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer lieferte der robuste US-Arbeitsmarktbericht den US-Währungshütern den wohl letzten Mosaikstein für eine Zinserhöhung in der kommenden Woche. Mit einem Anstieg um 235.000 Stellen wurde die Prognose einer Zunahme um 197.000 übertroffen. Die sichtbaren Reaktionen halten sich jedoch auch an der Wall Street in Grenzen, da mit einem erneut starken Bericht gerechnet worden war. Schon der ADP-Arbeitsmarktbericht für den privaten Sektor hatte im Wochenverlauf positiv überrascht.

Die Arbeitslosenquote lag wie erwartet bei 4,7 Prozent. Die verstärkt im Blickfeld stehenden Stundenlöhne stiegen um 0,2 Prozent oder 0,06 Dollar auf 26,09 Dollar. Ökonomen hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. Im Jahresvergleich lagen die Löhne um 2,8 Prozent höher. "Die Lohnentwicklung weist aber darauf hin, dass die bereits erhöhten Zinserwartungen korrekturanfällig sind", gab Ralf Umlauf von der Helaba zu Bedenken. Denn noch immer sei der Lohndruck als moderat zu bezeichnen.

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Die an den Finanzmärkten implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte in der kommenden Woche ist nach entsprechenden Signalen von Fed-Vertretern mittlerweile auf über 90 Prozent gestiegen.

In der US-Ölindustrie bahnt sich möglicherweise eine große Übernahme an. Die britische Zeitung "Evening Standard" berichtet von einem Interesse von Exxon Mobil an BP. "Mit dem sehr schwachen Cable (Pfund/Dollar) sind Zukäufe britischer Ölkonzerne durch die Großen in den USA sehr lukrativ geworden", meinte ein Händler. In dem Bericht heißt es, BP habe die Sorge, dass Exxon Mobil mehr als 600 Pence je BP-Aktie bieten könnte - und dass vom Kursniveau enttäuschte BP-Aktionäre ein solches Angebot annehmen könnten. Zudem hätten beide Konzerne teils dieselben Aktionäre, so zum Beispiel Blackrock und Vanguard.

"Auf dem Investorentag in New York am 1. März hat der neue CEO von Exxon Mobil eine recht klare Absage an große Deals erteilt", merkte ein anderer Händler an. Der Fokus bei dem Treffen habe auf einer starken Bilanz und hohen Dividenden gelegen. Dem Bericht zufolge wollten sich beide Konzerne nicht äußern. Für die Exxon-Aktie geht es um 0,4 Prozent nach oben.

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Unter den US-Einzelwerten gibt es Kursfantasie bei Time. Kreisen zufolge soll es weitere Interessenten an dem Medienunternehmen geben, das sich bereits mitten in einem Verkaufsprozess befindet und für das abschließende Gebote innerhalb der nächsten beiden Wochen erwartet werden. Unter anderem gilt Meredith als ein Interessent.

Bei den Einzelwerten brach die Finisar-Aktie um fast 23 Prozent ein, nachdem der Hersteller optischer Komponenten mit seinem Quartalsbericht und seinem Ausblick in allen Belangen enttäuschte. Verifone verzeichneten ein Minus von 6,2 Prozent. Der Bezahldienstleister hatte Ergebnisse vorgelegt, die rückläufig waren, gleichwohl aber noch besser als von Analysten erwartet.

Am Anleihenmarkt kommen die US-Renditen mit dem Arbeitsmarktbericht zwar leicht zurück, doch bleibt die Reaktion überschaubar. Die Rendite zehnjähriger Papiere reduziert sich um 2 Basispunkte auf 2,59 Prozent. Übergeordnet bleibt die Aufwärtstendenz allerdings erhalten, vor den EZB-Ausführungen lag sie noch bei 2,56 Prozent.

Devisen: Euro zieht steil an

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Der Euro näherte sich im späten Handel der Marke von 1,07 Dollar, was gleichzeitig den höchsten Stand seit drei Wochen bedeutete. Bevor EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der EZB-Sitzung das Wort ergriffen hatte, lag der Euro noch bei 1,0560 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0606 (Donnerstag: 1,0551) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9429 (0,9478) Euro.

Der Eurokurs knüpfte mit der Entwicklung am Freitag an seine Vortagesgewinne an. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,87250 (0,86653) britische Pfund, 122,42 (120,95) japanische Yen und 1,0743 (1,0709) Schweizer Franken fest.

Die Arbeitsmarktdaten aus den USA bringen den Dollar unter Druck. Zwar hat sich die Beschäftigung im Februar in den USA stärker ausgeweitet als erwartet; gleichzeitig sind jedoch die durchschnittlichen Löhne und Gehälter weniger stark gestiegen als von Volkswirten prognostiziert.

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Im Devisenhandel wirken vor dem Wochenende zudem noch die Aussagen der EZB nach. Nach ihrer turnusmäßigen Zinssitzung hatte die EZB am Donnerstag mitgeteilt, dass sie ihre extrem lockere Geldpolitik fortsetze. Allerdings gab sie sich mit Blick auf die Konjunkturaussichten optimistischer. Die Wachstumserwartungen für dieses und kommendes Jahr wurden ebenso angehoben wie die Inflationsaussichten. Die robusten Zahlen zum deutschen Außenhandel konnten den Euro unterdessen nicht zusätzlich stützen.

Rohstoffe: Überversorgung am Ölmarkt

Zentrales Thema am Ölmarkt war erneut die Überversorgung. In der vergangenen Woche waren in den USA acht weitere Ölförderanlagen in Betrieb genommen worden, wie das Unternehmen Baker Hughes meldete. Mit diesem achten Anstieg in Folge summiert sich die Zahl der "aktiven" Bohranlagen auf 617 - den höchsten Stand seit 18 Monaten. Der schwächere Dollar stützte die Preise nicht, obwohl er Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum verbilligt. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 1,6 Prozent auf 48,49 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent ermäßigte sich um 1,6 Prozent auf 51,37 Dollar.

Der Goldpreis war zeitweise unter die Marke von 1.200 Dollar gerutscht und pendelte später um diese Marke. Zum Settlement notierte die Feinunze bei 1.201,40 Dollar und somit 0,2 Prozent niedriger als am Donnerstag

Asien: Nikkei macht kräftigen Satz nach oben

Kräftige Kursgewinne in Japan und wenig veränderte Indizes an den chinesischen Plätzen prägen das Börsenbild zum Wochenausklang in Ostasien. Für Kauflaune in Tokio sorgt der zum Yen gestiegene Dollar. Hintergrund sind die verfestigten Erwartungen einer Leitzinserhöhung in den USA am kommenden Mittwoch. Zusätzliche Nahrung erhielt die Erwartung anziehender Zinsen davon, dass EZB-Chef Draghi am Vortag signalisierte, dass weitere geldpolitische Lockerungen in der Eurozone unwahrscheinlich sind.

In Tokio gewinnt der Nikkei 1,5 Prozent und schließt bei 19.605 Punkte. In Shanghai und Hongkong pendeln die Kurse um ihre Vortagesniveaus. In Seoul geht es um 0,2 Prozent nach oben. Hier mache sich etwas Erleichterung darüber breit, dass Präsidentin Park Geun Hye wegen einer Korruptionsaffäre endgültig ihres Amtes enthoben wurde. "Eine Rückkehr zur Normalität dürfte der Stimmung gut tun. Sie hatte wegen des Politskandals schweren Schaden genommen", sagt Krystal Tan, Volkswirtin bei Capital Economics. Im australischen Sydney hat der Index mit einem Plus von 0,6 Prozent bereits geschlossen, hier stützte der zunehmende globale Konjunkturoptimismus.

Neben Finanzwerten wie Nomura, Daiwa und Dai-ichi Life, die bis zu 2,4 Prozent gewinnen, sind in Tokio Papiere aus dem währungssensiblen Exportsektor gesucht. Honda legen beispielsweise um 1,4 und Sharp um 1,6 Prozent zu. "Der Nikkei-Index ist sehr exportsensitiv und jegliche Yen-Schwäche ist eine gute Nachricht für den Index", sagt ein Marktexperte. Toshiba gewinnen 1,0 Prozent, nachdem das Unternehmen Berichten zufolge erwägen soll, die US-Kraftwerkstochter Westinghouse aus dem Konsolidierungsverbund des Konzerns herauszunehmen.

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Quelle: n-tv.de

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