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Von Kurskapriolen, Bayer und Kühen: Dax ist "nicht der knusprigste Keks"

Der Dow blickt auf vier Rekordhochs und sieben Handelstage mit Aufschlägen in Folge. Da sind Gewinnmitnahmen logisch. Der Dax lässt Federn - ohne große Kurserfolge davor. Das Jahreshoch entfernt sich, Bayer trägt eine Mitschuld.

"Man hat den Eindruck, dass der Dax nicht unbedingt der knusprigste Keks in der Dose ist." So lautet der passende Kommentar des n-tv-Börsenexperten Frank Meyer zur derzeitigen Situation am deutschen Aktienmarkt. Keimte nach dem Wahlsieg Donald Trumps noch die Hoffnung, dass der deutsche Börsenleitindex endlich der Ausbruch aus seiner seit Monaten dauernden Seitwärtsrange gelingt, dürfte dieser Traum mit den Verlusten vom Mittwoch vorerst ausgeträumt sein.

Der Dax schloss 0,7 Prozent schwächer bei 10.664 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 10.610 Zählern, das Tageshoch bei 10.735 Stellen. Am Dienstag war er mit einem Plus aus dem Handel gegangen, allerdings kam der Aufschlag erst gegen Ende des Handels. Der MDax verabschiedete sich mit 20.463 Punkten 0,6 Prozent im Minus aus dem Handel. Der TecDax gewann dagegen 1,1 Prozent auf 1717 Zähler.

Dax als Underperformer?

Die Aufmerksamkeit verlagerte sich rund eine Woche nach der US-Wahl wieder auf die Geldpolitik der Federal Reserve (Fed). Von den Auftritten führender US-Notenbanker erhoffen sich die Börsianer Hinweise, wie schnell die Fed die Zinsen im kommenden Jahr anheben wird. Eine Zinsanhebung im Dezember ist mit rund 80 Prozent am Markt bereits eingepreist.

Gleichzeitig habe die Trump-Rally der Wall Street und das Hinterherhinken des Dax dabei eine eklatante relative Schwäche aufgezeigt, sagte ein Händler. Das könnte ein erstes Signal sein, dass deutsche Aktien angesichts der im Trump-Wahlkampf angekündigten "America First"-Maßnahmen künftig zu den Underperformern gehören könnten.

Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Optimisten am Markt, die dem Dax einen Ausbruch über die 10.800-Punkte-Marke zutrauen. Damit könne dem Index ein Ausbruch aus der seit Monaten dauernden Seitwärtsbewegung doch noch gelingen, so ein Marktteilnehmer. Das Überwinden werde zudem nun immer wichtiger, da den US-Börsen dies bereits gelungen sei, unterstrich er. Sollte der Dax endlich die 10.800 knacken, "dann könnte die Kuh fliegen", kommentierte Meyer am Morgen.

Dax: Bayer und VW im Blick

Bei den Dax-Unternehmen standen Kapitalmaßnahmen im Fokus. So ging Bayer mit einer Pflichtwandelanleihe von über 4 Milliarden Euro an den Markt. Wegen des Monsanto-Kaufs war damit gerechnet worden. Bayer hatten bereits zur Veröffentlichung der Drittquartalszahlen auf eine zügige Finanzierung des Deals hingewiesen. Bayer-Aktien gaben zeitweise mehr als 5 Prozent nach, schlossen dann mit einem Abschlag von mehr als 4 Prozent. Gemeinsam mit Lufthansa waren die Papiere der größte Verlierer im Leitindex.

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Bei der RWE-Tochter Innogy endete die Schweigeperiode der Analysten. Goldman Sachs, UBS und Barclays werteten die Aktien eher neutral, von Berenberg gab es dagegen eine Kaufen-Empfehlung. Innogy zogen rund 2,5 Prozent an. RWE, Topgewinner am Dienstag, stiegen, fielen und schlossen am Ende rund 1,5 Prozent fester.

Ein ähnliches Bild zeigten VW. Auch hier ging es auf und ab. Zum Handelsende stand bei VW-Aktien ein Minus von 0,7 Prozent. Volkswagen und Audi müssen möglicherweise deutlich höhere Kosten schultern, um den Emissionsbetrugsskandal in den USA beizulegen. Mindestens zwei Sammelklagen gegen Audi sind bei Bundesgerichten in den US-Staaten Illinois und Minnesota eingereicht worden. Sie werfen Audi vor, Kunden betrogen zu haben, indem die Werte für Kohlendioxidausstoß und Spritverbrauch für mehrere der beliebtesten Limousinen und SUV zu niedrig ausgewiesen wurden.

MDax: Leoni bestätigt Gewinnaussichten

Gewinnmitnahmen belasteten Händlern zufolge Leoni, die Aktien sackten rund 12 Prozent ab. Allerdings hatten sie am Dienstag ein Jahreshoch erzielt. Zudem bekräftigte das Unternehmen "nur" seine Gewinnprognose für 2017: "Mit einem Ebit von nur 65 Millionen Euro rechnen die wenigsten am Markt", sagte ein Händler.

Ebenso deutlich ging es bei Hugo Boss abwärts. Die Verluste lagen bei zeitweise mehr als 13 Prozent, am Ende betrug der Abschlag rund 10 Prozent. Das Unternehmen hatte sich zum Konzernumbau geäußert. Händler sprachen von einem "verlorenen Jahr 2017".

TecDax: Frisches Kapital für Morphosys

Morphosys-Titel sackten etwa 8,5 Prozent ab - hatten in der Vorwoche aber deutliche Gewinne verbucht. Das Unternehmen hatte 2,6 Millionen neue Aktien in einer Privatplatzierung mit 44 Euro bei Investoren untergebracht. Der auf den ersten Blick recht hohe Abschlag von 9 Prozent zum Schlusskurs vom Dienstag sei vor allem den Aktienkäufen von Biotech-Titeln angesichts des Wahlsiegs von Trump geschuldet gewesen, hieß es am Markt.

Wirecard zogen 7 Prozent an. Sie waren damit größter TecDax-Gewinner. Die Prognose eines Ebitda von 382 bis 400 Millionen Euro im kommenden Jahr dürfte die bisherigen Analystenschätzungen Großteils übertreffen: "Nur die Bullen am Markt rechnen mit einem Gewinn etwa auf diesem Niveau", sagte ein Händler.

USA: Wall Street uneinheitlich

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Die US-Börsen fand keine einheitliche Richtung. Eine Woche nach dem Wahlsieg von Donald Trump rätseln Investoren über den wirtschaftspolitischen Kurs der USA, was auf dem Dow Jones lastete. Davon profitiert allerdings der Technologiesektor. Dieser hatte nach der überraschenden Wahl des Republikaners deutlich Federn gelassen, da Anleger fürchteten, dass das erwartete milliardenschwere Konjunkturprogramm von Trump den Technologiewerten am wenigsten nützen dürfte.

Nun finde ein Realitätscheck statt, sagte Brad McMillan, Chef-Investmentstratege bei Commonwealth Fund. "Die Märkte sind seit der Wahl deutlich gestiegen und jetzt wird es Zeit für eine Überprüfung. Sind wir zu schnell zu weit gegangen?"

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sackte um 0,3 Prozent ab und schloss bei 18.868 Punkten. Er hatte zuletzt sieben Tage in Folge zugelegt und ein Rekordhoch markiert. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls um 0,3 Prozent auf 2174 Zähler. Dagegen gewann der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,4 Prozent auf 5295 Stellen.

Viele Marktteilnehmer würden sich auch vor der wichtigen Sitzung der US-Notenbank Fed Mitte Dezember zurückhalten, hieß es am Markt. Die meisten Experten erwarten, dass die Fed die Leitzinsen dann anheben wird. Der US-Währungshüter James Bullard sagte, schon eine einzelne Zinserhöhung könne ausreichen, um eine neutrale und somit nicht mehr konjunkturstimulierende Geldpolitik zu erreichen. Der Schritt könnte bereits im Dezember erfolgen. Viele Fachleute gehen davon aus, dass der künftige Präsident die Staatskasse bald öffnet - in Form von Steuersenkungen und Investitionen in die Infrastruktur.

Auf den Verkaufslisten der Anleger standen vor allem Finanzwerte. Die Ankündigung von Trump, die Banken weniger stark regulieren zu wollen, hatte für eine Rally gesorgt. Investoren sollten Gewinne mitnehmen und zunächst abwarten, ob die Wahlversprechen auch umgesetzt würden, hieß es in einer Anlagestudie vom Broker Baird. Das größte Minus verzeichneten die Aktien von JPMorgan mit drei Prozent.

Apple gewannen dagegen 3,2 Prozent - das war der höchste Anstieg seit der Wahl. Bei den Einzelwerten stand zudem Target im Fokus. Die Aktie der Einzelhandelskette verteuerte sich um 7,2 Prozent, nachdem der Quartalsgewinn überraschend hoch ausfiel und die Prognose für das Gesamtjahr angehoben wurde.

Devisen: Euro unter 1,07

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Der Euro konnte seine Talfahrt der vergangenen Handelstage nicht stoppen und fiel auf den tiefsten Stand seit fast einem Jahr. Die Gemeinschaftswährung kostete am späten Abend 1,0684 Dollar. Damit lag sie 0,4 Prozent unter dem Wert von Dienstagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0702 Dollar fest nach 1,0765 Dollar am Dienstag.

Seit dem Sieg von Trump bei der US-Präsidentschaftswahl steigt der Wert der US-Währung zu vielen anderen Devisen. Die Investoren gehen davon aus, dass Trump als Präsident die Staatsausgaben massiv erhöhen und für eine höhere Inflation sorgen könnte. Dies hätte möglicherweise raschere Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed zur Folge. Die Aussicht auf steigende Zinsen geben dem Dollar Auftrieb. Ob und inwieweit sich die Dollar-Stärke fortsetzen wird, ist für Experten aber noch unklar. Viele Analysten verweisen darauf, dass das wirtschaftspolitische Programm Trumps bisher nur in groben Zügen bekannt ist.

Rohstoffe: Ölpreise sacken am Abend ab

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Neue Spekulationen auf eine Begrenzung der weltweiten Ölförderung trieben zunächst die Preise für diesen Rohstoff in die Höhe. Am Abend zeigten die Pfeile allerdings wieder nach unten. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich zu US-Handelsschluss um 1,0 Prozent auf 46,47 Dollar je Barrel. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 0,9 Prozent auf 46,00 Dollar.

Auslöser der Rally waren Aussagen des russischen Ölministers Alexander Nowak, einen Beschluss der Opec zu einer Förderbremse zu unterstützen. Russland ist kein Mitglied des Kartells, das seit Monaten über Maßnahmen zur Stützung des Ölpreises berät.

Asien: Aufschläge, aber übersichtlich

Die Aktienmärkte in Fernost konnten mehrheitlich zulegen. Nach positiven Vorgaben aus den USA sahen sich auch die Anleger in Asien nach Kaufmöglichkeiten um. Die Angst vor Kapitalabflüssen aus Schwellenländern, weil der Dollar nach dem Trump-Sieg deutlich anzog, trat in den Hintergrund.

Der MSCI-Index für Aktien aus der Region Asien/Pazifik ohne Japan notierte 0,6 Prozent im Plus. Die Börse in Shanghai trat auf der Stelle. In Tokio sorgte dagegen der schwächere Yen für Schwung. Der Nikkei kletterte auf den höchsten Stand seit neuneinhalb Monaten und ging 1,1 Prozent höher mit 17.862 Punkten aus dem Handel. In Sydney ging es für den S&P/ASX200 nur minimal nach oben.

Banken-Titel waren unter den Gewinnern. Bei Mitsubishi UFJ betrug das Plus mehr als 6 Prozent. Hintergrund war die Hoffnung, dass die Institute dank höherer Anleihenrenditen mehr Gewinn machen können. Gesucht waren auch Titel aus dem zuletzt eher vernachlässigten Technologiesektor: In Seoul ging es für Samsung mehr als 1 Prozent aufwärts, in Taipeh für HTC rund 1 Prozent und in Tokio für Nintendo 3 Prozent. Letztere erhalten zudem Unterstützung von der Mitteilung, dass die Smartphone-App "Super Mario Run" ab dem 15. Dezember in 151 Ländern verfügbar sein soll.

Quelle: n-tv.de

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