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Marschieren die Anleger zu früh los?
Marschieren die Anleger zu früh los?(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 19. Mai 2017

Wall Street legt weiter zu: Dax erholt sich von US-Polit-Chaos

Anleger haben die Querelen um den US-Präsidenten vorerst hinten angestellt. Experten warnen, der nächste Akt im Trump-Drama könnte unmittelbar bevorstehen. Dennoch erholen sich die Aktienmärkte weiter. Dax und Dow Jones schließen im Plus.

Der Deutsche Aktienmarkt hat sich am letzten Handelstag der Woche wieder etwas vom Kursverfall der vergangenen Tage erholt. Auch an der die Wall Street standen die Zeichen im frühen Handel auf Grün. Das von US-Präsident Donald Trump losgetretene Polit-Chaos hatte die Aktienmärkte tagelang verunsichert.

Der Dax ging mit einem Plus von 0,3 Prozent und 12.638 Punkten in den Feierabend. Insgesamt ist das eine negative Wochenbilanz an. Am Dienstag hatte der Leitindex bei 12.841 Punkten zwar ein Rekordhoch erreicht, war danach aber um rund 2 Prozent abgesackt.

Der MDax legte 1,5 Prozent auf 25.025 Punkte zu. Für den TecDax ging es 1,1 Prozent auf 2221 Zähler aufwärts. Auch die europäischen Börsen tendierten freundlich: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,6 Prozent auf 3585 Punkte vor.

"Nach der anfänglichen Aufregung bezüglich der chaotischen Zustände im Weißen Haus scheinen sich die Gemüter der Marktteilnehmer wieder zu beruhigen", sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Börsianer warnten aber auch vor verfrühtem Optimismus. "Der Skandal in Washington ist nicht verschwunden und auch nicht die Nervosität von Anlegern. Ein zu früher Wiedereinstieg könnte sich als teuer erweisen", sagte David Madden, Marktanalyst vom Broker CMC Markets. Besonders der steigende Euro könne sich auf Dauer negativ für die Aktienmärkte auswirken, europäische Waren würden im Welthandel teurer und die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Firmen sinke.

Die Gemeinschaftswährung notierte zeitweise fast ein halbes Prozent fester bei 1,1143 Euro. Solche Niveaus gab es zuletzt vor der Wahl Trumps im November 2016. Seither war vor allem der Dollar gefragt, weil Anleger auf einen Wirtschaftsboom in den USA spekulierten. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die Steuern zu senken und mehr Geld auszugeben für Infrastrukturprojekte. Mittlerweile scheint aber auch in den Euro-Dollar-Handel wieder Ruhe einzukehren.

Auch n-tv.de-Börsenexperte Saniel Saurenz warnte vor der Unberechenbarkeit "politischer Börsen". Der Dax habe einen ersten Warnschuss bekommen. "Das Fazit für die nächsten Wochen muss lauten, dass die politischen Börsen erst einmal bleiben. Sprichwörtlich sind ihre Beine zwar kurz, doch diesmal haben die politischen Börsen verdammt lange Beine. Eine mögliche Amtsenthebung Donald Trumps könnte den gesamten Trump-Trade / Trump-Call rückabwickeln." Der jüngste Rutsch sei kein Beben, sondern nur ein laues Korrekturlüftchen gewesen, das kommende Woche noch weiter wehen könnte.

Bei den Einzeltiteln führten K+S mit einem Plus von 3,6 Prozent die Gewinnerliste im Nebenwerteindex MDax an. Anleger spekulierten nach Aussagen von Händlern auf einen Börsengang des Salzgeschäfts. Zudem berichtete der Platow-Brief über eine geplante Kapitalerhöhung, die ausschließlich von einem Finanzinvestor gezeichnet werden solle.

Ein Bericht über eine mögliche Allianz der Energie-Versorger RWE und Engie trieb die Aktien von RWE um 544 Prozent in die Höhe. Die Titel waren damit die mit Abstand größten Gewinner im Dax. Laut Insidern erwägt RWE, seine Beteiligung an der Ökostromtochter Innogy an Engie abzugeben. Die Essener würden im Gegenzug eine Beteiligung an dem französischen Konzern erhalten. Innogy-Aktien legten im MDax 3,4 Prozent zu.

Die Titel des RWE-Konkurrenten Eon gewannen 3,2 Prozent. Hier sorgte vor allem eine Umstufung für Bewegung: Morgan Stanley erhöhte das Kursziel auf 18 von 15,50 Euro erhöht.

Thyssenkrupp notierten nach einer Berg- und Talfahrt 0,3 Prozent höher. Hier schwankten die Hoffnungen auf einen Großauftrag für den Bau von fünf Korvetten im Wert von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die Vergabekammer des Bundeskartellamtes hatte ihn nach Beschwerden des libanesischen Konkurrenten German Naval Yards gestoppt.

Kursbewegende Analystenstimmen gab es auch zu anderen Titeln: Berenberg nahm bei Hypoport eine sehr deutliche Erhöhung vor: Das Kursziel wurde auf 154 von 105 Euro angehoben und die Kaufempfehlung bekräftigt. Die Aktie profitierte davon mit plus 12,5 Prozent.

Goldman Sachs äußerte sich ferner positiv zu Wirecard und hob das Kursziel auf 67 Euro an. Die Aktien legten daraufhin 2,8 Prozent zu.

Auch bei Morphosys ging es deutlich mit 3,4 Prozent deutlich nach oben. Hier wurde der erfolgreiche und vorzeitige Abschluss des ersten Teils einer klinischen Phase-1-Studie bekanntgegeben.

Fiat Chrysler erholten sich um 3,7 Prozent von einem Kurseinbruch, den die Aktie nach Berichten erlitten hatte, das US-Justizministerium bereite schon eine Klage wegen Emissionsvorwürfen vor.

Wall Street: Stabilisierung setzt sich fort

Die Stabilisierung der Aktienkurse an der Wall Street hat sich verfestigt. Die Akteure an den Finanzmärkten besannen sich wieder etwas mehr auf die Fundamentaldaten und die positiven Aussichten für die US-Konjunktur, während sich die politischen Wogen zumindest etwas glätteten. Für Optimismus sorgten auch die weiter anziehenden Öl- und Rohstoffpreise.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,7 Prozent auf 20.805 Punkte, der S&P-500 zog ebenfalls um 0,7 Prozent an und der Nasdaq-Composite erholte sich um weitere 0,5 Prozent. Im Verlauf waren die Gewinne schon größer gewesen, ehe die Anleger im späten Geschäft etwas der Mut verließ.

Auf Wochensicht gaben die Indizes trotz der Erholung nach, worin sich widerspiegelt, dass die Hoffnung einen Dämpfer bekommen hat, dass der politisch angeschlagene US-Präsident seine Versprechen Steuerreform und Infrastrukturprogramm in absehbarer Zeit wird umsetzen können.

Bei den Einzelwerten büßten Gap 3,9 Prozent ein. Der Bekleidungseinzelhändler hatte mit dem flächenbereinigten Umsatzwachstum die Erwartungen der Analysten zwar übertroffen, allerdings rechnet Gap nur noch mit einer unveränderten Anzahl von Ladengeschäften, zuvor war noch ein Anstieg in Aussicht gestellt worden.

Nach verfehlten Markterwartungen im ersten Quartal brachen die Titel des Sportartikelherstellers Foot Locker um 16,7 Prozent ein. Erst am Dienstag hatten enttäuschende Geschäftszahlen von Dick's Sporting Goods für teils starke Kursverluste bei Aktien von Sportartikelherstellern und -verkäufern gesorgt. Dick's verloren nun 1,4 Prozent.

Asien: Märkte stabilisieren sich

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Auch die asiatischen Börsen reagierten am Ende der Handelswoche verunsichert durch die politischen Turbulenzen um Trump. Marktexperten sagten, die Aussichten für Trumps Pläne zur Ankurbelung der Wirtschaft seien unklar. Der Präsident warnte vor einer Beschädigung der Vereinigten Staaten durch die Einsetzung eines Sonderermittlers in der Russland-Affäre.

Händlern zufolge verhielten sich die Anleger in Asien auch wegen der kommende Woche anstehenden Ereignisse vorsichtig. Sie hätten dabei vor allem die Anhörung des Ex-FBI-Chefs James Comey im US-Senat im Blick und die Opec-Tagung in Wien.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans war gegenüber dem Vortag kaum verändert. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,19 Prozent höher bei 19590 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,3 Prozent auf 1559 Zähler.

Im Fokus standen die Aktien des Autozulieferers Takata, die 20 Prozent nach oben schossen. Im Rechtsstreit um defekte Takata-Airbags hatten sich vier Autobauer in den USA auf einen Vergleich mit Sammelklägern verständigt. Die Börsen in China lagen lange Zeit im Minus, drehten nach dem Börsenschluss in Tokio aber in den grünen Bereich.

Devisen: Euro wenig verändert

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Am Devisenmarkt ging das Auf und Ab zwischen US-Dollar und Euro auf niedrigem Kursniveau weiter. Hatte der Greenback am Vortag noch aufgewertet, kam er am Freitag nun wieder deutlich zurück. Die US-Regierung habe sich von ihrer scharfen Rhetorik in Sachen Handelsbeziehungen verabschiedet, sagte Devisenanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Sollte sich daran nichts ändern, bekomme der Greenback von dieser Seite keine Unterstützung.

Der Euro kletterte auf 1,1190 Dollar nach Wechselkursen knapp unter der Marke von 1,11 am Vorabend. Zuletzt präsentierte sich die Gemeinschaftswährung im Oktober 2016 derart fest.

Der Kurs des brasilianischen Real, der am Vortag zeitweise deutlich abgerutscht war, stabilisierte sich etwas. Nach Enthüllungen um Schweigegeldzahlungen und eine Behinderung von Justizermittlungen in einem Korruptionsskandal bangt Brasiliens Präsident Michel Temer um sein Amt.

Rohstoffe: Öl und Gold teurer

Die weiter steigenden Erdölpreise führten Markteilnehmer in erster Linie auf Spekulation zurück, dass sich die Opec-Länder in der kommenden Woche dem Vorschlag Russlands und Saudi-Arabiens anschließen und eine zeitliche Verlängerung der Förderkürzung zur Stützung der Preise beschließen werden. Dass die Zahl der aktiven Erdölförderanlagen in den USA in der zurückliegenden Woche zum 18. Mal in Folge gestiegen, wie die freitägliche Erhebung des Erdöl-Service-Unternehmens Baker Hughes im späten Handel zeigte, sorgte nur kurz für etwas abbröckelnde Preise. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich im Vergleich zum Vortag um zwei Prozent auf 50,35 Dollar und im Vergleich zur Vorwoche um über 5 Prozent.

Das Gold profitierte etwas vom schwächeren Dollar und machte einen Teil der Vortagesverluste wieder wett mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 1254 Dollar im späten US-Handel. Über die ganze Woche betrachtet profitierte das Gold von seinem Ruf als sicherer Hafen in Unsicherheitsphasen und verteuerte sich um rund zwei Prozent.

Quelle: n-tv.de

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