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Donnerstag, 15. Juni 2017

Tech-Werte belasten Wall Street: Dax-Anleger machen Kasse vor Hexensabbat

Nach dem gestrigen Höhenflug bekommen die Anleger kalte Füße. Vor dem morgigen großen Verfallstag wollen einige Anleger ihre Gewinne sichern. Zweifel kommen wieder an der Bewertung der Technologie-Giganten auf.

Gewinnmitnahmen und eine falkenhafte US-Notenbank haben am Donnerstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax verlor 0,9 Prozent auf 12.692 Punkte. Weiter unter Druck standen Technologiewerte. Der TecDax büßte 1,4 Prozent ein. Der Sektor gilt nicht nur als zinssensibel sondern auch als überbewertet. In einer jüngsten Umfrage von Bank of America-Merrill Lynch hatten einige Fondsmanager sogar vor einer Blase bei Internet-Aktien gewarnt. Zuvor hatte Goldman Sachs eine kritische Studie veröffentlicht.

Am Vorabend hatte die Fed wie erwartet den Leitzins um 25 Basispunkte und hielt sich trotz des zuletzt nachlassenden Inflationsdrucks zusätzliche Zinsschritte offen. Weiterhin wurden noch ein Zinsschritt im laufenden Jahr und drei weitere 2018 angedeutet. Zugleich nannte die Federal Reserve Details zur geplanten Bilanzkürzung, die möglicherweise noch 2017 beginnt.

Auf Unternehmensseite war es an Fronleichnam wie erwartet ruhig. Im Dax gaben Deutsche Telekom nachrichtenlos um 2,4 Prozent nach. Zeitlich fiel der Rückgang mit dem Ende der Roaming-Gebühren in der EU zusammen. "Der Termin war allerdings längst bekannt, so dass das keine Rolle spielt", sagte ein Händler. Bei Lufthansa dürften Gewinnmitnahmen belastet haben; für die Aktie ging es 1,5 Prozent nach unten.  Verlängerte Wachstumsziele stützen Deutsche Börse

Deutsche Börse gewannen gegen den Trend 0,8 Prozent auf 94,80 Euro. Die Aktie dürfte weiter von der Verlängerung der Wachstumsziele bis 2019 profitiert haben, die der Börsenbetreiber auf dem Investorentag in London am Vortag bekannt gegeben hatte. Die Börse strebt ein jährliches Wachstum der Erlöse von jährlich 5 bis 10 Prozent an. Mit dem Gewinn soll es um 10 bis 15 Prozent pro Jahr nach oben gehen. Bislang galten diese Ziele nur bis 2018. Die Analysten von RBC sollen zudem das Kursziel für die Aktie auf 105 Euro angehoben haben.

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Unter den Nebenwerten profitierten SHW von einem Übernahmeangebot. Der Chef des österreichischen Motorradherstellers KTM Industries, Stefan Pierer, hat ein Übernahmeangebot für den Autozulieferer vorgelegt. Pierer bietet über seine Pierer Industrie AG 35 Euro je SHW-Aktie. Das ist ein Aufschlag von rund 7 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. "Das erscheint wenig", sagte ein Marktteilnehmer. Der Kurs stieg um 10,1 Prozent auf 36,05 Euro.

USA: Tech-Werte drücken die Stimmung

Erneute Abgaben bei den Technologiewerten haben die Wall Street belastet. Nachdem kritische Aussagen von Goldman Sachs am vergangenen Freitag einen Rücksetzer bei den Technologiewerten ausgelöst hatten, setzten sich die Abgaben nach einer kurzen Zwischenerholung damit fort. Die Unsicherheit ist weiterhin groß, sagte ein Teilnehmer. Die Branche gilt als überbewertet. Zudem lastete auch die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank vom Vortag auf dem Aktienmarkt.

Der Dow-Jones-Index fiel um 0,1 Prozent auf 21.360 Punkte. Der S&P-500 gab um 0,2 Prozent auf 2432 Punkte nach. Der technologielastige Nasdaq-Composite reduzierte sich um 0,5 Prozent auf 6165 Punkte.

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Die Werte aus dem Technologiesektor verzeichneten erneut Abgaben. Für die Apple-Aktie ging es um 0,6 Prozent nach unten und Microsoft verloren 0,5 Prozent. Die Papiere der Google-Mutter Alphabet fielen um 0,8 Prozent. Die Analysten von Canaccord Genuity haben die Aktie auf "Hold" von "Buy" abgestuft. Die Titel hätten in den vergangenen drei Monaten um 8,7 Prozent zugelegt, der S&P-500 dagegen lediglich um 1,6 Prozent.

Boeing gewannen 1,6 Prozent. Die China Aircraft Leasing (CALC) hat 50 Maschinen des Typs 737 Max bestellt. Der Auftrag hat nach Listenpreis ein Volumen von 5,8 Milliarden US-Dollar, wie das Hongkonger Unternehmen mitteilte. Die Auslieferung der ersten Flieger soll bis 2023 erfolgen. Bisher hat Boeing knapp 3700 Bestellungen für die 737 Max erhalten.

Der US-Sportartikelhersteller Nike will mehr als 1000 Stellen im Zuge einer globalen Restrukturierung abbauen. Dies würde rund 2 Prozent der Belegschaft entsprechen. Der Konzern, der zuletzt an Wettbewerber wie Adidas Marktanteile verloren hat, will sich auf die Kernmärkte und -marken konzentrieren. Dazu soll die Präsenz in 12 Städten in zehn Ländern ausgebaut werden. Die Nike-Aktie verlor 3,2 Prozent.

Zinserhöhung drückt Asiens Märkte

An den asiatischen Märkten hat die Zinserhöhung der US-Notenbank auf die Kurse gedrückt. Die großen Börsenindizes in Sydney, Seoul und Hongkong verlieren zwischen 0,6 und 1,3 Prozent, in Hongkong fällt der Hang-Seng-Index auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. In Tokio gibt der Nikkei um 0,4 Prozent nach auf 19.797 Punkte, gedrückt vom Yen, der nach der Zinserhöhung in den USA zeitweise auf den höchsten Stand seit fast zwei Monaten gestiegen ist.

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"Die Risikoaversion an den Märkten nimmt erst einmal zu", sagt ein Marktteilnehmer. Der Handel sei überrascht von dem recht "hawkischen" Ausblick der US-Notenbank. Die bleibt bei der Vorhersage von vier weiteren Zinserhöhungen bis Ende 2018. Lediglich für 2019 hat sie die Erwartung etwas heruntergenommen, da rechnet sie nun nur noch mit zwei statt mit drei Zinsschritten. Außerdem will die US-Notenbank bald mit der Normalisierung ihrer Bilanz beginnen. Diese ist durch die Anleihenkäufe der vergangenen Jahre stark aufgebläht worden.

Rohstoffe: Öl gibt nach

Die Ölpreise bauten ihre deutlichen Vortagesabgaben noch etwas aus. Die ohnehin schon bestehenden Sorgen hinsichtlich des herrschenden Überangebots bekamen am Mittwoch mit neuen Daten zusätzliche Nahrung. Zum US-Settlement fiel der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI um 0,6 Prozent auf 44,46 Dollar und damit den tiefsten Stand seit sieben Monaten. Für Brent-Öl ging es 0,2 Prozent auf 46,92 Dollar nach unten. Beide Kontrakte hatten am Vortag knapp 4 Prozent eingebüßt.

Der kräftig steigende Dollar hat den Goldpreis auf den tiefsten Stand seit rund drei Wochen geschickt. Die Aussicht auf einen unveränderten Zinspfad bei der US-Notenbank verhalf dem Greenback zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung. Zum US-Settlement fiel der Preis für die Feinunze um 1,7 Prozent auf 1255 Dollar und verzeichnete damit den deutlichsten Tagesverlust seit Dezember. Aber auch die Aussicht auf weiter steigende Zinsen drückte auf das Edelmetall, das keine Zinsen abwirft.

Devisen: Pfund legt nach Zinsentscheid zu

Der Kurs des Euro ist gibt am Nachmittag nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt den Referenzkurs auf 1,1166 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8956 (0,8926) Euro. Nach schwachen US-Inflationsdaten war der Euro am Mittwoch mit 1,1295 Dollar zunächst auf den höchsten Wert seit den kräftigen Kursverlusten im Anschluss an die US-Präsidentschaftswahlen geklettert.

Das Pfund reagiert mit kräftigen Aufschlägen auf die geldpolitische Entscheidung der Bank of England (BoE). Zwar wurde der Zinssatz wie erwartet bei 0,25 Prozent bestätigt. Allerdings fiel die Zustimmung zu der Entscheidung mit 5 zu 3 Stimmen sehr knapp aus.

Dies deutet auf eine sehr intensive Debatte innerhalb der BoE über die zukünftige Geldpolitik hin. Die Bank of England befindet sich in einer Zwickmühle. Einerseits zieht die Inflation an, andererseits neigt die britische Wirtschaft zur Schwäche und die Brexit-Risiken sind groß. Das Pfund steigt auf 1,2782 Dollar nach Ständen von 1,2700 Dollar vor der Entscheidung.

Quelle: n-tv.de

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