Marktberichte
Verkürzte Börsenwoche vor Ostern: An der Wall Street geht es bereits am kommenden Montag weiter.
Verkürzte Börsenwoche vor Ostern: An der Wall Street geht es bereits am kommenden Montag weiter.(Foto: AP)

New York schließt ohne klaren Trend: Dax geht mit Minus in die Osterfeiertage

Mit einem deutlichen Verlust verabschiedet sich der Dax ins Osterwochenende. Anleger gehen auf Nummer sicher. Die unsichere Zukunft der US-Geldpolitik sorgt ebenso für Zurückhaltung wie der sinkende Ölpreis. Der Dow rettet sich knapp ins Plus.

Am Ende des letzten Tages der verkürzten Handelswoche ging der Dax nach bereits schwachem Verlauf nochmal deutlicher in die Knie und verlor am Ende 1,7 Prozent auf 9851 Punkte. Vor dem langen Osterwochenende stiegen Anleger aus dem Aktienmarkt aus. "Die ständigen Kurswechsel der US-Notenbank Fed helfen nicht gerade dabei, Vertrauen oder zumindest etwas Planungssicherheit für die Investoren zu schaffen", sagte Andreas Paciorek von CMC Markets.

Mehrere Fed-Mitglieder hatten in den vergangenen Tagen eine Zinserhöhung im April in den Raum gestellt. Erst in der vergangenen Woche hatten sie ein unerwartet behutsames Vorgehen bei der Zinswende signalisiert.

Der Dollar zog wieder deutlich an. Das drückte auf die Rohstoff-Preise, Öl wurde wieder deutlich unter 40 Dollar je Barrel gehandelt, und auch der Goldpreis stand latent unter Druck und in der Nähe der jüngsten Tiefststände. "Vor dem langen Wochenende gehen Anleger auch bei den Aktien auf Nummer sicher", sagte auch ein anderer Marktteilnehmer. Sie schlössen eher Positionen als dass sie neue eingingen.

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Im Blick stand auch der italienische Bankensektor. Banco Popolare und Banca Popolare di Milano hatten am Vorabend ihre Fusion bekannt gegeben. Durch den Zusammenschluss entsteht eine neue Gruppe mit einer Marktkapitalisierung von rund 5,5 Milliarden Euro. Als Teil der Transaktion wird Banco Popolare eine Kapitalerhöhung von 1 Milliarde Euro durchführen. Die Aktie von Banco Popolare verlor 4,7 Prozent, für Banca Popolare di Milano ging es um 5,1 Prozent nach unten.

Für leichtes Entsetzen im Handel sorgte die Insolvenz von Steilmann SE. "Das ist nichts, was eine angeschlagene Branche gebrauchen kann", sagte ein Händler. Die Steilmann-Aktie verlor zu Handelsbeginn fast 90 Prozent an Wert. Im Blick standen zudem Adler Modemärkte. Steilmann hält rund 53 Prozent an Adler über die Beteiligungsgesellschaft S&E Kapital GmbH.

Frankfurt: RWE fast einziger Gewinner im Dax

Der Dax schloss am Ende 1,7 Prozent leichter und sackte auf 9851 Punkte ab. Für den MDax ging es 1,4 Prozent nach unten auf 19.983 Zähler. Verluste von 1,0 Prozent verzeichnete der TecDax und sank auf 1599 Punkte. Um 1,7 Prozent nach unten ging es auch für den Euro-Stoxx-50, er fiel auf 2992 Stellen.

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Im Dax gab es nur zwei Gewinner: An der Spitze standen RWE und Deutsche Börse mit Aufschlägen von 0,7 und 0,4 Prozent. Die Liste der Verlierer war jedoch wesentlich länger: Ganz unten landeten Deutsche Bank mit einem Minus von 3,8 Prozent. Auch Beiersdorf büßten auf dem vorletzten Platz 2,4 Prozent ein.

Im TecDax fielen die Aktien von Drillisch nach anfangs deutlicheren Verlusten noch 3,3 Prozent. Der Mobilfunktanbieter hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Gewinn gesteigert. Chef Paschalis Choulidis legte aber aus privaten Gründen sein Mandat als Sprecher des Vorstands nieder. Das sei eine faustdicke Überraschung, die dem Markt gar nicht gefalle, sagte ein Börsianer.

Außerhalb der Indizes standen die Aktien der Modehäuser Adler und Steilmann im Fokus. Der Adler-Großaktionär Steilmann hatte angekündigt, einen Insolvenzantrag zu stellen. Steilmann waren erst Ende Oktober an die Börse gegangen. Seinerzeit waren die Aktien zu 3,50 Euro platziert worden. Adler erklärte, von der Insolvenz Steilmanns nicht betroffen zu sein. Die Aktien fielen dennoch um 5,2 Prozent. Steilmann stürzten im Frankfurter Handel um 87 Prozent auf 0,31 Euro ab. Anlegerschützer befürchten bereits einen "Totalausfalle" für Aktionäre.

USA: Verluste an der Wall Street weiten sich aus

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Die US-Börsen konnten sich am Gründonnerstag im späten Geschäft nach oben arbeiten. Nach teils kräftigen Verlusten zum Handelsstart schlossen die großen Marktbarometer ohne klare Richtung. Im Blick der Anleger lagen die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed), der Dollar und der Ölpreis.

Der Dow-Jones-Index legte 0,1 Prozent zu auf 17.516 Punkte. Für den US-Leitindex mit seinen 30 Standardwerten ging damit am letzten Handelstag vor dem Osterfest eine fünfwöchige Gewinnserie zu Ende. Die Konjunktursorgen im Zuge fallender Ölpreise brockten dem Dow letztlich ein Wochenminus von 0,49 Prozent ein. Der marktbreite S&P-500 fiel im Gründonnerstagshandel um 0,04 Prozent auf 2036 Punkte. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 rückte um 0,07 Prozent auf 4405,53 Zähler vor.

Am Karfreitag bleiben die US-Finanzmärkte geschlossen. Für die Akteure am Anleihemarkt beginnt das Wochenende sogar noch früher; dort fand schon am Gründonnerstag nur eine verkürzte Sitzung statt. Am Ostermontag, der in den USA kein Feiertag ist, wird an allen US-Märkten wieder regulär gehandelt.

An Konjunkturdaten wurden vor der Startglocke die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche und der Auftragseingang bei langlebigen Wirtschaftsgütern veröffentlicht. Die Auftragseingänge gingen im Februar etwas weniger stark zurück als erwartet, und in der vergangenen Woche beantragten weniger Amerikaner erstmals Arbeitslosenhilfe als von Ökonomen prognostiziert. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor im März hat mit 51 nur ein kleines Wachstum angezeigt.

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Unter den US-Einzelwerten standen Yahoo im Vordergrund: Dem Investmentfonds Starboard geht der versprochene Kurswechsel des Managements nicht schnell genug. Der gerne als "aktivistisch" bezeichnete Investor will daher das ganze Board des Konzerns auswechseln und kündigte die Nominierung von neun Kandidaten für die entsprechenden Sitze an. Eine Yahoo-Sprecherin wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Die Yahoo-Aktie verlor knapp 0,2 Prozent auf 34,74 Dollar.

Während jüngste Äußerungen von Fed-Repräsentanten in Richtung einer strafferen Marschroute zunächst verunsicherten, sorgte der Präsident der Fed von Dallas, Robert Kaplan, im Späthandel für Erleichterung. Er sagte, Zinserhöhungen seien vorsichtig anzugehen. Auch beim Dollar und beim Ölpreis ging es wechselhaft zu. Kräftige Aufschläge in der US-Devise belasteten die Aktien, doch konnte der Greenback nicht alle Gewinne halten. Der Ölpreis schloss leichter, aber deutlich über Tagestief. Beide Tagestendenzen sorgten dafür, dass die Aktien ihre Verluste aufholen konnten.

Die Aktien des Bekleidungsherstellers PVH waren gesucht, nachdem das Unternehmen am Vorabend nach Börsenschluss in den USA überraschend gute Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Zu PVH gehören Marken wie Tommy Hilfiger oder Calvin Klein. Für die Titel ging es um 7,6 Prozent nach oben. Auch die Zahlen des auf Eigenheime spezialisierten Bauunternehmens KB Home überzeugten. Der Aktienkurs stieg um 6,3 Prozent.

Asien: Nikkei wieder unter 17.000

Auch Börsen in Ostasien und Australien notierten im Minus. Neben dem billigen Öl belastete der stärkere US-Dollar, der zu den meisten regionalen Währungen Boden gut machte. Ausschlaggebend für die Gewinne beim Greenback waren die jüngsten Aussagen eines stimmberechtigten Mitglieds aus dem innersten Zirkel der US-Notenbank. Der Präsident der Federal Reserve of St. Louis, James Bullard, hatte eine weitere Straffung der Geldpolitik bei der kommenden Sitzung der US-Notenbanker nicht ausgeschlossen.

Was noch hinzukommt, ist, dass sich auch in Asien die Investoren vor den Osterfeiertagen zurückhielten. Neben den europäischen Börsen bleiben auch die Märkte in Hongkong, Australien, Neuseeland, Indonesien und Singapur am Freitag geschlossen.

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In Tokio schloss der Nikkei 0,6 Prozent tiefer bei 16.892 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte 0,7 Prozent auf 1355 Zähler ein. Im australischen Sydney rutschte der Markt zeitweise auf den tiefsten Stand seit drei Wochen, besonders die Banken- und die Minenwerte sind für die schlechte Stimmung verantwortlich. Der S&P/ASX-200 verlor 1,1 Prozent.

Bei den Einzelwerten in Tokio stachen Mitsui & Co und Mitsubishi Corp hervor. Mitsui & Co brachen um 7,1 Prozent Yen ein. Der Konzern hatte zuvor gewarnt, dass die Gewinne für das Ende März auslaufende Geschäftsjahr wegen der schwachen Rohstoffpreise niedriger sein dürfte als erwartet. Mitsubishi Corp wurden abgestraft und verloren 2,5 Prozent. Nach Medienberichten soll auch das Unternehmen mit einem niedrigeren Ergebnis rechnen.

Auch in China zeigten die Pfeile nach unten. Der Shanghai Composite fiel um 1,6 Prozent und schloss bei 2961 Zählern. In Hongkong gab der Hang Seng um 1,4 Prozent auf 20.331 Punkte nach. Selbst die Rede des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang konnte dem Markt keinen Auftrieb geben. Li Keqiang sagte in einer Rede auf dem jährlichen Regionalforum in Boao auf der südchinesischen Insel Hainan, China ergreife Maßnahmen, um der Volatilität des heimischen Wirtschaftswachstums zu begegnen. Er betonte dabei, die Strukturreformen seines Landes.

Rohstoffe: WTI-Öl wieder unter 40 Dollar

Der Goldpreis zeigte sich wenig verändert bei 1220 Dollar je Feinunze.Die Ölpreise weiteten ihre Verluste aus. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai 39,88 US-Dollar, das waren 59 Cent oder 1,5 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um ebenfalls 59 Cent oder 1,5 Prozent auf 39,20 Dollar.

Neue Lagerdaten aus den USA hatten die Rohölpreise bereits am Mittwoch deutlich belastet. Nicht nur waren die Vorräte auf ein neuerliches Rekordhoch gestiegen. Zudem fiel der Zuwachs wesentlich stärker aus als erwartet. Die amerikanische Ölproduktion ging zwar abermals zurück, allerdings nur leicht. Die Aussicht auf eine deutlich fallende US-Ölförderung war ein wichtiger Grund für die Erholung der Ölpreise in den vergangenen Wochen.

Devisen: Euro unter 1,12 US-Dollar

Der Kurs des Euro hat leicht nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1171 US-Dollar und damit etwas weniger als am späten Mittwoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1154 (Mittwoch: 1,1171) Dollar festgesetzt.

Der Dollar befand sich erneut auf dem Vormarsch. Am Mittwoch hatte mit James Bullard ein weiterer US-Notenbanker eine zeitnahe Fortsetzung der Ende 2015 eingeleiteten Zinswende angesprochen. Auch ein Schritt auf der nächsten Zinssitzung Ende April sei möglich, obwohl diese Sitzung ohne begleitende Pressekonferenz stattfinde, sagte Bullard. Eine Zinsanhebung könnte also nicht ausführlich erläutert werden.

Konjunkturdaten aus den USA fielen am Donnerstag durchwachsen aus und sorgten daher für keinen klaren Impuls bei den Zinserwartungen. Die amerikanischen Unternehmen hatten im Februar deutlich weniger Aufträge für langlebige Güter erhalten als im Vormonat, was schwache Investitionen signalisiert. Andererseits gab es aber positive Signale vom US-Arbeitsmarkt. In der vergangenen Woche hatte die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zwar um 6000 auf 265.000 zugelegt. Bankvolkswirte hatten aber mit 269.000 Anträgen gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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