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Wall Street feiert Thanksgiving: Dax-Anleger schlachten kleinen Truthahn

Die Rekordjagd an der Wall Street stoppt ein Feiertag. Aber die Analysten sind sicher, dass das nur eine Rally-Pause ist. In Deutschland dagegen warten die Anleger noch immer auf einen dynamischen Kurssprung.

Während US-Präsident Barack Obama Truthähne vor dem Tod rettet und die US-Anleger Thanksgiving feiern, hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag leichte Gewinne verbucht. Immerhin, denn zur Wochenmitte hatte der Dax noch die untere Begrenzung seines zwischen 10.600 und 10.800 Punkten verlaufenden Seitwärtstrends getestet.  

Der Dax verabschiedete sich 0,3 Prozent fester mit 10.689 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief lag bei 10.654 Zählern, das Tageshoch bei 10.716 Stellen. Nach geringen Aufschlägen am Montag und Dienstag waren die Kurse zur Wochenmitte gefallen. Der MDax legte 0,4 Prozent auf 20.780 Zähler zu. Der TecDax gewann 0,6 Prozent auf 1728 Stellen.

"Europa ist abgehängt"

Marktteilnehmer berichteten von einem ruhigen Handel und verwiesen zur Erklärung auf den Feiertag in den USA. Dort blieben die Börsen wegen "Thanksgiving" geschlossen. Am Freitag wird zudem an der Wall Street nur verkürzt gehandelt. "Wer kann, nutzt Thanksgiving zu einem verlängerten Wochenende", sagte ein Händler.

Die geringen Bewegungen in hatten nach Händlermeinung jedoch auch systematische Gründe. Während die Börsen in den USA immer neue Rekorde markierten und Tokio vom festen Dollar profitierte, scheuten die internationalen Großanleger Europa und Deutschland wegen der politischen Probleme und der damit verbundenen  Wachstumsrisiken. "Europa ist abgehängt", sagte ein Händler. "Die Trump-Musik spielt für und vor allem in Amerika", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. Der Wahlsieg Donald Trumps hatte die Rally an den US-Börsen ausgelöst.

Im Blick haben die Anleger hierzulande weiterhin zunächst das Referendum in Italien zur Senatsreform Anfang Dezember, an das Regierungschef Matteo Renzi seinen Verbleib im Amt geknüpft hat. Bei einer Ablehnung seiner Reformvorschläge könnte die populistische 5-Sterne-Bewegung an Einfluss gewinnen und die Eurokrise wieder hochkochen, warnten Marktteilnehmer erneut. Außerdem stehen im nächsten Jahr Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland an.

Dax: Thyssen nicht die erste Geige

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Bei den Einzelwerten spielte die Musik nochmals bei den Geschäftsausweisen: Thyssenkrupp öffnete seine Bücher. Als "gemischt" bezeichneten Händler die Zahlen. Der Ertrag war von Pensionsrückstellungen belastet. Positiv gesehen wurde, dass Thyssen endlich einmal wieder einen positiven freien Cashflow erwirtschaftet hat. Thyssenkrupp schlossen nach einer Berg- und Talfahrt 0,2 Prozent tiefer. "Die Aktie hat in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt, auch wegen Trump", kommentierte n-tv Börsenexpertin Wohlfeil.

Lufthansa gaben etwa 1,5 Prozent ab. Der Vorstand bietet den Piloten die Stirn und meinte, ohne eine harte Haltung sei das Überleben des Unternehmens gefährdet. Die Piloten haben ihre Streiks nun auf den Freitag ausgedehnt. "Die Streikkosten von rund 7 bis 9 Millionen Euro pro Tag sind am Markt bekannt", sagte aber ein Händler und bezog Stellung: Wichtiger sei, den überzogenen Pensionsforderungen der Piloten nicht nachzugeben, da sie die Airline über Jahre hinaus belasten würden.

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Kein gutes Zeichen sehen Händler hinter den Kursverlusten von Infineon, die Titel rauschten etwa 3 Prozent abwärts, waren größter Dax-Verlierer. "Wenn eine Aktie auf so eine Kurserhöhungsorgie wie heute nicht reagiert, scheint ja wirklich schon alles eingepreist zu sein", so ein Händler. Es sei offenbar "Zeit für ein Sell on Good News, das länger anhalten könnte". Unter anderem hatten Barclays, BoA-Merrill Lynch, UBS, Berenberg, Kepler und Deutsche Bank die Kursziele nach den Quartalszahlen erhöht. Viele von ihnen aber auch nur auf das Niveau, auf dem die Aktie bereits notiert.

Prosieben standen ebenfalls auf der Verliererliste im Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent. "Seit ihrem mittelfristigen Ausblick geht es praktisch nur noch nach unten", sagte ein Händler. Der Ende Oktober ausgegebene Ausblick bis 2018 sei nicht wie erhofft erhöht worden, obwohl es zwischenzeitlich zahlreiche Übernahmen gegeben habe. Dann habe Anfang November eine Kapitalerhöhung verstimmt, die gewinnverwässernd wirke. Die Aktie sei danach durch die fast zwei Jahre lang verteidigte Unterstützung bei 35 Euro gebrochen. "Das war ein Signal für Langfristanleger, sie aus dem Portfolio zu werfen", so der Händler weiter.

TecDax: Daumen hoch

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United Internet waren dagegen gefragt. Die Papiere gewannen rund 1 Prozent. Eine Kaufempfehlung durch das Bankhaus Lampe sahen Händler als Grund dafür.

SDax: Marge als Problem

KWS Saat gerieten im SDax zu Beginn unter Druck, schlossen dann aber 0,3 Prozent ins Plus. Das Agrarunternehmen hatte den Margenausblick zurückgenommen. Das dürfte einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt haben, wie im Handel die Anfangsverluste erklärt wurden. Statt 11 Prozent liegt er nun bei 10 bis 10,5 Prozent.

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Die BVB-Aktien, bereits am Mittwoch mit zeitweise mehr als 5 Prozent einer der größten Verlierer im SDax, gaben erneut nach: rund 2,5 Prozent. Am Markt sprach man von Gewinnmitnahmen, nachdem die Papiere seit September rund 40 Prozent zugelegt hatten.

Europa: Prost!

In Paris hatte der Cognac- und Whisky-Produzent Remy Cointreau überraschend gute Zahlen vorgelegt. Es zeigte sich, dass sich das Geschäft in China mit hochwertigen Spirituosen wieder belebt. Die Aktien stiegen knapp 1 Prozent.

Rohstoffe: Irak kein Preistreiber

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Der Ölpreis reagierte sehr verhalten auf positive Signale des Iraks zu einer möglichen Produktionskürzung - und entwickelte sich uneinheitlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 49,10 Dollar. Das waren 0,3 Prozent mehr als zur Wochenmitte. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel dagegen 0,2 Prozent auf 48,03 Dollar.

Der Irak ist nach Auskunft von Ministerpräsident Haider Al-Abadi bereit, seine Ölproduktion zu kürzen und sich an einer im Grundsatz beschlossenen Förderreduzierung des Ölkartells Opec zu beteiligen. Das sagte Al-Abadi. Bisher hatte der zweitgrößte Opec-Produzent auf eine Ausnahmeregelung gepocht. Am kommenden Mittwoch will die Opec entscheiden, welchen Beitrag die einzelnen Kartellmitglieder zu der Förderreduzierung leisten sollen. Eine Einigung gilt weiter als schwierig.

Devisen: Euro legt leicht zu

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Der Euro konnte sich etwas von seinen Tiefständen zur Wochenmitte erholen. Insgesamt blieb er aber auf niedrigem Niveau und kostete am Abend 1,0571 Dollar. Das war ein Aufschlag von 0,2 Prozent zum Mittwoch, als der Euro auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2015 gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0548 Dollar fest nach 1,0602 Dollar zur Wochenmitte.

Gestützt wurde der Eurokurs durch eine stabile Unternehmensstimmung in Deutschland. Die Wahl des Republikaners Trump zum neuen US-Präsidenten hat die Firmen offenbar nicht geschockt. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator, lag im November stabil bei 110,4 Punkten und damit weiter auf dem höchsten Niveau seit April 2014. Zudem zeigte sich auch das Unternehmensvertrauen in Frankreich stabil.

Eine rasante Berg- und Talfahrt legte die türkische Lira hin. Die türkische Notenbank hatte ihren Leitzins überraschend und deutlich angehoben. Dies stützte die angeschlagene Lira aber nur vorübergehend. Kurz darauf fiel sie zum US-Dollar und auch zum Euro auf ein neues Rekordtief. Seit der Wahl Trumps zum nächsten US-Präsidenten hat die türkische Währung zum Dollar acht Prozent an Wert verloren.

Asien: Nikkei auf Dow-Spuren

Die Aktienmärkte in Fernost tendierten am Donnerstag uneinheitlich. Die Aussicht auf eine Zinserhöhung in den USA ließ den Dollar steigen. Der damit geschwächte Yen veranlasste vor allem japanische Anleger dazu, bei Exportwerten zuzugreifen. Solche Firmen profitieren besonders vom Kursrückgang der Landeswährung, weil sie ihre Produkte im Ausland günstiger anbieten können. Außerhalb Japans hatte die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve den gegenteiligen Effekt, hier gaben die Kurse nach. Investoren zogen ihr Geld vor allem aus Schwellenländern ab, um es in den USA anzulegen.

Der Tokioter Nikkei-Index, am Mittwoch war die Börse feiertagsbedingt geschlossen, verbuchte den sechsten Handelstag in Folge Gewinne und schloss 0,9 Prozent höher bei 18.333 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans verlor dagegen 0,4 Prozent. "Der Nikkei könnte bis zum Jahresende weiter steigen und möglicherweise über 19.000 Punkte kommen, abhängig von der Entwicklung der Wechselkurse und der US-Anleihen", sagte Nobuhiko Kuramochi, Marktstratege bei der Anlagefirma Mizuho Securities.

Toyota-Aktien stiegen 4,8 Prozent. Honda-Papiere gewannen knapp 4 Prozent. Fachleute gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed im Dezember den Leitzins anhebt. Geschürt wurden diese Erwartungen von überraschend positiven Daten aus der US-Industrie, die zuletzt das stärkste Auftragsplus seit einem Jahr erhalten hatte.

Quelle: n-tv.de

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