Keine Besserung in Sicht: Dax bricht ein
Von einer "Katastrophe" spricht ein Händler, nachdem er einen Blick auf die deutlich unter den Erwartungen ausgefallenen Arbeitsmarktdaten aus den USA wirft. Das sieht der restliche Markt auch so, der Dax baut seine Verluste deutlich aus. Zuvor hatten bereits schwache Daten aus dem Euroraum die Stimmung getrübt.
Related contentAusverkauf am deutschenAktienmarkt: Nach weltweit schwachen Konjunkturdaten ist der Dax am letztenHandelstag der Woche regelrecht eingebrochen. Der Leitindex ging mit einem Minusvon 3,4 Prozent oder 214 auf 6.050 Punkten aus dem Handel und zeigte sich damitsehr schwach. Die wichtige 200-Tage-Linie bei 6.211 wurde praktisch widerstandslosdurchbrochen. Damit hat sich das technische Bild für den Dax merklich eingetrübt,was weitere Verluste in der nahen Zukunft erwarten lässt.
Schwache Konjunkturdatenaus China und anderen asiatischen Ländern bildeten bereits am Morgen keinen gutenAuftakt in den Handelstag. Der Verkaufsdruck intensivierte sich allerdings signifikantmit der Bekanntgabe eines sehr schwachen Arbeitsmarktberichts aus den USA am Nachmittag.Außerhalb der Landwirtschaft wurden in den USA im Mai nur 69.000 neue Stellen geschaffen,erwartet wurde aber ein Plus von 155.000. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf8,2 Prozent. Prognostiziert wurde ein unveränderter Wert von 8,1 Prozent.
Ein Händler sprach von einer"Katastrophe" mit Blick auf die Daten. Schockierend sei auch die Revisionaus dem Vormonat. Im Handel stiegen nach den Daten die Spekulationen, dass die US-Notenbankschon bald eine neue Runde quantitativer Lockerung einleiten wird. "Die Diskussionüber Quantitative Easing (QE) innerhalb der Fed wird sich nach diesen Daten intensivieren",sagte Thomas Amend, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Im Juni sei zwarnoch nicht mit neuen Maßnahmen zu rechnen, verbal könnte US-Notenbankchef Ben Bernanke aber bereitsdurchaus aktiv werden.
Der nur leicht unter denErwartungen gebliebene ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe aus den USA rundetedas Schreckensbild ab. Derweil schwelt die Schuldenkrise in der Eurozone weiter.Dass sich die Iren mit einer deutlichen Mehrheit für den Fiskalpakt ausgesprochenhaben, spielte an den Märkten keine Rolle. Im Blickpunkt stehen ohnehin Spanienmit der Gefahr eines insolventen Bankensektors und Griechenland mit den anstehendenNeuwahlen. "Zu der Schuldenkrise in der Eurozone gesellen sich nun auch nochKonjunkturängste", fasste ein Händler die Stimmung zusammen.
Unternehmensnachrichtenspielten in dem Umfeld keine Rolle. Bei den Einzelwerten im Dax zeigte sich eintiefrotes Bild: Quer durch alle Branchen verloren die Aktien massiv an Wert. ImHandel war von wahllosen Verkäufen die Rede. Größte Verlierer waren Infineon miteinem Minus 5,7 Prozent auf 6,02 Euro und Deutsche Bank mit Abgaben von 6,7 Prozentauf 27,15 Euro. Zykliker kamen unter die Räder: Daimler verloren 5,1 Prozent auf35,52 Euro, BMW 3,9 Prozent auf 58,72 Euro oder BASF 4,1 Prozent auf 54,06 Euro.
Als einiger Dax-Wert konntensich MAN dem Abwärtstrend entziehen. Die Titel gewannen 2,2 Prozent auf 79,07. Händlerverwiesen auf Medienberichte, denen zufolge VW einen umfangreichen Konzernumbauplant, um die angestrebte Allianz zwischen den Lkw-Töchtern MAN und Scania in Schwungzu bringen. "Damit würden für beide Seiten die Synergien bei Einkauf und Produktentwicklungfür die nächste Truck-Generation näher rücken", sagte LBBW-Analyst Frank Biller.In Stockholm zogen Scania um fast drei Prozent an.
Quelle: n-tv.de