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Auch an der Frankfurter Börse rechnet man damit, dass die Fed am Mittwoch den Leitzins anheben wird.
Auch an der Frankfurter Börse rechnet man damit, dass die Fed am Mittwoch den Leitzins anheben wird.(Foto: REUTERS)

Was macht die Fed?: Dax geht entspannt in die neue Woche

Am deutschen Aktienmarkt lassen es die Anleger zum Start in die neue Börsenwoche ruhig angehen. Mitte der Woche könnte es dafür an den Märkten umso mehr Schwankungen geben – dann sagt die Fed, ob sie die Zinsen anheben will, und in den Niederlanden wird gewählt.

Am deutschen Aktienmarkt haben sich Anleger zurückgehalten. "Im Vorfeld der US-Zinsentscheidung und der Wahlen in den Niederlanden ist die Unsicherheit einfach hoch", sagte  ein Händler. Der Dax gewann 0,2 Prozent auf 11.990 Punkte, während der MDax 0,4 Prozent auf 23.420 Punkte stieg. Der TecDax legte 0,3 Prozent auf 1974 Punkte zu.

Am Mittwoch wird die US-Notenbank voraussichtlich den Leitzins anheben. Der stark ausgefallene Arbeitsmarktbericht vom Freitag habe auch den letzten Zweifel beseitigt, dass die US-Währungshüter in dieser Woche zur Tat schreiten, sagt Chris Weston vom Broker IG. Wichtiger sei allerdings, ob die Fed rasche weitere Schritte signalisiere, sagt Anlagestratege Masahiro Ichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui.

Eine Zinserhöhung durch die Fed um 25 Basispunkte gilt zwar als ausgemachte Sache, doch wollen sich viele Anleger offenbar nicht von einem womöglich überraschend großen Schritt oder Hinweisen auf das weitere Straffungstempo auf dem falschen Fuß erwischen lassen. Hinzu kommt die politische Unsicherheit: Ebenfalls am Mittwoch entscheiden die Niederländer, ob mit Geert Wilders ein Rechtspopulist in die Regierung einzieht. Am Donnerstag berichten dann die Notenbanker in Großbritannien und Japan über ihre künftige Geldpolitik.

In der Vorwoche hatte sich der deutsche Leitindex erneut mehrfach an der Marke von 12.000 Punkten die Zähne ausgebissen und letztlich ein halbes Prozent verloren. Der Dax sei bei den jüngsten Tiefs knapp über 11.900 Punkten gut unterstützt, sagte ein Händler und ergänzte:  "Auf diesem Niveau kamen zuletzt immer wieder Käufer an den Markt." Darunter sei das Gap bei 11.853,5 Punkten die nächste Auffangmarke. Zentraler Widerstand bleibe das Jahreshoch von 12.082,59 Punkten

Für ein wenig Unterstützung sorgte derweil der Eurokurs, der einen Teil seiner jüngsten Gewinne zum US-Dollar wieder abgab. Ein günstigerer Euro kann der Exportwirtschaft der Eurozone helfen.

Auch am deutschen Aktienmarkt heben sich rohstoffnahe Aktien von der unbewegten Tendenz in Europa ab. "Der schwache Dollar treibt alle Rohstoffaktien wie Minen- und Stahlwerte", sagte ein Händler. Mit plus 2,9 Prozent stach der Stoxx-Basic-Resources-Index heraus. In Deutschland stiegen Salzgitter um 2,7 Prozent und Aurubis um 1,3 Prozent. Im Dax legten Thyssen um 2,3 Prozent zu.

Auf Unternehmensseite spielen vor allem Bilanzen aus den hinteren Börsenreihen die größte Rolle. Eines der Zahlenkinder ist die RWE-Ökostromtochter Innogy. Sie verdiente im vergangenen Jahr zwar weniger, erreichte aber wie erwartet die eigenen Ziele. Ein Händler sagte, die Resultate seien etwas besser ausgefallen als gedacht.

Doch Aktionäre fanden ein Haar in der Suppe: Der Ausblick für einen Anstieg des bereinigten Nettoergebnisses auf über 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2017 liege zwar nahe ihrer Schätzung, aber etwas unter der durchschnittlichen Markterwartung, schrieb Analystin Tanja Markloff von der Commerzbank in einem Morgenkommentar. Der Aktienkurs rutschte nach einem freundlichen Auftakt schnell ins Minus, die Papiere schlossen 0,3 Prozent schwächer.

Investoren schauen vor allem auf das bereinigte Ergebnis, da es die Grundlage für die Berechnung der Ausschüttung bildet - und Innogy gilt in erster Linie als Dividendenwert. Da half es angesichts des Ausblicks offenbar wenig, dass die für 2016 angekündigte Dividende von 1,60 Euro je Aktie laut Analystin Markloff etwas über der durchschnittlichen Marktschätzung lag. Die Aktien von RWE - dem Hauptprofiteur der Ausschüttungen - fielen um 0,6 Prozent.

Ferner hatten die Anleger den Geschäftsbericht des Mobilfunkanbieters Telefonica Deutschland und die Jahreszahlen des Finanzdienstleisters Hypoport zu verarbeiten. Papiere des Mobilfunkanbieters Telefonica Deutschland verbilligen sich um 1,1 Prozent, Hypoport schlossen nahezu unverändert.

Wall Street: Anleger warten auf Fed

An der New Yorker Wall Street hielten sich die Anleger zu Wochenbeginn in Erwartung der Zinsentscheidung am Mittwoch zurückgehalten. Es wird zwar weithin damit gerechnet, dass die US-Notenbank (Fed) den Leitzins anheben wird. Mit Spannung warten die Märkte aber, ob Fed-Chefin Janet Yellen wegen der anziehenden Konjunktur eine aggressivere Geldpolitik signalisieren wird.

"Ich denke, alle Augen richten sich darauf, was die Fed macht und - noch wichtiger - was sie in ihrer Stellungnahme sagen wird", sagte Brant Houston, Geschäftsführer des Vermögensverwalters CIBC Atlantic Trust Private Wealth Management.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 0,1 Prozent tiefer und schloss bei 20.881 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 war 2372 Zählern auf Freitagsniveau. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg dagegen 0,2 Prozent auf 5876 Stellen.

Am US-Markt waren vor allem Pharmawerte unter Druck. Aktien der Gesundheitsbranche verbilligten sich im Schnitt um 0,3 Prozent. Es gebe eine Menge Unsicherheit in dem Sektor, erläuterte Houston. US-Präsident Donald Trump will die Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama zurücknehmen. Trumps Pläne sind aber auch unter den regierenden Republikanern umstritten.

Die Aktie des israelischen Kamera-Spezialisten Mobileye schoss 28,3 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen wird für rund 15 Milliarden Dollar vom Chip-Giganten Intel gekauft.

Die Intel-Aktie rutschte 2,1 Prozent ab. Intel will mit der Übernahme seine Position in der Zukunftstechnologie des autonomen Fahrens stärken. 2,8 Prozent im Plus notierten die Titel des Halbleiterproduzenten Nvidia, der ebenfalls an der Entwicklung einer solchen Technologie arbeitet.

Devisen: Euro steigt zum Franken

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Der Euro ist zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als vier Wochen gestiegen. Am Morgen legte die Gemeinschaftswährung bis auf 1,0710 US-Dollar zu, fiel dann aber wieder etwas zurück und tendierte am späten Abend 0,2 Prozent schwächer bei 1,0654 Dollar.

Marktbeobachter führen den stärkeren Euro unter anderem auf einen Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zurück.  Sie hatte am Freitag berichtet, dass im geldpolitischen Rat der EZB über eine mögliche Zinserhöhung vor dem Auslaufen des Anleihe-Kaufprogramms diskutiert worden war. Die Agentur berief sich auf mehrere EZB-Vertreter, ohne Namen zu nennen.

Zum Schweizer Franken kletterte der Euro zeitweise auf ein Drei-Monats-Hoch von 1,0825 Franken. Händler führten dies auch auf Eingriffe der Schweizerischen Notenbank (SNB) zurück. Sie scheine im Vorfeld der Wahlen in den Niederlanden  einen möglichst hohen Kurs anzupeilen, hieß es bei einer Bank.

Rohstoffe: Ölpreise sinken leicht

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Die Ölpreise stehen weiter unter Druck. Sie fallen nach ihrem jüngsten Einbruch weiter, von Erholung kann keine Rede sein. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligt sich zu US-Handelsschluss um weitere 0,2 Prozent auf 48,93 US-Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent um 0,1 Prozent auf 51,34 Dollar.

Ein erneuter Anstieg der Ölbohrlöcher in den USA habe die Preise weiter belastet, hieß es von Marktbeobachtern. Laut Daten der Ölausrüsterfirma Baker Hughes vom Freitagabend ist die Zahl der Bohrlöcher in der vergangenen Woche auf 617 gestiegen. Zum Vergleich: Zu Beginn des Jahres waren es nur 529. Es zeige sich immer deutlicher, dass die steigende Förderung in den USA, die Versuche anderer Ölproduzenten auf eine Verringerung der Ölschwemme, zunichte mache, heißt es im Handel.

Der Goldpreis drehte ins Minus und verlor 0,2 Prozent auf 1204 Dollar je Feinunze. Die Aussicht auf eine US-Zinserhöhung in der laufenden Woche schaffe wenig Anreize für Goldkäufe, so Beobachter.

Derweil verteuern der schwächelnde Dollar und Spekulationen auf einen Angebotsengpass Kupfer. Der Preis für eine Tonne des wichtigen Industriemetalls steigt zeitweise um bis zu 1,6 Prozent auf 5824 Dollar. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, hatte in den vergangenen Tagen rund ein Prozent verloren. Dadurch wird Kupfer für Investoren außerhalb der USA attraktiver.

Gleichzeitig dauert ein Streik in der weltgrößten Kupfermine Escondida in Chile an. Dort ruht seit etwa einem Monat die Arbeit. Die Gewerkschaft lehnte am Wochenende ein Angebot des Minenbetreibers BHP Billiton zur Wiederaufnahme der Tarifgespräche ab. Escondida liefert rund eine Million Tonnen Kupfer pro Jahr. Das entspricht fünf Prozent des weltweiten Angebots.

Asien: Wenig Bewegung in Tokio

Zum Start in die neue Woche lässt sich an den Börsen in Ostasien und Australien keine einheitliche Tendenz ausmachen. Übergeordnetes Thema ist auch hier die anstehende US-Notenbanksitzung, deren Ergebnis am Mittwoch bekannt gegeben wird. Bis dahin dürften sich die Anleger zurückhalten. Ansonsten bewegen lokale Faktoren die einzelnen Märkte.

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In Tokio ist es der schwächere Yen, der vor allem den Aktien exportorientierter Unternehmen Auftrieb gibt. Überraschend schwache Daten zu den Auftragseingängen der japanischen Maschinenbauer werden ignoriert. Der Nikkei-225-Index steigt um 0,1 Prozent auf 19.629 Punkte.

Der rohstofflastige Aktienmarkt in Sydney leidet unter den jüngsten Preisrückgängen bei Rohstoffen. Für den S&P/ASX-200 ging es um 0,3 Prozent nach unten. Die Börse in Seoul fällt mit einem kräftigen Plus von 1 Prozent auf. Dort wird das nunmehr formal eingeleitete Amtsenthebungsverfahren gegen die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye mit Erleichterung aufgenommen.

In Shanghai legen die Kurse im Schnitt um 0,5 Prozent zu. An der Börse in Hongkong steigt der Hang-Seng-Index um 1,2 Prozent, gestützt vom Kursgewinn des Schwergewichts HSBC. Die Aktien der Bank verteuern sich um 2,2 Prozent. Die Bank hat mit Mark Tucker erstmals einen externen Kandidaten zum neuen Chief Executive ernannt. Auch andere in Hongkong gelistete chinesische Banken legen zu, nachdem Goldman Sachs sich positiv zu den Ertragsaussichten der Geldhäuser geäußert hat. China Construction Bank gewinnen 3 Prozent, Bank of China 2,3 Prozent und Agricultural Bank of China 2,6 Prozent. Die ebenfalls schwergewichteten Aktien von Tencent verbessern sich um 1,1 Prozent. Hier stützen Erwartungen, dass das chinesische Internetunternehmen überzeugende Geschäftszahlen vorlegen wird.

Quelle: n-tv.de

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