Marktberichte
Dezente Erinnerungen an das Thema "Jahresendrally": Im Frankfurter Handelssaal hängen Weihnachtssterne unter der Decke.
Dezente Erinnerungen an das Thema "Jahresendrally": Im Frankfurter Handelssaal hängen Weihnachtssterne unter der Decke.(Foto: REUTERS)

Dow Jones mit Mini-Plus: Dax gelingt der Sprung ins Glück

Kurz vor Handelsschluss kommt am deutschen Aktienmarkt Bewegung auf: Gestützt auf überraschend starke Konjunktursignale aus den USA fassen sich Börsianer ein Herz und steigen ein. Der Leitindex steigt ins Plus: Der Dax schließt fast auf Tageshoch.

Ein zäher Börsentag geht mit einem versöhnlichen Ausklang zu Ende: Nach einem unsicheren Verlauf voller Furcht und Unsicherheit schließt der Dax 0,36 Prozent fester bei 10.620,49 Punkten. Der deutsche Leitindex beendet sein Dienstagsgeschäft damit knapp unterhalb des Tageshochs bei 10.624 Zählern - und rettet sich zurück in seine alte Handelsspanne der vergangenen Wochen zwischen 10.600 und 10.800 Punkten. In kleinen Schritten aufwärts geht es auch bei den Nebenwerten: Der MDax schließt 0,28 Prozent im Plus bei 20.863,56 Punkten. Der TecDax klettert in ähnlichen Ausmaßen um 0,24 Prozent auf 1713,94 Punkte.

Zum Wochenauftakt hatte die Stimmung der Anleger noch unter der Furcht vor den möglichen Folgen eines Votum in Italien für die Eurozone gelitten. Das Verfassungsreferendum ist für den kommenden Sonntag angesetzt. Italiens Regierungschef Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Wahlausgang geknüpft. Sollte er mit seinem Vorhaben einer Senatsreform unterliegen, dürfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone auf Neuwahlen zusteuern.

Frische Daten zur konjunkturellen Lage in Europa und den USA scheinen Anlegern neue Zuversicht einzuhauchen. Ein erstes Konjunktursignal erreichte die Märkte bereits am späten Vormittag: Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im November leicht aufgehellt. Das Barometer stieg um 0,1 auf 106,5 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Ökonomen hatten mit einem etwas stärkeren Anstieg auf 107,0 Zähler gerechnet. In der Industrie trübte sich die Stimmung etwas ein, während sie im Baugewerbe und im Einzelhandel etwas besser ausfiel. Bei den Dienstleistern blieb das Klima unverändert. Das ebenfalls ermittelte Barometer für das Geschäftsklima gab dagegen von 0,56 im Oktober auf 0,42 Zähler nach. Hier hatten Experten mit einem Plus auf 0,57 Punkte gerechnet.

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Die Themen Opec-Treffen und Italien-Referendum blieben weiterhin auf der Agenda, betonten Marktbeobachter. Allerdings schienen viele Anleger mittlerweile davon auszugehen, dass mögliche negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte nur von begrenzter Dauer sein würden - wie schon nach dem Brexit-Votum der Briten und dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl.

Die Umsätze im deutschen Börsenhandel blieben allerdings auffallend gering. Viele Marktteilnehmer blieben sicherheitshalber erst einmal an der Seitenlinie, meinte ein Händler. "Viele Kurse sind mehr oder weniger zufällig zustande gekommen", sagte er.

Auf der Gewinnerseite im Dax ganz oben standen die zuletzt stark gefallenen Aktien von RWE mit einem Plus von 3,1 Prozent auf 12,02 Euro. Eon stiegen um 1,2 Prozent. Händler verwiesen auf gute Vorlagen von den US-Branchentiteln, aber auch auf eine Kaufempfehlung der Societe Generale für Eon.

Die Aktien von Continental verteuerten sich um 2,4 Prozent. Beobachter verwiesen auch hier auf einen positiven Analystenkommentar. Andererseits konnte der Autozulieferer auch eine Nullkuponanleihe am Markt unterbringen: Conti sicherte sich damit frische Mittel in Höhe von 600 Millionen Euro mit einer Laufzeit von gut drei Jahren.

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Trotz des laufenden Pilotenstreiks drehten die Aktien der Lufthansa nach einem schwachen Start ins Plus und legten um 0,7 Prozent zu. Branchenkenner erklärten das Plus mit dem starken Rückgang der Ölpreise, der die Ertragsaussichten des Großabnehmers von Kerosin verbessert. Dagegen fielen die Aktien von BASF mit den schwachen Ölpreisen um 0,2 Prozent. Vonovia, SAP, Daimler und BMW verloren bis zu ein Prozent.

Der Ziegelhersteller Braas Monier überraschte Experten mit der Ankündigung, Gratisaktien auszugeben. Für 10 gehaltene Aktien soll es zusätzliche eine Aktie geben. Außerdem zahlt Braas eine Zwischendividende von 0,57 Euro je Aktie. Händler sehen darin eine Giftpille für das von Braas abgelehnte Übernahmeangebot von Standard Industries von 25 Euro je Aktie. Der Braas-Kurs stieg um 5,9 Prozent auf 27,10 Euro.

Der Karbonhersteller SGL Carbon erhöht das Kapital um 30 Millionen Aktien, um die Bilanz zu verbessern. Am Markt wurde das schon länger erwartet, dennoch fiel die Aktie wegen der damit verbundenen Gewinnverwässerung um 4 Prozent. Die Großaktionäre BMW und Skion beteiligen sich an der Aufstockung, Volkswagen und der Anlagenbauer Voith dagegen nicht.

USA: Leichte Zugewinne an der Wall Street

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Die New Yorker Börsen legten gestützt von guten Konjunkturdaten leicht zu. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 3,2 Prozent und damit noch stärker als gedacht. Die Rally im Zuge des überraschenden Siegs von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl klinge allerdings wohl ab, sagte Analyst Andre Bakhos vom Broker Janlyn Capital. Der Markt warte nun auf konkrete Hinweise darauf, wie Trumps Wirtschaftspolitik aussehen werde. Ermutigende Konjunkturdaten stützten den Markt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 0,1 Prozent und schloss bei 19.122 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich ebenfalls um 0,1 Prozent auf 2205 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 5380 Punkte.

Bei den Einzelwerten stach die Aktie von Tiffany mit einem Plus von 3,1 Prozent heraus. Der erste Umsatzanstieg seit acht Quartalen machte den Luxusjuweliers bei Anlegern begehrt. Florierende Geschäfte vor allem in Japan und China machten Rückgänge in angestammten Filialen wie der auf der Fifth Avenue in Manhattan mehr als wett.

Mit 3,4 Prozent abwärts ging es dagegen für Allstate. Der US-Versicherer will für 1,4 Milliarden Dollar den Handyversicherer SquareTrade kaufen.

Devisen: Euro im Aufwind

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Der Euro legte am späten Abend leicht zu. Die Gemeinschaftswährung kostete 1,0648 US-Dollar und damit 0,2 Prozent mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0576 (Montag: 1,0588) US-Dollar fest. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84815 (0,85303) britische Pfund, 119,48 (119,25) japanische Yen und 1,0752 (1,0751) Schweizer Franken fest.

Die Inflation in Deutschland bleibt so hoch wie lange nicht und dürfte Experten zufolge schon bald spürbar anziehen. Waren und Dienstleistungen kosteten im November durchschnittlich 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Damit verharrt die Jahresteuerung wie von Ökonomen erwartet auf dem Niveau von Oktober, als ein Zwei-Jahres-Hoch erreicht wurde. Sie liegt aber weiter deutlich unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Teuerung bald wieder zulegt. "Im Januar könnte sie erstmals seit vier Jahren wieder an der Zwei-Prozent-Marke kratzen", sagte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner.

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"Die Inflation holt noch einmal tief Luft, bevor sie in den nächsten Monaten zu einem kurzfristigen Höhenflug ansetzen wird", fügte Zeuner hinzu. Auch nach Ansicht von Commerzbank-Analyst Marco Wagner "befindet sich die Inflationsrate in Deutschland und die des Euroraums im Aufwärtstrend". Viele Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihenkaufprogramm fortsetzt. "Scheitert das italienische Verfassungsreferendum am kommenden Wochenende und reagieren die Finanzmärkte nervös, hat EZB-Chef Mario Draghi einmal mehr Grund sein Wertpapierkaufprogramm zu verlängern", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein.

Die EZB will mit ihrer lockeren Geldpolitik die Inflation anheizen und die Konjunktur ankurbeln. Gedämpft wird die Inflation in Deutschland derzeit noch von den Energiepreisen. Sie verbilligten sich im November um 2,7 Prozent zum Vorjahr. Die Preise für Nahrungsmittel kletterten dagegen um 1,2 Prozent, während sich Waren insgesamt um 0,5 Prozent verteuerten. Die Preise für Dienstleistungen legten um 1,1 Prozent zu, bei Wohnungsmieten gab es einen Anstieg um 1,4 Prozent. Details geben die Statistiker am 13. Dezember bekannt.

Asien: Starker Yen belastet Japans Kurse

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Nach der Vortageserholung an den meisten Börsen der Region Südostasien tritt die Mehrzahl der Handelsplätze auf der Stelle. Eine Fortsetzung der Yen-Erholung beschert der Börse in Tokio erneut Verluste. Insgesamt drücken die US-Verluste an der Wall Street leicht auf die Stimmung. Der Nikkei-225 hat 0,3 Prozent leichter bei 18.307 Punkten geschlossen, wobei vor allem Finanz- und Elektronikwerte für die Abschläge verantwortlich waren.

An den übrigen Börsen ist nicht viel los: Der australische Leitindex S&P/ASX-200 hat knapp behauptet geschlossen. In Shanghai steigt der Composite um 0,1 Prozent auf 3.279 Punkte.

In Tokio verlieren Dai-ichi Life 1,6 Prozent. Der Versicherer ist stark in US-Staatsanleihen investiert, wo die Renditen erneut gesunken sind. Nach dem Geschäftsausweis verliert der Titel des Lebensmittelkonzerns Tingyi in Hongkong 3,8 Prozent.

In Seoul steigen Samsung Electronics um 0,3 Prozent. Der Elektronikkonzern beugt sich dem Druck einzelner Investoren und erwägt unter anderem die Bildung einer Holdingstrukutur für den Konzern.

Rohstoffe: Ölpreise fallen deutlich

Die Ölpreise gaben deutlich nach. Marktbeobachter verwiesen auf die Sorgen vor einem Scheitern der Verhandlungen über eine Öl-Förderbegrenzung. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich zu US-Handelsschluss um 3,5 Prozent auf 46,57 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl der Referenzssorte West Texas Intermediate (WTI) gab um 3,7 Prozent auf 45,32 Dollar nach.

Händler führten den Preisrutsch vor allem auf die Absage aus Russland, am Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) an diesem Mittwoch in Wien nicht teilnehmen zu wollen. Analysten bezweifeln, dass es damit tatsächlich zu einer tragfähigen Einigung auf Obergrenzen für die Ölproduktion kommen kann.

Sollten die Gespräche in Wien scheitern, würden die Ölpreise bis ins zweite Halbjahr 2017 hinein nicht über 45 Dollar je Fass hinaus kommen, prognostizierten die Rohstoffexperten von Goldman Sachs. Sollte der Opec allerdings doch ein Deal gelingen, sei ein deutlicher Anstieg der Preise auf mehr als 50 Dollar wahrscheinlich. Am Montag war bereits eine Zusammenkunft der Opec mit Vertretern von Förderländern, die nicht dem Ölkartell angehören, abgesagt worden.

Zu Wochenbeginn waren die Ölpreise noch gestiegen, nachdem sich der irakische Ölminister Jabbar al-Luaibi optimistisch gezeigt hatte, doch noch eine Verhandlungslösung zu erreichen. Doch nur einen Tag zuvor hatte das mächtige Opec-Mitglied Saudi-Arabien erklärt, dass das Ölkartell seine Produktion nicht unbedingt kürzen müsse. Die Gräben innerhalb des Ölkartells bleiben offenbar groß. Was man gegenwärtig erlebe, sei ein Wettstreit unter den Opec-Mitgliedern um das größte Stück vom Kuchen, meinten Analysten.

Quelle: n-tv.de

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