Montag, 26. Juli 2010
Tag 1 nach dem Stresstest
Dax-Future startet im Plus
Die Belastungsprobe im Bankensektor scheint auch am deutschen Aktienmarkt die angestrebte Wirkung zu entfalten: Nach einem Wochenende mit ausreichend Lektüre sehen Analysten, Anleger und Händler einem freundlichen Start in die neue Woche entgegen.
Der Dax-Future ist am Montag mit einem Plus in den Handel gestartet. Er stieg in den ersten Handelsminuten um 37 Zähler auf 6211 Punkte. Nach Einschätzung von Banken und Brokern dürfte der Dax mit 6204 Punkten 0,6 Prozent höher eröffnen. Am Freitag hatte er mit 0,4 Prozent auf 6166 Zähler knapp im Plus geschlossen. Der Bund-Future gab im Gegenzug 27 Ticks auf 128,06 Punkte nach. Der Euro kostete 1,2920 Dollar nach 1,2904 Dollar im späten US-Geschäft am Freitag. Ein Barrel WTI verteuerte sich um 0,1 Prozent auf 79,06 Dollar.
Positive Vorgaben kamen aus den USA, wo die Börsen am Freitag nach Handelsschluss in Europa noch einmal zugelegt hatten. Der Dow-Jones-Index stieg am Freitag um ein Prozent, nachdem er zuvor 0,2 Prozent im Plus gelegen hatte. Der S&P500 legte 0,8 Prozent, der Nasdaq-Composite 1,1 Prozent zu.
Die Börsen in Asien notierten zu Wochenbeginn ebenfalls im Plus: In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,8 Prozent im Plus bei 9503 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,6 Prozent auf 845 Punkte. Südkorea, Hongkong, Taiwan und Shanghai verbuchten ebenfalls Gewinne. Lediglich Singapur notierte leicht im Minus.
"Der Stresstest hat alle Erwartungen erfüllt", sagte ein Händler mit Blick auf den Handelsstart in Europa. Die vergleichsweise laxen Kriterien, die durchgesickert waren, seien bereits im Vorfeld bemängelt worden. Kritisiert wurde zum Beispiel, dass nur die in den Handelsbüchern befindlichen Bestände, nicht die in den Anlagebeständen, dem Test unterzogen wurden. Finanzexperten hatten daneben weitere Schwachstellen des Stresstests aufgedeckt. Einzelne Beobachter fürchteten, nach der glimpflich abgelaufenen Aktion könne der Reformwillen erlahmen.
Mit der Hypo Real Estate (HRE), so war am Markt zu vernehmen, habe in Deutschland eine Bank die Kriterien nicht erfüllt, die bereits alle Weichen gestellt habe, problematische Vermögenswerte in Höhe von 210 Mrd. Euro an eine Abwicklungsanstalt der Soffin zu übertragen. Hätte der Test zu einem späteren Zeitpunkt stattgefunden, hätte auch die HRE mit der zudem geplanten Kapitalerhöhung die Kriterien erfüllt, hieß es.
Im Vorfeld der Veröffentlichung war dagegen die Situation bei der Deutschen Postbank als kritisch angesehen worden. Diese habe nun mit einer Kernkapitalquote von 6,6 Prozent die Hürde gemeistert, davon könnte die Aktie profitieren, hieß es aus dem Handel.
Nach der Abarbeitung der Ergebnisse des Stresstests dürfte die nun auch in Deutschland anlaufende Berichtssaison stärker in den Vordergrund treten. In den USA haben bereits zahlreiche Unternehmen ihre Zahlen für das abgelaufene Quartal vorgelegt, und bei 80 Prozent der gemeldeten Ergebnisse die Markterwartung übertroffen. "Dies ist ein sehr gutes Ergebnis und sollte die Märkte noch ein wenig beflügeln", erwartet ein weiterer Händler.
Ein Rücktritt von BP-Chef Tony Hayward würde nach Einschätzung aus dem Handel keinen großen Kurstreiber für BP darstellen. Laut verschiedenen Medienberichten steht der Rücktritt von Hayward unmittelbar bevor. Während ein Händler mit einer leicht positiven Reaktion rechnete, wertete ein anderer die Meldungen als neutral.
"Dass es früher oder später zu einem Wechsel an der Spitze des Konzerns kommen wird ist klar und sollte weitestgehend eingepreist sein", hieß es. Die Aktie notiert derzeit um den Widerstandsbereich von 400 Pence, bei einem nachhaltigen Überwinden würde sich Potenzial bis 450 Pence ergeben.
Technische Hoffnungen
Mit einem freundlichen Handelsstart dürfte der Dax einen weiteren Schritt in Richtung des charttechnischen Widerstandes bei 6200 Punkten machen, prognostizierten charttechnisch orientierte Beobachter. Ein Händler verwies darauf, dass jüngst einige Aufwärtsbewegungen an dieser Marke zum Auslaufen gekommen seien.
"Der Dax unternimmt dieses Jahr bereits den 5. Versuch, die 6200 längerfristig herauszunehmen", sagte ein anderer Händler. Eine Herausnahme der Widerstandes bringe weiteres Aufwärtspotenzial in Richtung des Jahreshochs bei 6341 Punkten vom 26. April. Ansonsten drohe ein Verbleib in der Seitwärtsbox bei 5800 bis 6200 Punkten.
DJ/rts