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Ein Schritt vor, einer zurück: Dax-Anleger schauen in die Trump-Röhre

"Die Bäume wachsen derzeit nicht in den Himmel." So kommentiert n-tv-Börsenexperte Meyer die Situation am deutschen Aktienmarkt. Die Kursausschläge fallen gering aus - aber zur Wochenmitte sind sie immerhin positiv.

Der deutsche Aktienmarkt kommt in der laufenden Handelswoche einfach nicht auf Touren. Auch am in der Wochenmitte fehlen die Impulse, um Dax und Co. nach oben zu treiben. Am Handelsende steht immer ein Mini-Aufschlag beim deutschen Börsenleitindex. "Zurückhaltung wegen Trump", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel die derzeitige Situation. Donald Trump wird am Freitag als US-Präsident. Gleichzeitig warteten die Anleger aber auch auf eine Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen sowie das "Beige Book". Beides wurde erst nach Börsenschluss in Deutschland veröffentlicht.

Der Dax verabschiedete sich 0,5 Prozent fester aus dem Handel mit 11.599 Punkten. Der MDax schloss 0,7 Prozent im Plus bei 22.631 Zählern. Der TecDax legte 0,1 Prozent auf 1838 Stellen zu.

The never ending Trump-Story

"Vom Umfeld kommt kein Störfeuer, und die Vorlagen stützen", sagte ein Händler noch am Morgen. Mit einem Ausbruch des Dax aus seiner Seitwärtsspanne zwischen gut 11.400 und knapp 11.700 Punkten rechnen Marktteilnehmer aber erst einmal nicht. "Vor dem Amtsantritt von Donald Trump am Freitag ist eine neue Rally-Runde eher unwahrscheinlich", meinte ein Börsianer, zumal angesichts der Aussagen Trumps zu Schutzzöllen und seiner Einschätzung, dass der Dollar zu fest sei, Ernüchterung eingekehrt ist.

Auf der Konjunkturseite kam der Bericht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), das "Beige Book", zu spät, weil erst nach Börsenschluss hierzulande. Von ihm erhoffen sich die Anleger aber Rückschlüsse auf das Tempo der geplanten US-Zinserhöhungen. Die Zurückhaltung des Marktes davor war also nur allzu nachvollziehbar. In ihrer Rede bestätigte Fed-Chefin Yellen, ebenfalls nachbörslich, den Kurs der bereits angekündigten Zinserhöhungen weitgehend.

Devisen: Yuan, Pfund, Euro

Positiv gesehen wurde die Yuan-Stärke, die chinesische Währung wurde gegen den Dollar auf dem höchsten Stand seit zwei Monaten gefixt. In der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von Merrill Lynch war eine Yuan-Abwertung noch als eines der großen Marktrisiken genannt worden.

Das britische Pfund kam derweil nach seiner Rally am Dienstagnachmittag zum Dollar etwas zurück. Möglicherweise sei die Pfund-Stärke damit schon wieder vorbei, hieß es am Markt. Aus den Brexit-Aussagen von Premierministerin Theresa May lasse sich jedenfalls nichts längerfristig Positives für das Pfund herauslesen. May strebt einen harten Ausstieg aus der Europäischen Union an und gleichzeitig ein Freihandelsabkommen mit der EU.

Der Euro rutschte im späten US-Handel bis auf das Tagestief von 1,0630 Dollar ab, nachdem er zuvor in der Spitze bei 1,0713 Dollar gelegen hatte. Allerdings hatte die Gemeinschaftswährung im Tagestief sogar bei 1,0655 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0664 Dollar fest nach 1,0684 Dollar am Dienstagnachmittag.

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Grund der Euro-Verluste war ein auf breiter Front festerer Dollar. Am Markt war die Rede von einer Gegenbewegung, nachdem die US-Währung am Dienstag stark unter Druck gestanden hatte. Auslöser waren Bemerkungen des baldigen US-Präsidenten Trump in einem Interview gewesen, wonach der Dollar für die amerikanische Wirtschaft "zu stark" sei. Der Dollar hatte daraufhin deutlich nachgegeben, am Mittwoch wurde aber ein Teil dieser Verluste aufgeholt.

Dax: Banken im Blick

Bei den Einzelwerten im Dax schauten die Anleger zur Wochenmitte bei den Finanzwerten genauer hin. Zum einen lieferten Citigroup und Goldman Sachs Zahlen. Auf die Stimmung für die Banken drückten auch die wieder gesunkenen Renditen. Zudem will die Deutsche Bank einem Pressebericht zufolge ihre Boni-Zahlungen an die Führungsebene weiter deutlich zurückfahren. Gleichzeitig hatte das Finanzinstitut den Vergleich mit den US-Behörden über unsaubere Geschäfte auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt unter Dach und Fach gebracht. Insgesamt wird das die Bank 7,2 Milliarden Dollar kosten.

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Commerzbank gewannen 0,5 Prozent. Deutsche Bank verloren 0,2 Prozent.

Adidas stiegen mehr als 2 Prozent. Im Handel war von einer Fortsetzung der technischen Erholung der Aktie die Rede. Das Sentiment könnte zudem von Aussagen von Vorstandschef Kasper Rorsted in Davos gestützt werden: Nach Einschätzung von Rorsted stellt ein US-Präsident Trump keine Gefahr für das Adidas-Wachstum in den USA dar. Das sagte er n-tv. Auch wenn die Aussagen nicht über zu bewerten seien, stützten sie doch die Stimmung, hieß es am Markt.

Eon und RWE zogen ebenfalls an: 1,6 und 0,6 Prozent. Besonders bei Eon sahen Händler Kurschancen, nachdem Barclays die Aktien auf die Kaufliste genommen hatte. Die Titel der Eon-Tochter Uniper verloren dagegen 0,8 Prozent, weil Barclays hier seine Kaufempfehlung zurückgezogen hatte.

MDax: Rekord winkt

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Gerresheimer schlossen 6,5 Prozent im Plus. Ausgelöst wurde der Kursschub von einer Hochstufung der Deutschen Bank, die die Aktien am Morgen auf die Kaufliste gesetzt hatte.

Europa: ASML gefragt, Pearson nicht

Positiv nahm der Markt die Quartalszahlen von ASML auf Der niederländische Technologie-Konzern hatte Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Die Margenentwicklung stütze den Kurs, meinte ein Händler. Die Bruttomarge soll im laufenden Quartal bei rund 47 Prozent liegen. ASML verabschiedeten sich 7,5 Prozent fester aus dem Handel.

Pearson sackten rund 25 Prozent ab. Das britische Bildungsunternehmen hatte seine Gewinnprognose für 2018 kassiert, für 2017 einen Rückgang des operativen Gewinns in Aussicht gestellt sowie vor niedrigeren zukünftigen Dividenden gewarnt. Zudem kündigte Pearson den Ausstieg aus der Verlagsgruppe Penguin Random House an, einem Joint Venture mit Bertelsmann.

USA: Wenig Bewegung an der Wall Street

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Die Wall Street wies keine einheitliche Richtung auf. Die Anleger hielten sich auch hier vor der Amtseinführung Trumps am Freitag zurück, sagten Analysten. Auch von der Rede von Notenbankchefin Yellen gingen am Abend keine überraschenden Impulse aus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 19.804 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 stieg dagegen 0,2 Prozent auf 2271 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,3 Prozent auf 5555 Punkte. .

Bei den Einzelwerten standen einmal die Banken im Blickpunkt. Wie schon andere heimische Konkurrenten profitierten auch Goldman Sachs von einem anziehenden Handel nach dem Trump-Sieg. Die führende Investmentbank der Wall Street vervierfachte ihren Überschuss im Schlussquartal 2016 nahezu auf 2,15 Milliarden Dollar. Die Aktie gab allerdings 0,6 Prozent nach, was Experten mit Gewinnmitnahmen erklärten. Die viergrößte US-Bank Citigroup steigerte ihren Quartalsgewinn überraschend kräftig um sieben Prozent auf rund 3,6 Milliarden Dollar. Aber auch hier stand ein Kursabschlag von 1,7 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreis gibt nach

Die Ölpreise kamen deutlich zurück. Die Förderung der Opec ist zwar im Dezember spürbar gefallen, nachdem das Kartell beschlossen hatte, eine Fördermengenbremse zu installieren. Doch die Opec-Mitglieder haben noch einen weiten Weg vor sich, bevor sie das vereinbarte Ziel erreichen, wie aus dem Opec-Monatsbericht hervorgeht. Zudem erhöhte die Opec die Prognose für die US-Ölförderung und senkte die globale Prognose für die Nachfrage. Dazu kamen Sorgen über eine wieder anziehende Förderung der US-Schieferölproduzenten.

Ein Barrel der Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 2,7 Prozent auf 51,08 US-Dollar, Brent ermäßigte sich um 2,8 Prozent auf 53,92 Dollar.

Asien: Steigende Kurse auf breiter Front

Auch an den ostasiatischen Aktienmärkten ist vor der Amtseinführung Trumps am Freitag Zurückhaltung bei den Anlegern spürbar. Vor allem die Aussagen Trumps, wonach er besorgt über die Dollar-Stärke sei, drückten auf die Stimmung, sagte Masahiro Ichikawa, Stratege bei Sumitomo Mitsui Asset Management. Die Investoren warteten nun auf Details zur künftigen US-Politik.

Die Kurse kletterten zur Wochenmitte aber. Der Tokioter Nikkei legte 0,4 Prozent auf 18.894 Punkte zu. Der Anstieg des Yen bremste die Aufwärtsbewegung aber ein. Auch der Topix legte zu. In China verbuchte der Shanghai Composite Gewinne von 0,1 Prozent, in Sydney der S&P/ASX-200 von 0,4 Prozent. Der südkoreanische Kospi verlor dagegen 0,1 Prozent. Der Hangseng verbesserte sich wiederum 1,1 Prozent.sich wiederum 1,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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