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Neues Hoch im Dow Jones: Dax-Hoffnungen zerschellen an 10.800

Der Wahlsieg Trumps befeuert weiter die Kauflaune der Anleger. Am deutschen Aktienmarkt reicht das für einen Dax-Angriff auf den Widerstand bei 10.800 Punkten. Danach ist die Luft schlagartig raus. Der Dow meldet dagegen wieder: Rekord.

Damit es eine Jahresendrally am deutschen Aktienmarkt gibt, muss der Dax den Widerstand bei 10.800 Punkten durchbrechen. Der deutsche Leitindex hat es zum Start in die neue Handelswoche wieder einmal versucht - und ist erneut gescheitert. Am Handelsende stand aber ein Plus in den Büchern. Ausschlaggebend dafür war ein neuer Rekordstand an der Wall Street und ein Mehrmonatstief beim Euro.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent und 10.694 Punkten aus dem Handel. Das Tageshoch markierte er bei 10.802 Zählern - und damit oberhalb des charttechnischen Widerstands von 10.800. Am Freitag war er leicht fester aus dem Handel gegangen. Der MDax schloss 0,1 Prozent im Minus bei 20.368 Stellen. Der TecDax gab 0,4 Prozent auf 1688 Punkte nach.

Konjunktur: "Make America great again"

Der Dax testete damit erneut die obere Begrenzung der ausgebildeten Seitwärtsspanne im Bereich von 10.200 bis 10.830 Punkten. Für die nächsten Handelstage gilt: Sollte er das bisherige Jahreshoch bei 10.827 Punkten herausnehmen, könnte das den Startschuss zu einer Jahresendrally geben. Allerdings war der Index bereits mehrfach im Bereich zwischen 10.700 und 10.830 gescheitert. Damit bildet die Zone einen dicken Broken auf dem Weg nach oben.

Der schwache Euro fungierte zum Wochenstart aber als ein wesentlicher Impulsgeber. Während in den vergangenen Quartalen vor allem EZB-Chef Mario Draghi die Währung schwächte, ist es momentan der zur Stärke tendierende Dollar. Der designierte US-Präsident Donald Trump verfolgt mit seinem "Make America great again" eine Stärkung der heimischen Wirtschaft, von der der Dollar profitieren sollte. Zudem dürfte die US-Notenbank im Dezember die Leitzinsen anheben, was ebenfalls für den Dollar spricht.

Investoren richteten ihre Aufmerksamkeit deshalb auch auf die Auftritte zweier US-Notenbanker am Abend (MESZ) - also nach Börsenschluss hierzulande. Von ihren Aussagen erhoffen sie sich Hinweise auf das Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen.

Devisen: Euro im Abwärtstaumel

Der Euro blieb deutlich unter Druck. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0728 Dollar. Das war ein Abschlag von 1,1 Prozent zum Freitagabend. Im Tief lag der Euro sogar bei 1,0708 Dollar. Weniger hatte der Euro zuletzt im Dezember 2015 gekostet, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die US-Notenbank Fed erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins anheben würde. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0777 Dollar fest nach noch 1,0904 Dollar am Freitag.

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Der Höhenflug des Dollar ist aus Sicht von Experten überraschend, weil viele Analysten im Falle eines Wahlsiegs des Republikaners Trump eine Dollarschwäche prognostiziert hatten. Doch von der erwarteten Panikreaktion an den Finanzmärkten ist nichts zu sehen. Vielmehr stehen seither auch der japanische Yen und der Schweizer Franken unter Druck. Beide Währungen gelten unter Anlegern als typische sichere Häfen in unsicheren Zeiten.

Trump hatte unter anderem massive Steuersenkungen und höhere Ausgaben für die landesweite Infrastruktur versprochen. Es gilt als denkbar, dass dadurch die Konjunktur und die Inflation angeschoben werden. Derartige Erwartungen spiegeln sich am Kapitalmarkt wider, wo die Zinsen für amerikanische Staatsanleihen stark gestiegen sind. Davon profitiert der US-Dollar. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die US-Notenbank im Dezember an den Finanzmärkten als sehr hoch eingeschätzt wird.

Dax: RWE unter Druck

Der schwache Euro lieferte dem Aktienmarkt positive Impulse.. RWE half das allerdings nicht, die Papiere schlossen mehr als 2,5 Prozent schwächer und waren damit der schwächste Titel im Leitindex. Das operative Ergebnis des Energiekonzerns war in den ersten neun Monaten um rund ein Fünftel gesunken. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte RWE. Im Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung, das RWE angesichts der niedrigen Börsenstrompreise in den vergangenen Jahren große Probleme bereitet hatte, gab es Verbesserungen. Als "schwach" bezeichneten Händler gleichwohl die RWE-Zahlen. Operativ sei es nicht wie erhofft gelaufen, und der Jahresüberschuss habe die Erwartungen verfehlt.

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Die weiter um sich greifende Abgasaffäre bremste den Aktienkurs von VW, die Titel gaben etwa 0,3 Prozent ab.  Volkswagen und Audi hatten am Wochenende bestätigt, dass mit Behörden in den USA als auch in Europa über einen potenziellen neuartigen Emmissionsbetrug im Zusammenhang mit einem Schaltprogramm in Audi-Automatikgetrieben gesprochen werde. Auch Audi soll eine Schummel-Software eingesetzt haben. Die US-Umweltbehörde EPA soll deswegen eine Untersuchung eingeleitet haben. Im Handel sprach man von einer "hässlichen" Entwicklung für VW, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Die Banken konnten ihre Rally dagegen fortsetzen. Deutsche Bank gewannen fast 4 Prozent. Commerzbank sogar mehr als 6 Prozent. Der Stoxx-600-Banken-Index war in der Vorwoche aus seinem Abwärtstrend bereits ausgebrochen. Angesichts der extremen Kursverluste im vergangenen Jahr, der nun laufenden Versteilerung der Zinskurve und zusätzlich der Aussicht auf eine weniger strenge Regulierung billigten ihm Marktteilnehmer ein Erholungspotenzial von rund 30 Prozent auf Jahressicht zu. "Die Banken setzen auf steigende Zinsen", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. "Im Dax gehören sie aber nicht mehr zu den Schwergewichten:"

Siemens zogen mehr als 1 Prozent an. Die Münchener wollen das Software-Unternehmen Mentor Graphics für eine Milliardensumme schlucken. Mentor programmiert Software für die Halbleiterentwicklung.

MDax: PBB mit satter Dividendenrendite

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Als "sehr stark" werteten Händler die Zahlen der Deutschen Pfandbriefbank (PBB), die Titel schlossen rund 7,5 Prozent fester.. "Die Zahlen sind sehr gut und zudem dürfte die Aussicht auf eine hohe Sonderdividende beflügeln", so ein Händler. Wenn die Pressespekulationen über eine Summe der Dividendenzahlungen von 1,00 Euro korrekt seien, würde die Dividendenrendite bei extrem hohen 10 Prozent liegen. Dazu sei die Kernkapitalquote der Bank sehr stark.

USA: Neues Hoch beim Dow

Die Trump-Rally setzte sich zunächst auch an der Wall Street fort - deutlich abgeschwächt allerdings, denn Anleger nahmen erste Gewinne mit. "Binnen einer Handelswoche hat der Dow mehr als 1000 Punkte zugelegt. Das ist der größte Zuwachs seit 2008", kommentierte Börsenexperte Markus Koch. Im Handelsverlauf zeigten sich die Märkte allerdings uneinheitlich.

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  Der Dow-Jones-Index erhöhte sich um 0,1 Prozent auf 18.869 Punkte und schloss erneut auf einem Rekordstand. Der S&P-500 lag unverändert bei 2.164 Punkten. Für den Nasdaq-Composite ging es um 0,4 Prozent auf 5.218 Punkte nach unten. .

Auf Unternehmensseite sorgten vor allem Übernahmen für Gesprächsstoff. Samsung will den Autozulieferer Harman für 8 Milliarden Dollar kaufen. Je Aktie zahlen die Südkoreaner 112 Dollar in bar, ein Aufschlag von 28 Prozent auf den Schlusskurs von Harman vom Freitag. Die Harman-Aktie sprang um 25,2 Prozent auf 109,72 Dollar. Harman gilt als Pionier im Audiobereich und zählt General Motors und Fiat zu seinen Kunden.

Siemens will den Industriesoftwareanbieter Mentor Graphics für 4,5 Milliarden Dollar schlucken. Der Kaufpreis je Mentor-Aktie beträgt damit 37,25 Dollar in bar, was einem Aufschlag von 21 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag entspricht. Das Mentor-Management unterstützt das Übernahmeangebot. Für Mentor ging es um 18,3 Prozent nach oben auf 36,29 Dollar.

Rohstoffe: Ölpreis fängt sich nicht

Am Ölmarkt fielen die Preise zunächst weiter, konnten im Verlauf mit dem leicht schwächelnden Dollar einen Großteil ihrer Verluste aber wieder aufholen. WTI schloss sogar im Plus. Übergeordnet drückte aber weiter die verbreitete Skepsis, dass sich die Ölförderstaaten in Kürze tatsächlich auf eine Begrenzung werden einigen können. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg zum US-Settlement um 0,2 Prozent auf 43,32 Dollar. Brent reduzierte sich um 0,7 Prozent auf 44,43 Dollar, den niedrigsten Stand seit dem 10. August.

An der Lage am Ölmarkt hatte sich in den vergangenen Wochen wenig geändert. Einem rekordhohen Angebot vieler Förderländer steht nach wie vor eine moderat steigende Nachfrage gegenüber. Die Strategie des Ölkartells Opec, aufstrebende US-Produzenten mit einem Preiskampf aus dem Markt zu drängen, geht nach wie vor nicht auf. Während die Staatshaushalte vieler Opec-Staaten mangels ausreichender Öleinnahmen hoch defizitär sind, haben die Schieferölproduzenten aus den USA ihre Aktivitäten wieder ausgeweitet.

Asien: Kurse steigen

Die Kursgewinne des Dollars hievten auch in Asien die Kurse nach oben. Der Tokioter Nikkei-Index schloss 1,7 Prozent höher bei 17.673 Punkten. Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs zwischen Juli und September auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 Prozent, während Analysten nur ein Plus von 0,9 Prozent erwartet hatten.

Der Shanghai Composite kletterte dagegen 0,4 Prozent auf 3210 Zähler. Gegen den Trend ging es mit den Notierungen des S&P/ASX200 in Sydney um 0,5 Prozent nach unten. Trotz eines Erdbebens in Neuseeland am Wochenende der Stärke 7,8 steigt die Börse in Auckland 0,6 Prozent auf 6738 Punkte. Der MSCI-Index für Aktien aus der Region Asien/Pazifik ohne Japan verlor indes mehr als 1 Prozent. Hier belastete die Angst vor möglichen Mittelabflüssen.

In Tokio stiegen Immobilienaktien. Wie jüngsten BIP-Zahlen zu entnehmen war, sind die Investitionen am Immobilienmarkt in einem Umfeld weiter fallender Zinsen gestiegen. Davon profitierten Aktien aus dem Sektor: Mitsui Fudosan legten 4,8 Prozent zu, Mitsubishi Estate 2,2 Prozent und Sumitomo Realty & Development 3,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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