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Die gestiegene Volatilität könnte ein Signal für eine mögliche Jahresendrally sein.
Die gestiegene Volatilität könnte ein Signal für eine mögliche Jahresendrally sein.(Foto: dpa)

Trübes US-Konsumklima: China-Daten beflügeln Dax und Dow

Nach drei Verlusttagen im Dax und Hiobsbotschaften vom wichtigen Handelspartner China gibt es von dort aufmunternde Nachrichten. US-Daten heizen dafür die leidige Zinsdebatte wieder an.

Zum Wochenschluss ging es am deutschen Aktienmarkt deutlich nach oben: Der Dax legte 1,5 zu auf 10.580 Punkte. Damit notierte er auf dem gleichen Niveau wie Ende August.

Kräftigen Rückenwind gab es aus Asien. Positiv stimmte Anleger der erste Anstieg der Erzeugerpreise in China seit fast fünf Jahren. Am Donnerstag hatten die Aktienmärkte weltweit noch darunter gelitten, dass die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt um zehn Prozent eingebrochen sind. "Die Preisdaten im Reich der Mitte senden nun wieder Hoffnungszeichen", sagte LBBW-Analyst Uwe Streich.

Unterstützung für die Märkte kam auch von den zwischenzeitlich wieder erholten Ölpreisen sowie dem schwächeren Euro. Bremsklotz blieben hingegen die Spekulationen über eine baldige US-Zinserhöhung, die den Aktienmärkten seit Tagen zusetzen. Die Anleger gehen inzwischen mehrheitlich davon aus, dass die US-Notenbank in diesem Jahr einmal die Leitzinsen anhebt. Ein Indiz dafür lieferten die US-Erzeugerpreise, die im September stärker als erwartet stiegen.

Ansonsten standen die Bilanzen der US-Banken im Fokus. Die Rivalen der Deutschen Bank, JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo, öffneten ihre Bücher für das dritte Quartal - und zeigten damit, wie weit der deutsche Branchenprimus den US-Häusern hinterherläuft. Die Zahlen fielen allesamt besser aus als erwartet.

Die Deutsche Bank will ihre Quartalszahlen am 27. Oktober veröffentlichen. Analysten erwarten, dass das Geldhaus im Sommer vor und nach Steuern einen Verlust von rund 600 Millionen Euro gemacht hat. Die Aktie schloss am Freitag trotzdem 2,0 Prozent höher. Die Konzernführung will 9000 Stellen streichen, um das Geldhaus zu sanieren.

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Die laufende Quartalssaison habe mit den US-Banken ordentlich begonnen, vom Technologiesektor drohten angesichts zuvor gesenkter Erwartungen keine allzu schlimmen Überraschungen, sagte Daniel Saurenz von Feingold-Research n-tv.de. Die Saison könnte unspektakulär verlaufen und die hohen Bewertungen der US-Aktien aufgrund der historisch niedrigen Zinsen als gerechtfertigt angesehen werden.

Facebook, Apple, Google und Co. verfügten über funktionierende Geschäftsmodelle und dies honoriere der Markt, sagte Saurenz weiter. "Die Ampel für Investoren dreht womöglich bald von gelb auf grün", prognostizierte er. Die zuletzt gestiegene Volatilität sei ein gutes Signal hierfür. Ein Start der Jahresendrally sei jederzeit möglich, auch noch vor den Wahlen in den USA am 8. November.

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Zu den klaren Gewinnern gehörten auch die Versorger. Kurstreiber waren Entwürfe zum deutschen Atomkompromiss. Sie sehen vor, dass die vier Versorger 23,6 Milliarden Euro plus Zinsen zahlen sollen. "Das ist genau das, was bei den ersten Spekulationen darüber am Dienstag erhofft worden ist", sagte ein Händler. Vor allem werden die Versorger von der Suche nach einem Endlager freigestellt und können bequem in zehn Jahresraten zahlen. RWE stiegen 4,2 Prozent, Eon um 3,3 Prozent.

Der TecDax schaffte nur ein bescheidenes Plus von 0,3 Prozent. Der Technologiewerte-Index schloss bei 1776 Punkten. Hohe Verluste der Aktie der Software AG verhinderten größere Aufschläge.

Software AG brachen um über acht Prozent auf 33,80 Euro ein - das ist der tiefste Stand seit fast drei Monaten. Der nach SAP zweitgrößte deutsche Softwarekonzern verdiente im dritten Quartal deutlich weniger als vor einem Jahr.

Wall Street: Kauflaune kehrt spät zurück

Dank überraschend positiver Erzeuger- und Verbraucherpreise aus China verabschiedete sich die Wall Street mit leichten Gewinnen ins Wochenende. Die Daten dämpften die tags zuvor wieder angefachten Sorgen um die Wirtschaft des Riesenreiches. Zudem sorgten die US-Banken mit ihren Geschäftszahlen wieder für Optimismus.

Dank des Zuwachses von 0,2 Prozent konnte der Dow Jones Industrial seinen Wochenverlust auf rund ein halbes Prozent eindämmen. Nachdem der US-Leitindex tags zuvor erstmals seit vier Wochen wieder unter die Marke von 18 000 Punkten abgetaucht war, schloss er bei 18 138 Punkten. Der marktbreitere S&P-500 bewegte sich kaum und schloss bei 2133 Zählern. Er war am Donnerstag sogar zeitweise auf das niedrigste Niveau seit Juli gefallen. Der von Technologiewerten dominierte Nasdaq100 ging mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 4808 Stellen aus dem Handel.

Neue Konjunkturdaten fielen unterschiedlich aus. Die für das US-BIP immens wichtigen Einzelhandelsumsätze wiesen für September einen Anstieg um 0,6 Prozent aus. Das deckte sich mit der Konsensschätzung der Ökonomen, sorgte aber nach den schwachen Vormonatsdaten für Erleichterung. Einen Dämpfer gab es dagegen mit dem Michigan-Index zur Verbraucherstimmung, der lediglich bei 87,9 statt der erwarteten 91,8 hereinkam. Das war ein 13-Monatstief.

Vor der Startglocke hatten JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup ihre Quartalsausweise vorgelegt. Sie fielen zwar besser aus als erwartet, doch in der zweiten Tageshälfte nahmen die Anleger schon wieder Gewinne mit. JPM fielen um 0,3 Prozent, Wells Fargo um 0,1 Prozent und Citigroup stiegen nur noch um 0,3 Prozent. Einige Experten bemängelten, dass die Zahlen zwar ermutigend seien, doch nicht stark genug, um die branchenspezifischen Sorgen zu vertreiben. Denn das niedrige Zinsumfeld setzt den Instituten schwer zu. Bei Goldman Sachs, die erst am Dienstag berichten wird, stützte dagegen, dass die Bank einen Rechtsstreit gegen den libyschen Staatfonds gewonnen hat, der 2008 mit Goldman-Derivaten Verluste eingefahren hatte. Die Aktie gewann 1,9 Prozent.

Asien: China pusht die Märkte

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Die erfreulichen Konjunkturdaten aus China hatten zuvor bereits vielen asiatischen Märkten einen versöhnlichen Wochenausklang beschert. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,49 Prozent höher bei 16.856 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,36 Prozent auf 1347 Zähler.

Die meisten anderen asiatischen Börsen tendierten ebenfalls im grünen Bereich. Die Börsen in Hongkong und Schanghai zeigten sich allerdings weniger optimistisch.

Der Thai SET Indes kletterte nach dem Tod von König Bhumibol um 3,8 Prozent. Damit machte er den Großteil des bisherigen Wochenverlusts wieder wett. Bis Donnerstag hatte die Börse mehr als sechs Prozent verloren. Zwar seien die Befürchtungen vor politischen Unruhen keineswegs aus der Welt. Analysten erwarten aber kurzfristig keine Instabilität. "Die Leute befinden sich derzeit in tiefer Trauer", erklärt Prinn Panitchpakdi vom Broker CLSA. 

Neben den starken Erzeugerpreisdaten gab es zudem noch weitere positive Signale aus China: Auch die Verbraucherpreise fielen mit einem Plus von 1,9 Prozent besser aus als von Ökonomen erwartet. Rückenwind kam zudem von höheren Kohle- und Metallpreisen.

Rohstoffe: Gemischte Ölpreise

Die Ölpreise präsentierten sich uneinheitlich. Ein Barrel Brent zur Lieferung im Dezember kostete zuletzt 51,91 US-Dollar, damit war es 0,2 Prozent billiger. Der Preis für ein Fass WTI zog dagegen 0,3 Prozent an auf 50,58 Dollar.

Händler warnen, dass das weltweite Überangebot an Öl auf absehbare Zeit das bestimmende Thema am Markt bleiben wird. Russland hat im September so viel Öl gefördert wie noch nie seit dem Ende der Sowjetunion. Und die Opec wird erst Ende November wieder über die geplante Fördermengenbegrenzung beraten. Selbst wenn es zu Begrenzung käme, dürfte es Monate dauern, bis sich diese am Markt in einem ausgewogenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage oder gar einer Verknappung niederschlagen werde, sagt ein Marktteilnehmer.

Beim Gold ist die kurze Erholungsphase schon wieder vorbei. Auf dem Edelmetall lastet der festere Dollar. Die Feinunze ermäßigte sich um 0,6 Prozent auf 1.252 Dollar.

Devisen: Dollar rauf, Euro runter

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Auch am Devisenmarkt verfestigt sich die Meinung, dass die nächste Zinserhöhung der US-Notenbank nicht mehr lange auf sich warten lässt. Davon profitierte der Dollar. Für einen Euro wurden nur noch knapp über 1,10 Dollar gezahlt, im Tageshoch waren es fast 1,1060 Dollar.

Der Aktienmarkt honorierte das, weil dadurch Waren von europäischen Firmen im Welthandel günstiger werden und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigt.

Nachdem schwache August-Daten für den britischen Bausektor veröffentlicht wurden, fiel auch das britische Pfund zurück. Auf der Währung lastet eine Erhebung der Bank of England zur Kreditvergabe in Großbritannien. Demnach wurden im dritten Quartal deutlich weniger Kredite für den Kauf von Wohnimmobilien vergeben. Die Kreditnachfrage sowohl kleiner als auch mittlerer und großer Unternehmen ging in den drei Monaten bis Mitte September Zeitraum ebenfalls merklich zurück. Das Pfund sank in einer ersten Reaktion auf 1,2194 US-Dollar und erholt sich aktuell auf 1,22 Dollar. Vor der Veröffentlichung der Daten hatte es bei etwa 1,2215 Dollar gestanden. Der Euro steigt auf 0,9033 von 0,9019 Pfund.

Quelle: n-tv.de

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