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Trump treibt Dow auf Allzeithoch: Dax-Aufwärtstrend endet abrupt

Vor der US-Wahl halten viele Anleger ihr Pulver trocken. Nach dem Sieg Trumps verlassen sie die Seitenlinie, kaufen, treiben die Kurse nach oben. Dann folgen Gewinnmitnahmen. Anders der Dow Jones: Dort endet die Rally mit einem Rekordstand.

Die weltweiten Aktienmärkte haben den kurzen Schock des Siegs von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen verarbeitet - mehr noch: Die Anleger finden mehr und mehr zu ihrer Kauflaune zurück. "Weniger Regulierung, mehr Wirtschaftswachstum. Die Welt des wunderbaren Wahnsinns", kommentierte Börsenexperte Markus Koch an der Wall Street. Während dort der Dow-Jones-Index ein neues Allzeithoch erklomm, sprang in Tokio der Nikkei fast 7 Prozent an - und der Dax meldete ein Tageshoch von 10.794 Punkten. Dann ging es für den deutschen Börsenleitindex wieder abwärts. Aus dem vierten Tag in Folge mit Gewinnen wurde nichts.

Der Dax schloss 0,2 Prozent leichter bei 10.630 Punkten. Am Mittwoch war er tiefrot gestartet, hatte nach dem Wahlsieg Donald Trumps einen Kursrutsch hinnehmen müssen, am Ende des Handelstages aber mit einem deutlichen Aufschlag geschlossen. Der MDax verabschiedete sich 0,9 Prozent tiefer bei 20.477 Zählern. Der TecDax verlor 2,0 Prozent auf 1715 Stellen. An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index am Abend auf einem Rekordstand und schloss 1,2 Prozent im Plus bei 18.808 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 zog 0,2 Prozent an auf 2167 Stellen. Der Nasdaq100 positionierte sich bei 4747 Zählern 1,6 Prozent im Minus.

Trump weckt Anleger-Hoffnungen

Bereits am Mittwoch hatte sich rasch die Hoffnung durchgesetzt, dass die von Trump angekündigten Infrastrukturprojekte vielen Zweigen der US-Wirtschaft, etwa der Baubranche, zu neuer Blüte verhelfen könnten. Andere Sektoren profitierten davon, dass bestimmte politische Pläne der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clintons nun voraussichtlich nicht verwirklicht werden. Das betraf vor allem die Pharmabranche, die sich im Fall eines Wahlsiegs Clintons auf Preissenkungen hätte einstellen müssen.

Eine erste Entscheidung des designierten US-Präsidenten wurde bereits angekündigt. So soll das Dodd-Frank-Gesetz abgeschafft werden, das von seinem Vorgänger Barack Obama als Reaktion auf die Finanzkrise zur Regulierung der Banken geschaffen worden war. Mit dem Dodd-Frank-Act werden Derivate-Geschäfte für Banken eingeschränkt. Geldhäuser sollen mit eigenem Geld nicht mehr so riskante Wetten eingehen können, die ihre Stabilität gefährden können.

Das in den Augen der Märkte größte Risiko des Jahres sei rasch abgehakt worden, kommentierte Analyst Joshua Mahony von IG die Reaktion auf die Wahl. Der Schlitten für die traditionelle Weihnachtsrally an den Börsen stehe quasi schon bereit, fügte er an. Auch in Deutschland hätten viele Marktakteure vor der Wahl in den USA an der Seitenlinie gestanden. "Sie müssen nun agieren", sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

"Wir haben heute einige Verkäufe gesehen", sagte ein Aktienhändler. Die Anleger hätten die höheren Kurse genutzt, um Gewinne mitzunehmen. "Sie setzen darauf, dass der Dax die seit Anfang des Jahres bestehende Spanne zwischen 10.200 und 10.800 Punkten nicht verlassen wird", so der Händler weiter. Der Dax war aber bereits mehrfach nahe der Marke von 10.800 Punkten wieder nach unten gelaufen.

Dax: Siemens und Telekom stark

In Deutschland erreichte die Berichtssaison indes ihren Höhepunkt. An keinem anderen Tag des Jahres wurden derart viele Quartalsdaten veröffentlicht. Im Dax etwa hatte die Deutsche Telekom überzeugende Zahlen vorgelegt. Telekom-Aktien gaben 2,3 Prozent ab. Ihre Daten treffen allesamt die Prognosen. Händler hoben jedoch positiv den freien Cashflow hervor, der deutlich stärker als erwartet gewachsen sei.

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Bei Siemens redeten Händler indes von einer "kleinen Enttäuschung". Vor allem der Auftragseingang liege um immerhin eine Milliarde Euro unter der Konsensprognose. Zudem sei die Margenprognose von 10,5 bis 11,5 Prozent für 2016/2017 "sehr zurückhaltend" angesichts einer Konsensprognose von 11,3 Prozent. Allerdings könnten sich Siemens als einer der Profiteure der Infrastrukturprojekte des neuen US-Präsidenten Trump erweisen. Siemens-Titel gewannen etwa 4,5 Prozent.

Continental bestätigten die bereits gesenkte Jahresprognose. Händler sahen hier keinen Kurstreiber für die Aktie, denn immerhin müssten die Aktionäre damit einen Einbruch des operativen Ergebnisses im dritten Quartal von über 40 Prozent verkraften. Continental-Papiere sanken fast 6 Prozent.

MDax: Tops und Flops

Lanxess zogen 2,5 Prozent an. Das Spezialchemieunternehmen konnte mit seinen Zahlen überzeugen. Zudem hob es zum dritten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose an.

Hannover Rück schlossen nach der Zahlenvorlage rund 5 Prozent im Plus. Nach einem starken dritten Quartal hielt ein Händler die Nettogewinnprognose von 950 Millionen Euro für das Gesamtjahr für "zu konservativ". Der operative Gewinn und auch der Nettogewinn hätten im dritten Quartal die Erwartungen deutlich überboten. 

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Bilfinger verabschiedeten sich 3,1 Prozent fester. "Der bereinigte Gewinn liegt im dritten Quartal am oberen Rand der Schätzungen von Analysten", sagte ein Händler. Die Sparmaßnahmen hätten sich im Sommerquartal positiv auf die Ergebnisse ausgewirkt. Den "Boden" dürften die Umsätze allerdings erst im Verlauf des kommenden Jahres erreichen, weshalb die Aktien noch kein Kauf seien.

K+S gewannen 3,5 Prozent, obwohl im dritten Quartal sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis unter den Konsensschätzungen lagen und sich das Unternehmen auch in seinem Ausblick vorsichtig zeigte. 

Zu den Topgewinnern mit einem Aufschlag von mehr als 3,5 Prozent gehörten auch Dürr. Der Lackieranlagenspezialist hatte im dritten Quartal zwar weniger verdient und umgesetzt als erwartet. Der Auftragseingang stieg allerdings unerwartet kräftig.

Mit einem Minus von rund 11 Prozent stellten die Aktien von Norma das Schlusslicht im MDax dar. Dafür gab es einen Grund: Am Mittag hatte der Verbindungstechnikhersteller seine Umsatzprognose gesenkt, die das Unternehmen allerdings erst vor acht Tagen noch bestätigt hatte. "Die Prognosesenkung innerhalb so kurzer Zeit wird an der Börse dahingehend interpretiert, dass das Unternehmen seine Zahlen nicht im Griff hat", kommentierte ein Händler.

TecDax: Enttäuschung bei Nordex

GFT waren dagegen Topgewinner im TecDax, die Aktien sprangen rund 7 Prozent an. Der IT-Dienstleister hatte seine gute Geschäftsentwicklung im dritten Quartal fortgesetzt und den Jahresausblick bestätigt. Wichtigster Wachstumstreiber war die fortschreitende Digitalisierung im Finanzsektor. Die Jahresprognose bestätigte GFT.

Nordex rutschten indes mehr als 9 Prozent ab: Nicht nur, dass die Branche der erneuerbaren Energien als einer der Verlierer der erwarteten Trump-Politik gesehen wird, Nordex wartete mit einer kleinen Umsatz- und Gewinnwarnung auf. Händler sprachen von einer "herben Enttäuschung".

Rohstoffe: Leichte Abgaben beim Öl

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Der Ölpreis präsentierte sich zunächst uneinheitlich, gab dann aber erneut nach. Am Mittwoch hatte er nach der Bekanntgabe des Siegs von Trump kräftig Federn lassen müssen. Moderate Aussagen Trumps nach der Wahl hatten ihn dann etwas gestützt. Der Preis für ein Barrel WTI fiel zum US-Settlement um 1,4 Prozent auf 44,66 Dollar. Brent reduzierte sich um 1,1 Prozent auf 45,84 Dollar.

Devisen: Euro unter 1,09

Der Euro gab nach der Berg- und Talfahrt zur Wochenmitte nach. Nachdem die Gemeinschaftswährung in einer ersten Reaktion auf den Wahlsieg Trumps bis auf 1,13 Dollar zugelegt. Seitdem kommt die Notierung zurück, lag am Donnerstagabend bei 1,0881 Dollar unter der Marke von 1,09 Dollar und rund 0,4 Prozent unter dem Wer vom Mittwochabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0895 Dollar fest nach 1,1022 Dollar am Mittwoch.

"Die Märkte haben den ersten Trump-Schock gut verdaut", kommentierte Lutz Karpowitz, Devisenexperte bei der Commerzbank. Anders als beim Brexit-Referendum in Großbritannien habe der Markt nach der US-Präsidentschaftswahl gezeigt, dass er mit Krisen mittlerweile entspannt umgehen könne. "In Panik verfallen die Marktteilnehmer nicht mehr so schnell", sagte Karpowitz.

Die entspannte Haltung der Investoren zeigte sich auch bei anderen Währungen. Der japanische Yen und der Schweizer Franken, die nach dem Trump-Sieg als "sichere Häfen" zunächst deutlich zugelegt hatten, sind inzwischen im Verhältnis zum Dollar schwächer als vor den Wahlen.

Asien: Nikkei mit Kurssprung

Die Aktienmärkte in Asien zeigten sich deutlich erholt am Donnerstag. Nach dem ersten Schrecken über den Wahlsieg Trumps kehrten viele Anleger an die Börsen zurück. Der Markt in Tokio schaffte sogar den stärksten Kursanstieg seit neun Monaten: Der Nikkei-Index schloss 6,7 Prozent im Plus bei 17.344 Punkten, nachdem er am Mittwoch noch um mehr als 5 Prozent eingebrochen war. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan stieg gut 2 Prozent. In China legte der Shanghai Composite knapp 1,4 Prozent zu.

"Die Investoren sind irritiert über ihre emotionalen Entscheidungen", sagte Takuya Takahashi, Stratege bei Broker Daiwa Securities. Ökonom Imre Speizer von der Bank Westpac sprach von einem erstaunlichen Comeback der Risikobereitschaft. "Die Märkte kommen scheinbar zu einer Neueinschätzung der wirtschaftlichen Perspektiven unter Trump. Sie gehen nun von einem höheren Wachstum und einer höheren Inflation aus", sagte er. Trump hat umfassende Steuererleichterungen angekündigt sowie mehr Investitionen in Infrastruktur und Rüstung.als vor den Wahlen.

Quelle: n-tv.de

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