Auf dem höchsten Niveau des Jahres liegt der Dax zur Weihnachtszeit.
Auf dem höchsten Niveau des Jahres liegt der Dax zur Weihnachtszeit.(Foto: imago/Ralph Peters)

Dow erreicht 20.000 nicht: Dax geht etwas leichter in die Festtage

Stille Nacht an der Frankfurter Börse: Es reicht zwar noch für ein neues Jahreshoch beim Dax. Am Ende geht der Leitindex aber mit einem kleinen Minus in die Weihnachtsferien. Für etwas Bewegung sorgen die Aktien von VW und der Deutschen Bank.

Ohne große Kurssprünge verabschiedet sich der deutsche Aktienmarkt in die Weihnachtsferien. Der Dax übertraf gleich zu Beginn sein altes Jahreshoch ganz knapp, kam dann aber wieder zurück. Am Ende schloss der Dax 0,1 Prozent tiefer auf 11.450 Punkten. Gehandelt wird nach den Feiertagen erst am kommenden Dienstag wieder.

Der Kurs der Deutschen Bank stieg um 0,3 Prozent nach deutlicheren Aufschlägen zu Handelsbeginn. Die deutsche Nummer eins hat gegen Zahlung von 7,2 Milliarden Dollar ihren Streit um faule Hypotheken mit den US-Behörden beigelegt. Damit sei "die Kuh endlich vom Eis", hieß es im Handel. Ganz zu Anfang hatte in dem Streit eine Strafe von bis zu 14 Milliarden Dollar im Raum gestanden, zuletzt war am Markt aber mit einer Einigung im Bereich von 7 Milliarden Dollar schon gerechnet worden. Die Deutsche Bank rechnet nun mit einer Belastung im vierten Quartal von 1,17 Milliarden Dollar, was unter der Konsensschätzung von 1,7 Milliarden Dollar liegt. Morgan Stanley befürchtete hier sogar 2,3 Milliarden Dollar.

"Die Deutsche Bank hat aus den USA kein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk erhalten, dafür sind 7,2 Milliarden eine zu schmerzhafte Strafe, selbst wenn die Ursprungsforderung beim doppelten lag", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Jedoch weiche ein Teil der Unsicherheit vom Unternehmen, die seit Jahren belastet. Man ist mit einem dunkelblauen Auge davongekommen.

"Die Erleichterungen von 4,1 Mrd. Dollar für die US-Konsumenten sollen sich auf 5 Jahre und mehr verteilen, was gut verkraftbar sein sollte und die Härte mildert", ergänzt Saurenz. Entsprechend brauche die Deutsche Bank wohl kurzfristig keine Kapitalerhöhung und dies ist wichtig für Investoren, deshalb klettert die Aktie erst einmal.

Der MDax konnte unterdessen dank leichter Aufschläge ein neues Allzeithoch bei 22.118 Punkten markieren. Am Ende verbesserte sich der Nebenwerte-Index noch um 0,2 Prozent auf 22.089 Punkte. Der TecDax stieg 0,5 Prozent auf 1788 Zähler. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,1 Prozent nach oben auf 3273 Punkte.

Erleichterung stützt Italiens Banken

Die Banca Monte dei Paschi ist derweil wie erwartet mit ihren Versuchen gescheitert, 5 Milliarden Euro an Kapital aufzutreiben, und steht nun vor einer Rettung durch den Staat. Die Aktien waren den ganzen Tag vom Handel ausgesetzt. Der Tausch von Schulden in Aktien sei beim Publikum nicht gut angekommen, nun springe der Staat ein, hieß es. Italiens Regierung hat zügig ein Rettungspaket durchgewunken, dessen Konformität mit den EU-Vereinbarungen aber umstritten ist.

"Die Kritik daran ist verhalten. Jeder weiß doch, dass die Anti-EU-Stimmung in Italien die mit Abstand ausgeprägteste aller EU-Mitgliedstaaten ist", kommentierte ein Händler. Daher dürften auch weitere Rettungspakete für den maroden Bankensektor weder überraschen noch auf politischen Widerstand stoßen angesichts der zerbrechlichen Lage der EU. Der Bankensektor insgesamt in Europa sank um 0,6 Prozent.

Dax: VW trotz Vergleichs mit Abschlägen

Spitzenreiter waren Lufthansa mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent. Deutsche Bank lagen mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent am Ende im oberen Mittelfeld.

Im Blick standen Volkswagen. Im Skandal um manipulierte Abgaswerte hat das Unternehmen in den USA zwar einen weiteren Vergleich mit Privatklägern ausgehandelt - er betrifft Fahrer von Dieselfahrzeugen mit Drei-Liter-Motoren. Die zuständige EU-Kommissarin für Justiz- und Verbraucherschutzfragen, Vera Jourova, sagte aber mit Blick auf die Entschädigungen in den USA: "Ich vermisse aber immer noch einen Extra-Bonus oder eine freiwillige Kompensation für die europäischen Kunden." Zudem hat die Kanzlei des US-Anwalts Michael Hausfeld angekündigt, am 3. Januar eine Musterklage gegen VW einzureichen. Die Kanzlei bündelt die Ansprüche von rund 100.000 VW-Geschädigten. Die VW-Aktie verlor 0,9 Prozent.

MDax: K+S legen nach Erfolg vor Gericht zu

Aktien von K+S reagierten positiv auf die gerichtliche Genehmigung einer Fortführung der Versenkung von Salzabwässern aus der Kaliproduktion des Werkes Werra. K+S darf nun fünf Jahre lang im Durchschnitt 1,5 Millionen Kubikmeter versenken. Damit blieb das Regierungspräsidium unter der vom Unternehmen beantragten Versenkmenge von 2 Millionen. Grundsätzlich sei das Urteil aber positiv, denn ein Ende der Versenkung hätte die Produktion an dem Standort gefährde, hieß es im Handel. K+S stiegen um 1,8 Prozent.

USA: Dow tritt vor 20.000er-Marke auf der Stelle

Wenig verändert hat sich die Wall Street am letzten Handelstag vor den Weihnachtsfeiertagen gezeigt. "Vor den Feiertagen wollen nur noch wenige Händler neue Positionen aufbauen", merkte Analyst Lee Wild von Interactive Investor an. Insgesamt verlief der Handel in sehr ruhigen Bahnen, am US-Anleihemarkt fand lediglich eine verkürzte Sitzung statt.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 19.934 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite gewannen 0,1 und 0,3 Prozent. Das Umsatzvolumen war mit 515 (Donnerstag: 724) Millionen gehandelten Aktien sehr dünn. Auf 1.764 Kursgewinner kamen 1.213 -verlierer, unverändert schlossen 140 Titel.

Am Ölmarkt erholten sich die Preise von anfänglichen Verlusten. Das Barrel WTI kostete zum Settlement 53,02 Dollar und somit 0,1 Prozent mehr als am Donnerstag. Die europäische Referenzsorte Brent gewann 0,2 Prozent auf 55,16 Dollar. Im Dezember haben sich die Ölpreise so viele Tage über der Marke von 50 Dollar behauptet wie zuletzt im Juli 2015, so ein Teilnehmer. Der in den vergangenen Wochen gestiegene Ölpreis macht die Förderung allerdings für viele Unternehmen wieder rentabel, wodurch in den USA wieder mehr Öl auf den Markt kommt.

Unternehmensnachrichten waren ansonsten rar. Mattel schlossen unverändert. Der Spielzeughersteller hat laut einer Analyse von Importdaten im laufenden Jahr 194 Prozent mehr Barbie-Puppen ausgeliefert als im Vorjahr. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens NPD Group hat die US-Spielzeugindustrie in diesem Jahr aber nicht so gut abgeschnitten wie im vergangenen.

Lockheed Martin fielen um 1,3 Prozent nach einem neuen Tweet von Donald Trump. Der designierte US-Präsident hat demnach Boeing aufgefordert, einen neuen Kampfjet zu entwickeln, der billiger sein soll als der F-35. Boeing gewannen 0,2 Prozent.

Asien: Minus in China, Tokio geschlossen

Die ostasiatischen Aktienmärkte tendierten am letzten Handelstag vor Weihnachten etwas leichter. "Das Weihnachtsfest naht mit großen Schritten", hieß es von Hue Lu, Anlageexperte bei der BNP Paribas Investment Partners. Die Anleger führen ihr Risiko herunter, weil sie keine Überraschungen liebten. Mit den schwächeren Kursen folgt Asien der Vorlage von der Wall Street, an der die großen Indizes alle im roten Bereich aus dem Handel gingen.

Der Shanghai Composite Index verlor 0,9 Prozent auf 3110 Punkte und verzeichnete damit das größte Tagesminus seit rund zwei Wochen. In Hongkong gab der Hang Seng Index um 0,2 Prozent nach. Die Börse in Tokio blieb wegen des Feiertags "Geburtstag des Kaisers" zum Wochenausklang geschlossen.

Der Kapitalabzug in China hält weiter an. Auch zum Wochenschluss stehen die Anleihen unter Druck, die Zinsen steigen also. Dies ist Gift für den heiß gelaufenen Immobilienmarkt in den Megastädten Chinas. Entsprechend verhielten sich die Investoren gegenüber Immobilienaktien vorsichtiger. So verloren CK Property 1,8 Prozent und die Aktien von Hang Lung Property fielen um 1,1 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreis uneinheitlich

Die Ölpreise zeigten sich am späten Nachmittag uneinheitlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar kostete 55,07 US-Dollar. Das waren zwei US-Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Februar hingegen fiel leicht um acht Cent auf 52,87 Dollar.

Am Ölmarkt wird derzeit mit Spannung beobachtet, ob das Ölkartell Opec und andere Förderstaaten ihre beschlossenen Produktionskürzungen tatsächlich umsetzen werden. In diesem Umfeld bleibe der Spielraum für Kursrückgänge beschränkt, sagte Ric Spooner, Experte beim Finanzdienstleister CMC Markets. "Mit Blick nach vorn wird der Markt nach Hinweisen auf tatsächliche Produktionskürzungen Ausschau halten." Außerdem werde die Produktion in den USA im Blick behalten.

Devisen: Euro fast unverändert

Der Kurs des Euro hat sich kaum von der Stelle bewegt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0450 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Morgen. Starke Kursbewegungen gab es vor den Feiertagen nicht.

Vor dem Weihnachtswochenende hielten sich die Kursausschläge nicht nur zwischen Euro und Dollar in Grenzen. Auch zwischen anderen wichtigen Währungspaaren tat sich nicht besonders viel. Dies lag unter anderem daran, dass sich viele Marktteilnehmer bereits in die Ferien verabschiedet haben. Zwar kann es gerade deshalb auch zu stärkeren Kursbewegungen kommen, weil einzelne Transaktionen stärker ins Gewicht fallen. Ein eher träger Handel ist aber die häufigste Folge.

Quelle: n-tv.de

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