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Mittwoch, 25. Januar 2017

Jahres- und Allzeitzeithochs: Dax gewinnt 225 Punkte, Dow die 20.000

Auf einen Schlag ist die Lethargie der vergangenen Handelstage aus dem deutschen Aktienmarkt gewichen. Die Kurse klettern auf breiter Front und der Aufschwung gewinnt am Nachmittag noch einmal an Fahrt - wegen der Wall Street.

Mal ein wenig rauf, dann wieder runter: Dieser Zickzack-Kurs am deutschen Aktienmarkt hat zur Wochenmitte sein Ende gefunden. Die Risikofreude der Anleger sei zurück, hieß es von Händlerseite. "Das ist ein Ausbruch", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer den Sprung des Dax auf ein neues Jahreshoch.

Noch besser machten es die führenden US-Indizes: Dow Jones Industrial, S&P-500 und Nasdaq Composite sowie Nasdaq100 erklommen im frühen Handelsverlauf neue Rekordstände. Der Dow schrieb zudem Börsengeschichte mit dem erstmaligen Überspringen der psychologisch wichtigen 20.000-Punkte-Marke. Zu Jahresbeginn war er noch knapp gescheitert.

Dax: 225-Punkte-Satz

Der Dax verabschiedete sich 1,8 Prozent fester aus dem Handel mit 11.806 Punkten. Das neue Jahreshoch schraubte er auf 11.820. Am Montag hatte er leicht nachgegeben, am Dienstag aber Gewinne verbucht. Der MDax schloss 0,6 Prozent im Plus bei 22.845 Zählern. Der TecDax gewann 0,9 Prozent auf 1847 Stellen.

"Das ist ein charttechnischer Ausbruch", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. "Er könnte durchaus bis Richtung 12.400 Punkte laufen." Die Risikobereitschaft nehme weltweit wieder zu, sagte ein Händler: "Es sieht ganz nach einer Wiederaufnahme des Trump-Trades aus."

Der Ifo-Index war indes hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Er fiel im Januar leicht auf 109,8 Punkte. Volkswirte hatten 111,3 Zähler erwartet. "Die deutsche Wirtschaft startet weniger zuversichtlich ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

USA: Dow Jones in neuen Höhen

In New York durchbrach der Dow Jones hat erstmals in seiner rund 120-jährigen Geschichte die Schallmauer von 20.000 Punkten. Wenige Tage nach Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump stieg der Standardwerteindex auf ein Rekordhoch von 20.082 Zählern.

"Die Trump-Rally ist wieder da", sagte ein Börsianer. "Es sieht danach aus, dass Präsident Trump recht begierig ist, seine Wahlkampf-Versprechen zur US-Wirtschaft mittels Erlassen umzusetzen", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Der Republikaner hatte unter anderem milliardenschwere Konjunkturprogramme und eine Deregulierung der Banken angekündigt. Trump selbst kommentierte den Dow-Rekord via Twitter mit "Großartig!"

"20.000 Punkte beim Dow Jones müssen nicht das Ende sein", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die Anleger wollten die Marke sehen. Nun notieren mit S&P 500, Nasdaq und Dow Jones gleich drei Indizes auf Rekordlevel, wollen die Investoren von Risiken oder Bedenken nichts wissen. Man ist im Feiermodus und die Party wird solange gefeiert wie die Musik spielt."

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Der Dow Jones stieg um 0,8 Prozent und schloss bei 20.069 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann ebenfalls 0,8 Prozent auf 2298 Zähler. Der Nasdaq Composite legte 1,0 Prozent auf 5656 Stellen zu.

Bei den US-Einzelwerten schoben gute Geschäftszahlen von Boeing den Dow Jones kräftig an. Der Flugzeugbauer verdiente spürbar mehr und will im laufenden Jahr mehr Verkehrsflugzeuge ausliefern als 2016. Die Papiere legten um 4,4 Prozent zu.

Ebenfalls gefragt waren mit einem Plus von 5,1 Prozent die auch in den USA notierten Aktien der Deutschen Bank. Deutschlands größtes Geldhaus erwägt nach Aussagen von Insidern im Rahmen seiner neuen Strategie einen Teilbörsengang der Vermögensverwaltung, die als Perle der Bank gilt. Analysten taxieren die Sparte auf rund acht Milliarden Euro - etwa ein Drittel des aktuellen Börsenwertes der gesamten Deutschen Bank.

Die Anteilsscheine von Texas Instruments verteuerten sich um 2,0 Prozent. Der Chiphersteller profitiert von der Nachfrage aus der Auto- und Industriebranche. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als sieben Prozent auf 3,41 Milliarden Dollar. Nach Börsenschluss kommen die Quartalszahlen von AT&T, Ebay und der zuletzt wegen eines Rechtsstreits mit Apple in die Schlagzeilen geratenen Qualcomm.

Dax: Finanzwerte im Fokus

Im deutschen Leitindex standen etwa Deutsche Bank im Blick mit kräftigen Kursgewinnen von mehr als 5 Prozent. Als aktuellen Kurstreiber machten Händler die Konkretisierung der Pläne über einen Börsengang ihrer Asset-Management-Sparte aus. "Bisher waren das nur warme Gedanken, jetzt konkretisiert sich das Bild", sagte ein Händler mit Blick auf entsprechende Medienberichte zur Zukunft der Vermögensverwaltung. Die Bank werde zudem am 2. Februar Geschäftszahlen vorlegen.

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Heidelcement gewannen mehr als 4 Prozent und zählten damit zu den Topplayern im Dax am Mittwoch. Die Aktien profitierten zum einen von den starken Konjunkturdaten aus Japan und zum anderen auch von den voranschreitenden Plänen des US-Präsidenten, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu wollen.

Allianz verbessern sich fast 3 Prozent. "Alles deutet mittlerweile darauf hin, dass sich Allianz nicht die ganze Generali ans Bein bindet, sondern sich nur Filetstücke herauspicken wird", sagte ein Händler. Am Dienstagabend hatte Intesa Sanpaolo in Italien bestätigt, an einer Übernahme von Generali interessiert zu sein. Allianz würden von den Übernahmespekulationen nicht mehr belastet, wie am Markt noch in den Vortagen befürchtet worden sei. "Allein aus kartellrechtlichen Gründen würde sich ein Verbund Intesa-Generali von Teilen trennen müssen, da kann sich dann die Allianz bedienen", so ein anderer Händler.

Medienwerte profitierten von positiven Einschätzungen von Barclays. Das Haus hatte ProSiebensat.1 auf "Übergewichten" hochgestuft und RTL sowie Axel Springer auf "Gleichgewichten" nach "Untergewichten". Die drei Titel stiegen zwischen rund 1 und 2 Prozent.

Europa: Licht und Schatten bei Novartis

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Für Novartis ging es 1,5 Prozent nach oben.  Händler verwiesen auf Licht und Schatten bei den Geschäftszahlen. Im vierten Quartal habe der Umsatz die Erwartungen erfüllt, der operative Gewinn sie dagegen verfehlt, hieß es. Während die Dividende enttäusche, stützte das Aktienrückkaufprogramm den Kurs. Der Pharmakonzern will bis zu 5 Milliarden Dollar dafür aufwenden.

Ein überraschend gutes Zinsgeschäft kennzeichne die Viertquartalszahlen der Banco Santander, sagte ein Händler. Die Nettozinseinnahmen lägen mit 8,1 Milliarden Euro um rund 300 Millionen über der Konsensprognose. Das habe zur Folge, dass sämtliche Gewinnkennziffern über den Konsensschätzungen lägen. Die Aktien gewannen mehr als 4 Prozent.

Devisen: Euro stabil, Lira unter Druck

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Der Euro konnte seine frühen Verluste mehr als wettmachen. Die Gemeinschaftswährung kostete am späten Abend 1,0750 Dollar und damit 0,2 Prozent mehr als am Dienstagabend. Zeitweise war ein Euro bis zu 1,0770 Dollar wert gewesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0743 Dollar fest nach 1,0748 Dollar am Dienstag. Die zwischenzeitlichen Gewinne des Euro resultierten vor allem aus einer zeitweiligen Schwäche des Dollar.

Deutlich unter Druck stand unterdessen die türkische Lira. Am Dienstag hatte die Zentralbank der Türkei ihren wichtigsten Leitzins entgegen den Markterwartungen nicht angehoben. Notenbankexperten verweisen allerdings seit längerem auf die Notwendigkeit starker Zinsanhebungen, um den Sinkflug der Lira zu stoppen. Die politische Führung, insbesondere Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, spricht sich aber gegen eine straffere Geldpolitik aus, weil sie das Wirtschaftswachstum belasten würde.

Rohstoffe: Ölpreise gehen runter

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Der Ölpreis konnte zur Wochenmitte keine einheitliche Richtung finden. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zu US-Handelsschluss 55,22 Dollar. Das waren 0,4 Prozent weniger als am Dienstagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 0,6 Prozent auf 52,86 Dollar.

Der Aufbau der Rohöllagerbestände in den USA setzt sich in der Woche zum 20. Januar erneut stärker als erwartet fort. Es war der dritte Anstieg in Folge. Die Lagerbestände stiegen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 2,84 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten einen Anstieg um 2,1 Millionen erwartet. In der Vorwoche hatten sich die Lagerbestände um 2,3 Millionen Barrel erhöht.

Asien: Kursgewinne in Fernost

Die ostasiatischen Aktienmärkte warteten zur Wochenmitte mit Aufschlägen auf. Positive Vorgaben von Seiten der Wall Street sorgten für den nötigen Rückenwind, wie es im Handel hieß. Im Fokus stand weiter der neue US-Präsident. Nach dessen Treffen mit den Chefs großer Autokonzerne hofften Anleger wieder verstärkt auf Impulse durch ein neues Konjunkturprogramm. Ängste vor einer protektionistischen US-Handelspolitik rückten dagegen in den Hintergrund. "Es ist momentan weitgehend ein Trump-Markt", sagte Anlagestratege Ayako Sera von Sumitomo Mitsui Trust Bank. "Die Stimmung wechselt von Tag zu Tag, je nachdem, was er sagt."

Der Tokioter Nikkei-Index schloss 1,4 Prozent fester bei 19.058 Punkten. Für positive Impulse sorgten auch positive Handelsdaten. Erstmals seit 15 Monaten legten Japans Exporte im Dezember wieder zu. Bei den Einzelwerten standen Takata-Aktien im Mittelpunkt, die mehr als 18 Prozent in die Höhe schossen. Investoren stiegen wieder ein, nachdem die Angst vor einem Insolvenzverfahren den Kurs des krisengebeutelten Airbag-Herstellers zuletzt massiv belastet hatte.

Der Shanghai Composite legte 0,2 Prozent auf 3149 Zähler. Auf die Stimmung drückten Maßnahmen der Zentralbank, um die Kreditvergabe zu dämpfen. Der MSCI-Index für Aktien der Region Asien-Pazifik ohne Japan tendierte 0,1 Prozent höher.

Quelle: n-tv.de

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