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Wall Street schließt im Minus: Dax-Erholung endet abrupt

370 Punkte Plus an zwei Handelstagen, 2,3 Prozent Wochengewinn - das war einmal. Neue Woche, neues Glück? Der Auftakt geht im Dax schwer daneben. Ein Schuldiger ist schnell gefunden - und altbekannt.

Der deutsche Aktienmarkt hat am ersten Tag der neuen Handelswoche seinen seit Donnerstag dauernde Aufwärtstendenz beendet. "Die Börse ist derzeit nichts für Anleger mit schwachen Nerven", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Einem positiven Handelsstart war ein Abrutschen ins Minus gefolgt, dann fing sich der Markt, ehe er wieder drehte. Der Dax schloss im Minus.

Am Ende stand beim Dax ein Abschlag von 0,3 Prozent auf 9736 Punkte. Sein Tageshoch markierte er bei 9800 Zählern, das Tagestief bei 9686 Stellen. Am Donnerstag und Freitag war der Leitindex insgesamt um 370 Punkte geklettert. Der MDax verbesserte sich 0,3 Prozent auf 19.280 Stellen. Der TecDax sprang 1,2 Prozent auf 1688 Zähler an.

Nur leicht belastend wirkte sich der Ifo-Index aus. Die Stimmung in den deutschen Chefetagen trübte sich zum Jahresstart merklich ein. 107,3 Punkte waren deutlich weniger als von Volkswirten erwartet. Laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn blickt die deutsche Wirtschaft "erschreckend" ins neue Jahr. Auch nach dem desaströsen Börsenstart ins neue Jahr "ist es zu früh, um sagen zu können, wir haben die Tiefs gesehen", warnte deshalb auch Investmentstratege Shane Oliver von AMP Capital.

Rohstoffe: Ölpreis auf Berg- und Talfahrt

Eine Berg- und Talfahrt vollführte der Ölpreis. In der Nacht war er s über die 32-Dollar-Marke geklettert, hatte dann sogar kurzzeitig die 33er Marke geknackt. Gestützt wurde der Preis Börsianern zufolge auch vom Kälteeinbruch und dem Schneesturm in den USA. Dieser treibt den Bedarf für Heizenergie in die Höhe. Am Mittag kippte die Stimmung aber, der Preis kam zurück:  US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich zum US-Settlement um 5,8 Prozent auf 30,34 Dollar. Im elektronischen Handel rutschte der WTI-Preis dann wieder unter die Marke von 30 Dollar. Europäisches Referenzöl der Sorte Brent fiel um 5,2 Prozent auf 30,50 Dollar.

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Der rasche Markteintritt Irans belastete: "Dass sie so schnell liefern werden, hatte man wohl nicht so auf dem Radar", sagte ein Händler mit Verweis auf Hellenic Petroleum, die als erstes europäisches Unternehmen einen Abnahmevertrag mit der staatlichen iranischen Ölgesellschaft unterzeichnet hatte.

Dax: BASF und die Banken

BASF waren mit einem Abschlag von mehr als 2,5 Prozent einer der schwächsten Werte im Dax. "Grund ist, dass die Aktie fast nur noch nach dem Ölpreis gehandelt wird", sagte ein Händler: "Seit über zwei Wochen ist das dicht dran an einer perfekten Korrelation." Wegen der erneuten Abwärtskorrektur der Ölpreise falle daher auch BASF. Fundamental sei der Zusammenhang gerechtfertigt, da über die BASF-Tochter Wintershall rund 20 Prozent des Umsatzes direkt am Ölpreis hingen und die chemische Grundindustrie indirekt. 

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Am deutschen Aktienmarkt blickten die Anleger zudem wieder auf den Bankensektor. Deutsche Bank lagen sehr schwach im Markt, die Titel büßten fast 6 Prozent ein, waren schwächster Wert im Dax. "Der Abwärtstrend setzt sich fort", sagte ein Händler. Eingesetzt habe der Verkaufsdruck mit den schwachen Geschäftszahlen. Übergeordnet stehe allerdings die gesamte Branche unter Druck. Commerzbank gaben mehr als 4 Prozent nach.

SAP half eine Kaufempfehlung der Commerzbank. Der Kurs stieg 0,7 Prozent. Deutsche Börse präsentierten sich ebenfalls stark, gewannen 1,3 Prozent. Händler verwiesen darauf, dass RBC Capital die Aktie erhöht hat, und zwar auf "Outperform" nach "Marketperform". "Das bringt vor allem die günstige Umsatzentwicklung ins Bewusstsein", sagte ein Händler.

Autowerte schwach

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Negative Stimmung herrschte im Autosektor vor. Daimler warteten mit Abgaben von rund 2,1 Prozent auf. BMW verloren etwa 1,6 Prozent. Das Minus von VW lag bei rund 2 Prozent. Hier schauten die Anleger bereits auf den bevorstehenden Rückruf-Start und neue Details im Abgas-Skandal.

Adidas drehen ins Plus, verabschiedeten sich rund 0,5  Prozent fester aus dem Handel. Der Konzern will wohl vorzeitig aus dem Sponsoring des Leichtathletik-Weltverbands IAAF aussteigen. Wie der britische Sender BBC berichtete, verliert der Leichtathletik-Verband damit seinen größten Sponsor. Adidas soll demnach rund 8 Millionen Dollar jährlich an den IAAF gezahlt haben. Als Grund für den Rückzug nannte die BBC den Doping- und Korruptionsskandals bei dem Leichtathletik-Weltverband.

Thyssenkrupp verloren rund 1 Prozent, nachdem sie am Freitag bereits einziger Verlierer im Dax gewesen sind.  Der Konzern hatte den Ausblick bestätigt und auf ein gutes China-Geschäft und eine günstige Autokonjunktur verwiesen.

MDax: Wincor überzeugt

Von guten Zahlen sprachen Händler mit Blick auf Wincor Nixdorf. Sowohl das Umsatzplus von 14 Prozent als auch das Ebita lägen deutlich über den Erwartungen, hieß es am Markt mit Blick auf die Zahlen zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs. Auch der Ausblick sei positiv. Vor Restrukturierungsaufwendungen rechnet Wincor nun mit einem operativen Gewinn von 160 bis 190 Millionen Euro nach 150 Millionen bisher. Der Analysten-Konsens liegt bei 168 Millionen Euro. Die Aktien verbesserten sich um rund 2 Prozent.

Noch deutlicher ging es für ElringKlinger nach oben. Am Handelsende stand ein Kurszuwachs von 4,5 Prozent. Grund war eine positive Analysteneinstufung durch die Deutsche Bank. Die Aktien werden nun mit "Buy" statt "Hold" eingeschätzt.

Airbus verbesserten sich rund 0,1 Prozent. Hier stützten Spekulationen, dass in dem mehr als 100 Flugzeuge umfassenden Großauftrag aus Teheran auch mehrere Maschinen der A380-Reihe enthalten sein sollen.

USA: Und täglich grüßt das Öl

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Nach einer kurzen Erholung zum Ende der vergangenen Woche verbuchte die Wall Street am ersten Handelstag der Woche erneut Abschläge. Der wieder fallende Ölpreis lasse viele Anleger vorsichtiger werden, hieß es. Einige Aktionäre hielten sich aber offenbar auch zurück, weil sie die anstehende Notenbank-Sitzung abwarten wollten. Am Freitag stehen außerdem Daten zum Bruttoinlandsprodukt an, die Aufschluss über den Zustand der größten Volkswirtschaft der Welt geben sollen.

Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 1,3 Prozent auf 15.885 Punkte und schloss damit nur 5 Punkte über seinem Tagestief. Der S&P-500 gab um 1,6 Prozent auf 1.877 Punkte nach und der Nasdaq-Composite verzeichnete einen Abschlag von 1,6 Prozent auf 4.518 Punkte. Am vergangenen Freitag hatte die Wall Street noch die erste positive Wochenbilanz in diesem Jahr gezogen, nachdem sich der Ölpreis im Zuge der Kältewelle in den USA erholt hatte.

Am Aktienmarkt stand eine Fusion im Fokus. Der US-Mischkonzern Johnson Controls will sich mit der in Irland ansässigen Tyco International zusammenschließen. Die Aktie des Automobilzulieferers zog um 11,6 Prozent an, Johnson Controls büßten dagegen 3,9 Prozent ein. Im Ölsektor ging es mit den sinkenden Ölpreisen auf breiter Front abwärts. Die Titel des Öldienstleisters Halliburton gaben 3 Prozent ab. Das Unternehmen schnitt im vierten Quartal besser als erwartet ab, lieferte aber einen schwachen Ausblick auf 2016.

Größter Verlierer im Dow-Jones-Index waren Caterpillar mit einem Abschlag von 5 Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs haben für die Aktie eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen. Die Papiere von American Experess wurden von Morgan Stanley auf "Equalweight" von "Overweight" abgestuft und verloren 0,1 Prozent.

Twitter büßten 4,6 Prozent ein. Beim Kurznachrichtendienst verlassen gleich vier Spitzenmanager die Gesellschaft. Die Schnellrestaurantkette McDonald's hat im vierten Quartal die Erwartungen dank guter Geschäfte in der Heimat übertroffen. Die Aktie schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Asien: Positive Vorzeichen

Auch an den asiatischen Börsen ging es durch die guten Vorgaben aus den USA und Europa nach oben. In Tokio schloss der Nikkei 0,9 Prozent höher bei 17.111 Punkten. Der breiter gefasste Topix legte 1,3 Prozent auf 1392,63 Zähler zu. Ein überraschend deutlicher Rückgang der japanischen Ausfuhren im Dezember bremste zwar Aktien exportorientierter Unternehmen, belastete den breiten Markt aber nicht.

An den chinesischen Börsen legten die Kurse ebenfalls zu. Der Shanghai Composite gewann 0,8 Prozent auf 2938 Zähler. In Hongkong kletterte der Hang-Seng 1,4 Prozent. Ein deutliches Plus von 1,8 Prozent verbuchte der rohstofflastige Aktienmarkt im australischen Sydney.

Anleger schauten besonders auf in Hongkong gelistete Aktien chinesischer Stahlkonzerne, nachdem die chinesische Regierung angekündigt hatte, die Stahlproduktion um 100 bis 150 Millionen Tonnen zu verringern, um Überkapazitäten abzubauen. Das dürfte vor allem den großen Branchenvertretern zugutekommen, die über größere Kapazitäten und Finanzstärke verfügen als die kleinen Hersteller. In den "zurückliegenden Jahren" sei die Produktionskapazität in der chinesischen Stahlbranche schon um 90 Millionen Tonnen verringert worden, so die Regierung. Chongqing Iron & Steel stiegen 7,7 Prozent, Angang Steel 3,9 Prozent und Maanshan Iron & Steel 3,3 Prozent.

Devisen: Warten auf Fed?

Der Euro hielt sich über der 1,08er Marke. Die Gemeinschaftswährung kostete  im späten US-Handel auf 1,0854 Dollar. Am Freitag war sie noch bis auf 1,0789 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0815 Dollar fest nach 1,0808 am Freitag und 1,0893 Dollar am Donnerstag.

Insgesamt zeigte der Euro in den vergangenen Handelstagen relativ wenig Bewegung. Seitens der Geldpolitik könnten am Mittwoch weitere Signale für den Devisenmarkt kommen. Dann wird die US-Notenbank Fed ihre jüngste Zinsentscheidung bekannt geben.

Quelle: n-tv.de

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